Philosophiestudium Die Andersdenkenden
Konstantin und Kornelius sind Autisten. Mit ihrer eigenen Art zu philosophieren verblüffen sie ihren Professor.
teil einer welt zu sein, die nur für sich allein
existiert, ist überaus beruhigend
Ein paar Studenten dösen im Seminarraum vor sich hin, als die zwei jungen Männer hereinstürmen. Sie laufen nach vorn, einer setzt sich auf den leeren Platz des Dozenten. Die beiden schauen sich an, prusten los. Dann rennen sie wieder aus dem Raum hinaus, fast wie übermütige Kinder. Noch zehn Minuten bis zum Beginn des Hauptseminars »Friedrich der Große und die Kunst«.
Als die Veranstaltung beginnt, sind einige Stühle noch frei. Konstantin und Kornelius Keulen, beide 26, setzen sich dennoch auf den Fußboden. Konstantin blickt aus dem Fenster, Kornelius pickt mit dem Zeigefinger Krümel auf. Es sieht nicht so aus, als würden sie dem Referat über die kunsthistorischen Besonderheiten von Schloss Sanssouci folgen. Doch der Eindruck täuscht.
Die eineiigen Zwillinge sind Autisten. Seit sechseinhalb Jahren studieren sie an der Universität Potsdam Geschichte und Philosophie, mittlerweile arbeiten sie an ihren Magisterarbeiten zum Begriff der Zeit in der modernen Philosophie. Konstantin und Kornelius sprechen kaum, blicken anderen Menschen nur selten direkt in die Augen. Aber sie verblüffen Kommilitonen und Professoren immer wieder mit ihrem eigenwilligen, hochphilosophischen Denken.
errare ist menschlich
was irrt ist errichtet in technik
und der mensch glaubt das irren
verbannt zu haben
durch gerüste von zeichen (...)
Dieses Gedicht war das Erste, was Hans-Joachim Petsche von den Zwillingen las. Der Professor für theoretische Philosophie an der Universität Potsdam sieht aus, wie man sich einen asketischen Denker vorstellt – hagere Gestalt, dunkles Jackett, graue Haare, ein dichter Vollbart. Sein Büro ist sehr schlicht eingerichtet, vor den Fenstern liegt der Schlosspark von Sanssouci.
Die Zwillinge besuchten im Sommersemester 2005 das erste Mal ein Seminar bei ihm. Sie saßen stumm da, manchmal lagen sie auch auf dem Boden, als ob sie schliefen, sagt Petsche. Er habe nicht recht gewusst, wie er mit ihnen umgehen solle, und habe sie daher einfach mitlaufen lassen. Eine Kommunikation mit ihnen schien nicht möglich. Bis er sich in einer Stunde beklagte, dass beim vergangenen Mal so viele Studenten unentschuldigt gefehlt hätten. Kurz darauf bekam er eine E-Mail, in der sich die Zwillinge höflich für ihr Fernbleiben entschuldigten. Angehängt war das Gedicht, mehrere Seiten lang. In Versen diskutierten sie darin Fragen des Seminars.
Wenn man Petsche eine Frage stellt, macht er erst einmal eine Pause, um nachzudenken. Das Telefon auf dem leeren Schreibtisch schrillt, er ignoriert es. Er ist niemand, der sich besonders schnell zu begeistern scheint. Von Konstantin und Kornelius allerdings schwärmt er fast. »In dem Gedicht steckten die Ideen verschiedener großer Denker!«
Petsche schickte einen Vortrag zurück, der sich mit denselben Fragen beschäftigte. Eine E-Mail-Diskussion entstand. »Es ging um Einsteins Diktum ›Gott würfelt nicht‹«, sagt Petsche. Er selbst kritisierte diesen Determinismus – die Vorstellung, dass alle Ereignisse nach feststehenden Gesetzen ablaufen. Die Zwillinge hingegen verteidigten Einstein vehement und ließen sich davon auch nicht abbringen. »Beide wenden sich ganz stark gegen jede Form des Zufalls«, sagt Petsche. »Sie treten immer für Ordnungsstrukturen ein.«
Klare Ordnungen sind für Autisten sehr wichtig. Autismus ist eine Entwicklungsstörung des Gehirns; die Betroffenen erleben ihre Umwelt als Überfülle von Reizen, die sie nicht zu einem geschlossenen Bild zusammenfügen können. Der Einbruch von Unvorhersehbarem sorgt bei ihnen für extremen Stress. Viele Autisten haben deshalb Ticks oder feste Rituale, an denen sie sich in schwierigen Situationen orientieren können. Kornelius etwa sammelt Zugfahrpläne, ein paar davon hat er in der Hosentasche. Manchmal trägt er auch eine Wäscheklammer mit sich herum, klemmt sie überallhin. Ein kleiner Anker, an dem er sich in unübersichtlichen Situationen festhalten kann. Konstantin legt seinem Bruder oft die Hand auf den Hinterkopf oder auf die Schultern, der Kontakt beruhigt ihn. Manchmal – wenn ihnen das Gewusel der Kommilitonen auf den Gängen zu viel wird oder ein Geräusch sie stört – stehen die Zwillinge im Hof der Uni und halten sich die Ohren zu. Danach setzen sie sich wieder auf die Stufen am Eingang und warten auf die nächste Vorlesung.
- Diagnose
-
Der Begriff Autismus steht für ein breites Spektrum leichter bis schwerer Entwicklungsstörungen. Meist versteht man darunter den frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom), der bereits in den ersten drei Lebensjahren auftritt. Eines von 100 Kindern ist betroffen, von den Jungen sogar einer von 70.
Die Diagnose erfolgt anhand typischer Kombinationen von Merkmalen wie eine verspätete oder nicht vorhandene Sprachentwicklung und motorische Auffälligkeiten. Ebenso häufig sind stereotype Verhaltensweisen, etwa ständiges Wedeln mit der Hand, sowie soziale Schwächen wie das Vermeiden von Augenkontakt. Mildere Formen sind der atypische Autismus und das Asperger-Syndrom, auf die weniger Merkmale zutreffen, so kann die Sprachentwicklung normal sein.
- Auslöser und Heilung
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Auslöser sind Veränderungen des Gehirns, die zu Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen führen. Als Ursachen gelten erbliche Faktoren und biologische Einflüsse, etwa Infektionskrankheiten.
Der Autismus gilt zwar als unheilbar, Studien belegen aber, dass eine frühe Diagnose und etwa eine gezielte Musik- oder Verhaltenstherapie die Symptome mildern können und so die Lebensqualität wesentlich erhöhen können. In einem Vergleich autistischer und nicht autistischer Probanden konnten Forscher des McLean Hospital in Massachusetts mithilfe eines Hirnscanners eine autistische Störung mit 94-prozentiger Sicherheit erkennen – bestimmte Hirnareale waren verändert. Das nährt Hoffnungen auf frühzeitigere und zuverlässigere Diagnosen.
- Leben mit der Krankheit
Trotz ihrer Einschränkungen setzen sich Autisten selbst dafür ein, nicht als krank eingestuft zu werden. Ihr Argument: Sie nehmen die Welt nur auf veränderte Weise wahr. Und führen oft ein ebenso zufriedenes Leben wie Nicht-Autisten.
Etwa 35.000 Autisten leben in Deutschland. Manche sind übernervös, andere apathisch. Einige sprechen, knapp ein Drittel lernt es nie. Fünf bis zehn Prozent der Autisten aber, so schätzen Experten, sind trotz ihrer Einschränkungen hochbegabt.
Konstantin und Kornelius kommunizieren nur schriftlich. E-Mails, Referate, Hausarbeiten tippen die Zwillinge auf dem Laptop. Sie schreiben die Substantive klein, bilden lange, kunstvoll ausformulierte Sätze in einer eigenwilligen Sprache, oft durchsetzt mit Wörtern aus vergangenen Jahrhunderten. Wenn sie mündlich geprüft werden sollen, lesen die Professoren ihre Antworten vom Computerbildschirm ab. Das dauert etwas länger, die Argumentation ist dafür oft brillant. Ihre letzten Prüfungen haben die Brüder im vergangenen Dezember bestanden, zum Abschluss fehlt ihnen nun nur noch die Magisterarbeit.
die sprache ist ein gut, das freilich gegeben ist, nur erdenken wir in der sprache die ungenauigkeiten, die entstehen, die inneren schwierigkeiten, genau den ausdruck zu treffen, der in dem moment zwischen redner und hörer angemessen ist. oftmals ist zu beobachten, dass andere dinge gesprochen als gedacht werden. da wir dieses wahrnehmen, enthalten wir uns der direkten kommunikation
Zu Hause bei den Zwillingen, in der Wohnküche der Familie, hängt eingerahmt ein Satz an der Wand: »Die Schrift ist der zur Tat gewordene Gedanke«. Er stammt aus einem Gedicht von Kornelius, das veröffentlicht wurde; ein Grafikstudent stieß auf den Satz und benutzte ihn für eine Kalligrafieübung. Das Ergebnis schenkte er den Brüdern.
Wenn Silvia Keulen den Moment beschreibt, in dem ihre Söhne das erste Mal etwas geschrieben haben, klingt noch die Begeisterung von damals durch. »Das war ein Wahnsinnserlebnis«, sagt die Frau mit den dichten schwarzen Locken. Konstantin und Kornelius seien damals sieben Jahre alt gewesen. Mehr als ein paar einzelne Wörter hatten sie in ihrem Leben noch nicht gesprochen. Gerade waren sie auf einer Schule für Hör- und Sprachgeschädigte eingeschult worden, als sie ein Experiment wagte: Sie setzte sich mit einem Sohn vor ein Blatt Papier, legte ihre Hand auf seinen Arm und forderte ihn auf zu schreiben. Obwohl der Junge zuvor nie einen Buchstaben geschrieben hatte, entstanden erst langsam, dann immer zügiger ganze Sätze in Schreibschrift. Sein Bruder konnte das genauso. Auch Mathematik war kein Problem. Die Zwillinge lösten Gleichungen, die für ihre Altersgruppe eigentlich zu hoch waren, und beantworteten auch schwierige Wissensfragen.
Gestützte Kommunikation heißt die Methode, die die australische Pädagogin Rosemary Crossley in den siebziger Jahren entwickelt hat. Indem der Helfer den Schreibenden an Hand, Arm oder Schulter berührt, löst er dessen innere Blockaden. Viele Autisten, aber auch Menschen mit Downsyndrom können auf diese Weise schreiben.
Inzwischen tippen die Zwillinge am Computer ohne direkte Berührung. Silvia Keulen muss aber danebensitzen und darf sich auf nichts anderes konzentrieren. Sie klappt am Küchentisch den Laptop auf und hält ihre rechte Hand seitlich über die Tastatur. Kornelius beginnt erst langsam, dann immer schneller mit den Zeigefingern zu tippen: »wir finden die uni informativ, aber sie ist sehr eingefroren«. Was meint er damit? Er schreibt: »nicht so schnell im gerinnen von neuen ideen«.
Den sehr abstrakten philosophischen Texten, die entstehen, während sie danebensitzt, kann Silvia Keulen oft kaum folgen. Sie ist von Beruf Kinderärztin, mit Geisteswissenschaften hatte sie sich nie beschäftigt, bevor Konstantin und Kornelius zu studieren begannen. »Für die beiden war das Einfache immer schwierig – und das Schwierige immer einfach«, sagt sie. Nachdem sie entdeckt hatte, dass die Zwillinge schreibend kommunizieren konnten, kämpfte sie darum, dass sie auf eine normale Grundschule gehen konnten. Später meldete sie Konstantin und Kornelius am Gymnasium an. Beim Abitur 2004 gehörten sie zu den Jahrgangsbesten.
die wahrnehmung von gegenständen als energien ist durchaus hilfreich. diese art der welteroberung teilt uns in einem einzigen augenblick ungeheuer viel, wenn nicht alles, über ein ding mit. beschaffenheit, funktion, lage und wirkweise im raum erschließen sich über die energien. da ist es fast zwangsläufig, dass sich das interesse auf raum und zeit fokussiert
Wie sich die Zwillinge der Wirklichkeit nähern, findet auch Professor Petsche schwer nachvollziehbar. »Gegenstände als Energien wahrzunehmen – so etwas ist für Außenstehende nicht verständlich.« Er hat die Formulierung, die ihm die Zwillinge schickten, einfach akzeptiert. Die Schlüsse, die Konstantin und Kornelius daraus ziehen, findet er, der in seinen Vorlesungen oft darüber sinniert, wie wichtig neue Fragen in der Philosophie seien, umso bemerkenswerter. Konstantin und Kornelius vergraben sich in moderne Raum-Zeit-Theorien, schriftlich kritisieren sie die Vorherrschaft der Physik in diesem Bereich. Sie plädieren für eine Philosophie, die sich traut, abseits von messbaren Werten eigene, kreative Lösungen zu entwerfen.
Die Zwillinge lieben Denker wie den britischen Philosophen Alfred Whitehead, der 1929 in dem 600-Seiten-Wälzer Prozess und Realität einen spekulativen Gesamtentwurf vorgelegt hat, der die Trennung von Natur- und Geisteswissenschaften überwinden sollte. Kornelius Seminararbeit dazu ist makellos; er hat sein Schreiben inzwischen den universitären Vorgaben angepasst. Auch in der Arbeit von Konstantin findet Petsche nur einen Kritikpunkt: Der Text ist zu dicht. »Man muss die beiden manchmal darauf hinweisen, die Argumente für uns Nichtautisten ausführlicher zu erklären, weil es sonst unverständlich wird«, sagt er. Die Zwillinge mögen das langatmige Referieren fremder Gedanken nicht, sie wollen das Aufgenommene immer gleich verarbeiten.
An der Diskussion im Seminar können Konstantin und Kornelius nur indirekt teilnehmen. Ihr Referat zu Whitehead liest Petsche daher vor, beantwortet die Fragen in ihrem Sinne. Die Kommilitonen staunen.
der eindruck, dass wir benachteiligt sind, täuscht. wir achten die menschen, die erstaunt feststellen, dass man auch so wie wir leben und studieren kann, und die uns nicht in ihr weltsichtsystem zwängen wollen
In ihren ersten Semestern verbrachten Konstantin und Kornelius zwischen den Seminaren unzählige Stunden damit, mit einem roten Plastikball auf dem Campus zu spielen. Immer wieder landete der Ball auf dem Dach eines flachen Gebäudes. Dann zogen sie Kommilitonen am Arm, versuchten ihnen klarzumachen, dass sie ihnen helfen sollten, den Ball wiederzubekommen.
Einige reagierten verständnislos, manche genervt. Vor allem später, als sie gar keinen Ball mehr auf dem Dach entdecken konnten, die beiden jungen Männer sie aber trotzdem am Ärmel zupften und nach oben wiesen. Dabei hatten Konstantin und Kornelius auf diese Weise eine Möglichkeit gefunden, Kontakt aufzunehmen. Mit dem Ballspielen haben die Zwillinge mittlerweile aufgehört. Sie sind im Laufe des Studiums selbstbewusster geworden, bewegen sich auf dem Campus mit großer Selbstverständlichkeit. Nach der Vorlesung kommt ein breitschultriger Mann zur Tür herein und stößt im Türrahmen leicht an Kornelius. Der stolpert übertrieben, als habe ihn die Berührung fast umgeworfen. »Gibts doch gar nicht«, murmelt er und bricht mit seinem Bruder in Gelächter aus. Auch der Kommilitone muss lachen.
In der Mensa kümmert sich Kornelius um die Getränke, er angelt Mineralwasserflaschen aus dem Selbstbedienungskühlschrank und bezahlt sie an der Kasse. Konstantin macht einer Mitarbeiterin unterdessen durch Nicken und Kopfschütteln verständlich, dass er Spaghetti ganz ohne Soße essen möchte.
Silvia Keulen ist überzeugt, ihre Söhne könnten sich noch ein Stück weit angepasster verhalten und sich im Seminar auch einmal auf einen Stuhl setzen, wenn sie nur wollten. »Sie sind sich aber bewusst, dass sie mit einer stärkeren Anpassung an die Konventionen auch etwas aufgeben würden – nämlich ihre besondere Art, die Dinge zu sehen.«
Professor Petsche sagt, er könne sich vorstellen, dass die beiden auch weiter wissenschaftlich arbeiten. »Sie könnten bestimmt Interessantes zum Problem des Raum-Zeit-Kontinuums beitragen.«
Die Zwillinge schreiben:
wir werden sehen
- Datum 14.10.2011 - 12:47 Uhr
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zeigt schon, wie weit wir noch von der Akzeptanz des Andersseins entfernt sind.
Erst wenn dies erreicht ist, wird auch das Andere inhaltlich bewertet und nicht gepriesen weil es anders ist.
Die Qualität des "anders" sein wird Heutzutage einzig in der Möglichkeit der Leistungserbringung gemessen.
... des deutschen Betriebes von Wissenschafts- und Hochschulbetriebes kennt, kann daraus wieder einmal ersehen: "Andersein das ist ok, anders denken? Nee, nee, nee." Und darueber duerfen Sie jetzt mal nachdenken.
Anders sein muß ok sein, anders denken nicht. Auch wir Normalos sind von Denkbremsen betroffen und zwar nicht zu knapp.
Anders sein muß ok sein, anders denken nicht. Auch wir Normalos sind von Denkbremsen betroffen und zwar nicht zu knapp.
Entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zur Debatte bei. Die Redaktion/ew
Autismus ist kein Label, es ist eine Krankheit. So wie Sie es formulieren, könnte man meinen, Sie würden diesen beiden Herren ihren Autismus als Ausrede für unangepasstes Verhalten unterstellen.
wieso "Ausrede für unangepasstes Verhalten"? Mit welcher Ausrede begründen Sie denn opportunistisch angepasstes Verhalten?
Wie ich es interpretieren wuerde, Herr Neumann, haben Sie sich allein des Dadaismus bedient, um zu zeigen das es auch andere Konzepte gibt, haben das aber von der Realitaet ihrer ordinaeren Perspektive gemacht, also als rein intellektuelle Kritik. Die Brueder so wie ich es sehe, verstehen und erfahren ihre Andersheit als Realitaet und von dort aus reflektieren sie ueber den normalen Zustand, was sicherlich weit ueber reine intellektuelle Kritik hinausgeht. Diese Erfahrung bleibt ihnen verschlossen, wenn sie die Andersheit von einer rein intellektuellen Perspektive betrachten.
Ich bin immer sehr skeptisch Autimus als Krankheit bezeichnen. Wird hier nicht einfach jemand als "krank" bezeichnet, wenn er nicht mit den gaengigen Annahmen ueber Verhalten, Erfahrung und Leben uebereinstimmt!?!
Autismus ist kein Label, es ist eine Krankheit. So wie Sie es formulieren, könnte man meinen, Sie würden diesen beiden Herren ihren Autismus als Ausrede für unangepasstes Verhalten unterstellen.
wieso "Ausrede für unangepasstes Verhalten"? Mit welcher Ausrede begründen Sie denn opportunistisch angepasstes Verhalten?
Wie ich es interpretieren wuerde, Herr Neumann, haben Sie sich allein des Dadaismus bedient, um zu zeigen das es auch andere Konzepte gibt, haben das aber von der Realitaet ihrer ordinaeren Perspektive gemacht, also als rein intellektuelle Kritik. Die Brueder so wie ich es sehe, verstehen und erfahren ihre Andersheit als Realitaet und von dort aus reflektieren sie ueber den normalen Zustand, was sicherlich weit ueber reine intellektuelle Kritik hinausgeht. Diese Erfahrung bleibt ihnen verschlossen, wenn sie die Andersheit von einer rein intellektuellen Perspektive betrachten.
Ich bin immer sehr skeptisch Autimus als Krankheit bezeichnen. Wird hier nicht einfach jemand als "krank" bezeichnet, wenn er nicht mit den gaengigen Annahmen ueber Verhalten, Erfahrung und Leben uebereinstimmt!?!
..letzten Absatz sollten wir uns alle zu Herzen nehmen:
"ihre Söhne könnten sich noch ein Stück weit angepasster verhalten und sich im Seminar auch einmal auf einen Stuhl setzen, wenn sie nur wollten. »Sie sind sich aber bewusst, dass sie mit einer stärkeren Anpassung an die Konventionen auch etwas aufgeben würden – nämlich ihre besondere Art, die Dinge zu sehen."
Wie oft merkt man doch dass man sich an die
Eine oder Ander Konvention anpasst auch wenn sichs so
oft doch eigentlich "nur" um Kleinigkeiten dreht..?
Anders sein muß ok sein, anders denken nicht. Auch wir Normalos sind von Denkbremsen betroffen und zwar nicht zu knapp.
Autismus ist kein Label, es ist eine Krankheit. So wie Sie es formulieren, könnte man meinen, Sie würden diesen beiden Herren ihren Autismus als Ausrede für unangepasstes Verhalten unterstellen.
Autismus ist ein Label, das wir, aus gesellschaftlichen Gründen als Krankheit, d.h. Ausserhalb der Norm definieren.
.
In einer anderen Gesellschaft könnte das als "Von Gott bevorzugt..." oder als "er ruht in sich selbst!" ...
definiert sein.
.
Krankheit, Behinderung ist immer eine Definition, als "Abweichung von der Norm", bzw. " das nicht tun/können was die Mehrheit tun/können kann!"
.
Unsere ganze Gesellschaft beruht auf solchen Zuschreibungen.
.
Problem nicht so recht. Womöglich gehören Sie zu den Menschen, die zwischen "krank" und "gesund" diskriminieren? Und dann natürlich sich selbst auf der Seite von "gesund" einordnen? Die beiden zeigen doch aufs Herrlichste, dass die Beschriftung "Autismus" auf Menschen angewandt werden kann, die intellektuell vielen derjenigen überlegen sind, die "Autisten" als "krank", "minderbemittelt" oder sonstwas abwerten.
Vielleicht sind sie einfach zu intelligent für diejenigen, die mit Begriffen wie "Autismus" agieren und die Welt nach Kategorien wie "krank" und "gesund" einteilen?
Im übrigen verbietet Ihnen niemand, für sich selbst das Label "Nicht-Autist" in Anspruch zu nehmen. Damit Sie sich auch sicher fühlen können in Ihrer "Gesundheit"...
... also einer, der unter den weichmäuligen Rundäuglern immer mal wieder so richtig aufmischt, der aber selber ein Karpfen ist, der täte gut daran, sich zu seiner eigenen Sicherheit als Hecht zu verkleiden. Wie im Leben halt.
Ich wollte sagen, "anerkannter" Autist zu sein, könnte doch einen gewissen Schutz bieten. Wenn man so will, "Krankheitsgewinn".
Autismus ist ein Label, das wir, aus gesellschaftlichen Gründen als Krankheit, d.h. Ausserhalb der Norm definieren.
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In einer anderen Gesellschaft könnte das als "Von Gott bevorzugt..." oder als "er ruht in sich selbst!" ...
definiert sein.
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Krankheit, Behinderung ist immer eine Definition, als "Abweichung von der Norm", bzw. " das nicht tun/können was die Mehrheit tun/können kann!"
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Unsere ganze Gesellschaft beruht auf solchen Zuschreibungen.
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Problem nicht so recht. Womöglich gehören Sie zu den Menschen, die zwischen "krank" und "gesund" diskriminieren? Und dann natürlich sich selbst auf der Seite von "gesund" einordnen? Die beiden zeigen doch aufs Herrlichste, dass die Beschriftung "Autismus" auf Menschen angewandt werden kann, die intellektuell vielen derjenigen überlegen sind, die "Autisten" als "krank", "minderbemittelt" oder sonstwas abwerten.
Vielleicht sind sie einfach zu intelligent für diejenigen, die mit Begriffen wie "Autismus" agieren und die Welt nach Kategorien wie "krank" und "gesund" einteilen?
Im übrigen verbietet Ihnen niemand, für sich selbst das Label "Nicht-Autist" in Anspruch zu nehmen. Damit Sie sich auch sicher fühlen können in Ihrer "Gesundheit"...
... also einer, der unter den weichmäuligen Rundäuglern immer mal wieder so richtig aufmischt, der aber selber ein Karpfen ist, der täte gut daran, sich zu seiner eigenen Sicherheit als Hecht zu verkleiden. Wie im Leben halt.
Ich wollte sagen, "anerkannter" Autist zu sein, könnte doch einen gewissen Schutz bieten. Wenn man so will, "Krankheitsgewinn".
... hat immer zwei Seiten.
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Einerseits erleichtert es das Zusammenleben. Reaktionen und Interaktionen sind vorhersehbar. Wir müssen nicht bei jedem neuen Kontakt erst die Regeln neu aushandeln.
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Andererseits verstecken sich in solchen Konventionen auch viele Tabus oder Sinnlosigkeiten, die es schwer machen neue Gedanken und Ideen zu finden, bzw. zu entwicklen.
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Problematisch wird es aber dann, wenn solche Verhaltensweisen bewusst oder unbewusst dazu benutz werden, Andere auszuschliessen oder zu diskriminieren.
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Die beiden "Jungs" dürften für ihre Mitstudenten sehr lehrreich sein, das trotz oder sogar auf Grund "unangepassten" Verhaltens neue Denkanstöße in die Gruppe zurückkommen werden.
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@AlexanderStingl:"Andersein das ist ok, anders denken? Nee, nee, nee."
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Anders denken kann ich auch mir angepasstem Verhalten.:-)) Mir muss nur bewusst sein, dass wenn ich den Mainstream verlasse der Aufwand für viele Dinge größer wird.
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cogito ergo sum
Sikasuu
hat aber ebenfalls 2 Seiten.
Mich hat das Ball-Hole-Spiel der beiden Brüder damals an der Uni ziemlich genervt. Zumal es oft mit festhalten des Armes einherging.
Dieses "unangepasste" Verhalten war bald genauso vorhersehbar wie das "angepasste" Verhalten der anderen Studenten.
In der Vorlesung haben sie nur selten gestört, dass sie multitaskingfähig sind und neben ihrer Hauptbeschäftigung des Rumalberns noch den Stoff mitschneiden können ist natürlich von Vorteil.
Sehr schön, dass es mit ihrem Studium so gut klappt. Wenn ich Texte über sie lese beschleicht mich aber manchmal das Gefühl, dass die Geschichte der Beiden benutzt wird zu zeigen wie tolerant der Schreiberling doch sei und wie intolerant doe böse Umwelt.
(dieser Text gehört eher nicht dazu)
hat aber ebenfalls 2 Seiten.
Mich hat das Ball-Hole-Spiel der beiden Brüder damals an der Uni ziemlich genervt. Zumal es oft mit festhalten des Armes einherging.
Dieses "unangepasste" Verhalten war bald genauso vorhersehbar wie das "angepasste" Verhalten der anderen Studenten.
In der Vorlesung haben sie nur selten gestört, dass sie multitaskingfähig sind und neben ihrer Hauptbeschäftigung des Rumalberns noch den Stoff mitschneiden können ist natürlich von Vorteil.
Sehr schön, dass es mit ihrem Studium so gut klappt. Wenn ich Texte über sie lese beschleicht mich aber manchmal das Gefühl, dass die Geschichte der Beiden benutzt wird zu zeigen wie tolerant der Schreiberling doch sei und wie intolerant doe böse Umwelt.
(dieser Text gehört eher nicht dazu)
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