Studenten hetzen durch ihr Studium. Dabei ist den meisten Unternehmen ziemlich egal, wie lange sie brauchen. Warum sich alle mal entspannen können.

Dass sich Studenten in Deutschland manchmal ziemlich lahm vorkommen, daran ist zum Beispiel Felix Schmid schuld, ein 20 Jahre alter Student aus Mannheim. Auf den ersten Blick entspricht Schmid eher dem Durchschnitt: Er ist einen Meter und 83 Zentimeter groß, er trägt gerne braune Kordhosen in Kombination mit grünen Wollpullis, er wiegt 77 Kilogramm und hat um Kinn und Oberlippe einen Bart, der ein bisschen aussieht wie der von Heinrich dem Vierten. Das Bemerkenswerte an Felix Schmid ist aber nicht sein Aussehen, sondern seine Semesterzahl.

Schmid hat das gesamte Bachelorstudium in den Fächern Geschichte und Volkswirtschaftslehre – bis auf die Bachelorarbeit– in weniger als drei Semestern durchgezogen. Drei Semester, das sind 56 Leistungspunkte pro Halbjahr, das ist mehr als das Doppelte von dem, was Studenten im Durchschnitt schaffen. Wenn die Kommilitonen aus Schmids Jahrgang in zwei Jahren über das Thema ihrer Bachelorarbeit nachdenken, sitzt Schmid wahrscheinlich schon am Konzept für seine Masterarbeit, mit 22 Jahren. Oder er hat sie dann schon fertig geschrieben, das würde in Mannheim auch niemanden wundern.

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Für Studenten, die im achten Semester noch nicht alle Credit Points zusammenhaben, wiegt die Existenz von Schmid wie ein 1,83 Meter großes, 77 Kilogramm schweres schlechtes Gewissen. Wie die Fleischwerdung all jener Stimmen aus Politik und Wirtschaft, die den Studenten immer sagen, sie seien zu lahm und zu alt. Und es steht die Frage im Raum, ob man über Schmid als Vorbild sprechen sollte oder als abschreckendes Beispiel, je nachdem, ob man mit ihm tauschen möchte oder nicht.

 Im letzten Semester hat Schmid zehn Klausuren geschrieben, sein Plan war so eng, dass er manche Klausuren früher abgeben musste, um zur nächsten Klausur pünktlich zu sein. Im ersten Semester hatte Schmid 26 Semesterwochenstunden, im zweiten waren es 30, im dritten 24. Dienstage sind die schlimmsten Tage, da ist er von 8 Uhr morgens bis 21 Uhr abends an der Uni, ein Seminar folgt dem anderen, ohne Pause. Danach fällt er todmüde ins Bett. "Dienstags brauche ich eine gewisse Beißfähigkeit", sagt er. Über Schmid kann man sagen, dass das Larifari-Leben, das manche den Studenten unterstellen, bei ihm definitiv nicht stattfindet.

Die Frage ist nur, was er am Ende von seinem schnellen Abschluss hat.

"Ich kann dann früher mein Masterstudium beginnen", sagt er. Das stimmt – und dann? "Dann kann ich noch einen zweiten Master machen", sagt er. Ja und dann? "Dann die Promotion, oder mal sehen", sagt er. Das Interessante an Felix Schmid ist nicht die Frage, ob sein persönlicher Werdegang der Richtige ist, sondern warum es so viele Studenten gibt, die gerne genauso wären wie er, nämlich schneller als der Durchschnitt.