Da sitzt ein Student vor mir und fragt: »Würden Sie mir raten, erst einmal die Vertiefungsfächer mit Zusatzqualifikation zu belegen oder die drei Grundmodule A, B und D?« Und ich weiß die Antwort nicht. Wie konnte es so weit kommen?

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In der goldenen Zeit der Universität schritten die Professoren stolz zwischen den Studenten umher und strichen jedem über den Kopf. Ihre Schützlinge trugen Hornbrillen wie die Professoren und wollten selber welche werden. Dann brach in den Siebzigern mit der Massen-Uni die silberne Zeit an. Doch auch den wilden Horden verpassten die Profs den akademischen Guss, obwohl nur noch ein kleiner Teil der Absolventen eine Laufbahn in der Wissenschaft starten konnte. Die Bedürfnisse der anderen aber galten nichts.

Mit Bologna begann die eherne Zeit: Wir Professoren sollen jetzt Ausbilder sein. Nicht unsere Wissenschaft zählt, sondern unser Know-how. Module sollen sich als Qualifikatiönchen im Lebenslauf niederschlagen. Wir Relikte aus der präbolognesischen Ära haben nun zwei Optionen: Entweder wir betreiben Etikettenschwindel und tun unter neuem Namen Altes. Oder wir werden Modul-Mogule. Aber was rät man den Studis, wenn man ahnungslos ist? «Fragen Sie Ihre Kommilitonen. Die wissen Bescheid!«

Professor Fritz Breithaupt, 43, erklärt in ZEIT CAMPUS regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University in Bloomington, USA.