BerufseinstiegGeschmeidig bleiben

Jobs auf Zeit sind die Regel. Stimmt das wirklich? Fünf Klischees über den Arbeitsmarkt und was Absolventen tatsächlich erwartet von Katharina Wagner

Befristete Stellen sind der Normalfall

ZEIT Campus 2/2012
ZEIT Campus 2/2012

Für Berufseinsteiger schon. Nur jeder fünfte Absolvent, der 2009 seinen Abschluss an einer Hochschule gemacht hatte, war danach in einem Normalarbeitsverhältnis beschäftigt, also unbefristet und in Vollzeit. Das hat das Hochschul-Informations-System (HIS) in einer Umfrage herausgefunden. Insgesamt landen zwar nur wenige Berufsanfänger in einem Normalarbeitsverhältnis, aber nicht in allen Branchen ist das so: In der Wissenschaft und in den Medien sind befristete Jobs die Regel. Nicht so in Bereichen, in denen Absolventen besonders rar sind. Unternehmen aus der IT- oder Elektrotechnikbranche etwa suchen händeringend hoch qualifizierte Arbeitskräfte. Daher locken sie Berufseinsteiger mit guten Konditionen – zum Beispiel mit unbefristeten Verträgen.

Einmal befristet, immer befristet

Bereits ein Jahr nach dem Abschluss haben laut HIS-Studie mehr als die Hälfte der Fachhochschul- und über ein Drittel der Uni-Absolventen eine unbefristete Stelle, zehn Jahre nach dem Examen ist das sogar die Regel. Im öffentlichen Dienst sind dann rund 85 Prozent, in der Privatwirtschaft 90 Prozent der Arbeitnehmer unbefristet und in Vollzeit beschäftigt. »Der Berufsstart ist turbulenter geworden. Das bedeutet aber nicht, dass man auch langfristig unsicher beschäftigt ist«, sagt Marcel Erlinghagen, Soziologieprofessor an der Uni Duisburg-Essen. Dass man in Zukunft nur noch Verträge auf Zeit bekommt, ist also ein Mythos. Erlinghagen hat dafür eine einfache Erklärung: »In den meinungsbildenden Branchen, also in den Medien, in der Werbung und in der Wissenschaft, sind befristete Verträge zum Regelfall geworden. So ist das Bild entstanden, der Arbeitsmarkt habe sich dramatisch gewandelt.« Tatsächlich hat sich in den letzten 30 Jahren die Dauer, die Arbeitnehmer in einem Betrieb beschäftigt sind, nicht verkürzt: Damals wie heute verbringen sie im Schnitt rund zehn Jahre bei ein und demselben Arbeitgeber.

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Arbeitnehmer müssen dauernd umziehen

Kaum jemand wohnt nach dem Examen noch in der Stadt, in der er studiert hat. Von den Absolventen des Prüfungsjahrgangs 2009 sind laut HIS rund 80 Prozent nach dem Abschluss umgezogen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Mobilität dann aber deutlich ab: Während immerhin ein Viertel der Leute zwischen 25 und 34 ihren Wohnsitz ändern, haben sich die 35- bis 44-Jährigen dauerhaft für einen Ort entschieden. Die meisten haben in diesem Alter einen festen Job, Familie oder sogar ein Eigenheim. Nicht einmal jeder Sechste zieht dann noch um.

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