BachelorstudiumFast Food dank Bologna

Im Bachelorstudium muss alles schneller gehen – auch das Essen

Dass der Bachelor den Studenten auf den Magen schlägt, wurde bislang nur im übertragenen Sinne verstanden: Mammutklausuren, Pflichtkurse, Anwesenheitszwang. Mittlerweile verdirbt die Studienreform den Appetit auch ganz unmittelbar. Weil die Stundenpläne vollgequetscht sind, müssen alle in denselben 45 Minuten in der Mensa anstehen und das Essen in Rekordzeit herunterschlingen. Chaos ist programmiert: 2500 bis 4000 Studenten drängen sich jede Mittagspause etwa in der Mensa der RWTH Aachen. »Bis man sein Essen hat, vergeht locker eine halbe Stunde, das ist echt nervig«, sagt Simon Heinen, 27, Promotionsstudent in Maschinenbau. Zum Essen bleiben zehn Minuten, dann müssen alle zurück in den Hörsaal.

ZEIT Campus 2/2011
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Statt die Stundenpläne zu verschlanken, will die Uni Aachen die Studenten lieber mit einem »Fast-Track« abspeisen. Mensabesucher sollen ab 2013 per Chipkarte bezahlen und am Fließband einen bereits gefüllten Teller in Empfang nehmen. Auswählen kann man auf der Schnellspur nicht. »Vegetarier müssen in den traditionellen Bereich gehen und sich da etwas aussuchen«, erklärt Walter Meurer vom Aachener Studentenwerk.

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Die Fließbandspeisung ist im Kommen. Die Mensa der Ruhr-Universität Bochum bietet denen, die von Seminar zu Seminar hetzen müssen, ein »Sprintergericht« an. In Freiburg und in Leipzig gibt es einen »Schnellen Teller«. In Trier denkt man über eine »hin&weg«-Theke nach. Gemütliche Mittagspausen wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Die Aachener sind froh, überhaupt alle Studenten satt zu kriegen. Ab 2013 beginnt der Doppelabiturjahrgang mit dem Studium, außerdem fällt der Zivil- und Wehrdienst weg. Dann wird es beim Mittagessen noch voller.

 
Leserkommentare
  1. Wir haben damals zwei Stunden in der Mensa verbracht und nach dem Essen über unser Studienthema gesprochen, was dann reibungslos in die Kaffeepause und die Lerngruppe überging.
    Was ich mit dieser Anekdote sagen will ist, dass zum Studierenden auch eine anständige Studienkultur gehört. Das hat nichts mit Faulenzen zu tun, sonder damit sich selbst und mit anderen mit dem Stoff zu beschäftigen - und Frontalunterricht ist nicht wirklich "beschäftigen". Man bekommt den Eindruck, als sollen unsere Unis nur noch schnell billige Arbeitsdrohnen und keine denkenden Menschen produzieren.
    Aber die "Gleichschaltung" der Mensa ist eher das Ende denn der Anfang des Niedergangs unserer Universitätskultur.

    7 Leserempfehlungen
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    "Man bekommt den Eindruck, als sollen unsere Unis nur noch schnell billige Arbeitsdrohnen und keine denkenden Menschen produzieren."
    Nein, das ist kein Eindruck. Das ist die Absicht hinter dem Bologna-Prozess. Ausbildung statt Bildung. Die real existierenden Verwaltungsfaschist in Brüssel haben das so im Namen ihrer Herren entschieden. Und diese Herren sind nicht eir.

    • Insane
    • 25.03.2011 um 10:12 Uhr

    ich finde es wirklich lächerlich.
    Ich habe erwartet das wenn ich beginne zu studieren ich auch viel Unikultur mitbekommen kann.

    Stattdessen ist es wie beschrieben. Keine Zeit zum essen, keine Zeit Kontakte zu knüpfen und auch sonst für nichts. Warum? Na wie denn auch wenn von 8-18 Uhr sich Vorlesungen und Tutorien aneinanderreihen.

    Freitags habe ich nicht mal zeit für die Mensa gehabt, sprich Hungerleiden.

    "Man bekommt den Eindruck, als sollen unsere Unis nur noch schnell billige Arbeitsdrohnen und keine denkenden Menschen produzieren."
    Nein, das ist kein Eindruck. Das ist die Absicht hinter dem Bologna-Prozess. Ausbildung statt Bildung. Die real existierenden Verwaltungsfaschist in Brüssel haben das so im Namen ihrer Herren entschieden. Und diese Herren sind nicht eir.

    • Insane
    • 25.03.2011 um 10:12 Uhr

    ich finde es wirklich lächerlich.
    Ich habe erwartet das wenn ich beginne zu studieren ich auch viel Unikultur mitbekommen kann.

    Stattdessen ist es wie beschrieben. Keine Zeit zum essen, keine Zeit Kontakte zu knüpfen und auch sonst für nichts. Warum? Na wie denn auch wenn von 8-18 Uhr sich Vorlesungen und Tutorien aneinanderreihen.

    Freitags habe ich nicht mal zeit für die Mensa gehabt, sprich Hungerleiden.

    • LaFata
    • 18.03.2011 um 13:46 Uhr

    Achso? das ist nicht schon immer so gewesen?

    An meiner Uni ist das seit Jahren Mittagspausen-Alltag:

    - die Mensa im Institut bietet ganze 30 Sitzplätze für 3000 Studenten an - keine Chance. Und wenn doch darf man nur 10 min sitzen bleiben.

    - in der einen Zentralmensa gibt es schon immer nur Teller vom Fließband

    - In der anderen Zentralmensa muss man so lange anstehen, dass es sich erst gar nicht lohnt, überhaupt hin zu gehen.

    Jeder Take Away Imbiss ist mittlerweile sowieso billiger.

  2. "Die Studenten müssen nur noch ein Fach studieren, bekommen einen fertigen Stundenplan und Rund-um-die-Uhr-Betreuung."

    Ist das in Leipzig so? Bei mir nämlich nicht...

    Das soll nicht heißen, dass ich mit meinem BA Studiengang nicht zufrieden wäre. Einfach nur Neugierde...

  3. .... nicht das Studium! Wer ist denn bitte noch so verrückt, sich diesen Fraß mittags anzutun. Vorallem da der Körper zwei Stunden danach immer noch mit der Entgiftung beschäftigt ist und man nicht denken kann und das ist doch das eigentlich wichtige in der Uni. Deswegen morgens schnell ein Brot für mittags schmieren, dann kann man die Mittagspause auch vernünftig zum Arbeiten nutzen und abends was gescheites selber kochen.
    Nebenbei bemerkt: Ich weiß ja nicht an welchen Uni Zeit alles geguckt hat, aber bei uns sinds im Bachelor meistens 2 Stunden Mittagspause und Anwesenheitspflicht hab ich in keinem Fach! (und ja ich studiere gerne auf Bachelor!)

    Eine Leserempfehlung
    • LaFata
    • 18.03.2011 um 15:13 Uhr

    zwischen den einzelnen Unis und die Unvergleichbarkeit der Studengänge.

    Die Magister, die ich kenne sind maximal drei Tage in der Woche in der Uni, können sich sogenannte "Pipifx"-Seminare aussuchen und können Lerntagebücher schreiben die als Hausarbeit gewertet werden.

    Und BA = Studium auf dem Slibertablett?
    Nie, niemals!
    Wir haben vollständige Anwesenheitspflicht, immer geprüft.
    Habe Haupt und Nebenfach (in letzterem Besuche muss ich allerdings die Hälfte der Hauptsudiumsveranstaltungen besuchen).
    Rund um die Uhr Betreuung? Also, wenn man darunter versteht, dass man auf eine Antwort 14 Tage warten muss...

    Schön, wenn Das in Leipzig so ist. Sonst wohl fast nirgends.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Besser als ihr Ruf"
  4. diese Lobhudelei bzgl. des Ba.
    Sämtliche angeblichen Vorteile können auch als Nachteil ausgelegt werden: Studium auf dem Silbertablett - genau das ist das Problem. Dabei wird meist gern übersehen, das der Einheitsbrei, der einem serviert wird, für Betrachtungen abseits des mein-stream keine Zeit läßt. Inzwischen wird sowas auch kaum noch gewünscht bzw. sofort gefragt, wieviele Credits sowas denn einbringt - die Ausbildung ist perfekt für Minimalisten und Rationalisten geeignet.
    Im Prinzip verhält es sich mit dem Ba so wie mit einer Kritik an dem englischen Essen, veröffentlicht in einem offiziellen Reiseführer: das englische Essen ist nicht so schlecht wie sein Ruf, es ist schlechter.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Besser als ihr Ruf"
  5. Bei uns ist genau die Anwesenheitspflicht verbunden mit der Studienplanung eine mittlere Katastrophe. Studenten werden wenig bis gar nicht informiert wie man denn jetzt seinen Stundenplan zusammenstellt usw. usf. Nur mein Beispiel Politikwissenschaften (mittlerweile gewechselt):

    Zuerst erfährt man im Grundkurs, man müsse sich einen Reader beschaffen. Welchen Reader? Ja den von dem ihr in der Vorlesung erfahren habt. (Zur Info: Ich hatte währenddessen einen anderen Pflichtkurs aus dem Kernfach).
    Wäre das nicht genug kommt noch hinzu, dass ich am Ende des Semesters einen Test nachschreiben musste, da ich ja nie in der Vorlesung saß die aber wohl verpflichtend ist.
    Und so geht es nicht nur mir, so geht es sehr vielen Studenten. Die normale Situation ist, dass Studenten wie Dozenten oftmals mit den Anforderungen schlichtweg völlig überfordert sind.

    Was das Essen betrifft: Bei uns in der Mensa gibt es das auch, aber es gibt mehr als genügend Vielfalt so dass man es sich aussuchen kann. Ich weiß nicht, was das nun mit Bachelor oder Master zu tun hat, aber als meine Mutter schon studierte war die Mensa bis auf die elektronische Ausstattung nicht sehr viel anders.

    Antwort auf "Besser als ihr Ruf"

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