Wie man Prozesse optimiert, das hat Juliane Schulze im BWL-Studium gelernt. Eigentlich. Und irgendwie klang das damals ganz einfach: Situation analysieren, Schwachpunkte erkennen, aufräumen. »Aber es gibt so vieles, was man berücksichtigen muss: interne Politik, zwischenmenschliche Beziehungen, die besondere Firmenkultur.« Bei Juliane Schulze klappte diese Umstellung von Theorie auf Praxis quasi nebenbei: Sie hat ein duales Bachelorstudium mit Praxisphasen bei Vattenfall absolviert. Als sie dann mit 21 bei dem Energiekonzern zu arbeiten begann, kannte sie das Unternehmen schon.

Beruf - Karriere-Starter: Die ersten Tage im neuen Job Wie Jobanfänger die ersten Tage überstehen, erklärt Managementtrainerin Marion Knaths.

Wie Juliane Schulze schaffen rund die Hälfte aller Fachhochschul- und ein Viertel der Uni-Absolventen den Sprung in die Berufswelt auch ohne Master. Allerdings haben die wenigsten das Glück, so gut auf den Wechsel vorbereitet zu sein. Zwei Drittel der Bachelorabsolventen wünschen sich deshalb Einarbeitungsprogramme, um sich im ersten Job besser zurechtzufinden. Doch bisher werden sie enttäuscht: Obwohl viele Unternehmen über den niedrigeren Ausbildungsstand der neuen Hochschulabsolventen klagen, bieten nur wenige Starthilfen in den Beruf an.

Etwa jede zweite Firma findet, Bachelorabsolventen hätten einen größeren Einarbeitungsbedarf als Berufsanfänger mit Diplomabschluss. Das hat der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft herausgefunden. Die Gründe für die Unzufriedenheit sind banal: Wer seine Bachelorprüfung macht, ist in der Regel nicht älter als Anfang 20, also viel jünger als die meisten Diplomabsolventen. Viele Arbeitgeber begrüßen das grundsätzlich und schreiben »Bachelor Welcome« in ihre Stellenanzeigen. Zum Beispiel die Telekom. Hier heißt es, man lege keinen Wert auf Alter und Zeugnis: »Uns interessieren Typen, keine Abschlüsse«, sagt der Personalleiter der Deutschen Telekom, Marc-Stefan Brodbeck.

Mit 21 Jahren wenig souverän

Aber vielleicht liegt genau hier das Problem: Die Bewerber sollen klare berufliche Ambitionen und ein gesundes Selbstbewusstsein mitbringen. »Wir legen bei der Auswahl der Trainees viel Wert auf den Anspruch und die Fähigkeit, eine Führungsposition einzunehmen«, sagt Dominik Hahn, Referent im Personalmarketing bei der Allianz. Mit diesen Ansprüchen ist das Unternehmen nicht allein: »Unsere Mitarbeiter müssen in der Lage sein, auf Augenhöhe mit gestandenen Experten und Führungskräften zu sprechen«, sagt auch Christian Jost, Leiter der Personalentwicklung vom Mannheimer Personaldienstleister Hays. »Allerdings treten die wenigsten 21-Jährigen souverän genug auf.«

Zudem ist das Bachelorstudium verschulter als früher, Ablauf und Inhalte sind viel strenger vorgegeben. »Selbstorganisation kommt da gar nicht mehr vor«, meint Jost. Außerdem lässt der zeitlich eng getaktete Studienplan es oft nicht zu, zwischendurch ein längeres Praktikum oder ein Praxissemester zu absolvieren. »Diplom- oder Masterabsolventen können beim Berufsstart auf einen ganz anderen Erfahrungsschatz zurück-blicken«, sagt Jost.

An diesen Erfahrungsschatz haben sich die Unternehmen jahrzehntelang gewöhnt. Nun stellen sie fest, dass ihre Bewerber etwas weniger Berufs- und Lebenserfahrung mitbringen als früher. In den Umfragen für die Studie des Stifterverbandes für die deutsche Wirtschaft wünschen sich die Firmen insbesondere mehr Selbstständigkeit von den Absolventen, eine ausgeprägtere Problemlösungsfähigkeit und ein besseres Zeitmanagement.