ZEIT Campus: Herr Hader , Sie stehen seit fast 30 Jahren als Kabarettist und Schauspieler auf der Bühne. Haben Sie noch Lampenfieber ?

Josef Hader: Natürlich. Das Lampenfieber hat mich immer begleitet, von Anfang an. Vor Fernsehauftritten bin ich heute noch extrem nervös.

ZEIT Campus: Was tun Sie dagegen?

Hader: Bevor ich auf die Bühne gehe, schließe ich die Augen und versuche, mich zu entspannen. Dann gehe ich raus und bemühe mich, den Kick irgendwie zu genießen. Ich sage mir: Lass dich von der Angst nicht lähmen, sondern mach was aus ihr!

ZEIT Campus: Den Kick genießen – das klingt, als sei Lampenfieber sogar etwas Positives.

Hader: Das ist es auch, denn es hindert mich daran, einfach rauszugehen und mein Programm abzuspulen. Stattdessen zwingt es mich, sehr wach auf die Bühne zu kommen. Lampenfieber ist ja nichts Schlechtes, es bedeutet, dass ich ein Mensch bin, der Nerven hat und fühlen kann. Das ist etwas Gutes. Wenn ich das nicht hätte, könnte ich gar nicht gut spielen. Die meisten Schauspieler erzählen, dass das Lampenfieber abfällt, wenn sie zu spielen beginnen. So ist es bei mir nicht. Ich muss mich in den ersten fünf Minuten richtig reinkämpfen. Blöd ist halt, dass die meisten Fernsehauftritte nur drei Minuten dauern...

ZEIT Campus: Die Angst ist Ihnen nicht anzumerken, wenn Sie auf der Bühne stehen.

Hader: Zum Glück. Auf der Bühne kann ich mich öffnen, es fällt mir leichter, aus mir herauszugehen. Privat bin ich eher zurückhaltend.

ZEIT Campus: Gerade wenn man ruhiger ist und nicht so gern im Mittelpunkt steht, hat man besonderen Respekt vor Vorträgen. Wie verhält man sich dann?

Hader: Wichtig ist, dass man man selbst bleibt. Wenn jemand krampfhaft versucht, seine Schüchternheit zu überspielen, wird er unglaubwürdig und präsentiert schlecht. Man muss sich selbst beobachten, wie man in der Kneipe diskutiert, wie man dort argumentiert und gestikuliert. Das macht einen aus. Die eigene Stimme, der eigene Tonfall – das muss man nutzen. Man muss nicht besonders lustig oder spannend sein, sondern authentisch.

ZEIT Campus: In Trainings kann man rhetorische Fähigkeiten und das Auftreten üben. Wird man dadurch gut auf der Bühne?

Hader: Nur wenn es einem trotzdem gelingt, bei sich selbst zu bleiben, sich treu zu bleiben. Schauen Sie sich die Nachwuchspolitiker an, wie die reden, präsentieren und mit welchen Gesten sie das Gesprochene unterstreichen. Man hat bei ihnen oft das Gefühl, die Stimme und die Gesten sollen überzeugend wirken, aber sie überzeugen überhaupt nicht.