Fotoprojekt Bestandsaufnahme

ZEIT CAMPUS zeigt in jeder Ausgabe Arbeiten von jungen Fotografen. Diesmal: Sannah Kvist. In ihrer Arbeit "All I Own" präsentiert sie Menschen mit ihrem Besitz

ZEIT CAMPUS: Sannah Kvist, Sie haben Menschen gebeten, ihren ganzen Besitz zu einem Riesenberg zu stapeln. Was sollte das?

Sannah Kvist: Es ging um das Porträt einer Generation. Alle Porträtierten sind in den achtziger Jahren geboren, genau wie ich. Diese Generation ist die erste in Schweden, der es finanziell schlechter geht als ihren Eltern. Sie wurde von Kritikern als extrem egoistisch und materialistisch im Vergleich zu vorherigen Generationen beschrieben.

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ZEIT CAMPUS: Und, hat sich dieser Verdacht bei den Menschen auf Ihren Fotos bestätigt?

Kvist: Noch kann ich dazu nichts sagen, das Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Interessant war aber, wie sie mit ihren Besitztümern ihre Persönlichkeit inszeniert haben. Alle sollten ihre Sachen für die Fotos selbst auftürmen. Sie konnten stapeln, wie sie wollten. Anfangs ging das schnell, aber am Ende hat es sehr lange gedauert, bis sie entschieden hatten, was ganz vorn zu sehen sein soll. Sie waren auf manche Sachen stolzer als auf andere.

ZEIT Campus 6/2011
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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ZEIT CAMPUS: Sie kaufen sich also eine Identität?

Kvist: Ich würde sagen, wir kaufen alle immer mehr, und vieles, was wir kaufen, dient zur Bestätigung unseres eigenen Ichs.

ZEIT CAMPUS: Besitzen wir deshalb heute mehr als unsere Eltern in ihrer Jugend?

Kvist: Es ist wohl die gleiche Anzahl an Dingen. Wir heben aber nicht mehr so viel auf oder verwerten Dinge wieder wie die Generationen vor uns. Wir konsumieren, werfen weg und kaufen wieder neu.

ZEIT CAMPUS: Wie geht es Ihnen selbst damit?

Sannah Kvist
Sannah Kvist

Sannah Kvist, 25, studiert an der Universität Göteborg Fotografie und macht eine Ausbildung als zur Lokomotivführerin. Ihre Kamera hat sie immer dabei, um ein visuelles Tagebuch zu führen, nicht nur in der Lokomotive.

Kvist: Ich kämpfe täglich mit meinem Konsumverhalten, weil ich ein Verlangen nach Dingen spüre, die ich nicht brauche. Jemand anderes lässt mich glauben, dass ich sie brauche, ein Freund oder der Macher eines Werbespots. Ich finde es schwer, mich dem zu widersetzen. Wenn ich dann etwas konsumiere, das ich eigentlich gar nicht konsumieren will, fühle ich mich oberflächlich. 

ZEIT CAMPUS: Wenn Sie so viel kaufen, klingt das nicht, als würde es Ihnen finanziell schlechter gehen als Ihren Eltern.

Kvist: Doch. Für meine Mutter war es normal, einen festen Job und eine eigene Wohnung zu haben. Für uns gibt es nur noch Zeitarbeitsverträge und befristeten Wohnraum.

Leser-Kommentare
  1. ...Generation, der ich - leider - nicht mehr angehöre: Mein Herz hängt schon seit einiger Zeit an keinen Dingen mehr, verzweifelt versuche ich, mich von allem Ballast zu trennen, leider oft ohne den gewünschten Erfolg. Ein Tisch, ein Stuhl, ein (Schreib-)tisch, ein Schrank: Jedesmal, wenn ich wieder, umzugsbedingt, "ausgemistet" habe, fühlte ich mich eine zeitlang sehr wohl, bis sich die Bude erneut füllte. Manchmal habe ich Sehnsucht nach der Studentenzeit meiner Jugend, wo wir untereinander tauschten, mehrfachnutzten - aber glücklich waren ohne Dinge. Ich will das wiederhaben!

  2. Ich weiss nicht, ob das pedantisch ist zu kommentieren, aber bei Bild Nr 1. wird geschrieben, dass die fotografierten Personen keine eigene Wohnung haben oder festen Arbeitsvertrag. Und, zweitens, das es dieser Generation schlechter, finanziell (!), geht als der ihrer Eltern. Dann frage ich, wo ist da der Massstab!?!

    1) 20-25 Jahre alt, Eigentumswohnung? Ob meine Eltern, die de facto wohl finanziell einiges mehr haben, das damals in dem Alter hatten? Fragwuerdig.

    2) Kein fester Arbeitsvertrag. Schon ein sachgemaesserer Unterschied, aber wenn man bedenkt, dass 2 aus 6, Studenten sind, 1 unaebhaengige Kuenstlerin und nur 3 eigentlich "berufstaetig" (im formellen Sinn), dann ist das eine unglaubwuerdige Darstellung und Beschreibung der Bilder.

    Ich persoenlich finde, dass bei solchen Geschichten, so okay ich die Bilder und Arbeit finde, Leuten durch Unsachlichkeit in der Beschriftung und Beschreibung (vielleicht auch Konzeption), unnoetigerweise Unsicherheit vermittelt wird, wenn solche statements nicht kritisch reflektiert wird. Ob dies nun dem Kuenstler oder Journalist geschuldet ist, die hier ihre fuer apriori befundenen Thesen irgendwie reinbringen wollen und dann extrem vage Formulierungen bringen, weiss man nicht.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • DN94
    • 02.12.2011 um 13:32 Uhr

    Ich glaub nicht, dass gemeint war, dass die jungen Leute keine Eigentumswohnung haben. Die Aussage war eher, dass sie keine Mietwohnung haben sondern meist nur zur sehr kurz befristeten Untermiete wohnen (z.b. 2-3Wochen/Monate in nem freien WG-Zimmer).
    Persönlich gehör ich zu der Generation und kann fast alle Aussagen in diesem Interview unterstreichen. Nach dem Studium bin ich von Praktikum zu Praktikum, von Wohnung zu Wohnung. Immer mit gerade so viel Einkommen, dass ich mich nicht verschulde. Und, abgesehen von Sofa und Rechner, passt der Besitz in 2 Reisetaschen und nen Rucksack.

    • DN94
    • 02.12.2011 um 13:32 Uhr

    Ich glaub nicht, dass gemeint war, dass die jungen Leute keine Eigentumswohnung haben. Die Aussage war eher, dass sie keine Mietwohnung haben sondern meist nur zur sehr kurz befristeten Untermiete wohnen (z.b. 2-3Wochen/Monate in nem freien WG-Zimmer).
    Persönlich gehör ich zu der Generation und kann fast alle Aussagen in diesem Interview unterstreichen. Nach dem Studium bin ich von Praktikum zu Praktikum, von Wohnung zu Wohnung. Immer mit gerade so viel Einkommen, dass ich mich nicht verschulde. Und, abgesehen von Sofa und Rechner, passt der Besitz in 2 Reisetaschen und nen Rucksack.

    • DN94
    • 02.12.2011 um 13:32 Uhr

    Ich glaub nicht, dass gemeint war, dass die jungen Leute keine Eigentumswohnung haben. Die Aussage war eher, dass sie keine Mietwohnung haben sondern meist nur zur sehr kurz befristeten Untermiete wohnen (z.b. 2-3Wochen/Monate in nem freien WG-Zimmer).
    Persönlich gehör ich zu der Generation und kann fast alle Aussagen in diesem Interview unterstreichen. Nach dem Studium bin ich von Praktikum zu Praktikum, von Wohnung zu Wohnung. Immer mit gerade so viel Einkommen, dass ich mich nicht verschulde. Und, abgesehen von Sofa und Rechner, passt der Besitz in 2 Reisetaschen und nen Rucksack.

    Antwort auf "Apriori Thesen"
    • Ascag
    • 02.12.2011 um 17:41 Uhr

    Wenn ich z.B. Karls Besitz in Bild Nr. 5 anschaue, dann sehe ich dort:

    - 1 Bett
    - Mehrere Stapel Bücher
    - 1 'Trivial Pursuit'-Spiel
    - 1 Computer, noch mit Röhrenmonitor (also wohl nicht der allerneueste)
    - 1 Rollkoffer in dem vermutlich seine paar Kleidungsstücke sind
    - Einige wenige Küchenutensilien
    - 1 Schreibtischlampe

    Und das wars zum guten Teil. Ein Leben im Luxus sieht anders aus. Wer um alles in der Welt kommt auf die Idee, dieser Generation ausgerechnet Egoismus und Materialismus vorzuwerfen? Sogar noch schlimmer: *Extremen* Egoismus und Materialismus?

    Eine Leser-Empfehlung
    • tuo
    • 04.12.2011 um 16:11 Uhr

    Hallo,

    ich habe eine recht ausführliche Virus-Warnung nach anklicken des obigen Links (http://sannahkvist.se/) erhalten. Angeblich habe ich jetzt eine Trojaner. Könnte mal jemand sagen, ob ihm das gleiche beim anklicken der Seite passiert ist?

    Vielen Dank!

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