Berufsanfänger : Wie wir arbeiten werden

So denken die Personalchefs: Unsere Kolumnistin Maren Lehky sagt, wie sich die Berufswelt verändern wird.

Wie die Arbeitswelt der Zukunft aussehen wird , kann man recht gut an der Gegenwart ablesen. Viele Trends sind schon angelegt. Schon jetzt kommunizieren wir über verschiedene Zeitzonen und Orte hinweg; schon jetzt arbeiten viele von uns in virtuellen Teams. Und bereits jetzt zeichnet sich ab, dass wir einen »Arbeitnehmermarkt« bekommen . Was den Personalchefs Kopfzerbrechen bereitet, ist gut für Sie: Nachwuchsakademiker werden in Zukunft noch begehrter sein. Die Firmen werden sich vieles ausdenken, um sie anzulocken und sie vor allem zu halten.

Aufgrund des Nachwuchsmangels wird Deutschland stärker auf Zuwanderung setzen, die Unternehmen werden aber auch Arbeit in Länder verlagern, wo genügend Arbeitskräfte bereitstehen. Das bedeutet für Sie: Sie werden in immer internationaleren Teams arbeiten und damit umgehen müssen, dass verschiedene Werte, Erwartungen, Kulturen und Sprachen aufeinandertreffen.

Maren Lehky

Maren Lehky ist Unternehmens- und Personalmanagement-Beraterin in Hamburg. In ihrer Kolumne, die im ZEIT CAMPUS Magazin und auf ZEIT ONLINE erscheint, gibt sie Berufsanfängern Karrieretipps.

Weil es weniger Arbeitnehmer geben wird und auf der anderen Seite Sozialleistungen wahrscheinlich weiter zurückgefahren werden, werden sich viele Frauen die Variante »Ich bleibe ein paar Jahre zu Hause beim Kind« nicht mehr leisten können. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird die Unternehmen ernsthafter beschäftigen als bisher. Frauen werden auch vermehrt in Berufe und Fächer strömen, in denen man mit höherer Wahrscheinlichkeit mehr Geld verdienen kann. Die Lebensläufe werden bunter, mit mehr Brüchen. Zeiten für Weiterbildung , für Sabbaticals, Monate ohne Beschäftigung oder auch eine Selbstständigkeit zwischendurch werden den Lebenslauf prägen. Vielleicht wird es sogar möglich sein, zwischen verschiedenen Berufen zu wechseln und sich nicht auf lange Sicht festlegen zu müssen.

Die Arbeitszeiten werden flexibler. Statt »abgesessener Zeit« wird es auf Ergebnisse ankommen, egal wann und von wo sie erarbeitet wurden. Die Lebensarbeitszeit selbst aber wird sich verlängern. Das bringt ebenfalls Veränderungen mit sich. Denn gegen Ende des Arbeitslebens will man vielleicht weniger arbeiten, vielleicht auch weniger anspruchsvoll – und dies ohne Gesichtsverlust. Unsere Energie wird wohl nicht reichen, um das Hamsterrad gut 45 Jahre in hohem Tempo zu drehen.

Was heißt das für Sie? Übernehmen Sie die Führung in Ihrem Leben! Kümmern Sie sich darum, dass Sie lebenslang lernen. Teilen Sie Ihre Energie so ein, dass Sie nicht zu früh verbrennen , denn es wird anstrengend werden. Lernen Sie früh einen gesunden Umgang mit dem Smartphone, setzen Sie Grenzen, seien Sie nicht immer erreichbar. Stärken Sie Ihre privaten Beziehungen und Freundschaften, und schaffen Sie sich Freiraum dafür! Bauen Sie sich etwas auf, das als breite Basis für ein langes und erfülltes Leben voller Chancen trägt. Denn Chancen wird es reichlich geben – Sie müssen nur zugreifen!

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Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Sie schreiben

Teilen Sie Ihre Energie so ein, dass Sie nicht zu früh verbrennen, denn es wird anstrengend werden.

Als wenn man die Wahl hätte.

Ich empfinde diese ganzen Selbstverantwortlichkeits-Parolen
als Frechheit. Setzen Sie sich doch lieber dafür ein, dass die Bevölkerung einen zumindestg stabilen Anteil am Wachstum der Wirtschaft erhält.

Mann hat immer eine Wahl

Dabei ist es wichtig zu lernen, dass einem andere Leute aus Eigeninteresse die Wahl der falschen Alternativen nennen, so wie in diesem Artikel.

"... Ich empfinde diese ganzen Selbstverantwortlichkeits-Parolen als Frechheit. ..."

Zumindest ist es so, dass diejenigen, die auf die Eigen- und Selbstverantwortlichkeit anderer so pochen, von ihrer eigenen (Mit-)Verantwortung für die gesellschaftlichen Verhältnisse ablenken wollen oder sich gar aus dieser (Mit-)Verantwortung rausstehlen wollen.

Sehr gewagte Prognose

die im Übrigen viele Entwicklungen außer Acht läßt. Darunter:

- die stetig (schon fast exponentiell) wachsende Produktivität, die gegen die Probleme der Demographie wirkt

- die ausgehenden Rohstoffe, die nun mal all die nicht-produzierenden und in letzter Konsequenz überflüssigen Berufe erst möglich machen

- die Tatsache, daß eine Gesellschaft nicht lange überleben kann, wenn nur eine winzige Schicht zu Arbeit und Wohlstand gelangen kann

- die Tatsache, daß ein großer Teil unserers Wohlstandes durch Ausbeutung von Menschen in anderen Ländern ermöglicht wird und das dort gerade gewaltige Veränderungen passieren

- die Möglichkeit, daß ein großer Anteil der Menschen in Europa mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden sind und Veränderungen in der Arbeitskultur wahrscheinlicher werden

- die Tatsache, daß die wenigsten Ihr ganzes Leben nach den im Artikel beschriebenen Vorstellungen auszurichten bereit sein werden

- die Tatsache, daß eine Gesellschaft ein komplexes System darstellt und längerfristige Prognosen daher sowieso Unsinn sind

Mir ist bewußt, daß die meisten dieser Punkte hier nur als Thesen erscheinen und deren Auswirkungen nur spekulativ zu prognostizieren sind. Also bitte nicht darauf herumhacken, sind nur als Aufzählung von Aspekten gedacht, die es zu bedenken gilt, wenn man den Versuch einer langfristigen Prognose wagt.

Postscriptum

...wewegen ich mal wieder zu dem Schluß komme, daß diese ganze Personal-/Betriebs-/Marketing-/Unternehmens-/Finanz-Beraterchose eine pseudowissenschaftliche Kaffeesatzleserei darstellt, die vor allem (nicht nur!) von Leuten wahrgenommen wird, die viel Geld ohne sinnvolle Arbeit wollen.

Das mag polemisch und vielleicht unfair sein; ich warte auf Gegenbeispiele. Dieser Artikel ist jedenfalls keines.

Das kommt auf einen selbst an

>Die Arbeitszeiten werden flexibler. Statt »abgesessener Zeit« wird es auf Ergebnisse ankommen, egal wann und von wo sie erarbeitet wurden. Die Lebensarbeitszeit selbst aber wird sich verlängern.

Ich arbeite selber in einem solchen flexiblen Modell, mit der Konsequenz dass ich mehr Freizeit habe, da ich prozessbedingte Leerlaufzeiten nicht absitzen muss und nein ich bin nicht faul und unproduktiv, sogar deutlich produktiver als meine Kollegen, die nach dem bisherigen Modell hauptsächlich ihre 8 Stunden absitzen.

Zeit absitzen

Es gibt schon sehr viele Berufe mit flexiblen Arbeitszeiten. Im Sinne von: stets für die betrieblichen Belange erreichbar sein. Welches in seiner Konsequenz wiederum bedeutet: Sich in seiner Freizeit auf Abruf für zeitliche Einsätze bereit zu halten.

Ich beschreibe hier nur einem Umstand in einem - normalen_ Dienstleistungbereich (keine Feuerwehr - keine Ärzte(bereitschaft) - keine Polizei), - Leerlauf ist dort oft nicht zu finden - wegen Fachpersonalmangel.

Lernt was Ordentliches und haut ab aus diesem Horrorszenario!

"... Unsere Energie wird wohl nicht reichen, um das Hamsterrad gut 45 Jahre in hohem Tempo zu drehen.

Was heißt das für Sie? Übernehmen Sie die Führung in Ihrem Leben! ... "

1. Alternative:

Ja, übernehmt die Führung für euer Leben, und zwar indem ihr naturwissenschaftliche/ingenieurwissenschaftliche Fächer studiert oder eine solide Handwerks-/Industrieausbildung absolviert und anschließen den Meister macht.

Damit ist man bestens auf eine selbständige Tätigkeit vorbereitet, und die muss nicht in Deutschland ausgeübt werden.

Andere Länder werden sich um euch reißen und euch gute Bedingungen bieten. Deutschlands Arbeitgebern könnt ihr dann eine lange Nase zeigen. Wer nicht auf die Menschen und ihre Bedürfnisse hört und Rücksicht nimmt, der muss fühlen. Nämlich einen Fachkräftemangel, der sich gewaschen hat.

2. Alternative:
Macht genau das, was in der ersten Alternative steht: lernt einen ordentlichen Beruf (Natur- oder Ingenieurwissenschaften oder Handwerks- oder Industrieausbildung und Meisterausbildung) und organisiert euch endlich gewerkschaftlich, damit euch die Arbeitsbedingungenn im Angestelltendasein nicht aufgezwungen werden.

Es gibt keine Sachzwänge und nichts ist alternativlos. Das wird nur behauptet, um die Gegenwehr und den Widerstand der Leute zu schwächen und zu brechen. Das ist genauso, wie der Ruf: Halt Polizei, Widerstand ist zwecklos. Wer auf so etwas reinfällt, hat schon verloren.

Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt!