Lexikon der ArbeitsweltAbschied von der Raucherpause

Arbeitgeber wollen die Raucherpause ganz abschaffen. Dabei war sie die Möglichkeit, über Hierarchien hinweg zu kommunizieren, schreibt Jens Jessen.

Arbeitgeber wünschen sich die Abschaffung der Zigarettenpause. Es fällt zunächst schwer, dem zu widersprechen, berührt das Thema doch Fragen der Gerechtigkeit. Warum sollen einige Leute einen Freizeitvorteil aus dem Umstand ziehen, dass sie einer Sucht verfallen sind? Es gibt ja auch keine Trinkerpause.

Andererseits können Alkoholiker jederzeit die Toilette aufsuchen, um einen beherzten Schluck zu nehmen, während der gierige Zug an der Zigarette am selben Ort sofort den Rauchmelder anspringen lässt.

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Der Raucher hat einen Heimlichkeitsnachteil und dazu einen Wetternachteil: Er muss meist an der zugigsten Ecke des Werkhofes an seinem Tabakbeutel zupfen. Aber ihn dafür eigens mit einer Auszeit zu privilegieren, verstößt dann doch gegen jeden Gleichheitsgrundsatz.

ZEIT Campus 2/2012

Trotzdem war die Zigarettenpause nicht ganz ohne Nutzen. Die Geselligkeit, die sie herstellte, beförderte Fantasie und den Austausch über die Grenzen von Hierarchien hinweg: Der Chef traf auf den Lehrling, der Ingenieur auf den verhassten Marketingkollegen. Da sie sich alle gemeinsam als rauchende Parias sahen, konnten sie entdecken, was sie sonst noch gemeinsam haben und vielleicht gemeinsam lösen könnten. Die Raucherpause war eine Kreativitätsressource der Industrie, aber natürlich wie jede echte Kreativität nicht völlig legal.

Jens Jessen ist Feuilleton-Chef der ZEIT.

 
Leserkommentare
  1. wird meines Erachtens völlig überbewertet. Wie bei jedem Thema gibt es auch hier Vor- und Nachteile.
    Positiv ist doch neben der Kommunnikation vor allem das kurzfristige Abschalten von Stresssituationen, die in unserer Leistungsgesellschaft bereits den Status der Normalität erreicht haben.
    Negativ ist aus unternehmerischer Sicht der Verlust möglicher Arbeitszeit des Arbeitnehmers. DAS Argument der Nicht-Raucher. Hier kann jedoch locker mit Zeiterfassungsmöglichkeiten Abhilfe geschaffen werden, so dass jeder sein tägliches Arbeitspensum einhält. Übrigens ist es statistisch erwiesen, dass sich auch Nicht-Raucher ihre Päuschen gönnen. Z.B. beim Flurgespräch, dem Kaffee oder Tee usw.
    Generell sage ich, dass diese Päuschen jedem zugestanden werden sollen. Es gibt doch mehr Vor- als Nachteile. Die soziale Interaktion unter Kollegen, und die kurzfristige Entspannung am Arbeitsplatz helfen doch die Motivation auf das oberste Level zu heben.
    Wir sind schließlich keine Arbeitssklaven..;)

    4 Leserempfehlungen
  2. Ich kann ihnen da nur beistimmen. Ob nun im kreativen Beruf oder noch während des Studiums, eine Raucherpause macht den Kopf frei. Eventuel erhält man durch Kollegen/Kommilitonen neuen Input.

    Während meiner früheren Zivildienstzeit im Krankenhaus war die Raucherpause immer eine Zeit kurzer Vergesellschaftung. So entwickelten sich auch zwischen dem Arzt, dem Ergotherapeuten, dem MTA, der Schwester und dem Zivi häufig nette Gespräche welche "auf Station" nicht möglich sind.

    Die Zweiteilung der Belegschaft in Raucher und Nichtraucher sehe ich im Zuge der Gleichberechtigung trotzdem als ein Hinderniss.

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    Antwort auf "Kreatives Rauchen"
  3. In meinem Studentenvertrag sind 5 Minuten Bildschirmpause pro Stunde vorgesehen, dafür muss man kein Raucher sein.

    • Afa81
    • 27.03.2012 um 13:15 Uhr

    ...wieviele von Eucht sitzen jetzt gerade in der
    Arbeit. Nun eine Frage an die, die diese Frage mit
    "Ja" beantworten - wieviele von Euch werden dafür
    bezahlt, Artikel von Herrn Jessen zu kommentieren?
    Wir sind uns natürlich alle darüber im klaren, dass
    der Arbeiter in der Fabrik kein Internet hat - wo ist
    die Neidsau um sich daran zu reiben?

    Eine zweite Frage. In welcher Gesellschaft wollen wir
    leben? In einer Gesellschaft, in der man immer mehr
    von den Arbeitnehmern verlangt und ihnen postum immer
    weniger Rechte zuspricht? Das Argument, dass Rauchen
    ungesund ist, gilt nicht - Raucher zahlen mehr als das
    in Form von Steuern. Das mal an die Adresse derer, die
    sich benachteiligt fühlen. Jeder 12jährige weiß, dass
    Rauchen ungesund ist. Da brauch ich nicht meinen Chef,
    der mich "umerzieht".

    Ich arbeite in einem sehr sozialen Unternehmen. Ich kann
    rauchen gehen, wann ich will. Mein Chef weiß aber auch, wenn
    die Hütte brennt, dann kann er auf mich bauen. Wenn wir jetzt
    jedoch die Spießerschiene einlegen, dann bin ich der erste,
    der sich einen Funkwecker auf den Schreibtisch stellt und
    keine Sekunde zuviel arbeitet. Und das verdienen Unternehmen
    meines Achtens, die ihren Mitarbeitern viel abverlangen, ihnen aber das bischen Blausäure zum senken den Stresspegels verwehren.

    Ich will in einer solchen Gesellschaft nicht leben, in der jeder den Büronachbarn mustert und sich darüber aufregt, dass der jetzt 5 min. mehr Pause gemacht hat. Ich mag meine Kollegen und neide sie nicht.

    Eine Leserempfehlung
  4. wenns regnet. Genau an Bushaltestellen, einzigen Unterständen weit und breit. Tja da wird nicht Rücksicht auf andere genommen. Schon gar nicht auf Kinder. Wir brauchen auch keine "Werkzeuge" wie Zigaretten, um beruflich ein produktives und gesundes Umfeld zu schaffen. Dies ist ja nur ein Vorwand!

    4 Leserempfehlungen
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    • Afa81
    • 27.03.2012 um 13:44 Uhr

    Sie verbreiten hier wieder Verallgemeinerungen. "Die Raucher" - da gehts schon los.
    Ich sehe in Berlin die Raucher auf den Bahnsteigen der S Bahn, wenn sie ganz vorne oder ganz hinten stehen - wo keine Überdachung ist. Und das an Bushaltestellen wäre mir auch noch nicht aufgefallen. Vielleicht, weil es mir viel mehr auffällt, wenn Raucher im Regen stehen und dort rauchen.
    Es gibt immer solche und solche. Aber unterm Strich hängt das auch mit einer gewissen Ignoranz der Gesellschaft zusammen. Man ignoriert einfach, dass es Menschen gibt, die süchtig sind. Und dann wundert man sich, dass in einem ICE der 7 Stunden unterwegs ist auf einmal auf der Toilette nach Rauch stinkt. Also, sorry - genau so gehört es der Deutschen Bahn auch weil man die Bedürfnisse von Menschen ignoriert. Also ob es ein Problem wäre, ganz vorne und ganz hinten im ICE einen Raucherraum zu schaffen, mit sechs Ventilatoren an der Decke und ner Doppeltüre. Keiner muss da durch, um an seinen Platz zu kommen. Nein, aber man baut Bildschirme in der 1ten Klasse in die Kopfstützen ein, was im Zeitalter, in dem jeder seinen Laptop raus holt natürlich unglaublich viel Sinn macht. Nein, wenn die Gesellschaft keine Rücksicht auf Raucher nehmen, nehmen die eben auch keine Rücksicht auf die Gesellschaft - jeder so wie er es verdient. Ich sehe Leute, die im ICE bei jedem Bahnhof rausspringen und ein paar Züge nehmen. Und noch immer wird diese Sucht einfach ignoriert. Wie deutlich soll es denn noch werden...

    Komischerweise verlangt keiner oder kaum einer, dass in den Städten nicht mehr Auto gefahren wird, obwohl Kinder dadurch schädliche Abgase einatmen und zusätzlich noch das Risiko haben überfahren zu werden.
    Warum wird da so mit zweierlei Maß gemessen?

    • Afa81
    • 27.03.2012 um 13:44 Uhr

    Sie verbreiten hier wieder Verallgemeinerungen. "Die Raucher" - da gehts schon los.
    Ich sehe in Berlin die Raucher auf den Bahnsteigen der S Bahn, wenn sie ganz vorne oder ganz hinten stehen - wo keine Überdachung ist. Und das an Bushaltestellen wäre mir auch noch nicht aufgefallen. Vielleicht, weil es mir viel mehr auffällt, wenn Raucher im Regen stehen und dort rauchen.
    Es gibt immer solche und solche. Aber unterm Strich hängt das auch mit einer gewissen Ignoranz der Gesellschaft zusammen. Man ignoriert einfach, dass es Menschen gibt, die süchtig sind. Und dann wundert man sich, dass in einem ICE der 7 Stunden unterwegs ist auf einmal auf der Toilette nach Rauch stinkt. Also, sorry - genau so gehört es der Deutschen Bahn auch weil man die Bedürfnisse von Menschen ignoriert. Also ob es ein Problem wäre, ganz vorne und ganz hinten im ICE einen Raucherraum zu schaffen, mit sechs Ventilatoren an der Decke und ner Doppeltüre. Keiner muss da durch, um an seinen Platz zu kommen. Nein, aber man baut Bildschirme in der 1ten Klasse in die Kopfstützen ein, was im Zeitalter, in dem jeder seinen Laptop raus holt natürlich unglaublich viel Sinn macht. Nein, wenn die Gesellschaft keine Rücksicht auf Raucher nehmen, nehmen die eben auch keine Rücksicht auf die Gesellschaft - jeder so wie er es verdient. Ich sehe Leute, die im ICE bei jedem Bahnhof rausspringen und ein paar Züge nehmen. Und noch immer wird diese Sucht einfach ignoriert. Wie deutlich soll es denn noch werden...

    Komischerweise verlangt keiner oder kaum einer, dass in den Städten nicht mehr Auto gefahren wird, obwohl Kinder dadurch schädliche Abgase einatmen und zusätzlich noch das Risiko haben überfahren zu werden.
    Warum wird da so mit zweierlei Maß gemessen?

    • Afa81
    • 27.03.2012 um 13:44 Uhr

    Sie verbreiten hier wieder Verallgemeinerungen. "Die Raucher" - da gehts schon los.
    Ich sehe in Berlin die Raucher auf den Bahnsteigen der S Bahn, wenn sie ganz vorne oder ganz hinten stehen - wo keine Überdachung ist. Und das an Bushaltestellen wäre mir auch noch nicht aufgefallen. Vielleicht, weil es mir viel mehr auffällt, wenn Raucher im Regen stehen und dort rauchen.
    Es gibt immer solche und solche. Aber unterm Strich hängt das auch mit einer gewissen Ignoranz der Gesellschaft zusammen. Man ignoriert einfach, dass es Menschen gibt, die süchtig sind. Und dann wundert man sich, dass in einem ICE der 7 Stunden unterwegs ist auf einmal auf der Toilette nach Rauch stinkt. Also, sorry - genau so gehört es der Deutschen Bahn auch weil man die Bedürfnisse von Menschen ignoriert. Also ob es ein Problem wäre, ganz vorne und ganz hinten im ICE einen Raucherraum zu schaffen, mit sechs Ventilatoren an der Decke und ner Doppeltüre. Keiner muss da durch, um an seinen Platz zu kommen. Nein, aber man baut Bildschirme in der 1ten Klasse in die Kopfstützen ein, was im Zeitalter, in dem jeder seinen Laptop raus holt natürlich unglaublich viel Sinn macht. Nein, wenn die Gesellschaft keine Rücksicht auf Raucher nehmen, nehmen die eben auch keine Rücksicht auf die Gesellschaft - jeder so wie er es verdient. Ich sehe Leute, die im ICE bei jedem Bahnhof rausspringen und ein paar Züge nehmen. Und noch immer wird diese Sucht einfach ignoriert. Wie deutlich soll es denn noch werden...

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    dort stehen rauchende Menschen. Ich wette Sie fahren sehr wenig Bus.

    dort stehen rauchende Menschen. Ich wette Sie fahren sehr wenig Bus.

  5. dort stehen rauchende Menschen. Ich wette Sie fahren sehr wenig Bus.

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    • Afa81
    • 27.03.2012 um 14:28 Uhr

    ...aber doch mehrmals die Woche fahre ich Bus. Spielt keine Rolle. Niemand bläst einem Kind doch gerne seinen Dunst ins Gesicht - auch nicht "rauchende Menschen". Und egal ob Raucher oder Nichtraucher finden wir das alle falsch. Wenn jemand so rücksichtslos ist, dann darf man auch mal was sagen. Mir wäre das nur noch nicht aufgefallen, dass es so etwas in so großem Ausmaß gibt. Allerdings kommen wir so vom Thema Raucherpause weg. Sie schreiben, dass man das "Werkzeug Zigarette" nicht braucht. Das stimmt schon, brauchen tun wir es nicht. Aber man braucht auch kein Zeit-Online auf der Arbeit. Der Mitarbeiter braucht auch kein Bild von seiner Familie auf dem Schreibtisch - wieviele Augenblicke Arbeitszeit das wohl kostet. Er muss seine Frau nicth anrufen - das brauchen wir auch nicht. Aber wo kommen wir da hin, wenn man das weiter so betreibt? Es geht einfach um diese Krankrationalisierung. Unserer Wirtschaft geht es nun wirklich nicht so schlecht, dass wir hier die letzten Freiräume der Arbeiter wegrationalisieren müssen...

    • Afa81
    • 27.03.2012 um 14:28 Uhr

    ...aber doch mehrmals die Woche fahre ich Bus. Spielt keine Rolle. Niemand bläst einem Kind doch gerne seinen Dunst ins Gesicht - auch nicht "rauchende Menschen". Und egal ob Raucher oder Nichtraucher finden wir das alle falsch. Wenn jemand so rücksichtslos ist, dann darf man auch mal was sagen. Mir wäre das nur noch nicht aufgefallen, dass es so etwas in so großem Ausmaß gibt. Allerdings kommen wir so vom Thema Raucherpause weg. Sie schreiben, dass man das "Werkzeug Zigarette" nicht braucht. Das stimmt schon, brauchen tun wir es nicht. Aber man braucht auch kein Zeit-Online auf der Arbeit. Der Mitarbeiter braucht auch kein Bild von seiner Familie auf dem Schreibtisch - wieviele Augenblicke Arbeitszeit das wohl kostet. Er muss seine Frau nicth anrufen - das brauchen wir auch nicht. Aber wo kommen wir da hin, wenn man das weiter so betreibt? Es geht einfach um diese Krankrationalisierung. Unserer Wirtschaft geht es nun wirklich nicht so schlecht, dass wir hier die letzten Freiräume der Arbeiter wegrationalisieren müssen...

    • Afa81
    • 27.03.2012 um 14:28 Uhr

    ...aber doch mehrmals die Woche fahre ich Bus. Spielt keine Rolle. Niemand bläst einem Kind doch gerne seinen Dunst ins Gesicht - auch nicht "rauchende Menschen". Und egal ob Raucher oder Nichtraucher finden wir das alle falsch. Wenn jemand so rücksichtslos ist, dann darf man auch mal was sagen. Mir wäre das nur noch nicht aufgefallen, dass es so etwas in so großem Ausmaß gibt. Allerdings kommen wir so vom Thema Raucherpause weg. Sie schreiben, dass man das "Werkzeug Zigarette" nicht braucht. Das stimmt schon, brauchen tun wir es nicht. Aber man braucht auch kein Zeit-Online auf der Arbeit. Der Mitarbeiter braucht auch kein Bild von seiner Familie auf dem Schreibtisch - wieviele Augenblicke Arbeitszeit das wohl kostet. Er muss seine Frau nicth anrufen - das brauchen wir auch nicht. Aber wo kommen wir da hin, wenn man das weiter so betreibt? Es geht einfach um diese Krankrationalisierung. Unserer Wirtschaft geht es nun wirklich nicht so schlecht, dass wir hier die letzten Freiräume der Arbeiter wegrationalisieren müssen...

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