Akademische Laufbahn Für immer forschen

Ewig schlauer werden und der Welt zu wichtigen Erkenntnissen verhelfen – klingt gut, aber wie geht eine akademische Laufbahn?

Wie steigt man ein?

Nach dem Studium und der Promotion folgt die Postdoc-Phase, in der man lehrt, forscht und möglichst mit Publikationen in akademischen Fachzeitschriften auf sich aufmerksam macht. Der nächste Schritt auf dem Weg zur Professur ist gewöhnlich die Habilitation. In manchen Fächern zählt auch die Praxis: In den Ingenieurwissenschaften etwa komme es auch auf Erfahrungen in Forschung und Entwicklung in Unternehmen an, sagt Susanne Schilden von der Hochschulrektorenkonferenz.

Wer sind die Arbeitgeber?

Neben Universitäten und Fachhochschulen gibt es wissenschaftliche Einrichtungen wie die Max-Planck-Institute, die Fraunhofer-Institute und die Helmholtz-Zentren. In den 80 Instituten und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft arbeiten etwa 20.000 Menschen, bei der Fraunhofer-Gesellschaft rund 18.000 und in den 17 Helmholtz-Zentren um die 31.000.

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ZEIT Campus 4/2011

Die Max-Planck-Institute konzentrieren sich vor allem auf Grundlagenforschung. Dazu laden sie die besten Wissenschaftler der Welt an ihre Institute ein und lassen ihnen viel Freiheit bei der Arbeit. Die Fraunhofer-Institute forschen anwendungsorientiert – die Mitarbeiter entwickeln in erster Linie technische Erfindungen, die man praktisch nutzen kann. Dabei kommt der Impuls oft nicht von den Wissenschaftlern selbst, sondern von Unternehmen. So finanziert sich die Fraunhofer-Gesellschaft zu zwei Dritteln über solche Aufträge selbst, zu einem Drittel wird sie öffentlich gefördert. Und die Helmholtz-Gemeinschaft versteht sich als Einrichtung, die im Dienst der Gesellschaft neue Erkenntnisse ermöglicht, etwa bei Gesundheit, Klimaforschung oder Astrophysik. Die Helmholtz-Zentren haben mehr Geld zur Verfügung als die Universitäten. So können sie sehr aufwendige Untersuchungen angehen – in Langzeitstudien mehr über Krebs herausfinden oder einen Ionenbeschleuniger entwickeln, der erst nach zehn Jahren Vorbereitung in Betrieb geht.

In den Fraunhofer-Instituten und den Helmholtz-Zentren arbeiten fast ausschließlich Ingenieure und Naturwissenschaftler. Auch bei der Max-Planck-Gesellschaft sind Geisteswissenschaftler eher Exoten, einige Nischen gibt es aber für sie, zum Beispiel am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle/Saale. Besser vertreten sind Geisteswissenschaftler bei den Akademien der Wissenschaften.

Für Absolventen bieten sowohl die Forschungseinrichtungen als auch Unternehmen Promotionsstellen an. Wer sich dafür interessiert, muss sich entscheiden: Will ich aus Leidenschaft über mein Lieblingsthema schreiben? Dann wäre eine Stelle an einem Max-Planck-Institut oder Helmholtz-Zentrum ideal – hier werden allerdings nur wenige nach der Promotion weiterbeschäftigt. Oder will ich eine gesicherte Zukunft? Dann eignet sich eine Stelle bei einem Unternehmen. Hier bekommen Doktoranden zwar ein Thema vorgegeben, haben dafür aber gute Chancen auf eine Festanstellung.

Leser-Kommentare
  1. Ich bin ja schon ne Weile aus dem Unibetrieb.

    Aber für die Frauenquotenfrage, ein paar Vorschläge von weniger männerdiskriminierendem Charakter:
    - Die Professorenzahlen von heute mit den Studentenzahlen von vor 20 Jahren vergleichen.
    - Den Faktor "Familienfeindlichkeit" besonders am Ende der Altersphase des gebärfähigen Alters im Zusammenhang mit den befristeten Stellen einkalkulieren.

    Ansonsten ist das natürlich eine tolle Ausrede für mieserable Arbeitsbedingungen, die wohl nur Männer blöd genug sind zu akzeptieren.

  2. Max Planck, Fraunhofer und Helmholtz nennt der Autor, die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL), hervorgegangen aus der sog. blauen Liste, vergisst der Autor.
    In deren 87 Einrichtungen arbeiten ebensoviele Mitarbeiter wie in den anderen Wissenschaftsgesellschaften, nämlich 16.800 an der Zahl, knapp die Hälfte davon Wissenschaftler.

    Vielleicht sollte der Autor aufmerksamer die Zeitung lesen, verwehrte eine Stellungnahme des Präsidenten der WGL Frau Koch-Mehrin den Zugang zum EU-Foschungsausschuss (freilich in der Funktion des Sprechers der Allianz der Wissenschaftsgesellschaften).

    • tiggr
    • 27.06.2011 um 16:21 Uhr

    in vielen Fällen ist es auch einfach nicht möglich mehr als eine halbe Stelle zu zahlen weil kein Geld da ist. Ich beispielsweise promoviere derzeit auf einer 50%-Stelle und bin hauptsächlich mit der Beschaffung neuer Gelder für meine eigene Weiterbeschäftigung beschäftigt. Andere meiner Kollegen haben teilweise weit über ein Jahr komplett ohne Gehalt gearbeitet!

    Zum Thema Frauen in der Wissenschaft (zu denen ich zähle): die Arbeitsbedinungen sind wie weiter oben schon erwähnt nicht ideal, man ist fast immer nur befristet tätig. Spielt man mit dem Gedanken eine Familie zu gründen ist man bezogen auf die derzeitgen Wertvorstellungen der Gesellschaft besser daran sich nach dem Studium einen guten Job in der Industrie zu besorgen. Kann man hingegen eine Professorenstelle ergattern ist man bezüglich Flexibilität fein raus - allerdings dann als Frau meist schon an der Altersgrenze was die Gründung einer Familie betrifft.

    So schlimm es für den einzelnen mit Sicherheit ist, die Befristung von Verträgen in der Wissenschaft hat nicht nur Nachteile: man kann sich so weniger auf seinen Lorbeeren ausruhen!

    Antwort auf "Doktoranden"
    • bayert
    • 27.06.2011 um 16:33 Uhr

    ich nehme mehrmals pro Jahr an Berufungskommissionen teil. In vielen technischen Fächern bewirbt sich keine einzige Frau!

    Antwort auf "Frauenanteil"
  3. Ich arbeite an einem Max-Planck-Institut, da ist kaum noch ein Doktorand angestellt. Dafür bekommen viele Leute jederzeit kündbare "Stipendien", deren Höhe nicht der TVÖD entspricht. Hinzu kommt, dass man sich privat versichern muss. Soviel also zum finanziellen Anreiz bei Max Planck zu arbeiten.

    In Dresden haben sie sogar kürzlich die Stipendien von 70 % auf 65 % der Tarifgruppe 13 gekürzt. Und das bei steigenden Lebenshaltungskosten. Gut, 65 % sind immer noch besser als 13/2 wie an den Unis, aber wo leben wir eigentlich?

    Soll sich Leistung hier noch lohnen, oder was?

    • Gwerke
    • 27.06.2011 um 17:36 Uhr

    Wenn ich das hier so lese, sowohl im Artikel wie auch in den Kommentaren, wird anscheinend unterstellt, dass Männer mit Familie nichts zu tun haben. Das ist klar diskriminierend, sind bei der Zeugung i.d.R. noch Beide beteiligt. Für Wissenschaftler gab es das Befristungsunwesen schon vor 20 Jahren. Ich bin seinerzeit bei Helmholtz gleich nach der Promotion mit Dauervertrag eingestiegen, weil ich klar stellte: Dauervertrag oder gar nichts. Ich wollte schließlich Famililie gründen.

    Heute läuft da nichts mehr. Wer sich bei der GEW genauer zum Thema erkundigen möchte, schaue bitte dort:
    http://www.gew.de/Templin...

    Zur Praxis im Umgang mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz, mit dem sich der Staat als Arbeitgeber ein Mittel zur "ewigen" Befristung im Wissenschaftsbereich schuf, gab es kürzlich einen Beitrag von Monitor (WDR):
    http://www.wdr.de/tv/moni...

    Gruß, Wolfgang

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