Unternehmensberater : Traum oder Albtraum?

Für die eine ist Beratung der Job ihres Lebens, der andere hatte genug davon: Eine Aufsteigerin und ein Aussteiger berichten.

Die Aufsteigerin:

Ich war schon bei den Praktika während meines Studiums begeistert vom Beratungsberuf , und das setzt sich bis heute fort. Mittlerweile bin ich Associate Principal, stehe also nur eine Stufe unter den Partnern.

Was mir am Beraterdasein so gefällt? Dass ich mit hohem analytischem Anspruch an ein Problem rangehen kann und ständig interessanten Menschen begegne. Manche ehemalige Klienten sind richtige Freunde geworden. Außerdem habe ich viele Freiheiten, meinen Berufsweg zu gestalten. Als einige meiner Kollegen im dritten Jahr eine Pause einlegten, um den Doktor oder MBA zu machen, wollte ich weiterarbeiten, allerdings am liebsten in New York. Das ging. Auch von meinen Ideen für die Nachwuchswerbung wurden einige aufgegriffen. Und schließlich konnte ich mich auf das spezialisieren, was mich am meisten interessiert: Ich bin in Mailand aufgewachsen, Mode ist mein Ding. Jetzt berate ich Modeunternehmen, vor allem in Marketing- und Vertriebsfragen.

Das viele Reisen belastet mich nicht. Das gehört einfach irgendwie dazu. Außerdem schlafe ich ja nur von Montag bis Donnerstag im Hotel. Wenn ich am Wochenende daheim in München bin, fahre ich in die Berge oder koche Marmelade ein. Diese Zeit gehört mir. Beim Klienten allerdings arbeite ich viel. Eine 40-Stunden-Woche ist einfach unrealistisch. Trotzdem gehe ich Dienstag und Donnerstag morgens laufen. In jeder Stadt entdecke ich Neues. Mal jogge ich am Fluss, mal am Rapsfeld. Ansonsten bleibt unter der Woche kaum Zeit für Hobbys. Unterm Strich stimmt die Balance.

Linda Dauriz, 29, hat in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studiert und arbeitet seit fünf Jahren bei McKinsey

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Kommentare

43 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Ich gebe ihnen zu einem Drittel Recht, was diesen Satz angeht.

"Consulter, PM und Marketing sind die "Stock" Berufe unserer Zeit: Billig zu kriegen aber ohne tieferen Wert."

Consulter sind für die Katz. Aber PM und Marketing braucht im Grunde jedes Unternehmen (zumindest ab MB) in dieser Zeit ohne Umweg. Andernfalls ist man weg vom Fenster wenn man nicht gerade ein absolutes Alleinstellungsmerkmal hat. Und wie viele Unternehmen haben das schon...

Also ein wenig mehr Reflektion tät dabei gut und nicht einfach so die Phrasen raushauen.

ich durfe auch

in mehrere Firmen schon Bekanntschaft machen mit Unternehmensberatern.. Den einzigen Vorteil den diese Leute genießen ist die Erwartung der Firmenleitung nach einem (oder mehreren) Verbesserungsvorschlägen.
Ich habe aber bisher noch nie den Knaller oder die zündende Idee gesehen, die daraus hervorgegangen ist. Das hätte man von den Mitarbeitern viel viel günstiger haben können, wenn man sie mal gefragt hätte.
Und wie mein Vorposter schon schön angemerkt hat, wie soll ein Mensch mit gerade 20/30 Jahren genug Lebenserfahrung und Ausstrahlung haben um zu überzeugen? Es gibt immer Ausnahmen, aber in den meisten Fällen ist da nur heiße Luft..

29 und Associate Principal, das erklärt Einiges

Ich muss meinem Vorschreiber leider widersprechen: das Problem ist leider nicht, dass man diesen sehr intelligenten, aber unerfahrenen und teils unreifen Youngstern NICHT glaubt oder sie NICHT überzeugen, sondern das Gegenteil: einfallslose Altmanager werfen sich im Auftrag der Eigentümer genau diesen an den Hals, weil Ihnen qua Marke "McKinsey" Weisheit, Kompetenz und Innovationsfähigkeit attribuiert werden - was aber leider nur ein Wunschtraum ist.

McKinsey lebt wie keine andere Beratung von ihrem Nimbus. Aber das haben sie wirklich perfektioniert.

Toll...

...und woher haben Sie die Weisheiten, dass die Jungen BWL-Primaten tatsächlich gute Ideen haben könnten? Die HABEN nun einmal keine Erfahrung.

Die werden nur irgendwelchen Müll vorschlagen, wie eine facebook-Seite machen. Toll.

Warum ist es denn so, dass die dritte Generation eines Unternehmers die Firma idR. wieder ruinuert?

Was Sie ansprechen ist sicherlich auch nicht ganz falsch, aber das liegt daran, dass nur verantwortungslose Manager diese Leute beauftragen.

Ein echter Unternehmer braucht keine Hampelaffen von McKindergarten.

@Palamedes: Berater dienen bloss der Rechtfertigung

Sie verkennen das Spiel zwischen Management und Beratern. Das Management weiss i.d.R. genau, was sie wollen. Sie suchen nur einen Berater, der ihnen bestätigt, was sie schon beabsichtigen. Deshalb ist das Renommée von Beratungsfirmen wie McKinsey so entscheidend. Wenn das Management Personal abbauen will, ist die Unterstützung durch McKinsey viel mehr wert als die Beratung der Hans Müller Consulting aus dem Dorf nebenan.

Prinzip der Demokratie.

Manager mit Millionengehalt fürchten sich eine Entscheidung zu treffen und deswegen wird mit weiteren Millionen eine Firma beauftragt, die ein Müllachten erstellt. Wenn es denn später in die Hose geht, dann heisst es, der Manager hätte sich nach dem Gutachten gerichtet und McKindergarten sagt, es war nur ein Gutachten und keine Garantie...

Ausbaden muss es der Arbeiter mit seinen 2400€ Brutto.

[...]

Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine neutrale Wortwahl. Danke, die Redaktion/mo.