Sex an der UniSex in der Uni

Fast alle Studenten träumen davon. Schon mal ausprobiert hat es aber höchstens jeder Fünfte. Unser Autor zum Beispiel

Mit meiner Freundin in der Bibliothek zu lernen, kann anstrengend sein. Ich sitze dann neben ihr, schaue sie an und denke: Sex wäre hier jetzt spannender und entspannender als Slutsky-Zerlegungen, Lagrange-Funktionen und Wettbewerbsmärkte. Jetzt einfach hinter einem hohen Regal verschwinden und dann...

Angeblich träumt jeder Vierte davon, das habe ich zumindest mal gelesen. Der Typ im grauen T-Shirt, der drei von diesen roten Gesetzbüchern wie eine Wand vor sich aufgebaut hat? Die Blonde drei Reihen weiter, die lieber Facebook-Fotos von Freundinnen einer Freundin stalkt, anstatt zu lernen?

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ZEIT Campus 6/2011
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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Ich will nicht nur daran denken, ich will es ausprobieren. Ich will wissen, ob Sex in der Bibliothek mehr ist als nur ein guter Gedanke. Und deswegen frage ich meine Freundin neben mir, ob sie mit mir ausprobiert, welche Orte an der Uni man testen und welche man vergessen sollte.

Hier, in der großen Hauptbibliothek in Köln, sitzt allerdings immer jemand. Und weil sich Menschen gerne verteilen, sitzen selbst die knapp zehn Leute, die jetzt in den Semesterferien lernen, in dem riesigen Gebäude so, dass es kaum eine Ecke gibt, in der man mal ungestört ist. Ich brauche ein paar Versuche, bis ich einen guten Platz gefunden habe: erster Stock, ganz in der Ecke, hinter Regal 1, KS/ A2–A5005. Ein einsamer Tisch steht versteckt hinter meterhohen, weißen Regalen. Es riecht nach alten Büchern, die Bibliografia hispanica von 1947 steckt hier oder der Suomen kirjalliisuus, 1993. Dazu feinstes Lernambiente: grauer Linoleumboden, schlecht verputzte Spanplattenwände. Etwa 20 Meter entfernt sitzt eine Lerngruppe, zwischen uns und ihr vielleicht zehn Bücherregale. In diese Ecke kommt niemand, denke ich. Also los.

Kurz schießt mir Bodo Wartkes Lied Ich trau mich nicht in den Kopf, die Klaviermelodie spukt mir durchs Gehirn. Ich schaue meine Freundin an – noch mal Bodo Wartke: »Taten warten«. Wir küssen uns, versuchen, uns in Stimmung zu bringen. Es funktioniert. Erstaunlich einfach. Platz ist genügend da, sie stützt sich am Tisch ab. Ich halte mich am Handbuch der Abkürzungen N bis O fest, dem achten von zehn Bänden, wie ich später feststelle. Früher habe ich gedacht, dass so was vor allem schnell gehen muss. Doch schnell heißt meist auch laut. Hier hört man aber fast jede Bewegung. Wir machen also langsam und leise. Es ist ein komisches Gefühl, der Reiz kommt vor allem durch die Gefahr, erwischt zu werden. Uns passiert nichts, wir grinsen, als wir an der Lerngruppe vorbeischlendern. Dieses Kurz-nach-dem-Sex-Grinsen, gemischt mit einem Das-ist-noch-mal-gut-gegangen-Gefühl.

Es fühlt sich gut an, mehr zu riskieren als andere. Das Studentenmagazin Unicum hat mal 1.500 Studenten dazu befragt. 70 Prozent von ihnen haben gesagt, dass sie sich Sex in der Uni wünschen. In der Realität trauen es sich aber viel weniger: Nur jeder Fünfte hatte dort angeblich schon mal Sex.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Leserempfehlung
  2. sehr sympathischer junger Artikel...tut der ZEIT gut, wie ich finde.
    Auch deshalb, weil ich grad in der Uni-Bibliothek sitze und mir das Thema mal so eben, neben den "Internationalen Beziehungen der EU", durch den Kopf jagt.

    Gut gemacht!

    13 Leserempfehlungen
    • 2sheba
    • 12.12.2011 um 11:18 Uhr

    solche Artikel kenne ich von JETZT aber muss hier nicht sein...
    Und Wortspiele von Vögeln und Vogelfrei sind hart peinlich...
    Zumal es in den Ländern nicht nur bei ein paar "Rohrstockschlägen" bleibt, was hier leider auch ins Lächerliche gezogen wird...

    Nee, kein guter Artikel.

    12 Leserempfehlungen
    • SiggiO
    • 12.12.2011 um 11:18 Uhr

    bin ich hier auf bild.de ?

    Anm.: Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche und konstruktive Kritik. Danke. Die Redaktion/ag

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    bevor er wegen des Vergleiches von Zeit und Bild zensiert wird. Noch einmal sachlich: Die Zeit handelt nun also auch nach dem Motto "Sex sells" - wie es eben auch die Bildzeitung tut.

    Wie, was, Bild - wo sind die BILDER, die Tatsachenbehauptung des Autors muss schliesslich bewiesen werden! Da kann ja jeder kommen und behaupten, er treibt es, sorry vögelt, in der Uni für lau, meine Staatsgeld, davon will der Steuerzahler dann auch etwas haben, nicht ;). Die MeinungsBILDung muss nicht immer eine trockene Angelegenheit sein.

    bevor er wegen des Vergleiches von Zeit und Bild zensiert wird. Noch einmal sachlich: Die Zeit handelt nun also auch nach dem Motto "Sex sells" - wie es eben auch die Bildzeitung tut.

    Wie, was, Bild - wo sind die BILDER, die Tatsachenbehauptung des Autors muss schliesslich bewiesen werden! Da kann ja jeder kommen und behaupten, er treibt es, sorry vögelt, in der Uni für lau, meine Staatsgeld, davon will der Steuerzahler dann auch etwas haben, nicht ;). Die MeinungsBILDung muss nicht immer eine trockene Angelegenheit sein.

  3. bevor er wegen des Vergleiches von Zeit und Bild zensiert wird. Noch einmal sachlich: Die Zeit handelt nun also auch nach dem Motto "Sex sells" - wie es eben auch die Bildzeitung tut.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "what the ****"
  4. ...die Zeit läuft Amok: Von Guttenberg, di Lorenzio, Martin Wehrle, Voice of Germany und der stündichen EU-Agit-Prop kommen nun die Porno-Artikel.

    Eine geile Zeit das - die Zensur hat aber schon die Verhütung parat: Kritiker löschen.

    10 Leserempfehlungen
  5. Jaja, jetzt regt sich hier jeder der Bildungsbürger-Epigonen darüber auf, wie so ein Artikel von der Zeit veröffentlicht werden kann ("Bild.de", "muss nicht hier nicht sein", "Porno-Artikel"). Ich habe keinen Zweifel, dass da noch einige dazu kommen werden, die in den Chor einstimmen.

    Lustig finde ich aber, dass sich trotzdem jeder, der hier kommentiert, offensichtlich die "Mühe" gemacht hat, den Link zu öffnen und den Artikel zu lesen. Das Thema geht ja schon klar aus der Überschrift vor, jeder weiss, was man da erwarten kann. Liebe Wächter über Moral, Ordnung und mediale Sittsamkeit: Wenn Ihr das so schlimm findet, warum lest Ihr es dann überhaupt?! Nehmt Euch doch mal selber auch ein bisschen weniger Ernst...

    26 Leserempfehlungen
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    kann ich Ihnen gerne sagen. Ein Freund schrieb mich gerade an:

    Nachdem sich ZEIT Campus über Behinderte lustig gemacht hat, steigt das Niveau unaufhörlich:
    http://www.zeit.de/campus...

    Deswegen habe ich diesen Artikel gelesen. Ich kann diese verschwendete Lebenszeit nicht wieder erhalten. So bleibt mir lediglich mich #4 anzuschließen.

    Tschüss.

    kann ich Ihnen gerne sagen. Ein Freund schrieb mich gerade an:

    Nachdem sich ZEIT Campus über Behinderte lustig gemacht hat, steigt das Niveau unaufhörlich:
    http://www.zeit.de/campus...

    Deswegen habe ich diesen Artikel gelesen. Ich kann diese verschwendete Lebenszeit nicht wieder erhalten. So bleibt mir lediglich mich #4 anzuschließen.

    Tschüss.

  6. 8. [...]

    Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer so wichtigen Forschungsarbeit.
    (Der BILD ähnlich ist hier nur die Grammatik zweier Kommentare.)

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

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