European Business SchoolEine Limousine für den Prof

Die European Business School hat Steuergelder verprasst – die Studentenvertreter finden das nicht schlimm von 

4.267 Euro hat das Catering einer Party gekostet, 27.288 Euro ein Workshop auf Mallorca. Mit 10.077 Euro schlagen Flugtickets für Beratungsgespräche in Shanghai zu Buche – und die Liste geht noch weiter.

Die private European Business School (EBS) hat sich ein bisschen Luxus auf Staatskosten gegönnt. Limousinenfahrten für die Mitarbeiter, Übernachtungen im Robinson Club. Für sämtliche Ausgaben fehlen die Belege oder der Projektzusammenhang, das haben Wirtschaftsprüfer im Auftrag des hessischen Wissenschaftsministeriums herausgefunden. 945.000 Euro musste die Hochschule aus Oestrich-Winkel jetzt zurückzahlen. Die Steuergelder waren eigentlich für den Aufbau einer Jura-Fakultät gedacht gewesen.

Anzeige

Fast schlimmer als die Verschwendung an sich ist, wie im Nachhinein damit umgegangen wird. Wochenlang möchte an der EBS niemand etwas zu unseren Fragen sagen. Dann schreibt Pressesprecher Andreas Fritz, der Mallorca-Workshop sei nicht mit Fördermitteln bezahlt worden, obwohl Dokumente, die ZEIT CAMPUS vorliegen, das Gegenteil belegen.

ZEIT Campus 1/2012
ZEIT Campus 1/2012

Für die Landesregierung, die die Fördergelder bewilligt hat, ist die Sache schon vom Tisch. »Die EBS hat das Geld sofort und mit Zinsen zurückgezahlt«, heißt es da. Die übrigen 23,7 Millionen Euro an Fördermitteln darf die EBS behalten. Nur die Opposition im Landtag äußert Kritik: »Es ist mehr als peinlich, dass eine Uni, die vorgibt, die Elite der Wirtschaft auszubilden, selbst so schlecht wirtschaftet.«

Die Studentenvertreter scheint es nicht zu interessieren, wie die Hochschule mit Fördermitteln umgeht: »Es handelt sich eher um ein kaufmännisches Thema der Uni als um ein Thema, das wirklich die Studentenschaft betrifft«, schreibt ein Sprecher. Er sieht offenbar keinen Grund zur Kritik. »Wir sehen keine Auswirkungen auf das Image der EBS, was sich an den motivierten Erstsemestlern zeigt.« Auch Pressesprecher Fritz meldet sich noch einmal: Er würde sich freuen, wenn die EBS bald wieder in einem positiven Zusammenhang erwähnt würde.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • ralfT
    • 16. Dezember 2011 18:07 Uhr

    Unfaßbar wie an der EBS mit diesem Thema umgegangen wird.
    Als Hochschullehrer-Nachwuchs an einer öffentlichen Uni lerne ich momentan, wie streng die Regularien sind nach denen öffentliche Mittel ausgegeben werden dürfen. Es muß jeder Verdacht der privaten Vorteilsnahme oder der Verschwendung kategorisch ausgeschlossen werden - und das ist auch absolut richtig so, schließlich handelt es sich um Steuergelder!
    Das mal eben fast 1 Mio Euro verpraßt wird und dies lapidar abgetan wird, kann ich vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehen. Werden öffentliche und private Träger mit zweierlei Maß gemessen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Für den Rest gilt das Strafgesetzbuch - und: Hübsch ehrlich bleiben!

    http://www.youtube.com/watch?v=Uzw9aJ6y7Kk

  1. 2. Privat

    Fast 25 Mill. Subventionen und das Ding nennt sich "privat".

    Das ist doch nur ein "privater" Laden der CDU !

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • F Holm
    • 17. Dezember 2011 12:04 Uhr

    Ich denke nicht, dass die Studenten dieser Hochschule sich so sehr mit Politik auseinandersetzen werden, als dass die Uni als CDU Laden bezeichnet werden kann. Politik wird bei vielen Studenten von privaten Hochschulen eher als Hinderniss, auf dem Weg zur Interessenvertretung der Finanzwirtschaft, empfunden.
    "In der Politik kann man im Vergleich zur Lobbyarbeit nicht so viel bewirken"
    O-TON Student Privatschule in WDR- Beitrag "Von Anfang an Elite" (http://www.youtube.com/watch?v=nONBsvsscKU)

  2. Da wird doch tatsächlich eine "kritische Haltung" von Studenten und Studentenvertretern der EBS erwartet!?

    Danke, dass sie mich zum Schmunzeln brachten!:-)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Selbstreflektion ist eine Kunst, die nicht überall gelehrt wird oder gewünscht ist.

  3. damals über das Folgende:
    Für eine Tiefgarage für die Nobelkarossen der Damen und Herren Studenten der "European Business School" (schon wieder so ein ekliger Amerikanismus), wurden vor ein, zwei Jahren von den hessischen Steuerzahlern zig Millionen Euro bezahlt - aus dem Topf "Bildungsausgaben"!
    Alle Zeitungen außer der Frankfurt Rundschau verschwiegen das den Bürgern.
    Und: Wer erwartet soviel Feingefühl und soziales Bewusstsein von Studenten einer solchen Anstalt, dass sie sich schämen würden für das Abkassieren öffentlicher Gelder?
    Ich nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Welche Tiefgarage soll denn für die ''Nobelkarossen der Damen und Herren Studenten'' bitte durch Steuergelder finanziert worden sein?
    Die unter dem neuen Gebäude in Wiesbaden sind nichtmal Studenten zugänglich... Die sind für Mitarbeiter und Professoren der Unis - Parkplätze für dieselben gibt es auch an staatlichen Universitäten! Und nach ''Nobelkarossen'' kann man darin lange suchen, versuchen Sie es mal gegenüber am Innenministerium...
    Jede Bildungseinrichtung wird, bei Bedarf und gegebenen Gründen, vom deutschen Staat unterstützt, vor allem in Anbetracht dessen, dass dies leider immer noch ein Privileg auf dieser Welt ist, sollten alle Bundesbürger gleichermaßen froh sein für solch eine Unterstützung der Bildung!

  4. Wenn diese Studenten die künftige Elite der Deutschen Wirtschaft ist, na dann gute Nacht. Da braucht sich niemand zu wundern über die große Menge an charakterlosen Managern, deren einziges Ziel die persönliche maßlose Bereicherung ist. Hoffentlich sind bis dahin alle auch nur einigermaßen qualifizierten Fachkräfte aus Deutschland geflohen - dies sollte eine Warnung sein.

  5. Bei all den Nachrichten solcher Art, die mittlerweile auf uns niederprasseln, frage ich mich:
    Ist es wirklich noch sinnvoll, ehrlich Steuern zu zahlen?
    Oder ist vielleicht schon der Punkt erreicht, an dem man doch besser dort, wo es sich anbietet, "ohne Rechnung" wirtschaftet und zur Kompensation selbst in seinem Familien- und Freundeskreis ein Netz der Solidarität aufbaut?
    Es wird zunehmend schwieriger, ein schlechtes Gewissen zu haben...

    • Xdenker
    • 16. Dezember 2011 19:47 Uhr

    Einer, dem der Sinn für Anstand fehlt, gehört nicht zur Elite. Und wer unfähig ist, eine anständige Buchführung vorzulegen, auch nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger:
    "Das Versagen einer Elite beginnt damit, dass sich die Falschen dafür halten."

    • Laziali
    • 16. Dezember 2011 19:51 Uhr

    wie man von der Nennung "Elite" - Wer sagt das überhaupt? Die von sich selbst? Ich bin auch Elite, hat nämlich meine Mami mal gesagt.- automatisch auf "gut" schließt.

    "Nur die Opposition im Landtag äußert Kritik: »Es ist mehr als peinlich, dass eine Uni, die vorgibt, die Elite der Wirtschaft auszubilden, selbst so schlecht wirtschaftet.«"

    Man könnte auch sagen, da wird den Studenten genau das richtige beigebracht. Wie man andere besch...behummst und nach dem Erwischtwerden ohne rot zu werden alles als unwichtig abtut. Es passt so wunderbar zur causa Guttenberg.

    Man muss sich endlich abgewöhnen, Handlungen der "Elite" mit sinnvollen/gemeinnützlichen Handlungen zu verbinden.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Hochschule | Euro | Landesregierung | Landtag | Robinson-Club | Opposition
Service