ZEIT CAMPUS: Herr Klos, warum sind Ihre Bilder eigentlich so hell und so verschwommen?

Timo Klos: Ich habe ganz besondere Momente mit meiner Freundin fotografiert und die Bilder immer so lange belichtet, wie diese Momente dauerten. Je länger man ein Foto belichtet, desto mehr Licht trifft auf den Film, umso heller wird das Bild. Weil sich alles weiterbewegt in dieser Zeit, verschwimmen die Motive. So möchte ich die Kostbarkeit des Augenblicks zeigen.

ZEIT CAMPUS: Es geht also um Vergänglichkeit.

Klos: Ja, ich habe versucht, das festzuhalten, was man nicht festhalten kann: Situationen, die vergehen. Je länger man im Leben an Vergänglichem festhält, desto mehr tut es weh, wenn man es verliert. Beim Fotografieren ist es ähnlich: Je länger man belichtet, desto stärker verschwimmt alles, und desto weniger hat man am Ende davon. Das ist das Paradoxe.

ZEIT CAMPUS: Was waren das für Situationen, die Sie fotografiert haben?

Klos: Es waren die letzten Tage mit meiner Freundin, bevor wir uns voneinander verabschieden mussten. Ich habe zwei Semester an der Kunstakademie in Helsinki studiert und sie dort kennengelernt.

ZEIT CAMPUS: Sind Sie heute noch zusammen?

Klos: Nein, nach zehn Monaten musste ich wieder nach Deutschland. Sie kommt aus Israel und musste dorthin zurück. Wir haben uns noch einmal gesehen, aber wir wollten die Beziehung nicht über die Entfernung aufrechterhalten.

ZEIT CAMPUS: Sind das also Erinnerungsbilder?

Klos: Ja, ich habe das Gefühl, sie entsprechen immer mehr den Erinnerungen, die ich jetzt an diese Zeit habe. Kurz nachdem man sich verabschiedet, hat man noch deutliche Bilder im Kopf, aber die verlieren mit der Zeit ihre klaren Konturen und sind am Ende nur noch verschwommene Momente.

ZEIT CAMPUS: Das klingt traurig.

Klos: Ohne diesen Abschied wäre die Serie aber nicht entstanden. Wenn wir nicht in verschiedenen Ländern wohnen würden, hätten wir uns nicht verabschieden müssen, und ich hätte uns nicht fotografiert.

ZEIT CAMPUS: Was bedeutet der Name der Serie: »Orr«?

Klos: So heißt meine Exfreundin. Das ist hebräisch und bedeutet auf Deutsch »Licht«.

ZEIT CAMPUS: Hat die Kamera nicht manchmal gestört?

Klos: Nein, nach dem Aufstellen und Einrichten vergisst man sie schnell. Man ist ja abgelenkt, wenn man zum Beispiel über 90 Minuten einen Film schaut. Ich wollte, dass wir uns ganz normal verhalten und bewegen. Beim ersten Bild haben wir geschlafen, da haben wir die Kamera gar nicht wahrgenommen. Man schläft ein und wacht auf, und währenddessen ist ein Bild entstanden. Die Kamera hatte also wenig Einfluss auf unser Handeln.