Work-Life-Balance : Mein Leben gehört mir!
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Der Designer

ZEIT CAMPUS: Benjamin Kräher, reden Sie mit Ihrem Geschäftspartner und Freund auf Partys über die Arbeit?

Benjamin Kräher: Wenn überhaupt, dann halten wir es kurz. Wir versuchen, Job und Privates zu trennen.

ZEIT CAMPUS: Aber mit der Entscheidung, als Freunde ein Büro zu gründen, haben Sie doch genau diese Trennung verwischt.

Kräher: Das stimmt. Schon im Studium haben wir gemeinsam Longboards gebaut. Das hat gut geklappt, deswegen wollten wir zusammen weitermachen. Man muss eben aufpassen, dass der Job nicht alles andere verschlingt.

ZEIT CAMPUS: Wie groß ist diese Gefahr?

Kräher: Bei uns Kreativen verschwimmen die Grenzen schnell. Für manche ist der Freundeskreis ihr größtes Kapital: Das Bier am Abend mit den Kumpeln wird schnell zum Akquisegespräch, der Facebook-Freund ist der nächste Auftraggeber.

ZEIT CAMPUS: Warum sehen Sie das als Problem?

Kräher: Man hat irgendwann keinen Feierabend mehr, redet nur noch über Berufliches. Wenn es ums Geld geht, kann es richtig unangenehm werden. Unter Freunden spricht ja keiner gerne über Kohle. Wer dann für einen Job ein Honorar verlangt, das dem Aufwand entspricht, gilt schnell als Geldhai.

ZEIT CAMPUS:Arbeiten Sie oft für Freunde ?

Kräher: Ab und zu schon. Aber wir versuchen mehr und mehr, das ohne Geld zu regeln.

ZEIT CAMPUS: Wie geht das?

Kräher: Wenn mein Kumpel für seine Kfz-Werkstatt Visitenkarten braucht, entwerfe ich ihm welche. Er repariert dafür mein Auto.

ZEIT CAMPUS: Hat sich Ihre Freundschaft durch die gemeinsame Arbeit verändert?

Kräher: Nein, aber am Anfang wurde sie schon ziemlich strapaziert. Wir standen uns manchmal tierisch im Weg, haben unsinnig lang über Details diskutiert.

ZEIT CAMPUS: Wie haben Sie das gelöst?

Kräher: Wir haben Rollen verteilt. Sebastian hat ein Händchen für Interior-Design, ich fühle mich eher im Kommunikationsdesign wohl. Also haben wir irgendwann klar festgelegt, wer was macht. Das hat enorm geholfen.

ZEIT CAMPUS: Haben Sie als Freiberufler eigentlich einen festen Feierabend ?

Kräher: Das schon, aber ich habe ein Hobby, das es mir von Zeit zu Zeit schwer macht, abzuschalten: Ich male. Die Ideen, die mir dabei kommen, helfen natürlich auch im Job. Manchmal passiert es mir, dass ich vor der Leinwand stehe und nicht weiß, ob ich gerade entspanne oder arbeite.

ZEIT CAMPUS: Und was machen Sie dann?

Kräher: Ich halte mich an Le Corbusier. Der hat seinen Tag penibel eingeteilt: morgens malen, nachmittags arbeiten, abends schreiben. Klingt spießig. Aber es schafft Freiräume.

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30 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Die rigorose Teilung zwischen Arbeits- und Privatleben ...

... ist eine Erfindung der Neuzeit, vor allem den Anforderungen des Industriezeitalters geschuldet. Und ich bin - anders als die Verfasserin dieses Artikels - froh, sie im postindustriellen Zeitalter wieder verschwinden zu sehen.

Der Beitrag liest sich - und dieser Eindruck stellt sich bereits bei der kämpferischen Überschrift ein - als hätte die Autorin eine These gehabt (nämlich, dass ein Überlappen von Berufs- und Privatleben etwas ganz Schlimmes ist) und sich dann drei Interviewpartner gesucht, die ihr als Kronzeugen dienen können.

Ich habe diese Weltsicht, die das Leben in monolithische Blöcke unterteilt (8 Stunden schlafen, 8 Stunden schuften, 8 Stunden für das „wahre Leben“) ehrlich gesagt nie verstanden. Ich bin Selbstständiger und arbeite gerne. Ich definiere mich (auch, aber nicht nur) durch die Anerkennung meiner Arbeit. Ich gehe davon aus, dass ich eines (hoffentlich fernen) Tages mit der Maus in der Hand umkippe. „Lebensabend“ und „Feierabend“ sind für mich keine positiv besetzten Fluchtpunkte. Ich teile mit Freunden und Familienmitgliedern bestimmte fachliche Interessen. Umgekehrt pflege ich zu Ansprechpartnern bei Kunden freundschaftliche Beziehungen.

Ja, vieles fließt da ineinander. Ich muss auch mal bis in die Nacht arbeiten. Dafür kann ich zuweilen am Donnerstag Mittag den Stift aus der Hand legen und bummeln, fotografieren, Geld ausgeben.

Es ist ein schönes Leben, das nicht durch künstliche Grenzen vor einer gemeinten Bedrohung geschützt werden muss.

"Ich bin Selbstständiger und arbeite gerne"

Damit gehören sie aber zu den wenig Glücklichen.
Die meisten Menschen arbeiten weil sie es müssen nicht weil sie es wollen.
Ich respektiere das - gebe zu, sogar ein wenig neidisch zu sein - aber meine Arbeit ist leider nicht mein Leben.
Ich arbeite um Geld zu verdienen, damit ich meine Familie ernähren kann.
Leben findet für mich nach der Arbeit statt.
Der Gedanke "mit der Maus in der Hand" umzukippen ist mit ein Graus - nur Alzheimer stelle ich mir schlimmer vor.
Ich werde für meine Arbeit gut bezahlt und meine Vorgesetzten haben ein Recht darauf das ich meine Arbeit dementsprechend gut mache.
Aber nach 8 (manchmal 9) Stunden ist Schluss und ich habe mich bis jetzt Erfolgreich dagegen gewehrt ein Handy mit mach Hause zu nehmen, weil es für mich nichts(!) gibt, dass nicht bis morgen warten kann, außer meine Familie.
Ich denke das Platz sein muss für Ihre und auch meine Arbeitsphilosphie im 21.Jahrhundert.

In meiner ersten

Ausbildung hat mich ein weiser alter Mann mal beseite genommen und gesagt: fang niemals was mit wem auf Arbeit an, wenn Du bleiben willst!
Dieser Grundsatz gilt bis heute und wer mal gesehen hat, was passiert, wenn sich Leute nicht mehr mögen oder Schlimmeres passiert ist, der sieht das genauso. Da kann dann nämlich nur einer kündigen..

Ich arbeite um zu leben, nicht umgekehrt.

Das Google Beispiel klingt zwar nicht schlecht, aber ich glaube Leute in der IT-Branche verbrennen ziemlich schnell, wenn man nicht aufpasst.
Da dann auch noch in der Freizeit mit den Probleme konfrontiert zu werden, weil die Firma auch in der Freizeit präsent ist, kann auf Dauer nicht gut gehen. Ist zumindest meine Erfahrung und ich komme aus dem IT-Bereich..

Niemand sagt, dass man in der Firma etwas anfangen

soll. Das zu unterlassen, braucht man kein "weiser alter Mann" zu sein.

Allerdings trifft man bei Meetings oder auf Kongressen immer wieder Menschen, mit denen man weder Abteilung noch Firma teilt und selbst bei Paaren im gleichen Haus sehe ich, dass es gut gehen kann.

Ich erlebe die Präsenz der Arbeit als etwas, das ich regulieren muss, wie ich das auch in anderen Bereichen tun muss, wenn ich mich mehr oder weniger einbringen möchte.

Für mich bedeutet diese Form der Arbeit vor allem Freiräume, die ich ansonsten nicht hätte, denn die strickte Trennung würde meine Art zu leben beschneiden oder gar verhindern und ich fühle mich dabei wunderbar.

Arbeitsbeziehungen sind nur Arbeitsbeziehungen

Sie enden nach Beendigung der Arbeit.

Und es ist ein Irrglaube, dass sie Lebensbeziehungen im Sinne von Partnerschaften innerhalb einer Berufsbeziehung finden. Zerbrechen diese, ist die Kacke wahrlich am Dampfen. Dann ist das nämlich eine massive Gefährdung des Betriebsfriedens und des Unternehmens selbst.

Zudem: wenn das "Leben um zu Arbeiten" so gut wäre, wären alle Menschen gesund. Leider explodieren seit einigen Jahren die Krankenzahlen und die der Frühverrentungen auf Grund psychischer Erkrankungen.

Beziehungen.....

In meinem Betrieb haben sich doch einige Paare gefunden, die dauerhafte Beziehungen eingegangen sind, aber ich stimme dir zu, dass es schwierig werden könnte, falls eine Beziehung zerbricht.

Freundschaften mit Arbeitskollegen sehe ich heute kritsisch.
Als junger Mensch habe ich mich mit Kollegen angefreundet, um dann später zu erfahren, dass diese freundschaften den wechsel in andere Firmen meist nicht überstehen.

Als junger Mensch habe ich mich auch...

...mit Mitschülern angefreundet und gemerkt, dass viele dieser Freundschaften den Wechsel an die Uni nicht überstehen...
...mit Studienkollegen angefreundet und gemerkt, dass viele dieser Freundschaften den Wechsel in den Beruf nicht überleben...
...mit Sportkameraden angefreundet und gemerkt, dass viele dieser Freundschaften den Wechsel der Sportart nicht überstehen...

Wo ist denn nun das besondere am Beruf?

...viele dieser Freundschaften den Wechsel nicht überstehen.

Nein, einen Unterschied wird es im Beruf wohl nicht geben. Aber wenn nur jeweils EINE Freundschaft übersteht, hätten Sie schon eine ganze Menge :=). Im Ernst, es gibt natürlich Lebensabschnittsfreundschaften. Wenn auch nur zwei davon lange überdauern sollen, muss man sich darum bemühen. Ein bisschen Glück brauchts auch noch, z.B. wenn dazustossende Lebenspartner "passen" und in die Freundschaft einbezogen werden können. Das erleichtert vieles, z.B. gemeinsames Reisen. Bei mir hat das einmal geklappt, einmal nicht.
Ich wünsche Ihnen gute Freundschaften. Ich halte sie für sehr wichtig.

Warum muss man unbedingt trennen?

Und was ist, wenn einem der Beruf einfach Spaß macht? Muss man denn immer sooo genau wissen ob man arbeitet oder sich entspannt? Klar sollte man abschalten können aber das ist meines Erachtens eine Einstellungsfrage. Wenn man dermaßen verbohrt ist, dass man nur quasi per Schalterknopf umschalten/abschalten kann, dann ist man schlicht zu verbissen. Überhaupt denke ich, dass zum Beispiel die Schauspielerin weniger darunter gelitten hat, dass der Beruf ins Normalleben hereingetröpfelt ist, sondern darunter, dass der Beruf an sich schlicht sehr stressig war.

Last und Lust

Als motivierte und engagierte Lehrkraft hat man mehrere Probleme. Zum einen kann man wirklich rund um die Uhr arbeiten. Es gibt immer eine neue Idee, eine Unterrichtseinheit, die zu verbessern ist. Anfragen aus und Projekte mit der Industrie kommen hinzu. Das hängt extrem von der Schulart ab. Den "Lehrer" gibt es als einfachen "Unterrichter" also kaum.

Zum anderen ist das Image eines "Lehrers" lausig. Leute, die kaum selber lesen und schreiben können, erklären uns, wie unfähig wir sind und wie leicht die Kinderchen doch lernen.

Nach zehn oder fünfzehn Jahren muss man sich abschotten - reiner Selbstschutz. Ansonsten ist die Batterie leer.

Für alle gilt: Stellen Sie sich die Frage, ob Sie Ihre Arbeit ein Leben lang durchhalten können.

modern times

das google (und auch ikea-konzept) ist halt auf den total durchflexibilisierten, entwurzelten arbeitsnomaden der postmoderne eingestellt.
alle 2-4 jahre eine neue stadt, wer hat da schon zeit sich ein neues soziales netzt aufzubauen.
sollen die arbeitsbienen doch froh sein, dass der große bruder arbeitgeber sich so gut um sie kümmert und nicht in fabrikhallen in bandgladesch für 3 cent die stunde 12 stunden am tag schuften lassen.