Konkurrenzdruck an der Uni Was hast du, was ich nicht habe?
Wer immer schaut, was andere besser machen, wird irgendwann verrückt. Wie man dem Konkurrenzdruck entkommt
© Vladimir Rys/Getty Images

Leider kann nur einer auf dem obersten Treppchen stehen - Konkurrenz kann zu Spitzenleisungen führen oder Stress auslösen.
Dass Kommilitonen manchmal zum Fürchten sind, das hat Theresia Oberhaus, 23, das letzte Mal in einem Berliner Bus gespürt. Es ist ein entspannter Morgen im schönsten Frühjahr, als sie friedlich am Fensterplatz sitzt und durch die Scheiben ihre Kommilitonin Lara* an der Haltestelle stehen sieht. Theresia flüstert ein leises »O Gott«, steht ruckartig auf, setzt sich mit dem Rücken zur Tür und beugt sich tief über den Roman, der aufgeschlagen in ihrem Schoß liegt – als von hinten jemand durch die Menschenmenge ruft: »Hey, Theresia! Mensch! Du in Berlin?«
Ein Zusammentreffen mit Lara ist wirklich nicht das, was Theresia an diesem Morgen gebrauchen kann. Jetzt geht es los, die Fragen nach dem Studium, das Reden über Noten, das Lästern über Kommilitonen. Und das um acht Uhr morgens. Theresia will nicht wissen, welche Bekannte zwei Jobangebote von Unternehmensberatungen hat. Sie will auch nicht über ihre Abschlussnote reden oder die Verlaufsplanung ihres weiteren Werdegangs in Stichworten referieren. Sie will, bitte schön, einfach im Bus sitzen und ihr Buch lesen. Lara stellt mit Begeisterung in den Augen die unheilvollste aller Fragen: »Und? Was machst du so momentan?«
Also erzählt Theresia alles, vom Praktikum beim Mischkonzern Unilever, von ihrer freien Mitarbeit im Anschluss, von ihren Plänen für das Masterstudium im Herbst. Und Lara erzählt auch alles, weil Theresia sie im Gegenzug danach fragt, aus Höflichkeit. Und jeder Passant hätte an diesem Morgen in Berlin zwei jungen Frauen zuhören können, die sich gegenseitig mit dem Inhalt ihrer Lebensläufe bombardierten wie Bewerber in einem Vorstellungsgespräch: meine Note, mein Praktikum, meine Zufriedenheit. Und deine?
Man kennt die Floskeln, mit denen solche Gespräche geführt werden, sie sind ein Code unter Studenten, eine Art Geheimsprache, die jeder Eingeweihte auf Anhieb versteht. »Und, was macht bei dir so das Studium?« ist so eine Floskel. Oder, nach einem Vorstellungsgespräch: »Na? Wie liefs bei dir?« Oder, für die ganz Subtilen: »Ach, du hast ja sowieso immer eine Eins!« Womit sie die folgende Antwort provozieren wollen: »Aber bei dir läuft es doch auch super!« Solche Unterhaltungen sind nichts Bösartiges, sie haben nicht immer etwas mit Neid zu tun oder mit Angeberei. Sie sind die Aufforderung für einen Tauschhandel: Sag mir, was du hast, dann sage ich dir, was ich habe, und wir bekommen beide eine Antwort auf unsere eigentliche Frage: »Wie gut bin ich wirklich?«
- Was ist eigentlich normal?
-
Wie fleißig bin ich?
Entwarnung für alle Studenten, die sich selbst für faul halten: In Umfragen sagen Studenten, sie lernten 36 Stunden die Woche. Neue Studien belegen aber, dass es im Schnitt nur 23 Stunden sind.Bin ich arm?
Studenten sind arm, aber sie werden immer reicher: Im Schnitt hat ein Student 812 Euro im Monat zur Verfügung. 1991 waren es umgerechnet nur 561 Euro, 2006 schon 770 Euro.Mache ich genug Praktika?
Wahrscheinlich schon. 55 Prozent der Studenten haben jedenfalls in den vergangenen zwölf Monaten ein Praktikum gemacht!Sind die anderen schneller als ich?
Keine Sorge, diese Frage stellen sich die anderen auch immer: Im vierten Studienjahr liegen 53 Prozent der Studenten hinter dem Studienplan zurück.Bin ich motivierter als andere?
Das geht kaum! 57 Prozent der Studenten wollen in ihrem Studienfach »Überdurchschnittliches leisten«.Haben alle anderen eine eigene Wohnung?
Nein. Die meisten Studenten wohnen in WGs, im Wohnheim oder bei den Eltern. Nur rund 37 Prozent der Studenten leben allein oder mit dem Partner.Bin ich weniger glücklich als andere?
Die Unglücklichen sind auf dem Campus jedenfalls in der Minderheit: 64 Prozent sind mit ihrem Leben »sehr zufrieden«, nur acht Prozent sind »eher unzufrieden«.
- Datum 12.08.2011 - 09:39 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus
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den ich nur mit der Feststellung ergänzen kann, dass Stress nur etwas ist, was die Leistungschwachen betrifft.
Denn die stehen, im Gegensatz zu mir, beim Vergleich ja nicht auf dem Siegertreppchen.
(Ironie off!)
Allen aderen kann ich nur raten, die Zeit des Studiums zu genießen. Danach wird es nicht besser...
Gruß,
Joe
Ist für mich nur so extrem unsicher, dass er wohl nicht wirklich in der Lage ist, eine integre Persönlichkeit zu sein.
Ich weiß nicht, aber als ich an die Uni kam, ist nämlich auch genau dieses Phänomen entstanden, was wirklich ziemlicher Blödsinn ist. Im Gegenteil, es ist sogar hochschädlich für die zwischenmenschlichen Beziehungen da dadurch das Vertrauen nachhaltig geschädigt werden kann was für mich mit ein Grund war, mir meine Freunde weitestgehend außerhalb der Uni zu suchen.
Meine Professoren können wohl auch kein Tae Kwon Do, muss ich sie nun als schlechter einschätzen als mich selbst nur weil ich Trainer bin?
Ich habe viele Freunde, muss ich nun andere mit weniger Freunden als schlechtere Menschen einschätzen?
Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen, sie zeigt nur die Oberflächlichkeit und Lächerlichkeit derartiger Debatten, denn nur aus einem Teil meines Lebens kann man nicht einmal sagen, wie "gut" oder "schlecht" ich bin, es kommt auf das Gesamtpaket an.
Kann den keiner wenigstens so ehrlich sein um zu sagen dass er genau das tut was er möchte?
.. ist doch von der Gesellschaft in Form von Großunternehmen, Politik und last but not least den Medien induziert!
Jede Stellenbeschreibung, die man sich durchliest, ist doch nach dem gleichen Schema aufgebaut: Sehr gute Noten, Auslandserfahrung, praktische Erfahrungen, außeruniversitäres Engagement, Sprachen.
Dazu kommen die Politiker, die einem andauernd vorjammern, wie lange man im europäischen Durchschnitt für sein Abitur, für sein Studium, für dies und das braucht.
Und eben die Medien, die in ihren Uni-Publikationen Neon, Zeit Campus & Junge Karriere auch andauernd die Angst schüren, man wäre nicht gut genug für dies, das und jenes.
Ich bin sicher kein Ewiggestriger, bin derzeit in der Endphase meines Studiums und bin lange genug im Hamsterrad mitgaloppiert. Und miterweile würde ich mir von oben genannten Parteien einfach nur wünschen, dass sie mich mein Ding machen lassen.
Also, lieber mrpalme, ZEIT CAMPUS versucht ganz sicher nicht diese Ängste zu schüren, das darf ich stellvertretend für die Redaktion mal so sagen. Lassen Sie sich weiterhin nicht stressen, wir tuns auch nicht! Schöne Grüße, mf
Also, lieber mrpalme, ZEIT CAMPUS versucht ganz sicher nicht diese Ängste zu schüren, das darf ich stellvertretend für die Redaktion mal so sagen. Lassen Sie sich weiterhin nicht stressen, wir tuns auch nicht! Schöne Grüße, mf
ich mache nächste Woche Examen. Die ewigen Fragen a la "Was hast du gelernt?" "Hast du das nicht gemacht???" Oder auch "ich muss dringend x y z wiederholen" machen einen Kirre. Ich meide in der Zeit die Kommilitonen in meinen Fächern, weil das nur anstrengend ist und ich keine Lust habe, ständig mein Lernpensum und dessen Inhalt zu rechtfertigen. Aber die meisten brauchen das, um ihr Gewissen zu beruhigen. Bei guten Freunden merkt man dann, dass man sich zwar auch über das Lernen unterhält, aber weniger in einem Abfragen des Pensums des anderen zur eigenen Versicherung, sondern eher in einer Idee der gegenseitigen Hilfestellung. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Hin und wieder erwischt man sich selber auch dabei. Ich habe mich erschrocken, als wir uns über Stifte unterhielten, die wir in der Prüfung (wann hat man denn zuletzt mehrere Stunden geschrieben, mit der Hand?!?!) verwendeten. Gruselig.
Zuerst heißt es im Artikel, Vergleiche seien besonders deshalb stressig, weil man dazu neige, sich eher mit älteren als mit gleichaltrigen oder jüngeren zu vergleichen: Gut, scheint mir plausibel. Zwei Seiten später soll das Bachelor-Studium den Stress erhöhen, weil man vermehrt mit Gleichaltrigen zusammen ist. So ganz scheint das nicht zusammen zu passen. Wurde hier reflexhaft in das Horn "Der Bachelor macht alles schlimmer" gestoßen oder gibt es zu dem Thema eine Untersuchung?
Die Lieblingsfragen meiner Kommilitonen:
Platz 1: Uuuuund, hast du schon die Klausur XY bestanden?
gefolgt von: Wann hast du die Klausur denn geschrieben?
Welche Note hast du? Und selbstverständlich: bei welchem Dozent hast du geschrieben?
Wenn man nämlich eine gute Note geschrieben hat, ist die selbstverständlich(!) nicht so viel wert,wie die Note vom Kommilitonen, weil man ja meistens bei einem anderen Dozenten geschrieben hat, als derjenige. "Ach bei dem..da ist das ja auch nicht so schwierig!" blabla "Da hätte ich auch so eine gute Note gehabt"..blablabla..
Witziger Weise fragen auch nur Menschen so direkt nach, mit denen man im Alltag überhaupt nichts zu tun hat. Frech ist das und wie man an meinem Text erkennt, könnte ich mich regelmäßig über sowas aufregen!
Und um mich meinem Vorredner anzuschließen: Mit Freunden rede ich auch über die Uni, nur steckt da eine ganz andere Intention dahinter. Man hilft sich gegenseitig, wenn einer nicht mitkommt, tauscht Unterlagen aus, versucht sich gegenseitig die Angst zu nehmen, zu motivieren! Niemals würde ich versuchen, denen eine gute Note schlecht zu reden und ähnliches.
Ich gehoere zu den 53 Prozent und benoetige 5 statt 6 Jahre.
Ich errinnere mich wie sehr mich solche Unterhaltungen zu Studienbeginn gestresst haben.
Zum Glueck kann ich mit einem Laecheln zurueck schauen. Irgendwann sollte man, wie Stefan_T schoen formulaiert hat, aufhoeren zu vergleichen. Das Leben ist dann ploetzlich viel viel leichter, denn es gibt immer Leute, die besser im Studium sind als man selbst. Akzeptiere dies und es macht dich sogar dann auch ein Stueck selbstsicherer in deinem Gebiet!
6 statt 5 Jahre natuerlich!
6 statt 5 Jahre natuerlich!
6 statt 5 Jahre natuerlich!
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