Berufseinstieg : Geschmeidig bleiben

Jobs auf Zeit sind die Regel. Stimmt das wirklich? Fünf Klischees über den Arbeitsmarkt und was Absolventen tatsächlich erwartet

Befristete Stellen sind der Normalfall

Für Berufseinsteiger schon. Nur jeder fünfte Absolvent, der 2009 seinen Abschluss an einer Hochschule gemacht hatte, war danach in einem Normalarbeitsverhältnis beschäftigt, also unbefristet und in Vollzeit. Das hat das Hochschul-Informations-System (HIS) in einer Umfrage herausgefunden. Insgesamt landen zwar nur wenige Berufsanfänger in einem Normalarbeitsverhältnis, aber nicht in allen Branchen ist das so: In der Wissenschaft und in den Medien sind befristete Jobs die Regel. Nicht so in Bereichen, in denen Absolventen besonders rar sind. Unternehmen aus der IT- oder Elektrotechnikbranche etwa suchen händeringend hoch qualifizierte Arbeitskräfte. Daher locken sie Berufseinsteiger mit guten Konditionen – zum Beispiel mit unbefristeten Verträgen.

Einmal befristet, immer befristet

Bereits ein Jahr nach dem Abschluss haben laut HIS-Studie mehr als die Hälfte der Fachhochschul- und über ein Drittel der Uni-Absolventen eine unbefristete Stelle, zehn Jahre nach dem Examen ist das sogar die Regel. Im öffentlichen Dienst sind dann rund 85 Prozent, in der Privatwirtschaft 90 Prozent der Arbeitnehmer unbefristet und in Vollzeit beschäftigt. »Der Berufsstart ist turbulenter geworden. Das bedeutet aber nicht, dass man auch langfristig unsicher beschäftigt ist«, sagt Marcel Erlinghagen, Soziologieprofessor an der Uni Duisburg-Essen. Dass man in Zukunft nur noch Verträge auf Zeit bekommt, ist also ein Mythos. Erlinghagen hat dafür eine einfache Erklärung: »In den meinungsbildenden Branchen, also in den Medien, in der Werbung und in der Wissenschaft, sind befristete Verträge zum Regelfall geworden. So ist das Bild entstanden, der Arbeitsmarkt habe sich dramatisch gewandelt.« Tatsächlich hat sich in den letzten 30 Jahren die Dauer, die Arbeitnehmer in einem Betrieb beschäftigt sind, nicht verkürzt: Damals wie heute verbringen sie im Schnitt rund zehn Jahre bei ein und demselben Arbeitgeber.

Arbeitnehmer müssen dauernd umziehen

Kaum jemand wohnt nach dem Examen noch in der Stadt, in der er studiert hat. Von den Absolventen des Prüfungsjahrgangs 2009 sind laut HIS rund 80 Prozent nach dem Abschluss umgezogen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Mobilität dann aber deutlich ab: Während immerhin ein Viertel der Leute zwischen 25 und 34 ihren Wohnsitz ändern, haben sich die 35- bis 44-Jährigen dauerhaft für einen Ort entschieden. Die meisten haben in diesem Alter einen festen Job, Familie oder sogar ein Eigenheim. Nicht einmal jeder Sechste zieht dann noch um.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

kurz mal nachgedacht! Modernes Arbeiten!

Mobilität und Flexibilität ist die GRUNDVORAUSSETZUNG um in Arbeit zu kommen!

Ein moderner Jobnomade braucht ein Notebook, ein Handy und natürlich den Zugang zur nötigen Infrastruktur.
Schließlich springt er von "prekären Arbeitsverhältnis" zum nächsten, von einem Ort zum nächsten.

Ständige Errechbarkeit wird "STILLSCHWEIGEND" vorausgesetzt. Heute kommt der Anruf, morgen bzw. übermorgend findet das "Interview" statt. Ein paar Tage später müssen Sie vor Ort sein.

Wir sind jung, hochqualifiziert und arbeiten INTERNATIONAL!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Moderne arbeiten heißt:
Heute Freiberuflich, morgen Projektarbeit und vielleicht übermorgen zeitlich befristetes Arbeitsverhältnis und Hartz IV als Zwischenfinanzierung.

Die AGENDA 2010 hat die Arbeitsverhältnisse flexbilisert! Das bedeutet nichts anders als einen "fliegenden WECHSEL" von Erwerbstätigkeit und Erwerbslosigkeit.

Sie arbeiten heute im Mangement, Sie sind für mehrere Mitarbeiter verantwortlich und innerhalb weniger Monate finde Sie sich in HARTZ IV wieder.

Es wird nur das gekauft, was unbedingt gebraucht wird, es wird vermieden Vermögen aufzubauen, es wird sich nicht länger an einen Ort gebunden als unbedingt sein muß.

Unter diesen Bedingungen ist eine Familienplanung ist unmöglich. Soziale Bindungen ein Luxus.
Wir haben eine "staatlich verordnete (soziale)Armut"!

Wer ein klassische, normales geregeltes Leben führen möchte, kann im Grunde genommen nur seine Sachen packen und ins Ausland gehen.

Im Ausland ist's auch nicht besser

Wenn man sich Deutschland aus dem Ausland anguckt, wird man grün vor Neid. Ich bin ausgewandert und hatte von 1980-1994 keine Krankenversicherung, arbeitete 60 Wochenstunden ohne Urlaub oder Renteneinzahlung (Social Security kann man vergessen). Mit dem Hungerlohn finanzierte ich mein Studium, promovierte aber trotzdem mit $40.000 Schulden. Manchmal klaute ich Crackers von der Salad Bar eines Restaurants, nur um etwas zu essen. Ich konnte mir den Zahnarzt oder eine neue Brille nicht leisten. Als ich endlich eine Familie gründen konnte, war ich 39 Jahre alt. Mit 36 Jahren kaufte ich ein Eigenheim, konnte regelmässig in die Rentenversicherung einzahlen, musste meine Zähne richten lassen ($25.000) und begann zu sparen. Jetzt muss ich für die Studiengebühren meiner Kinder (7, 13) sparen (im Bestfalll $40.00 pro Kind) und die Rentenkasse dramatisch aufstocken.
Für mich liegt der Unterschied bei den kulturellen Erwartungshaltungen. In den USA erwartet nur die unterste Klasse, dass man ihnen hilft (und das auch noch auf aggressive Weise!), da es hier fast kein soziales Denken und Handeln gibt (nur in vielen Kirchen, wo die soziale Unterstützung anderer jedoch zur eigenen "Heiligkeit" verhelfen soll). In Deutschland erwartet man viel mehr Hilfe und obwohl ich zugebe, dass der deutsche Sozialstaat bröckelt, ist er noch WEIT entfernt vom sozialen, ökonomischen, politischen und moralischen Zerfall der amerikanischen Gesellschaft.