Bewerbung - Karriere-Starter: Das Bewerbungsgespräch In Vorstellungsgesprächen sollten Bewerber sich von ihrer besten Seite zeigen. Wie das funktioniert, erklärt Managementtrainerin Marion Knaths.

Es war bei einem Assessment-Cente r für eine Stelle in der Verlagsbranche. Ein Bewerber saß uns im Interview am Hochglanztisch gegenüber, sprachlich souverän, gut gekleidet, sehr stylish. Und dann passierte es: Es tropfte aus seinen Händen, die er lässig gefaltet vor sich hielt. Schweiß tropfte und tropfte und bildete eine Pfütze mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern.

Andere Bewerber machen vor lauter Unsicherheit Laufbewegungen unter dem Tisch, sodass nach dem Gespräch ein schwarzer Schuhcremeabrieb auf dem Teppich bleibt, sie verschlucken sich oder stoßen Gläser um. In bestimmt einem Drittel der Fälle sieht man bei Bewerbungsgesprächen Aufregung mit Nebenwirkungen. Die Klassiker sind zitternde Kaffeetassen, eine bebende Stimme, Hände, die hektisch imaginäre Fussel wegwischen. All das ist jedoch nicht so schlimm. Im Gegenteil, es ist das Normalste der Welt.

Auch Personalchefs kämpfen übrigens mit der Aufregung, wenn sie zur Abwechslung einmal selbst die Bewerber sind. Dabei nutzt es ihnen nichts, das Auswahlgeschäft in- und auswendig zu kennen. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich bei einer Bewerbung als Leiterin Personalentwicklung in der letzten Runde war. Ich musste eine halbe Stunde warten, und je länger es dauerte, umso übler wurde mir. Ich dachte, ich müsste mich gleich übergeben. Zum Glück blieb das nur ein Gefühl.

Unsicherheitsgefühle sind also den meisten bekannt. Sie zuzulassen hat deshalb auch Vorteile. Es bringt uns näher an andere heran, die ebenfalls nicht perfekt sind. Unser Gegenüber merkt: Gottseidank, auch nur ein Mensch! Aufregung signalisiert außerdem, dass dem Bewerber der Job wichtig ist , und das ist ja durchaus etwas Positives. Stehen Sie also ruhig zu Ihrer Nervosität, und sprechen Sie es aus: »Ich bin sehr aufgeregt, das ist heute ein so wichtiges Gespräch für mich.« Schon wird es besser.

Der gleiche Trick gilt, wenn Sie vor Präsentationen von Lampenfieber gepackt werden oder aufgeregt sind, weil sie in einer neuen Abteilung anfangen. Es wird noch so viel Unsicherheit in Ihrem gesamten Berufsleben geben, dass Sie sich besser daran gewöhnen und sie begrüßen wie einen alten Freund, der selbstverständlich dazugehört. »Ach hallo, auch mal wieder da?«

Denjenigen Bewerbern, die cool wie eine Hundeschnauze sind, nimmt man dagegen nicht so leicht ab, dass sie es ernst meinen und emotional bei der Sache sind. Die Lässigkeit macht ein wenig misstrauisch, es bleiben Zweifel . Wenn Sie selbst aufgeregt sind, können Sie sich deshalb sogar einen kleinen Wettbewerbsvorteil verschaffen, indem Sie zu Ihrer Unsicherheit stehen und sich als Mensch zeigen.

Der Bewerber, dessen Pfütze wir am Ende des Interviews vom Hochglanztisch tupften, hat den Job übrigens trotzdem bekommen.