Arbeitsgeschwindigkeit ist ein heikles Thema. Taugt sie zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit? Ist der Student, der eine Hausarbeit notfalls über Nacht zusammenschustert, tüchtiger als jener, der wochenlang, aber vielleicht mit stark verminderter Aufmerksamkeit in der Bibliothek herumhängt?

In der Arbeitswelt gilt die Faustregel: Je standardisierter die Arbeitsabläufe, desto eher lässt sich Arbeitseifer überprüfen. Der Kollege, der über Tage oder Wochen kreative Löcher in die Luft starrt, um aus ihnen oder um sie herum dereinst das Wolkenkuckucksheim eines grandiosen Projekts zu entwickeln, lässt sich nicht mit dem Controller vergleichen, der emsig Zahlungsvorgänge sichtet. Interessant ist aber der Zusammenhang zwischen Tempo und Kopfzahl: Bei standardisierten Abläufen steigert sich die Geschwindigkeit mit der Größe des Teams; bei kreativen Tätigkeiten sinkt sie in ähnlicher Proportion.

Das Mittel, mit dem die Köche den Brei verderben, ist das Meeting. Die hier wirksame Regel lautet: Je höher der Abstimmungsbedarf, desto geringer der Output. Im keineswegs seltenen Grenzfall ist eine kreative Abteilung nur noch mit sich beschäftigt. Wer hier die Leistungsfähigkeit eines Kollegen beurteilen will, muss ihn aus der Käfighaltung befreien und auf die freie Wildbahn der Probleme setzen.

Jens Jessen ist Feuilleton-Chef der ZEIT. Lesen Sie weitere Folgen aus Jens Jessens Kolumne unter www.zeit.de/campus/jessen