Die Welt da draußen Lob auf Knopfdruck
In Frankfurt erstellt ein Computerprogramm Gutachten für Studenten.
Anika steht kurz vor dem Bachelorabschluss und ist mitten im Bewerbungsstress. Doch für welches Masterprogramm sie sich auch bewirbt – fast nirgends ist es mit dem Uni-Zeugnis allein getan. »Überall wollen sie ein Empfehlungsschreiben«, jammert die 23-Jährige. »Ein Professorengutachten für einen Masterplatz? Ich verstehe nicht, was das soll.«
Wie gut, dass sie in Frankfurt am Main studiert. Denn dort können Studenten bei einigen Professoren über eine Internetplattform standardisierte Empfehlungsschreiben bestellen: ein paar Mausklicks beim ehrenamtlichen Engagement, Noten und Belege hochladen, fertig. Nach zwei Tagen konnte Anika das Gutachten im Sekretariat abholen, einmal auf Deutsch, einmal auf Englisch, formuliert vom Computer, unterschrieben vom Professor. »Das ging echt fix«, freut sich die Wirtschaftsstudentin. »Und es liest sich trotzdem sehr persönlich.«
Bis zu 40 Fertiggutachten stellen die Frankfurter BWL-Professoren Guido Friebel und Michael Kosfeld monatlich aus. »Ich kann eigentlich nur ein Gutachten schreiben, wenn ich die Leute kenne«, gibt Friebel unumwunden zu. Aber seitdem allerorten Empfehlungen verlangt werden, kann er sich vor Anfragen kaum retten: »Plötzlich wollten auch Studenten Empfehlungsschreiben, die wir gar nicht kannten.« Gutachten einfach verweigern wollte Friebel auch nicht – dann hätten Frankfurter Absolventen Nachteile gegenüber anderen Bewerbern.
Das Programm entwickelte ein Student: Markus Koetzle kannte die Probleme aus seiner Zeit als Hilfskraft an der Universität. Inzwischen ist der 24-Jährige Unternehmer und versucht, seine Software für Fertiggutachten auch an andere Hochschulen zu verkaufen. Dass er dabei von einer absurden Entwicklung profitiert, ist ihm klar. »Der Wunsch nach Empfehlungsschreiben kommt aus den Vereinigten Staaten, wo die Kurse viel kleiner sind und sich Professoren und Studenten kennen«, sagt er. »Man kann sich wirklich fragen, ob diese Praxis auch an deutschen Massen-Unis sinnvoll ist.«
- Datum 26.06.2011 - 18:04 Uhr
- Quelle ZEIT Campus
- Kommentare 9
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Und so werden wir unweigerlich Zeuge eines weiteren karthesischen Formulars, dessen Sinn und Ursprung sich in ein paar Jahren keiner mehr bewusst ist.
Passierschein A38: Empfehlungsschreiben...
... ach ja, lieber Herr Professor, wir kennen uns zwar nicht, aber könnten Sie schnell was zu meiner Dissertation sagen?
Ich würde nämlich gern nach Harford!
Mich wundert gar nix mehr.
Könnte es sein, dass Sie Harvard meinen?
Könnte es sein, dass Sie Harvard meinen?
Empfehlungsschreiben machen in Deutschland wenig Sinn.
Da liegt eher der Fehler im System, wie mit dem letzten Satz zwar angeschnitten, aber nicht ausformuliert wurde.
Nach dem Bachelor-/Grundstudium (übrigens auch zur Auslandsstudium-Bewerbung) machen Empfehlungsschreiben nur wenig Sinn. Vorlesungen sind dafür zu voll und der Kontakt zu den Profs zu gering.
Selbst in Spezialvorlesungen sind Studenten trotzdem der Größe zw. 5-20 Leuten nur schwer zu beurteilen.
Sowas geht eigentlich nur auf Grundlage von Hiwi-Jobs, Bachelor-, Master- und/oder Diplomarbeiten.
Vor allem bei der Bewerbung für ein Auslandsstudium ist mir das negativ aufgefallen:
Nahezu egal, welches Programm - überall brauchte man 2-3 Empfehlungsschreiben. Allein in meinem Studiengang (ca. 200 Studenten) macht das bei 25% ja 50 Studenten, also ca. 100-150 Empfehlungsschreiben.
Wenn man bedenkt, dass wir nur 4 verschiedene Kurse hatten, sind das ja auch schon rund 25-40 Empfehlungsschreiben. Dafür hat doch keiner Zeit.
Wenn man sich jetzt auf den Text (Masterbewerbung) bei z.B. Maschinenbauern (ca. 1.000 Stundenten) bezieht, bei denen auch wieviel, 80%? einen Master machen wollen, dann sind das bei 2 Empfehlungsschreiben pro Bewerbung 1.600 Empfehlungen.
Die kommen da auf die ca. 8 Professoren zu, die Vorlesungen in dem Jahrgang halten.
Macht 200 Schreiben pro Prof. - wer soll sowas denn zeitlich bewältigen?!
Könnte es sein, dass Sie Harvard meinen?
Wo Harford ist hinlaenglich bekannt als die Zwillingsstadt von Oxbridge.
Wo Harford ist hinlaenglich bekannt als die Zwillingsstadt von Oxbridge.
Wo Harford ist hinlaenglich bekannt als die Zwillingsstadt von Oxbridge.
Vielen Dank für die Information!
Vielen Dank für die Information!
Vielen Dank für die Information!
Liebe Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, liebe Bürokratinnen und Bürokraten,
einen herzlichen Glückwunsch zu diesem neuen Instrument der Studierendenauswahl. Aber warum bürden sie sich und den Kollegen diese zusätzliche Arbeit und Kosten auf. Die Personal- und Sachmittel könnten doch viel gewinnbringender in die Ausbildung selber investiert werden.
Was für amerikanische Unis toll klingt, ist mit dem deutschen Recht nur schwer vereinbar. Nach deutschem Recht haben Studienbewerberinnen und Studienbewerber einen Anspruch auf Zugang zum Masterstudiengang wenn sie die erforderlichen Qualifikationen mitbringen. Diese sind in der Regel durch Zeugnisse und Diploma Supplements ausreichend dokumentiert. Auf Engagement, Motivation etc. darf es dabei nicht ankommen. (Vgl. VG Münster, Beschl. vom 25.11.2010, AZ: 9 L 551/10).
Selbst wenn für Ihren Masterstudiengang ein NC existiert, darf im Auswahlverfahren allenfalls die persönliche Motivation der Studierenden durch ein Gespräch überprüft werden.
In diesem Sinne, wäre ich Ihnen sehr verbunden, allen Beteiligten in Zukunft diesen unnötigen Aufwand zu ersparen.!
Lieber Markus Koetzle (oder wer auch immer): bitte online stellen, das Ding. Technisch kann es ja nicht alzu komplex sein - und mit so Problemen ist jeder konfrontiert, der studiert. Dann könnte man sich, statt "Entwürfe" für die Empfehlungsschreiben zu erstellen - seinem Studium oder seiner Forschung widmen! Das wär doch mal was.
dem wunsch kann ich mich nur anschließen.
an meiner uni muss man sich die empfehlungsschreiben nämlich selbst verfassen,die profs und seminarleiter setzen maximal noch eine unterschrift drunter.was ja auch jeder in abetracht obig genannter massen und der unmöglichkeit einen studenten in wöchtenlichen seminaren mit 20 bis 40 studenten/vorlesungen mit 300 kennen zu lernen.
dem wunsch kann ich mich nur anschließen.
an meiner uni muss man sich die empfehlungsschreiben nämlich selbst verfassen,die profs und seminarleiter setzen maximal noch eine unterschrift drunter.was ja auch jeder in abetracht obig genannter massen und der unmöglichkeit einen studenten in wöchtenlichen seminaren mit 20 bis 40 studenten/vorlesungen mit 300 kennen zu lernen.
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