Studentenverbindungen Falsch verbunden
Mit einem Sorgentelefon will der Asta Göttingen Verbindungsstudenten beim Austritt helfen.
Johannes hat schnell gemerkt, dass er für sein günstiges Zimmer in der Burschenschaftsvilla einen moralischen Preis bezahlt. Bei einem Diskussionsabend polterte ein Verbindungsbruder gegen einen EU-Beitritt der Türkei: Muslime würden ihre Reisefreiheit nutzen, um über deutsche Frauen herzufallen! "Ich dachte mir nur: Was labert der für eine unglaubliche Scheiße?", sagt Johannes. "Ich habe nach Belegen für seine Thesen gefragt, bis ich des Saales verwiesen wurde."
Seither galt Johannes in seiner Verbindung als Unperson. Egal wohin er ging, immer blieb ein Bursche in seiner Nähe. Als er eines Nachts heimkam, hatte jemand seine Zimmertür abgeschlossen, juristisch gesehen ein Fall von Nötigung. Johannes rief die Polizei, packte seine Koffer und zog in eine normale WG. "Ich hatte mir zum Glück viele Kontakte neben der Verbindung erhalten", sagt der heute 34-Jährige. "Andere aber sind an ihrem Austritt beinahe zerbrochen und brauchten Hilfe von außen."
Der Asta Göttingen hat deshalb Ende Mai ein Sorgentelefon speziell für Verbindungsstudenten eingerichtet. "Bei manchen Anrufern gehört die Mitgliedschaft in der Verbindung zur Familientradition. Die machen sich Sorgen, dass sie von den Eltern keinen Unterhalt mehr bekommen, wenn sie austreten", sagt eine Studentin aus dem Beraterteam, die anonym bleiben will. Mittlerweile bearbeiten die ehrenamtlichen Helfer in der Verbindungshochburg Göttingen drei bis vier Fälle pro Woche. In Leipzig, wo seit 2007 eine ähnliche Hotline existiert, ist die Nachfrage hingegen nur gering.
Die Burschenszene macht sich derweil mit Scherzanrufen über das Hilfsangebot lustig. Auch der Sprecher des Dachverbands Neue Deutsche Burschenschaft, Janko Schwalbe, nimmt die Kritik nicht ernst: "Das ist eine reine Böswilligkeit des Astas, um uns als komische Sekte darzustellen." Doch erst kürzlich ist die Szene wieder in Verruf geraten, weil rechtsextreme Burschen forderten, Mitglieder mit ausländischen Wurzeln aus der Gemeinschaft auszuschließen.
- Datum 16.08.2011 - 11:25 Uhr
- Quelle ZEIT Campus
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Bisher war ich immer der Meinung, dass die Verbindungen für sich ein hohes Niveau beanspruchen würden und sich für eine Elite halten, es sieht aber eher so aus, dass sie Stammtischniveau haben und wohl zu oft ins Glas schauen.
So wie man im Sport eine Niederlage einstecken können muß, muß man auch jemandem seinen Austritt nach einem Eintritt lassen. Das sollte für eine Vereinigung selbstverständlich sein, um nicht zu sagen eine Frage der Ehre.
Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/er
Neben gemeinsamen Trinkveranstaltungen und Brauchtumspflege kehren viele Verbindungen ganz offen nach außen, dass eine Mitgliedschaft doch von Vorteil bei der Suche nach Jobs oder Anträgen bei Behörden sei, da man sich gegenseitig bevorzugt. Nur auf ganz konkrete Nachfrage kommt dann die Aussage, dass Verbindungsmitglieder "selbstverständlich" keine Vetternwirtschaft im strafbaren Sinne treiben.
Ich vermute daher, dass solche Vereine bevorzugt Menschen anziehen, die ohnehin gewillt sind "sich um des persönlichen Fortkommens anzupassen" (oder Klartext: anderen nach dem Mund zu reden, weil sie sich Vorteile versprechen). Tritt dann jemand in eine Verbindung ein und fragt nach Quellen oder Belegen, ist das wahrscheinlich ein ziemlicher Kulturschock für die Alteingesessennen... Sowas mag durchaus als Bedrohung empfunden werden.
Bitte können sie mir einmal den unterschied zwischen vetternwirtschaft und networking erklären
Bitte können sie mir einmal den unterschied zwischen vetternwirtschaft und networking erklären
Burschenschaften dienen doch nur dem gemeinsamen Besäufnis und der Selbstbestätigung der eigenen konservativen und sogar rechten Gesinnung.
Wirkliche Vorteile hat dort höchstens der Schankwart...
Bitte diskutieren Sie differenziert. Danke. Die Redaktion/er
Diese Diskriminierung von Burschenschaften nimmt wirklich absurde Züge an. Ich habe das früher gar nicht so realisiert.
Um es gleich klar zu sagen: ich bin auch kein Freund von rechtsradikalen Burschenschaften aber ich kann klar differenzieren zwischen einigen rechten Burschenschaften und unpolitischen oder liberalen Studentenverbindungen. Das schaffen leider so manche wütige Asta- Menschen, die sich oft sehr wichtig nehmen im Unialltag, nicht. Von einem Willen zur objektiven Einschätzung oder gar Toleranz gegenüber konservativ denkenden Studenten leider keine Spur.
Hier wird mit diesem Telefon der Eindruck erweckt, es handele sich bei den Verbindungen um gar mafiöse Kreise, aus denen man nicht aussteigen kann oder man ein schutzprogramm benötigt. Ich kenne nemanden, der eine Verbindung verlassen hat und dadurch Nachteile oder sonstwas negatives erlbet hat. Gut, die billige bude sollte man wenn es geht dann aufgeben...
Aber hier wird von Seiten des ( oft recht linken) Asta nun der Eindruck erweckt, diese "Aussteiger" benötigen grosse Hilfen.
Ich finde das unglaublich wofür der Asta hier Geld ausgibt, dieses Telefon dient nur Stimmungsmache und schafft es natürlich leider mal wieder in die sonst so objektive Zeit. Das war schon mit kruden Artikeln über Greifswalder Studentenverbindungen so ( nicht Burschenschaften!)
Die einzige gute und humorvolle Art beweisen hier die Mitglieder mit dieser Stimmungsmache umzugehen!
Was für lebensuntüchtige Menschen es mittlerweile doch gibt. Was wollen die denn machen, wenn sie mal echte Probleme bekommen?
Dann bitte übrigens mal Belege fur Personen, die an ihrer Mitgliedschaft, hier handelt es sich ja wohl nur um das wohnen auf dem Haus und nicht um einen Beitritt, "zerbrochen" sind,
Wie gesagt, ich kenne eine Menge Leute, die sich eben nicht fur den Bund fürs leben entscheiden konnten. Und die haben einfach ihr Band niedergelegt und sind gegangen und haben dann aber in der Zeit danach keine Bedrohung oder Nötigung erfahren. Im Gegenteil, den Corpus war es recht egal und im Grunde auch ganz recht, wenn jemand selbst merkt, dass er nicht zum Verein passt.
Wer natürlich nur auf ein (rechtes) burschenhaus zieht und dann eine vollkommen tolerante Szene erwartet, der sollte sich vorher auch mal über das Mietverhältnis informieren. Es ist ja klar dass die günstigen Buden in der Hoffnung vermietet werde, neue Bruder zu erschliessen... Das macht die alten Heeren dieses Vereins nicht besser, aber ist auch ein wenig naiv vom Johannes.. Ware er besser zu einer liberalen Verbindung gezogen...
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