Geisteswissenschaftler arbeiten nur in der Kultur, den Medien und an Hochschulen!

Die Hälfte der Absolventen ist immer noch in den klassischen geisteswissenschaftlichen Bereichen beschäftigt. Seit einigen Jahren erkennen aber auch Unternehmen in der privaten Wirtschaft die Qualitäten der Geisteswissenschaftler, erklärt der Absolventenforscher Kolja Briedis vom Hochschul-Informations-System (HIS). Querdenker sind gefragt. Dieser Trend hat sich schon vor der Wirtschaftskrise abgezeichnet und setzt sich nun weiter fort. Überall, wo es um Kommunikation, Kreativität und Management geht, haben Geisteswissenschaftler Perspektiven. Filmwissenschaftler arbeiten so beispielsweise im Marketing oder Historiker in der Beratung.

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Die Inhalte im Studium sind egal. Geisteswissenschaftler qualifizieren sich außerhalb!

Tatsächlich steht die reine Abschlussnote in keinem Zusammenhang zu den Berufschancen, wie die Statistikerinnen Caroll Haak und Anika Rasner aus der Forschungsabteilung der Deutschen Rentenversicherung herausgefunden haben. Entscheidend ist das individuelle Profil, also das Zusammenspiel aus Studieninhalten, Kompetenzen und Praktika. Aus der Biografie sollten klare Schwerpunkte und Ziele hervorgehen.

Geisteswissenschaftler sind die typischen arbeitslosen Akademiker!

»Verlierer auf dem Arbeitsmarkt sind die gering Qualifizierten, nicht die Akademiker«, sagt der Soziologe Jan-Paul Heisig vom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung. Dennoch: Die Arbeitslosenquote von Geisteswissenschaftlern ist etwa doppelt so hoch wie bei Absolventen anderer Fachrichtungen – trotzdem liegt sie nur bei circa fünf Prozent. Wer im ersten Jahr nach dem Abschluss keinen festen Job findet, kann aber entspannt bleiben. Denn nur rund die Hälfte der Absolventen findet gleich eine Festanstellung. Weitere 10 bis 20 Prozent arbeiten in dieser Zeit mit befristeten Werkverträgen. Nach zwei bis drei Jahren sieht es erheblich besser aus. Gut 80 Prozent sind dann fest angestellt.

Bis in die Führungsetagen schaffen es nur Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure!

Wer in der Privatwirtschaft bis in die Chefetage aufsteigen möchte, sollte auch wirtschaftliche Vorgänge verstehen, sagt Kolja Briedis vom HIS. Hier bieten sich ein Master mit Wirtschaftsanteil oder eine Weiterbildung an. In den Führungsebenen sind dann die Qualitäten der Geisteswissenschaftler gefragt, da dort vor allem Personalleitung und Organisation wichtig sind.

Geht es der Wirtschaft schlecht, werden Geisteswissenschaftler als Erste entlassen!

Ja, das werden sie. Wenn abgebaut wird, sind Geisteswissenschaftler oft als Erste betroffen. »Aber jetzt im Aufschwung haben sie besonders gute Chancen, weil Firmen über ihr Fach hinaus suchen«, sagt Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin der Agentur für Arbeit. »Die Lage wird sich in diesem Jahr noch einmal sichtlich verbessern.«