IT-Spezialisten und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg © Chris Ratcliffe - Pool/Getty Images

Hallo, IT – haben Sie es schon mit Aus- und Einschalten versucht? Das ist stets der erste Satz, wenn IT-Experte Moss nach dem zehnten Klingeln doch ans Telefon geht. Er und sein Kollege Roy sind die Helden der Sitcom The IT Crowd , die seit 2006 sehr erfolgreich im britischen Privatfernsehen läuft. Sozial dysfunktional und völlig realitätsfremd, hausen sie im Untergeschoss eines Großunternehmens. Als es einmal brennt, schreibt Moss eine E-Mail an die Feuerwehr : »Sehr geehrte Damen und Herren: Feuer! Feuer! Helfen Sie mir! Ich freue mich auf Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen, Maurice Moss.« Roy und er sind Nerds, wie sie im Buche stehen, und damit Inkarnationen einer Figur, die etwa seit den achtziger Jahren die Popkultur bevölkert. Eine Nerd-Dichte, wie wir sie derzeit beobachten können, ist trotzdem ein Novum. Ob im Kino, im Fernsehen oder in bis dato so nerdfreien Musikgenres wie Hip-Hop: Wohin man sich wendet, überall sind diese Charaktere, die aussehen, als würden sie beim »500 Points Nerdity Test«, einem Online-Fragebogen zur Bestimmung der eigenen Nerdigkeit, die volle Punktzahl erreichen.

Früher waren Nerds die Außenseiter schlechthin, jetzt scheinen sie auf einmal cool zu sein.

In der US-Serie Big Bang Theory sind es zwei theoretische Physiker, die gemeinsam in einer WG wohnen und ihre Abende damit verbringen, Star Trek- Folgen mitzusprechen und selbst gebaute Kampfroboter gegeneinander antreten zu lassen. Die Serie läuft in den USA in der vierten Staffel und wurde bereits für drei weitere verlängert. Jim Parsons hat für die Rolle des hyperneurotischen Sheldon, eines Stringtheorie-Spezialisten mit »unmessbarem« IQ und einer pathologischen Unfähigkeit, normalen Humor nachzuvollziehen, den Emmy und den Golden Globe erhalten.

Neben dem Fernsehen und dem Kino, wo im vergangenen Jahr mit The Social Network und Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt gleich zwei Nerd-Epen zu sehen waren, hat das Nerdtum auch in Bastionen Einzug gehalten, wo man es kaum für möglich gehalten hätte: Im Hip-Hop entstand vor einigen Jahren das Subgenre Nerdcore. Statt über ihren Alltag im Ghetto, Ärger mit der Polizei oder andere genrespezifischen Themen rappen die Protagonisten der Szene wie MC Frontalot , MC Hawking oder die selbst ernannte »First Lady of Nerdcore« MC Router über Quantenphysik, Online-Rollenspiele und Herr der Ringe. Über die Dinge also, die Nerds begeistern. Weil die Nerdcore-Künstler fast ausschließlich weiß sind, hat ihnen das den Vorwurf des Rassismus oder zumindest der respektlosen Vereinnahmung schwarzer Kultur eingebracht. Prince Paul, legendärer Hip-Hop-DJ und Produzent, findet dagegen, Nerdcore sei eher eine Rückbesinnung auf das, worum es im Hip-Hop einmal ging, bevor Leute erschießen und Bling zu den wichtigsten Themen wurden: Man selbst zu sein und davon zu sprechen, was einen interessiert. Er sagt: »Wer das macht, ist sich selbst treu. Das ist für mich wahrer Hip-Hop.«