ForschungsfinanzierungWissen schaffen ohne Waffen!

Universitäten sollten nicht für Unternehmen forschen, die das Militär beliefern, sagt Kristin Haug. von 

Mit den Aufklärungssatelliten des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB können Soldaten alles metergenau lokalisieren. Zum Beispiel Hütten in Afghanistan. Hütten, in denen sich Terroristen verschanzen. Hütten, in denen aber auch Kinder spielen können. Mithilfe der Satelliten suchen die Soldaten ihre Angriffsziele. Die OHB AG produziert viel für das Militär. Sie will der Universität Bremen eine Professur stiften. 1,65 Millionen Euro für die Forschung – gezahlt von einem Rüstungslieferanten. Verständlich, dass die Bremer Studenten damit ein Problem haben. Und nicht nur die.

Hochschulen in ganz Deutschland haben sich längst auf eine unheilige Allianz mit dem Militär eingelassen. In den vergangenen zehn Jahren zahlte das Verteidigungsministerium über 46 Millionen Euro an 48 Hochschulen. Mehr als 3,5 Millionen Euro gingen an die TU München , 3,8 Millionen an die Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und 2,8 Millionen an die Universität Kiel . Diese und andere Unis forschen für die Bundeswehr in den Bereichen Sensorik, Detektion, Materialforschung, Datenerfassung und medizinische Diagnostik. Allein im letzten Jahr kassierte die TU Dresden 710.000 Euro an Drittmitteln von der Armee, mehr als in den vergangenen zehn Jahren zusammen.

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ZEIT Campus 5/2011
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Natürlich: Die Mittel ermöglichen den Universitäten Forschung und die dafür erforderliche teure Ausrüstung – und sie sichern ihnen dadurch Vorteile im Hochschulwettbewerb. Manche Forschung wäre ohne eine solche Finanzspritze sogar undenkbar. Die Verbindungen zu Wirtschaftsunternehmen garantieren den Wissenschaftlern zudem wichtige Kontakte und ebnen ihnen vielleicht sogar den Weg in gut bezahlte Jobs jenseits der Hochschule. Die Unternehmen wiederum rekrutieren ihren eigenen Nachwuchs an den Unis. Eine Win-win-Situation.

Wenn Unternehmen allerdings Geld geben, liegt der Verdacht nahe, sie könnten Einfluss auf den Inhalt der Forschung nehmen . Wenn es sich dabei auch noch um Unternehmen handelt, die mit der Bundeswehr zusammenarbeiten, wird dieser Konflikt noch bedenklicher. Zwar werden an den Unis keine Waffen erfunden oder optimiert, kein Professor wird mit seinem Namen Pate für ein neues Maschinengewehr stehen wie Michail Kalaschnikow . Es geht um Grundlagenforschung in Medizin und Technik. Aber wer garantiert, dass diese Ergebnisse nicht in der Waffenproduktion verwendet werden? Nicht umsonst gibt es den Ausdruck »Dual Use« für Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Mit Wärmebildkameras etwa kann man die Wärmeschutzdämmung von Reihenhäusern überprüfen – oder Kampfpanzer aufrüsten, die an Saudi-Arabien geliefert werden.

Leserkommentare
    • paul12
    • 08. September 2011 19:48 Uhr

    Es wäre falsch, wenn der Staat mehrere mio. in die Forschung für Militärzwecken ausgeben würde. Denn sicherlich könnte der Sinn hinterfragt werden.
    Die Forschung und Entwicklung des Militärs, sei es die Nachrichtentechnik oder für den Einsatz in einem Krieg ist erforderlich. Und wenn die Rüstungsindustrien investieren umso besser. Denn um das rechtliche kümmert sich die Staatsanwaltschaft. Aber auf den neuesten Stand zu bleiben kann niemals schaden. Die Universitäten forschen ja auch in der Medzin dem einen oder anderen einen wenig zu viel. Manche sind sicherlich gegen vieles, die die Medizin inzwischen möglich macht und sogar rechtlich ist vieles garnicht geklärt.
    Wissen ja, das Nutzen ist dann eine andere Frage, solange die Unternehmen investieren.

    MFG

    5 Leserempfehlungen
  1. ... ebenfalls, dass unis niemals etwas mit dem militär zu tun haben sollten. sicher, man kann es nicht verhindern, dass manche erfindungen/studien zu militärischen/wirtschaftlichen zwecken genutzt werden, die rüstungsindustrie jedoch direkt mit den universitäten zu verknüpfen ist, meiner meinung nach, moralisch höchst brisant.
    wissen sollte friedlich genutzt werden um dem menschen zu helfen, nicht um ihn abzuknallen. natürlich ist diese aussage absolut naiv und idealistisch, doch wo würden wir stehen, wenn es auf der welt nicht wenigstens ein paar idealisten gäbe, die anderen ein vorbild sind und so unsere zivilisation ein klein wenig erträglicher machten?

    4 Leserempfehlungen
  2. Ich persönlich finde die Ansicht, die in diesem Artikel vertreten wird, widerlich und unmoralisch. Ich denke diese Attribute können, da der Artikel in ähnlich harscher Weise argumentiert, durchaus stehengelassen werden.

    Eine Institution, die nicht nur Bestandteil, sondern auch eine Garantie unserer demokratischen Gesellschaft ist, nämlich das Verteidigungsministerium, soll von staatlich bezahlten universitären Forschenden nicht mehr unterstützt werden?

    Natürlich sind Kriege schlimm, werden diese aber besser, wenn man wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand steckt und nichts in Rüstungsforschung investiert?

    Demokratie muss wehrhaft sein, nach innen und nach außen und deshalb finde ich die Meinung von Frau Haug, die völlig unbeschwert und sicher an ihrer Journalistenschule schreiben und hoffentlich noch einiges dazulernen darf, als unmoralisch und widerwärtig.

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    ... würde ich niemals kategorisch hinter der bundeswehr stehen. wir führen kriege, die wir nicht führen dürfen und kriechen den amis auf teufel komm raus in den arsch.
    moral und gerechtigkeit vertritt die bw garantiert nicht. vielmehr politik- und wirtschaftsinteressen, die an universitäten NICHTS zu suchen haben.
    NACH dem studium können die absolventen doch zur bw und tötungsindustrien gehen und für diese forschen, doch wieso müssen junge menschen in ihrer selbstfindungsphase denn schon auf der uni manipuliert werden?!

    Was genau ist an dem Artikel unmoralisch und widerwärtig?

    "Es gibt bereits eine freiwillige Verpflichtung vieler Unis, Forschung mit militärischem Nutzen abzulehnen: die sogenannte Zivilklausel, die die Unis selbst in ihrer Hochschulordnung verankern können. In Bremen hat sie der Akademische Senat verbindlich festgelegt."

    Im Beispiel geht es um eine Entwicklung der Uni Bremen. Ich finde es weder unmoralisch noch widerwärtig, wenn sich Unis an das halten, was sie einst verbindlich festgelegt haben.

    Da die Bundeswehr eigene Universitäten betreibt, kann sie dort ja entsprechende Forschungen betreiben.

    Noch unerträglicher finde ich das Herumhacken auf der Autorin. Ich glaube nicht, dass man einen Text, der auf ZEITonline erscheint, "völlig unbeschwert und sicher" zusammenwurstelt. Ich hatte beim Lesen eher das Gefühl, dass sich da jemand tatsächlich mit dem beschriebenen Inhalt befasst hat. Weder widerwärtig noch unmoralisch.

  3. ... würde ich niemals kategorisch hinter der bundeswehr stehen. wir führen kriege, die wir nicht führen dürfen und kriechen den amis auf teufel komm raus in den arsch.
    moral und gerechtigkeit vertritt die bw garantiert nicht. vielmehr politik- und wirtschaftsinteressen, die an universitäten NICHTS zu suchen haben.
    NACH dem studium können die absolventen doch zur bw und tötungsindustrien gehen und für diese forschen, doch wieso müssen junge menschen in ihrer selbstfindungsphase denn schon auf der uni manipuliert werden?!

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    Sie haben schon ein bißchen Recht. Aber unsere Regierung ist immerhin sehr, sehr viel besser als andere Regierungen.

    Forschung muss frei sein und deshalb muss Forschung auch die Freiheit haben, für militärische Zwecke forschen zu dürfen. Oder wollen Sie wie die Autorin die Forschungsfreiheit eindämmen? Einfach nach Gutdünken und eigener politischer Ausrichtung? Ich halte das für sehr gefährlich. Die Autorin kann - insofern sie sich einmal wissenschaftlich betätigen sollte - sehr gerne für sich ausschließen, dass sie nicht für die Rüstungsindustrie forscht. Anderen aber vorschreiben zu wollen, dies nicht zu tun, halte ich für moralisch verwerflich.

    ... sei es durch Werbung, Fernsehen oder was auch immer, und einem Studenten sollte man schon genug Urteilsvermögen zutrauen können.
    Wer heutzutage an der Uni noch in der "Selbstfindungsphase" ist, hat etwas nicht rechtzeitig mitbekommen. Die Zeiten sind vorbei, in denen Studenten erst mit 30 erwachsen werden müssen.
    Wo hört Erziehung, Meinungsbildung, Information auf, wo fängt Manipulation an? Und ist "Manipulation" durch ausbeutende Konzerne (Drittmittel sind immerhin DAS Zauberwort an Unis, besonders wenn es um eine Professur geht) wirklich soviel besser?

    Ihre Kritik wäre übrigens leichter zu lesen, wenn Sie mehr Groß- und Kleinschreibung und weniger Schimpfworte verwenden würden.

    • Taranis
    • 08. September 2011 20:37 Uhr
    5. bigott

    Es ist durchaus richtig, daß Forschung unabhängig sein sollte, aber wenn man sich bereits von einem Konzern stiften lässt und damit in eine vermeintliche Abhängigkeit begibt, sollte man nichtmehr den moralischen Zeigefinger heben und sagen "aber für einen Rüstungskonzern nicht, da bin ich mit zu schade für!" Für BigTabaco wärs dann schon wieder okay oder was?

    Bitte nicht falsch verstehen, ich bin kein Fan von Kriegen und schon garnicht wie sie heutzutage teilweise betrieben werden. Allerdings zu behaupten man könnte Problemlos ohne Militär und deren Forschung ist einfach leichtgläubig.

    4 Leserempfehlungen
  4. Die Autorin lebt scheinbar noch in den 70er und 80er Jahren.
    Gewiss waere eine Welt gaenzlich ohne Militaer und Gewalt eine schoene Welt, aber sie wird es wohl niemals geben.

    Dass Ruestungsforschung der Gesellschaft ueberhaupt nichts bringt ist somit vollkommen abwegig. Es koennen sehr wohl Zeiten kommen in denen wir zumindest ein Drohpotenzial haben muessen.
    Gleichwohl darf natuerlich nicht ueber die Gefahren welche Ruestungsexporte in Kriegs- und Krisenregionen bedingen (und wohl nicht nur in diese...)hinweggesehen werden. Mit reinem Schwarz-weiss Denken kommt man aber nicht weit!

    So ist der Artikel vollkommen laecherlich.
    Vielleicht sollte sich die Autorin lieber mit Hanni und Nanni auseinandersetzen anstatt ueber komplexere Dinge zu schreiben.

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    Zitat hanspaulmartin: "So ist der Artikel vollkommen laecherlich."

    ...ist nichts hinzuzufügen.

    • Crest
    • 08. September 2011 20:42 Uhr

    Konsequenterweise würde das aber einen pazifistischen Staat erfordern. Denn ein bischen Militär klingt wie ein bischen schwanger. Und wenn schon Militär, dann effizientes Militär. Und dann gehörte konsequenterweise militärische Forschung dazu.

    Wenn also unsere Gesellschaft nicht pazifistisch ist, dann sehe ich nicht wirklich einen Grund, militärisch nutzbare Forschung aus den Hochschulen zu verbannen.

    Die Frage ist also eigentlich: sollen wir pazifistisch sein. Da werden viele ja sagen. Wenn es aber "hart auf hart" kommt, werden die meisten dieser Ja-Sager sich erfahrungsgemäß "doch gerne verteidigen lassen". Auch Frau Hauk müsste erst noch zeigen, ob ihre Einstellung einen "Härtetest" übersteht. (Da ich sie nicht kenne, enthalte ich mich einer Prognose.)

    Ich denke dennoch, es wäre vermutlich ehrlicher, wenn wir militärisch nutzbare Forschungen zuliessen.

    Herzlichst Crest

    7 Leserempfehlungen
  5. Sie haben schon ein bißchen Recht. Aber unsere Regierung ist immerhin sehr, sehr viel besser als andere Regierungen.

    Forschung muss frei sein und deshalb muss Forschung auch die Freiheit haben, für militärische Zwecke forschen zu dürfen. Oder wollen Sie wie die Autorin die Forschungsfreiheit eindämmen? Einfach nach Gutdünken und eigener politischer Ausrichtung? Ich halte das für sehr gefährlich. Die Autorin kann - insofern sie sich einmal wissenschaftlich betätigen sollte - sehr gerne für sich ausschließen, dass sie nicht für die Rüstungsindustrie forscht. Anderen aber vorschreiben zu wollen, dies nicht zu tun, halte ich für moralisch verwerflich.

    9 Leserempfehlungen
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    ... natürlich absolut recht. einer person die freiheit etwas zu tun, das anderen menschen nicht schadet zu nehmen, ist nicht korrekt. ob forschung für die rüstungsindustrie anderen menschen schadet, oder unter umständen sogar hilft, ist, denke ich, nicht ohne eine 90-seitige diskussionsrunde zu ermitteln (wenn überhaupt). dennoch bin ich der meinung, dass man dann wenigstens die rüstungsindustrieen selbst (also das sponsoring, die werbung etc.) von den unis fernhalten kann. die menschen, die für militärische zwecke forschen wollen können dies dann an den unis immernoch unabhängig tun und später dann zu besagten geschäftszweigen wechseln.

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  • Schlagworte Hochschule | Militär | Verteidigungsministerium | Allianz | Bundeswehr | Euro
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