Vorlesungen im Internet Seifenopern

Immer wieder gern gesehen: Die Vorlesungen berühmter Professoren. Sechs Filmtipps

Jacques Lacan: Der Psycho-Thriller

Wie Alfred Hitchcock ist der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan ein Meister der Suspense, der erwartungsvollen Spannung. In dieser Vorlesung über die Psychoanalyse im Allgemeinen brüllt er, er flüstert, und dann schweigt er, quälende Sekunden lang. Die Kamera verharrt auf seinem Gesicht. Die Spannung entlädt sich, als ein Student aufspringt und die Koryphäe mit einem Krug voll Schmutzwasser angreift. Eine thematisch etwas angestaubte Handlung, aber nuanciert gespielt. Ein zeitloser Klassiker mit stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Bildern und ruhiger Kameraführung. Für lange Winterabende auf dem Sofa.

Jacques Lacan

Spaß: *

Erotik: *

Spannung: ***

Gefühl: *

► »On Psychoanalysis«, Ome U 7.45 Min.

bit.ly/campus_lacan

Jürgen Habermas: Das Doku-Drama

ZEIT Campus 6/2011
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

Was für ein Mann. Jürgen Habermas, der weltbekannte Philosoph, steht vor einer schlecht gewischten Tafel der Purdue-Universität in Indiana und macht das, was er gleichzeitig am besten und am schlechtesten kann: Er spricht. Über die kantianische Idee des Völkerbundes. Habermas wurde mit einer Hasenscharte geboren. Jedes Wort ist eine Anstrengung für ihn. Was hat ihn bewegt, ausgerechnet einen Beruf zu wählen, der vor allem vom Sprechen lebt? Fest steht: Seit Der alte Mann und das Meer hat uns kein Darsteller mit wenigen Gesten so gerührt. Für die Nacht vorm Referat: Wenn der’s schafft, schaff ich’s auch!

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Jürgen Habermas

Spaß: –

Erotik: –

Spannung: *

Gefühl: ***

► »The Kantian Project of Cosmopolitan Law«, 9.56 Min.

bit.ly/campus_habermas

Judith Butler: Das Sozialdrama

Man könnte diese Vorlesung für einen Film über Geschlechterrollen halten, denn im Mittelpunkt steht die Literaturprofessorin Judith Butler – der Superstar der Gender Theory. In Wirklichkeit aber geht es um spätrömische Dekadenz. Der Ort: das Nobel-Museum von Stockholm mit goldenen Säulen und Marmorstatuen. Butler thematisiert die Verantwortung, die satte Menschen in Industriestaaten haben, wenn sie hungernde Kinder in Afrika sehen. Der Widerspruch zwischen dem Thema und der Dekadenz des Drehorts erzeugt eine subtile Spannung. Ein sozialkritischer Film für alle, die von Schreckensbildern ein schlechtes Gewissen bekommen.

Judith Butler

Spaß: –

Erotik: *

Spannung: **

Gefühl: –

► »Precarious Life. The Obligations of Proximity«, 93 Min.

bit.ly/campus_butler

Noam Chomsky: Der Autorenfilm

Nicht nur die Palmwedel im Hintergrund machen diese Vorlesung zu einem Klassiker unter den Urwaldfilmen, auch die offensichtliche Nähe zu Werner Herzogs Film Fitzcarraldo. Hier ein irischer Opernliebhaber, besessen von der wahnsinnigen Idee, im peruanischen Urwald ein Opernhaus zu errichten. Dort ein Linguistikprofessor, getrieben von dem irren Einfall, er könne im Alleingang die Dysfunktionalität der Massenmedien entlarven. Die Symbolik für die Konfrontation zwischen Zivilisation und Natur macht diesen Film zu einem Kunstwerk für Naturfreunde und Liebhaber bourdeauxfarbener Krawatten.

Noam Chomsky

Spaß: –

Erotik: *

Spannung: **

Gefühl: –

► »Manufacturing Consent«, 9.47 Min.

bit.ly/campus_chomsky

Claus Mattheck: Die Natur-Doku

Wer nachts gerne Naturfilme mit Plätscherbächen und Mooslichtungen schaut, ist in dieser Vorlesung richtig. Der kauzige Biologieprofessor Claus Mattheck ist selbst eine Art Naturschauspiel: Mit Ritterfrisur und John-Lennon-Brille wirkt er wie aus einem Mittelalterfilm gefallen. Aber das Outfit täuscht: Mattheck ist ein weltweit renommierter Wissenschaftler, der für seine Forschung ausgezeichnet wurde. Hier erklärt er, was die Form eines Baumes über seine Gesundheit aussagt. Offenbar mit dem Handy gefilmt, kommt diese Doku ohne Schnitte aus und gehört zum Genre des Spontanfilms. Guter Einschlaffilm für die Klausurenphase.

Claus Mattheck

Spaß: ***

Erotik: –

Spannung: **

Gefühl: –

► »Die lustigste Vorlesung«, 3.34 Min.

bit.ly/campus_mattheck

Randy Pausch: Der Rührfilm

Randy Pausch kommt in den Hörsaal und zeigt Bilder seiner Kernspintomografie: Pausch hat Bauchspeicheldrüsenkrebs und zehn Metastasen in seiner Leber. Er ist gekommen, um die letzte Vorlesung seines Lebens zu halten. Es wird viel gelacht, der Informatikprofessor scherzt: »Ich habe auf dem Sterbebett zum wahren Glauben gefunden: Ich habe einen Macintosh gekauft.« Aber er erzählt auch, wie er sich die Träume seiner Kindheit erfüllt hat. Einer der schönsten Filme über den Umgang mit dem Tod. Für alle, die sich erinnern wollen, dass es keine Situation gibt, die so schlimm ist, dass man nicht das Beste daraus machen kann.

Randy Pausch

Spaß: **

Erotik: –

Spannung: **

Gefühl: ***

► »Achieving Your Childhood Dreams«, 77 Min.

bit.ly/campus_pausch

 
Leser-Kommentare
  1. Was soll denn das über Habermas? Bisschen respektlos, oder?
    Bitte bleiben Sie konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist respektlos?

    Diese Anmerkung der Redaktion ist angesichts der Artikelzeilen zu Habermas schon bigott.

    Hätten diese Zeilen sich als Leserkommentar unter einem Artikel wiedergefunden, wären sie mit Sicherheit (und zu Recht) von der Redaktion editiert worden!

    ist respektlos?

    Diese Anmerkung der Redaktion ist angesichts der Artikelzeilen zu Habermas schon bigott.

    Hätten diese Zeilen sich als Leserkommentar unter einem Artikel wiedergefunden, wären sie mit Sicherheit (und zu Recht) von der Redaktion editiert worden!

  2. Bitte richtige Links. Mattheck und Pausch funktionieren nicht.

  3. ist respektlos?

    Antwort auf "Habermas"
  4. Redaktion

    Sehr geehrte christie09,
    vielen Dank für Ihren höflichen Hinweis. Den Link zu Mattheck haben wir korrigiert, der Link zu Pausch funktionierte.
    Mit freundlichen Grüßen, mf

  5. Der Absatz zu Habermas ist unglaublich eklig. Erschütternd, dass die ZEIT so etwas veröffentlicht.

    "Habermas wurde mit einer Hasenscharte geboren."

    Wir leben im Jahr 2011. Es heißt Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte.

    "Jedes Wort ist eine Anstrengung für ihn."

    So? Steile These und kühne Unterstellung.

    "Was hat ihn bewegt, ausgerechnet einen Beruf zu wählen, der vor allem vom Sprechen lebt?"

    Ja, was wird ihn wohl bewogen haben? Möglicherweise die Einsicht, dass man auch als Mensch mit Behinderung eine wissenschaftliche Karriere einschlagen kann und sich nicht in Hinterzimmern verstecken muss, um der Mehrheitsgesellschaft möglichst nicht auf den Geist zu gehen.

    "Für die Nacht vorm Referat: Wenn der’s schafft, schaff ich’s auch!"

    Ohne Worte.

    13 Leser-Empfehlungen
  6. Tatsächlich ist der Abschnitt zu Habermas ärgerlich. Ob er respektlos ist, das weiß ich nicht, aber sicherlich ist er ganz und gar ohne Sensibilität.

  7. ...unbedingt die Vorlesungen von Zizek.
    Am besten dieses: http://www.youtube.com/wa...
    Super gemacht.
    Man könnte sich auch die Doku Zizek! vorstellen: http://www.youtube.com/wa...
    In deutschen Dokus wird Zizek leider oft sehr verzerrt dargestellt.
    Eine gute Debatte ist die mit Bernard-Henri Levy. Nicht nur optisch sieht man hier, wer "Pop", und wer "Philosoph" ist, denkt und lebt... http://fora.tv/2008/09/16...

    Desweiteren waren die Gespräche von Richard David Precht sehenswert: http://www.youtube.com/wa... und http://www.youtube.com/wa... sowie das vielem auf den Grund gehende Interview des 3sat: http://www.youtube.com/wa... (Teil 1/4)

    Und wenn schon Chomsky, dann doch bitte auch Howard Zinn! http://www.youtube.com/wa...

    Diese Lesung wäre auch einer Reihe von ZEIT-Autoren dringend anzuraten.

    Auf jeden Fall ist dieser Artikel eine gute Idee, bitte die Liste weiter fortsetzen!

    • anyweb
    • 01.11.2011 um 18:34 Uhr

    Ich nehme an für Zeit Campus Schreiberlinge geht es mehr um den Auftritt als um den Inhalt. Trotzdem rechtfertigt das nicht, einen der größten Philosophen unserer Zeit zu diskreditieren.

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