"Das muss kitzeln, wie bei einem guten Roman"
ZEITCampus: Inwiefern?
Antwort: Wenn die Struktur steht, kann man zielgerichtet lesen und schreiben. Das spart extrem viel Zeit. Statt mal hier und mal da etwas zu lesen, sucht man sich nur das, was man braucht, um die Lücken der Struktur zu füllen. Beim Lesen mache ich dann anhand meiner Struktur Klammern um Textteile mit Hinweisen, zum Beispiel »Gut für Kritik am Autor« oder »Z« für Zitat, um ein bestimmtes Argument zu belegen. Je genauer die Struktur ist, desto besser und schneller kann man die Texte nach dem durchscannen, was man braucht.
ZEITCampus: Das heißt, viele lesen eher zu viel als zu wenig?
Antwort: Richtig. Das war den chaotischen Arbeiten anzumerken, die oft bei mir gelandet sind. Die Leute hatten irre viel gelesen und wollten das in der Arbeit alles unterbringen. Darauf kommt es aber nicht an. Man sollte sich beim Schreiben immer zu hundert Prozent bewusst sein: Was genau soll rein, und wie viel Platz habe ich dafür.
ZEITCampus: Als ob das so leicht wäre...
Antwort: Notieren Sie sich in der Struktur unter jede Überschrift und jede Unterüberschrift schon mal eine ungefähre Seitenzahl. Dann sind Sie orientiert.
Man sollte versuchen, in der Arbeit eine Geschichte zu erzählen und vor allem den Leser immer an der Hand zu halten.
Ghostwriter
ZEITCampus: Wenn man nur so wenig liest, wie kommt man dann auf eine ellenlange Literaturliste?
Antwort: Wenn ich den Text geschrieben habe, habe ich immer noch einmal Referenzen drübergezogen wie eine zweite Schicht. Je mehr, desto besser. Wenn man etwas sehr genau wiedergibt oder sogar einen Textteil übernimmt, muss man das in der Fußnote natürlich seitengenau angeben. Aber wenn man zum Beispiel gerade über Francis Scott Fitzgerald schreibt und darüber, was für Zeiten die Roaring Twenties waren, kann man natürlich bei Amazon schauen, welche Standardwerke es über diese Epoche gibt. Wenn diese Werke auch in einem anderen Text zitiert werden, in dem es ebenfalls um die Literatur der zwanziger Jahre geht, kann man das Buch als Referenz nehmen, ohne es selbst gelesen zu haben. Man sagt ja an der Stelle nur: Wenn ihr was über die Literaturszene in den Roaring Twenties wissen wollt, dann vergleicht hier und da, das sind die Standardwerke. Und fertig.
ZEITCampus: Wie schreibt man eine gute Einleitung?
Antwort: Erst mal: Man macht es nie ganz am Anfang. Ich kann die Einleitung erst schreiben, wenn ich weiß, wo ich mit der Arbeit hinwill, welche Frage ich stellen und welche Position ich einnehmen will. Und dann am besten sehr auf Spannung, sehr auf Effekt. Die Einleitung sollte den Leser in die Arbeit, in die Fragestellung regelrecht reinziehen. Das muss kitzeln, wie bei einem guten Roman.
ZEITCampus: Aber es ist eine wissenschaftliche Arbeit.
Antwort: Das heißt ja nicht, dass es trocken sein muss. Man sollte versuchen, in der Arbeit eine Geschichte zu erzählen und vor allem den Leser immer an der Hand zu halten. Das allein verleiht schon eine ungeheure Macht. Du bist derjenige, der den Text strukturiert und der den Leser führt.
ZEITCampus: Hatten Sie bei Ihrer Arbeit als Ghostwriter niemals Gewissensbisse?
Antwort: Mir hat der Job so dermaßen viel Spaß gemacht, da habe ich die ethische Frage ziemlich verdrängt, wenn ich ehrlich bin. Klar habe ich Leuten, die es sich leisten konnten, zu einem Vorteil verholfen. Das war nicht gerecht. Aber wenn jemand ein Kind bekommen hat und die letzte Arbeit einfach nicht mehr schafft oder wenn jemand hoffnungslos im Chaos seiner Arbeit versinkt und völlig verzweifelt ist, dann war meine Arbeit auch wirklich eine Hilfe in der Not. Damit konnte ich mich immer ganz gut beruhigen. Vor Kurzem habe ich aber aufgehört.
- Hilfe!
Keine Ahnung, wie man eine Hausarbeit schreibt? Oder sind die ersten Seiten getippt, aber es will einfach nicht weitergehen? Praktische Hilfe bieten die Schreibzentren an vielen Unis. Dort gibt es Sprechstunden für die persönliche Beratung, aber auch Workshops. Ähnliche Angebote machen Career Center.
ZEITCampus: Waren die meisten Kunden nicht einfach nur faul?
Antwort: Das gab es auch. Es gibt Menschen, die zahlen für eine einfache zehnseitige Hausarbeit lieber 500 Euro, anstatt sich ein paar Stunden hinzusetzen und etwas zusammenzuklöppeln. Das habe ich nie ganz verstanden. Man bringt sich doch um das schöne Gefühl, es selbst geschafft zu haben.
ZEITCampus: Sind Sie schon mal in die Versuchung geraten, ein Plagiat zu verfassen?
Antwort: Nein. Ehrlich gesagt verstehe ich überhaupt nicht, warum Menschen so etwas tun. Warum sollte man eine Idee, nur weil man sie gut findet, als seine eigene ausgeben? Man darf ja in seiner Arbeit alle guten Ideen zitieren und erklären, warum sie dem eigenen Argument dienen. Genau das bedeutet doch wissenschaftliches Arbeiten. Außerdem würde das Plagiieren eindeutig gegen mein Berufsethos als Ghostwriter und als Akademiker verstoßen. Das macht man einfach nicht.
- Datum 22.07.2011 - 15:00 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus
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Wie man also sieht, kann selbst ein Psychologiestudent eine Arbeit zu philosophischen oder medizinischen Themen verpassen, die angenommen wird. Ein wenig Begabung, etwas Interesse für das Thema, und nicht zuletzt die Disziplin, die man braucht, um den Text zu erstellen.
Im Falle einer schlecht erarbeiteten oder sogar plagiierten Arbeit z.B. aus dem medizinischen oder politischen Bereich braucht man demgemäß auch nicht unbedingt einen promovierten Mediziner oder Politikwissenschaftler, um das Plagiat sachkundig zu begutachten. Noch mehr als beim Verfassen reicht es, wenn man mit etwas Instinkt, Interesse und nicht zuletzt der nötigen Disziplin durch den Text geht, und ihn je nach Schweregrad wörtlich oder eben im Hinblick auf die umformulierte Abfolge der Gedanken mit den Quellen vergleicht.
Wer für 500 Euro sich 10 Seiten schreiben lässt hat das Studium nicht verdient. Das zeigt doch auch ein die Geisteshaltung mancher reicher Leute auf. Frei nach dem Motto: "Alles und jeder ist käuflich". Widerlich.
"Das macht man einfach nicht." (Zitat: Ghostwriter)
Wach bleiben!
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... sei gelobt. Doch wie viele von denen sind denn auch ehrlich? Schwarzarbeit, Betrug und sonstiges lässt grüßen!
... sei gelobt. Doch wie viele von denen sind denn auch ehrlich? Schwarzarbeit, Betrug und sonstiges lässt grüßen!
für 1000€ 14 Tage lang 8 Stunden schindern? Was ein schlecht bezahlter Job.
... scheint diesem Ghostwriter wohl wichtiger zu sein, als die lausigen 9€ Stundenlohn. Das wirkt wie ein durchschnittlich bezahlter Studentenjob.
Wer Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten hat, der sei geehrt. Doch würde ich es doch eher vorziehen, die Ergebnisse meiner Arbeit unter meinem Namen zu veröffentlichen. Man möchte doch auch auf seine ehrlich erbrachte Leistung hinweisen.
Wären 2000,- Euro steuerfrei. Das monatlich, bei "nine to five". Wären im Berufsleben wieviel? 4200,- brutto? Das zu Hause. Und das mit viel Spass. Wohl eher ein Traumjob.
mfg
... scheint diesem Ghostwriter wohl wichtiger zu sein, als die lausigen 9€ Stundenlohn. Das wirkt wie ein durchschnittlich bezahlter Studentenjob.
Wer Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten hat, der sei geehrt. Doch würde ich es doch eher vorziehen, die Ergebnisse meiner Arbeit unter meinem Namen zu veröffentlichen. Man möchte doch auch auf seine ehrlich erbrachte Leistung hinweisen.
Wären 2000,- Euro steuerfrei. Das monatlich, bei "nine to five". Wären im Berufsleben wieviel? 4200,- brutto? Das zu Hause. Und das mit viel Spass. Wohl eher ein Traumjob.
mfg
Komplettes Versagen der Betreuer und der Fakultäten.
Die Einschläge kommen näher.
Bald wird man sich die Professoren vorknöpfen, die so einen Dreck durchwinken.
Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionsstil. Danke. Die Redaktion/er
... wenn der Ghostwriter die Arbeit ehrlich und ohne Plagiate anfertigt, ist es nicht so einfach zu erkennen, ob jemand die Arbeit selbst geschrieben hat oder hat schreiben lassen.
Gerade bei kleineren Hausarbeiten wird oft keine mündliche Diskussion angeschlossen. Da wird also kaum ein Professor wirklich drauf kommen können, wenn sich jemand die Arbeit gekauft hat.
... wenn der Ghostwriter die Arbeit ehrlich und ohne Plagiate anfertigt, ist es nicht so einfach zu erkennen, ob jemand die Arbeit selbst geschrieben hat oder hat schreiben lassen.
Gerade bei kleineren Hausarbeiten wird oft keine mündliche Diskussion angeschlossen. Da wird also kaum ein Professor wirklich drauf kommen können, wenn sich jemand die Arbeit gekauft hat.
... sei gelobt. Doch wie viele von denen sind denn auch ehrlich? Schwarzarbeit, Betrug und sonstiges lässt grüßen!
Der akademische med. behandelt halt mehr, der jur. muss mehr nachforschen...
Ein Leistungsnachweis ist im Gegensatz zum Handwerksmeister nicht erforderlich.
Sie dürfen übrigens keine Schwarzarbeiter beschäftigen. Es ist illegal.
Der akademische med. behandelt halt mehr, der jur. muss mehr nachforschen...
Ein Leistungsnachweis ist im Gegensatz zum Handwerksmeister nicht erforderlich.
Sie dürfen übrigens keine Schwarzarbeiter beschäftigen. Es ist illegal.
... scheint diesem Ghostwriter wohl wichtiger zu sein, als die lausigen 9€ Stundenlohn. Das wirkt wie ein durchschnittlich bezahlter Studentenjob.
Wer Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten hat, der sei geehrt. Doch würde ich es doch eher vorziehen, die Ergebnisse meiner Arbeit unter meinem Namen zu veröffentlichen. Man möchte doch auch auf seine ehrlich erbrachte Leistung hinweisen.
ist wahrscheinlich nicht so lukrativ...
ich weiß zwar nicht für welche Firma der interviewte Ghostwriter geschrieben hat... (mag ihm nichts unterstellen) ... wenn man bedenkt, dass der Betrag ggf auch ein netto-Betrag sein kann...ganz Bar auf die Kralle...
das Thema interessant ist und man ggf im Mittelbau nicht wirklich mit einem Gehalt seine Familie ernähren kann... So kann ich die Entscheidung zum Ghostwriter zu werden sehr nachvollziehen. Auch wenn es für mich persönlich keine Joboption wäre.
Best E.
ist wahrscheinlich nicht so lukrativ...
ich weiß zwar nicht für welche Firma der interviewte Ghostwriter geschrieben hat... (mag ihm nichts unterstellen) ... wenn man bedenkt, dass der Betrag ggf auch ein netto-Betrag sein kann...ganz Bar auf die Kralle...
das Thema interessant ist und man ggf im Mittelbau nicht wirklich mit einem Gehalt seine Familie ernähren kann... So kann ich die Entscheidung zum Ghostwriter zu werden sehr nachvollziehen. Auch wenn es für mich persönlich keine Joboption wäre.
Best E.
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