Offizierslaufbahn Ein sicherer Job
Die Bundeswehr lockt mit Studien- und Arbeitsplätzen. Ein Besuch im Recruitingbus

Die Bundeswehr macht Station in Gera: Als wäre zwischen den grauen Betonplatten ein blaues Raumschiff gelandet
Der Tag, an dem Julia sich entscheidet, in den Krieg zu ziehen, ist ein Donnerstag. Sie erinnert sich gut: Als sie von der Schule kommt, wartet ihr Vater schon im Flur. »In der Fußgängerzone steht ein Bundeswehrbus«, sagt er. »Die werben für ihr Studium. Ich hab dir einen Termin für heute Nachmittag gemacht!«
Julia Wickert sieht nicht aus wie eine Soldatin. Sie ist siebzehn, trägt Nagellack, Wimperntusche und einen lilafarbenen Kapuzenpulli mit einem großen Herz. Sie sagt: »Okay, Papa, ich schau’s mir an.«
Zwischen den Plattenbauten von Gera hat die Bundeswehr einen ganzen Fuhrpark aufgebaut. Rentner mit Hut klopfen mit ihren Gehstöcken an den kugelsicheren Stahl eines grünen Schwimmpanzers, der aussieht, als sei er direkt aus einem Actionfilm hierher gerollt. Kinder ziehen ihre Mütter an der Hand. Für den Verletztentransporter gegenüber interessiert sich kaum jemand. Man könnte das für ein Symptom der Verdrängung halten: Alle wollen sehen, wo im Krieg die Projektile rauskommen, aber niemand, wo danach die Verwundeten liegen. Auf Flachbildschirmen in einem Multimediabus steuern Soldaten in Tom-Cruise-Manier Düsenjäger. Blonde Marineoffiziere stehen in dunkelblauen Ausgehuniformen an Cocktailtischen und lächeln in alle Richtungen. Der interne Einsatzbefehl Nr. 28/2011 für die Busbesatzung lautet heute: »Die Einsatzelemente leisten einen Beitrag zur Personalgewinnung (...) mit dem Ziel (...), Verständnis zu fördern, Vorurteile abzubauen und Sympathie zu gewinnen.«
Die Generalität hat den großen Werbefeldzug befohlen. Da der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Wehrpflicht in die Geschichtsbücher verbannt hat, muss die Bundeswehr nun jedes Jahr Tausende Freiwillige rekrutieren. Ein schwer zu lösendes Dilemma für die im Marketing unerfahrenen Soldaten: Wie macht man einen Beruf attraktiv, der das Risiko mit sich bringt, bei einer Patrouille in Kundus von Heckenschützen abgeknallt zu werden?
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen
Das Personalamt der Bundeswehr hat sich einen Werbeslogan ausgedacht. Er steht in Schönschrift auf den Postern, die im Bus an den Wänden hängen: »Bundeswehr. Karriere mit Zukunft.« Unter einem der Poster sitzt jetzt Julia Wickert. Ihr gegenüber Matthias Pinkwart, ein Offizier mit Bürstenhaarschnitt und Adlerblick. »Ein Studium bei der Bundeswehr hat für Sie viele Vorteile«, sagt er. Damit hat er nicht Unrecht. Wer sich nach dem Abitur für die Offizierslaufbahn entscheidet, bekommt die Ausbildung an einer Offiziersschule und ein Studium an einer der beiden Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München gratis. Er bezahlt keine Studiengebühren, sondern bezieht sogar vom ersten Tag an ein Gehalt. Und um die Wohnung muss er sich auch nicht kümmern – die Bundeswehr bietet günstige Unterkünfte. Danach allerdings folgen neun Jahre im Dienst, inklusive Auslandseinsätzen alle zwei bis drei Jahre für drei bis sechs Monate. Die Werbung für Offizierskarrieren funktioniert wie die Schilder im Elektronikmarkt: »Kaufen Sie jetzt und bezahlen Sie bequem in einem Jahr!« Die Annehmlichkeiten zuerst. Und die Pflichten? Irgendwann später.
Der Wehrdienstberater Pinkwart redet gern über die Annehmlichkeiten. »Ich habe selbst einen Sohn in der Offiziersausbildung, der lebt wie die Made im Speck«, sagt er. Julia Wickert lächelt abwesend. »Sie verdienen bereits während des Studiums mit allen Zulagen rund 1.700 Euro«, sagt Pinkwart. Da öffnet Julia Wickert den Mund. Einen Moment lang ist sie sprachlos. »Im Monat?!«, sagt sie dann. »Und nach der Dienstzeit werden Offiziere auf dem Arbeitsmarkt mit Kusshand genommen!«, sagt Pinkwart.
Ein voll finanziertes Studium, ein sicherer Arbeitsplatz für dreizehn Jahre, und danach die Kusshand. Wo sonst kann man das noch bekommen? Zumal in Gera, wo die Jugendarbeitslosigkeit bei zehn Prozent liegt, und wo die Angst, am Ende ohne Job dazustehen, nicht abstrakt ist, sondern vielen aus ihrer eigenen Familie bekannt. Julia Wickerts Vater hat seinen Arbeitsplatz nach der Wende verloren. Seit 20 Jahren pendelt er mehrere Hundert Kilometer in der Woche, um seine Familie zu ernähren. »Man muss auch sehen: Das sind dreizehn Jahre Sicherheit«, sagt er zu dem Angebot.
Auf dem Platz vor dem Bus wehen andere Plakate. »Kein Werben fürs Sterben«, steht darauf, und »Lass dich nicht verarschen!« Drei Bundeswehr-Gegner von der örtlichen Friedensinitiative schwenken die weißen Blätter und rufen Parolen durch ein Megafon. Einer der Demonstranten ist Daniel Reinhardt, 24, er studiert Soziale Arbeit in Jena. »Die Bundeswehr nutzt die Perspektivlosigkeit von jungen Menschen schamlos aus und macht sie zu Mördern und Opfern gleichermaßen«, sagt er, und so steht es auch auf seinem Flyer. Ein Freund von ihm ist so ein »Mörder-Opfer«: Tommy hat nach der Schule eine Ausbildung zum Lackierer gemacht. Danach wollte ihn niemand einstellen. Bis auf die Bundeswehr. Während Daniel Reinhardt seine Flugblätter verteilt, robbt Tommy im Ausbildungscamp vielleicht gerade durch den Schlamm und lernt Schießen. In neun Monaten wird er im Flugzeug nach Afghanistan sitzen.
Auch Julia Wickert kann dieses Risiko nicht ignorieren. »Ich wollte eigentlich Medizin studieren, aber ich kann kein Blut sehen«, sagt sie plötzlich. »Ihnen muss schon klar sein, dass Sie mit Kampfhandlungen konfrontiert sein werden, Sie werden Blut sehen, Tote, und viel Elend«, sagt Matthias Pinkwart da. Julia Wickert schweigt. Sie überlegt kurz, dann sagt sie: »Ja, gut. Jeder Beruf hat seine Nachteile.« Den Gedanken greift Pinkwart sofort auf: »Ich sag mal so: Das Risiko einer Verwundung liegt für Sie im Promillebereich. Da werden Sie zu 98 Prozent heil nach Hause kommen.«
Zwei Prozent oder Promille? Von den 95.000 deutschen Soldaten, die in Afghanistan über die Jahre im Einsatz waren, sind laut Bundeswehr 52 gefallen, 320 wurden verletzt. Die Wahrscheinlichkeit, körperlichen Schaden zu nehmen, liegt mit 0,39 Prozent tatsächlich im Promillebereich. Über den psychischen Schaden, den jemand erleidet, der Krieg und Tod von Nahem sieht, der auf Menschen zielen muss, spricht hier allerdings niemand. Und es gibt noch weitere Sorgen, die Soldaten nach ihrer Heimkehr haben.
Conny Leibe steht in Gera im Nieselregen neben Exponaten der Feldjägertruppe und demonstriert Kindern, wie stabil die Helme der Soldaten sind. Mit ihren 27 Jahren befehligt sie als Oberleutnant der Feldjäger bereits 25 Militärpolizisten; von allen aus der Truppe, die hier um sie herumstehen, ist sie die Ranghöchste. Heute ist das aber nicht wichtig. Heute denkt Conny Leibe vor allem an den Abend, weil sie ihren Freund zum ersten Mal seit vier Wochen wiedersieht. Wenn Bundeswehroffiziere über die Schattenseiten ihres Berufs reden, erzählen sie nicht unbedingt Geschichten vom Krieg. Nichts von Todesgefahr und Mörserbeschuss. Der Auslandseinsatz macht ohnehin nur einen Bruchteil der Dienstzeit aus. Stattdessen erzählen sie Geschichten vom Verliebtsein, vom Heiraten, von Familie – und von der Angst, die sie haben, all das eines Tages zu verlieren. »Das Risiko, dass die eigene Beziehung am Soldatenberuf zerbricht, ist für uns alle viel präsenter als das Risiko im Einsatz«, sagt Conny Leibe.
Vor einem Jahr hat sie sich auf der Kirmes in ihrem Heimatort in einen Mann verliebt. Sie wusste nicht, dass er in der Schweiz arbeitet. Er wusste nicht, dass sie Offizierin der Bundeswehr ist. Offiziere der Bundeswehr werden alle zwei Jahre versetzt. Aus Prinzip. Wer länger bei der Truppe bleibt, hat keine Wahl. Entweder die Familie zieht mit, dann heißt das: die Kinder aus der Schule nehmen, Freunde zurücklassen, Wohnungssuche. Oder man baut sich irgendwann ein Haus in der Mitte Deutschlands und pendelt fortan am Wochenende zur Familie.
Conny Leibe besitzt nur Möbel, die man leicht auseinanderschrauben kann. 2.000 Euro verdient sie netto, und das Pendeln in die Schweiz verschlingt viel davon. Abends in der Kaserne sieht sie ältere Offiziere vor ihren Laptops sitzen, die über Skype mit ihren Kindern und Ehefrauen reden. Manche skypen nicht mehr. Sie sitzen nach Feierabend beisammen und betrinken sich, weil ihre Frauen sie verlassen haben. Die Scheidungsrate, versichern aktive Offiziere, läge weit über dem Durchschnitt.
Neulich rief der Lebensgefährte von Conny Leibe nachts an, als sie auf Streife war. Er: »Conny, was machst du?« Sie: »Wir sind auf Streife.« Er: »Wer – wir?« Sie: »Du weißt doch, dass zu einer Streife immer zwei gehören.« Er: »Aha. Frau oder Mann?« Sie: »Ein Mann.« Er: »Na super! Ihr zwei allein! Mitten in der Nacht!«
Mit der Entfernung kommt das Misstrauen, und mit dem Misstrauen kommen die Beziehungsprobleme. »Es ist nicht einfach. Wenn ich wenigstens fünf Jahre an einem Standort bleiben könnte, dann würde es sich lohnen, zusammenzuziehen«, sagt sie.
Der Regen in Gera wird stärker. Die Soldaten kauern sich unter Schirme, manche steigen in den Panzer und machen den Motor an, damit die Heizung funktioniert. Der Werbebus der Bundeswehr ist ein seltsames Gefährt, nicht in Flecktarn, sondern blau wie die Hoffnung. Er fährt durch Deutschland und sammelt Schicksale. Von Menschen, die in ihrem Leben größere Sorgen haben als die Frage, ob sie einer Gefahr mit 0,39 Prozent Wahrscheinlichkeit ausgesetzt sind.
Ein Mann betritt den Bus. Über zwei Meter groß und blond. Christian Grünberg heißt er, er ist 22. Christian Grünberg hat keine Mutter. Sie sei »unbekannt«, sagt er. Der Vater? »Tot.« Sonst Familie, ein Onkel, eine Oma? »Niemand.« Seit er 16 ist, finanziert er sich selbst und träumt davon, zu studieren. Auf dem Weg zu seinem Job in einem Handyladen, hat er den Bus auf dem Museumsplatz gesehen. Er blättert in Broschüren. Weil er keine Zeit für ein Gespräch hat, bietet ihm der Wehrdienstberater Ronald Messner spontan an, ihn zu seiner Arbeitsstelle zu begleiten, einen Stapel blaue Werbeprospekte unter dem Arm.
Auf dem Weg dorthin gibt es eine Begegnung. Daniel Reinhardt, der Kriegsgegner, will Christian Grünberg einen Flyer geben, auf dem steht: »Sag Nein zur Bundeswehr!« Die beiden kennen sich noch aus der Schule, Daniel Reinhardt war zuerst Schülersprecher, dann wurde es Christian Grünberg. Der sagt: »Ich will keinen Flyer. Ich war doch gerade da drin.« Er weist auf den Bus. Daniel Reinhardt nickt. Christian Grünberg grinst. Vielleicht wird Daniel bei seiner nächsten Demonstration neben der Geschichte von Tommy auch die Geschichte erzählen, wie sein Schulfreund Christian von der Armee geködert wurde.
Christian Grünberg hat Bäcker gelernt und macht gerade sein Fachabitur nach, an einer Berufsschule für Sozialbetreuer. Er will Offizier werden, »weil ich mal Schichtleiter bei Burger King war und dort gemerkt habe, dass ich eine Führungspersönlichkeit bin.« Und natürlich weil er studieren möchte, sich aber ohne Eltern, nur mit Bafög und dem Job im Handyladen schwer ein Studium leisten kann. Vor vier Jahren hat er noch den Wehrdienst verweigert, aus Gewissensgründen, schrieb er an das Kreiswehrersatzamt. »Ich dachte, Soldaten wären so Typen wie Counterstrike-Spieler, die rumballern wollen.« Also war er Zivi bei einem Pflegedienst und arbeitete als Ehrenamtlicher beim Roten Kreuz. Er erinnert sich noch an seine Argumente von damals. »Aber ich brauche diese Sicherheit«, sagt er.
Die Beziehungsprobleme von Conny Leibe, die Statistiken der Gefallenen, »das ist doch alles noch so weit weg«. Was jetzt ist und hier, das sind die Menschen, die zu ihm in den Handyladen kommen und ihm Angst machen, weil er nicht enden will wie sie. »Die kommen und sagen, dass sie sich kein Handy leisten können, weil das Arbeitslosengeld nicht reicht. Oder sie sagen, dass sie nur eine Prepaid-Karte kaufen, weil sie mit ihrem Schufa-Auszug keinen Vertrag bekommen.« Christian Grünberg will nicht mit einer Prepaid-Karte enden.
Die Bundeswehr muss die Risiken nicht verschweigen, das ist bei Christian Grünberg und Julia Wickert gar nicht nötig. Offenbar gibt es eine Angst in ihrem Leben, die größer ist als die Angst vor Verwundung und Tod. Amerikaner zitieren oft jene Statistik, nach der die Wahrscheinlichkeit, erschossen zu werden, in Baltimore höher ist als in Bagdad. Auf Gera gemünzt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, seine Würde auf dem Arbeitsmarkt zu verlieren als in Afghanistan sein Leben.
Der Wehrdienstberater Pinkwart gibt Julia Wickert eine Telefonnummer und sagt: »Wenn Sie sich für die Bundeswehr entscheiden, rufen Sie an. Aber! Warten Sie nicht zu lange, sonst sind alle Plätze weg. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Jetzt liegt es an Ihnen.« Es ist ein Satz, wie ihn ein Vertreter sagen könnte, der einen Kochtopf verkaufen will.
Ob sie noch Zeit brauche, sich zu entscheiden? »Nein«, sagt Julia Wickert, »ich mach das.«
- Datum 14.11.2011 - 09:51 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT Campus
- Kommentare 33
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Verwundet zu werden ist eine Sache, aber einen anderen Menschen zu töten, eine ganz andere. Das steckt ein Mensch mit Gewissen /Moral kaum weg. Wer kann danach normal weiter leben? Das sollte jeder bedenken, der sich für eine derartige "Laufbahn" entscheidet.
Offensichtlich haben Sie niemals gedient und kennen auch niemanden, der dies tat. Jene, die für Kampftruppen ausgebildet werden, bilden einen winzigen Prozentsatz in der Armee -- und diese Menschen haben in den seltesten Fällen ein Studium abgeschlossen. Viele, gerade Offiziere, sehen nach ihrer Grundausbildung keine Waffe mehr vom Nahen. Die Gewissensfragen sind etwas sehr scheinheilig heutzutage.
Offensichtlich haben Sie niemals gedient und kennen auch niemanden, der dies tat. Jene, die für Kampftruppen ausgebildet werden, bilden einen winzigen Prozentsatz in der Armee -- und diese Menschen haben in den seltesten Fällen ein Studium abgeschlossen. Viele, gerade Offiziere, sehen nach ihrer Grundausbildung keine Waffe mehr vom Nahen. Die Gewissensfragen sind etwas sehr scheinheilig heutzutage.
Besonders die Ausgewogenheit finde Ich sehr gut gelungen. Danke.
Genau das wollte ich auch schreiben. Guter Artikel jenseits des Schwarz-Weiß-Denkens.
Genau das wollte ich auch schreiben. Guter Artikel jenseits des Schwarz-Weiß-Denkens.
...unterschreibt, muß sich darüber im Klaren sein, daß er für "Rohstoffverteilungskämpfe" und imperiale Interessen weltweit geopfert werden kann.
Durch H4 und Perspektivenlosigkeit kann man jetzt endlich über eine gewisse "Manövriermasse" verfügen - es bleibt aber abzuwarten inwieweit sich die Jugend "fangen" läßt.
Wer nicht unterschreibt schüttet etwas Sand ins "Getriebe"!
P.S. War selbst Soldat - aber in einer "anderen Zeit" - heutzutage würde ich mich "verweigern"!
muss sich darüber im Klaren sein, dass er für einen Hungerlohn und in sklavischer Abhänigkeit, ohne Aussicht auf Wohlstand und Würde, sein Arbeitsleben fristet.
Habe vor Jahren verweigert, letzte Woche habe ich sie zurück genommen.
Wenn die Eltern knapp zu viel für Bafög verdienen und man selbst in Thüringen nur Leiharbeitsverträge findet, ist die aussicht auf ein bezahltes Studium einfach zu groß.
"Durch H4 und Perspektivenlosigkeit kann man jetzt endlich über eine gewisse "Manövriermasse" verfügen"
Das ist in den USA ja schon lange traurige Realität. Viele Marines rekrutieren sich aus den sozial schwachen Schichten. Für viele junge Männer (und manch eine Frau) ist die "Army" die einzige wirkliche sich bietende Perspektive. In der Army hat man immerhin seinen Sold und meines Wissens nach auch eine zumindest rudimentäre Krankenversicherung, also einfach ein Stück mehr Sicherheit. Das ist natürlich besser als arbeitslos ohne Kohle, Absicherung und Hoffnung im "Ghetto" zu bleiben, zumal einem die Army ja auch die Chance gibt, sich zu beweisen und vielleicht sogar ein bisschen Karriere zu machen und sich mal einen Orden zu verdienen. Das ist schon weit mehr als ein Burgerwender in einer Fast-Food-Kette vom Leben erwarten könnte.
Dass man dann im Irak ein Bein weggesprengt bekommt o.ä. Schicksal erdulden muss, wird man dann wohl erst hinterher herausfinden, wenn man Pech hat. Insofern stimmt es zweifelsohne: gerade in den USA nutzt das Militär offenbar gezielt und bewusst die Perspektivlosigkeit und die Naivität der jungen Menschen aus. Und diese Gefahr besteht potenziell wohl auch bei der Bundeswehr.
muss sich darüber im Klaren sein, dass er für einen Hungerlohn und in sklavischer Abhänigkeit, ohne Aussicht auf Wohlstand und Würde, sein Arbeitsleben fristet.
Habe vor Jahren verweigert, letzte Woche habe ich sie zurück genommen.
Wenn die Eltern knapp zu viel für Bafög verdienen und man selbst in Thüringen nur Leiharbeitsverträge findet, ist die aussicht auf ein bezahltes Studium einfach zu groß.
"Durch H4 und Perspektivenlosigkeit kann man jetzt endlich über eine gewisse "Manövriermasse" verfügen"
Das ist in den USA ja schon lange traurige Realität. Viele Marines rekrutieren sich aus den sozial schwachen Schichten. Für viele junge Männer (und manch eine Frau) ist die "Army" die einzige wirkliche sich bietende Perspektive. In der Army hat man immerhin seinen Sold und meines Wissens nach auch eine zumindest rudimentäre Krankenversicherung, also einfach ein Stück mehr Sicherheit. Das ist natürlich besser als arbeitslos ohne Kohle, Absicherung und Hoffnung im "Ghetto" zu bleiben, zumal einem die Army ja auch die Chance gibt, sich zu beweisen und vielleicht sogar ein bisschen Karriere zu machen und sich mal einen Orden zu verdienen. Das ist schon weit mehr als ein Burgerwender in einer Fast-Food-Kette vom Leben erwarten könnte.
Dass man dann im Irak ein Bein weggesprengt bekommt o.ä. Schicksal erdulden muss, wird man dann wohl erst hinterher herausfinden, wenn man Pech hat. Insofern stimmt es zweifelsohne: gerade in den USA nutzt das Militär offenbar gezielt und bewusst die Perspektivlosigkeit und die Naivität der jungen Menschen aus. Und diese Gefahr besteht potenziell wohl auch bei der Bundeswehr.
muss sich darüber im Klaren sein, dass er für einen Hungerlohn und in sklavischer Abhänigkeit, ohne Aussicht auf Wohlstand und Würde, sein Arbeitsleben fristet.
Habe vor Jahren verweigert, letzte Woche habe ich sie zurück genommen.
Wenn die Eltern knapp zu viel für Bafög verdienen und man selbst in Thüringen nur Leiharbeitsverträge findet, ist die aussicht auf ein bezahltes Studium einfach zu groß.
mit welchen hinterhältigen Marketing-Tricks Personal-Strategen und Rekrutier-Trupps ihre frischen, ahnungslosen, lebenden Kampfwerkzeuge ködern.
Schlimmer finde ich es aber, dass Eltern ihre Kinder dazu drängen, eine zukunftssichere, militärische Karriere einzuschlagen, anstatt sie, da sie ja mehr Lebenserfahrung haben, aufzuklären oder zumindest zum Denken und Abwägen der Vorteile, Risiken und Konsequenzen zu animieren.
In den letzten Jahren hatten wir es reichlich mit "militärischen Auseinandersetzungen" und "Kampeinsätzen" zu tun, und es gibt mittlerweile auch genug Dokumentationen zu den Schicksalen von verwundeten Soldaten, die zu Krüppeln von IEDs gemacht wurden oder psychisch labil aus dem Einsatzgebiet nach Hause kamen.
Z.B. die BBC-Reportage „Wounded“: http://www.youtube.com/wa...
(leider aber nur auf Englisch verfügbar und damit für viele Rekruten wohl in einer unverständlichen Sprache – aber man kann ja auch die Bilder auf sich einwirken lassen)
Natürlich gehört es zu jeder Werbestrategie ein Produkt, ein Unternehmen, eine Tätigkeit in ein schönes, positives Licht zu rücken, aber genau so gehört es dazu eine ethische Verantwortung dafür zu tragen. Stattdessen kommen beim Anwerben jungen Rekruten, nicht nur in Deutschland, immer wieder dieselben Psycho-Tricks zum Einsatz: man nutzt die Ahnungslosigkeit und der Zukunftsängste der Jugendlichen aus und verspricht ihnen Ruhm, Ehre, Abwechslung, Action, Geld und eine kostenlose Ausbildung.
"Durch H4 und Perspektivenlosigkeit kann man jetzt endlich über eine gewisse "Manövriermasse" verfügen"
Das ist in den USA ja schon lange traurige Realität. Viele Marines rekrutieren sich aus den sozial schwachen Schichten. Für viele junge Männer (und manch eine Frau) ist die "Army" die einzige wirkliche sich bietende Perspektive. In der Army hat man immerhin seinen Sold und meines Wissens nach auch eine zumindest rudimentäre Krankenversicherung, also einfach ein Stück mehr Sicherheit. Das ist natürlich besser als arbeitslos ohne Kohle, Absicherung und Hoffnung im "Ghetto" zu bleiben, zumal einem die Army ja auch die Chance gibt, sich zu beweisen und vielleicht sogar ein bisschen Karriere zu machen und sich mal einen Orden zu verdienen. Das ist schon weit mehr als ein Burgerwender in einer Fast-Food-Kette vom Leben erwarten könnte.
Dass man dann im Irak ein Bein weggesprengt bekommt o.ä. Schicksal erdulden muss, wird man dann wohl erst hinterher herausfinden, wenn man Pech hat. Insofern stimmt es zweifelsohne: gerade in den USA nutzt das Militär offenbar gezielt und bewusst die Perspektivlosigkeit und die Naivität der jungen Menschen aus. Und diese Gefahr besteht potenziell wohl auch bei der Bundeswehr.
die Vorteile nach der Armee gehen aber weiter. Man erhält in den USA nach seiner aktiven Dienstzeit eine bevorzugte Behandlung bei der Jobsuche, zumindest im Staatsdienst.
Leider sage der Artikel nichts zu diesem Thema in der Bundeswehr. Früher hat sich die BW darum nicht gekümmert.
Und es ist traurig, aber hier im Osten hat jeder Arbeitslosigkeit oder Hartz IV in der Verwandschaft erlebt. Darum kann ich es den jungen Leuten nicht verdenken, möge sich auch die bürgerliche Mittelschicht in Sindelfingen oder München darüber die Nase rümpfen.
die Vorteile nach der Armee gehen aber weiter. Man erhält in den USA nach seiner aktiven Dienstzeit eine bevorzugte Behandlung bei der Jobsuche, zumindest im Staatsdienst.
Leider sage der Artikel nichts zu diesem Thema in der Bundeswehr. Früher hat sich die BW darum nicht gekümmert.
Und es ist traurig, aber hier im Osten hat jeder Arbeitslosigkeit oder Hartz IV in der Verwandschaft erlebt. Darum kann ich es den jungen Leuten nicht verdenken, möge sich auch die bürgerliche Mittelschicht in Sindelfingen oder München darüber die Nase rümpfen.
Wozu braucht Deutschland wirklich noch Soldaten?
Für andere Kriegstreiber!
Genau das wollte ich auch schreiben. Guter Artikel jenseits des Schwarz-Weiß-Denkens.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren