Jeder Beruf schließt auch eine gesellige Welt mit ein – die naheliegenderweise vor allem von Kollegen bevölkert wird. Das kann ein Problem sein , zum Beispiel für Journalisten, die recht weltfremd werden können, wenn sie sich nur mit ihresgleichen beraten. Es muss kein Problem sein für Anwälte, da Juristen sowieso, nach allgemein bekannter Klage, immer nur über die Juristerei reden, selbst wenn sie sich zum Streichquartettspiel verabredet haben.

Indes – gibt es überhaupt noch Anwälte, Mediziner oder gar Unternehmensberater, die Kammermusik machen oder auch nur Leidenschaft für eine Beschäftigung empfinden, die für die Karriere nichts bedeutet? Damit ist, wohlgemerkt, weder Golf noch Tennis oder die Freizeitjägerei auf Großwild gemeint, da auch diese eher der Image- und Kontaktpflege dienen .

Tatsächlich ist zu beobachten, dass all die Aktivitäten, die viel Zeit verschlingen (ohne diese in geldwerten Vorteil zu verwandeln), außer Kurs geraten und mit ihnen auch der Verkehr mit Menschen, die für den Beruf nichts bedeuten. Das alles gilt als fehlinvestierte Aufmerksamkeit.

Für die Arbeitswelt aber bedeutet es nichts Gutes, dass sie sich zur Alleinherrscherin aufgeschwungen hat; sie wird von Menschen bevölkert, deren Ideal der Fachidiot geworden ist.

Jens Jessen ist Feuilleton-Chef der ZEIT. Lesen Sie weitere Folgen aus Jens Jessens Kolumne unterwww.zeit.de/campus/jessen .