Er trägt keine Glitzeranzüge und hat auch keine Million zu vergeben – und doch gibt es immer wieder diesen Moment, in dem sich der Professor Kai-Uwe Schnapp in einen Showmaster verwandelt. Schnapp lehrt an der Uni Hamburg Methoden der Politikwissenschaft. Um herauszufinden, ob die Studenten den Stoff seiner Vorlesung verstanden haben, nutzt er seit Kurzem die Technik einer Quizshow. Für rund 10.000 Euro aus Studiengebühren hat er in Amerika 300 sogenannte Clicker gekauft: kleine Geräte, die aussehen wie Fernbedienungen, ganz ähnlich wie die, die das Publikum der Sendung Wer wird Millionär beim Publikumsjoker benutzt.

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Wenn Schnapp jetzt seine Vorlesungen zur Statistik oder zu qualitativen Methoden hält, stellt er immer mal wieder eine Frage in den Saal. Zum Beispiel: »Welche Aussage stellt eine operationale Definition von Xenophobie dar?« Es gibt vier Antwortmöglichkeiten. Die Studenten haben ein paar Minuten Zeit, um nachzudenken und sich zu beraten. Per Funk übermitteln die Clicker dann die Antworten an den Empfänger. Eine Software wertet das Ergebnis sekundenschnell aus, und schließlich erscheint die prozentuale Verteilung der Antworten in Schnapps PowerPoint-Präsentation.

Die Vorteile liegen für den Prof auf der Hand: »Wenn ich auf herkömmliche Art eine Frage stelle, meldet sich nur ein Bruchteil der Studenten. Die meisten haben Angst, vor mir oder den Kommilitonen etwas Falsches zu sagen«, sagt Schnapp. So würde er erst in der Klausur am Ende des Semesters merken, ob der Stoff verstanden wurde. Das Clicker-System funktioniert anonym; haben zu viele Studenten eine falsche Antwort gegeben, kann der Professor den Stoff noch einmal anders erklären. An amerikanischen Universitäten werden bereits seit Jahren Clicker eingesetzt. Vielleicht macht die Quizvorlesung jetzt auch in Deutschland Schule.

Zwei von Schnapps Kollegen sind bereits interessiert. Und die Studenten finden sie ohnehin großartig. Zum Beispiel Louisa Escher: »Die Themen, zu denen es Fragen gab, habe ich viel besser behalten.«