Karriere als Wissenschaftler Vom Studi zum Forscher
Der Wissenschaftsbetrieb ist so komplex wie die Wissenschaft selbst. Tipps für die ersten Gehversuche als Akademiker gibt der Biologieprofessor Axel Meyer.
Schon früh wusste ich, dass ich Biologe werden wollte. Als Zehnjähriger sammelte ich Käfer, züchtete Fische in Aquarien, kannte jede Vitrine im Naturkundemuseum und war mit dem Amtstierarzt befreundet. Meine Vorbilder im Fernsehen waren Bernhard Grzimek und Jacques Cousteau. Erst später erfuhr ich, dass die gar keine Wissenschaftler waren.
50, ist Biologieprofessor in Konstanz. Mit Erstsemestern veranstaltet er gerne das Primärquellenquiz: Wer die Quelle findet, bekommt Schokolade.
Viele Studenten haben heute auch nur eine vage Vorstellung davon, was Wissenschaft bedeutet. Genauso wenig, wie ich damals den Stand der Forschung in meinen Was ist was?- Bänden lesen konnte, finden sie ihn heute in ihren Lehrbüchern. Und so sind viele zum Anfang ihrer Masterarbeit immer noch ahnungslos – trotz eines soliden Lehrbuchwissens. Schon in meiner Anfängervorlesung versuche ich daher klarzumachen, dass die vermeintlichen Wahrheiten in den Lehrbüchern lediglich den letzten Stand des Wissens der Primärliteratur des Autors darstellen. Lehrbuchwissen ist immer veraltet. Warum sollte man auch Forscher werden wollen, wenn schon alles bekannt wäre?
Wissenschaft ist nie fertig, sie ist etwas Lebendiges, und täglich werden neue Erkenntnisse gewonnen. Und weil Wissenschaft im Dialog entsteht, muss man sich bemühen, Teil dieses internationalen Austausches zu werden, und schon im Studium den kritischen Umgang mit der Primärliteratur üben. Mein zweiter Tipp: Gehen Sie als wissenschaftliche Hilfskraft so früh wie möglich in ein Labor. In welchem Ihre ersten Gehversuche als Wissenschaftler stattfinden, ist dabei keineswegs gleichgültig: Wo Sie die Forschung für Ihren Bachelor, Ihren Master oder gar Ihre Doktorarbeit machen, ist eine der wichtigsten Weichenstellungen für Ihre Forscherlaufbahn. Nur etwa jeder 16. Doktorand in Deutschland erreicht eine Karriere als akademischer Forscher, daher muss man sich die besten Ausgangsbedingungen suchen. Es wird schwieriger, ein Forscherleben fortzuführen, wenn man schon in einem eher mäßigen Labor angefangen hat. Deshalb sollte bei der Wahl nicht die Stimmung im Labor ausschlaggebend sein, sondern die wissenschaftliche Qualität.
Aber woher soll man wissen, was gute Forschung ist und wo sie gemacht wird? Wie findet man die besten Themen? Das alles ist die halbe Miete beim wissenschaftlichen Erfolg– zusätzlich braucht es natürlich auch noch viel Fleiß und eine Prise Glück. Denn was am Ende zählt, sind die wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Sie sind die Währung, nach der zumindest in den Naturwissenschaften gerechnet wird.
- Datum 19.07.2011 - 13:51 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus
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Es gibt eine ganze Menge Wissenschaften, in denen Labore keine oder eine eher untergeordnete Rolle spielen, es gibt auch innerhalb der Wissenschaften, in denen sie das tun, häufig rein theoretische Forschung, es gibt Forschung, die nur "im Feld" machbar ist.. was hat der Herr Biologe denn da für ein Wissenschaftsbild?
Ein überaus leerer Artikel, eigentlich nur Allgemeinplätze wie "Kennen Sie sich aus", "Seien Sie kritisch", "Fangen Sie früh an"? Ich möchte mich schon fast fremdschämen..
der "Community", des "Teamwork", der "Schwarmintelligenz", alles eingeführt beim berühmten Manhattan-Project.
Liebe(r) dsip,
ich bezweifle stark, dass es Forschung gibt, die "nur im Feld machbar ist". Auch der ausgeprägteste "Feldbiologe" wird nicht umhin können, die "in freier Natur" gewonnenen Daten unter standardisierten Bedingungen im Labor, wie auch immer dies im Einzelfall ausgestattet sein mag, einer Überprüfung zu unterziehen. Ansonsten handelt es sich um reine Beschreibungen von Istzuständen, die nur einen geringen naturwissenschaftlichen Erkenntniswert haben und für eine Promotion nur in den seltensten Fällen ausreichen werden.
Mit freundlichen Grüssen
Fiesko
Ich denke nicht, dass der Herr Professor der Meinung ist hier der Weisheit letzten Schluß zu verkaufen... es handelt sich um reine Tipps, die sicherlich auch subjektiv sein können...
Gruß
A.
der "Community", des "Teamwork", der "Schwarmintelligenz", alles eingeführt beim berühmten Manhattan-Project.
Liebe(r) dsip,
ich bezweifle stark, dass es Forschung gibt, die "nur im Feld machbar ist". Auch der ausgeprägteste "Feldbiologe" wird nicht umhin können, die "in freier Natur" gewonnenen Daten unter standardisierten Bedingungen im Labor, wie auch immer dies im Einzelfall ausgestattet sein mag, einer Überprüfung zu unterziehen. Ansonsten handelt es sich um reine Beschreibungen von Istzuständen, die nur einen geringen naturwissenschaftlichen Erkenntniswert haben und für eine Promotion nur in den seltensten Fällen ausreichen werden.
Mit freundlichen Grüssen
Fiesko
Ich denke nicht, dass der Herr Professor der Meinung ist hier der Weisheit letzten Schluß zu verkaufen... es handelt sich um reine Tipps, die sicherlich auch subjektiv sein können...
Gruß
A.
der "Community", des "Teamwork", der "Schwarmintelligenz", alles eingeführt beim berühmten Manhattan-Project.
, dem Fachgebiet des Autors spielen labore schon eine herausragende Rolle. Es hat doch nun niemand erwartet das ein Biologe berichtet, wie es in der Quantenphysik läuft.
Auch wenn es in der Biologie Forschung ausserhalb von Laboren gibt, so spielen sie doch im Hinblick auf die reine Anzahl der angebotenen Doktorandenstellen die übergeordnete Rolle.
Letztlich besteht Pädagogik darin, Allgemeinplätze zu wierholen, immer und immer wieder. Wenn sich alle Doktoranden an Herrn Meyers Ratschläge - so naheliegend sie auch sind - hielten oder gehalten hätten, so gäbe es weit weniger enttäuschte Ex-Forscher.
Vielleicht erzählt ja das Nächste mal ein Theologe was zur Forschung - garantiert laborfrei.
"Lehrbuchwissen ist immer veraltet."
In echten Wissenschaften veraltet das Wissen nicht. Was veraltet, ist falsch, und somit kein "Wissen".
Ihre Logik heißt, veraltet ist falsch. Doch das stimmt nicht. Veraltet heißt nicht aktuell. In den Finanzwissenschaften beispielsweise gibt es Modelle die auf einem Modell aus den 60er Jahren aufbauen. Doch lange ist noch nicht bewiesen, welches Modell jetzt für die empirische Realität relevant ist und es stellt sich sogar die Frage, ob man das überhaupt herausfinden kann. Bei einem Modell bei dem die Falsifikation nicht möglich ist, aber Zweifel entstehen, ist veraltet eben nicht alt. Auch Grundlagen aus anderen Fächern, die teilweise doch Jahrtausende zurückreichen (Sternbeobachtungen z.b.) sind sicher nicht falsch, auch wenn sie veraltet sind.
wenn die erkenntnisse (z.b. der sternenbeobachtung) richtig sind, so sind sie nicht veraltet. alt vielleicht, aber nicht veraltet, also überholt.
bestes beispiel dafür ist die mathematik. entweder es stimmt, oder es stimmt nicht.
und ob die ökonomie, speziell die ökonomischen modelle, tatsächlich eine wissenschaftliche disziplin darstellen sei dahingestellt. im prinzip wird bis heute argumentativ (und mit modellen) versucht, seine sichtweise zu propagieren. es gibt aber kein einziges (bekanntes) modell, welches die tatsächlichen (wirtschaftlichen) entwicklungen vorhersagen kann...
Ihre Logik heißt, veraltet ist falsch. Doch das stimmt nicht. Veraltet heißt nicht aktuell. In den Finanzwissenschaften beispielsweise gibt es Modelle die auf einem Modell aus den 60er Jahren aufbauen. Doch lange ist noch nicht bewiesen, welches Modell jetzt für die empirische Realität relevant ist und es stellt sich sogar die Frage, ob man das überhaupt herausfinden kann. Bei einem Modell bei dem die Falsifikation nicht möglich ist, aber Zweifel entstehen, ist veraltet eben nicht alt. Auch Grundlagen aus anderen Fächern, die teilweise doch Jahrtausende zurückreichen (Sternbeobachtungen z.b.) sind sicher nicht falsch, auch wenn sie veraltet sind.
wenn die erkenntnisse (z.b. der sternenbeobachtung) richtig sind, so sind sie nicht veraltet. alt vielleicht, aber nicht veraltet, also überholt.
bestes beispiel dafür ist die mathematik. entweder es stimmt, oder es stimmt nicht.
und ob die ökonomie, speziell die ökonomischen modelle, tatsächlich eine wissenschaftliche disziplin darstellen sei dahingestellt. im prinzip wird bis heute argumentativ (und mit modellen) versucht, seine sichtweise zu propagieren. es gibt aber kein einziges (bekanntes) modell, welches die tatsächlichen (wirtschaftlichen) entwicklungen vorhersagen kann...
Ich würde aus meinen Erfahrungen sagen, daß die Anzahl von Publikationen in den Zeiten von "Publish or perish" nicht unbedingt mit ihrer wissenschaftliche Qualität korreliert. Auch hochrangige Journale sind davon betroffen.
In Bezug auf die Themenwahl sehe ich die Beeinflussbarkeit des eigenen Erfolges begrenzt.
Da bei innovativen Themen und Methoden die Garantie der Umsetzbarkeit geringer ist, als bei Arbeit mit "Standardmethoden" ist das Ganze eine Gratwanderung.
Ich würde sagen viel Glück und etwas Fleiß sind die bessere Kombination für Erfolg als umgekehrt. :-)
Alles in allem finde ich den Artikel sehr Idealisierend.
Liebe(r) dsip,
ich bezweifle stark, dass es Forschung gibt, die "nur im Feld machbar ist". Auch der ausgeprägteste "Feldbiologe" wird nicht umhin können, die "in freier Natur" gewonnenen Daten unter standardisierten Bedingungen im Labor, wie auch immer dies im Einzelfall ausgestattet sein mag, einer Überprüfung zu unterziehen. Ansonsten handelt es sich um reine Beschreibungen von Istzuständen, die nur einen geringen naturwissenschaftlichen Erkenntniswert haben und für eine Promotion nur in den seltensten Fällen ausreichen werden.
Mit freundlichen Grüssen
Fiesko
kann man in laborlosen Fachrichtungen aehnliches einsetzen. Ein Student der theoretischen Physik ist z.B. gut beraten, taeglich am Institut zu sein und sich so vielen Forschunsvortraegen/Seminaren oder auch nur Institutskaffees auszusetzen, wie er kann. Das sichert ihm den Kontakt mit der voranschreitenden Wissenschaft, und entwickelt den kritischen Blick auf andere (und hoffentlich auch eigene) Arbeiten.
Mir fallen ganz spontan ein: Fallstudien, z.B. in der Psychologie, so manche geologische, linguistische, ethnologische Forschung. - Es gibt eben viele Wissenschaftsbereiche, bei denen Laborbedingungen völlig utopisch sind.
Mich würde interessieren, wieso das Labor relevant ist für das über das über reine Zustandsbeschreibungen hinaus gehen? Meines Erachtens wäre das Labor dafür zuständig eine möglichst gut gesicherte Datenbasis zu schaffen, von der aus man dann weiterarbeitet. Sprich: Das Labor ist wie die Feldforschung auf der Ebene der Datenerhebung angesiedelt, nicht auf der Ebene der explanatorischen Wissenschaft?
kann man in laborlosen Fachrichtungen aehnliches einsetzen. Ein Student der theoretischen Physik ist z.B. gut beraten, taeglich am Institut zu sein und sich so vielen Forschunsvortraegen/Seminaren oder auch nur Institutskaffees auszusetzen, wie er kann. Das sichert ihm den Kontakt mit der voranschreitenden Wissenschaft, und entwickelt den kritischen Blick auf andere (und hoffentlich auch eigene) Arbeiten.
Mir fallen ganz spontan ein: Fallstudien, z.B. in der Psychologie, so manche geologische, linguistische, ethnologische Forschung. - Es gibt eben viele Wissenschaftsbereiche, bei denen Laborbedingungen völlig utopisch sind.
Mich würde interessieren, wieso das Labor relevant ist für das über das über reine Zustandsbeschreibungen hinaus gehen? Meines Erachtens wäre das Labor dafür zuständig eine möglichst gut gesicherte Datenbasis zu schaffen, von der aus man dann weiterarbeitet. Sprich: Das Labor ist wie die Feldforschung auf der Ebene der Datenerhebung angesiedelt, nicht auf der Ebene der explanatorischen Wissenschaft?
Prinzipiell sind die Ratschläge schon richtig - besonders für Doktoranden, die wirklich eine akademische Karriere machen wollen.
Aber es gibt auch Menschen, die ihre Neigungen berücksichtigen wollen, die vielleicht auch noch Optionen außerhalb des Wissenschaftsbetriebs wahrnehmen wollen.
Wenn sich alle an Herrn Meyers Ratschläge halten, gäbe es wahrscheinlich nur noch Molekulargenetiker.
kann man in laborlosen Fachrichtungen aehnliches einsetzen. Ein Student der theoretischen Physik ist z.B. gut beraten, taeglich am Institut zu sein und sich so vielen Forschunsvortraegen/Seminaren oder auch nur Institutskaffees auszusetzen, wie er kann. Das sichert ihm den Kontakt mit der voranschreitenden Wissenschaft, und entwickelt den kritischen Blick auf andere (und hoffentlich auch eigene) Arbeiten.
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