Jobsuche"Die Aussichten sind rosig"

Der Arbeitsmarktforscher Joachim Möller über die Euro-Krise, gute Chancen für Akademiker und die neue Macht der Arbeitnehmer von 

ZEIT CAMPUS: Herr Möller, wenn Sie gerade frisch von der Uni kämen, hätten Sie dann Angst vor der Jobsuche?

Joachim Möller: Schwer zu sagen. Ehrlich gesagt gibt es kaum einen schlechteren Zeitpunkt, um seriöse Prognosen über den Arbeitsmarkt abzugeben.

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ZEIT CAMPUS: Wo liegt das Problem?

Möller: Niemand kann genau sagen, wie stark die Euro-Krise den Markt treffen wird. Es kann sein, dass da lediglich eine kleine Konjunkturdelle auf uns zukommt. Es kann aber auch sein, dass uns ein Absturz droht. Momentan scheint alles möglich.

ZEIT CAMPUS: Was würde denn ein solcher Crash konkret für Berufseinsteiger bedeuten?

Möller: Dass sie länger warten müssen, bis sie eine Stelle finden. Die Finanzkrise 2009 war so eine Durststrecke: Die Unternehmen haben zwar einen Großteil ihrer Belegschaft gehalten, zum Beispiel durch Kurzarbeit. Aber sie haben wenige neue Leute eingestellt.

Joachim Möller
Joachim Möller

Joachim Möller ist Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

ZEIT CAMPUS: Wie viel Wartezeit zwischen Abschluss und erstem Job ist denn eigentlich normal?

Möller: Das ist je nach Studienfach sehr unterschiedlich. Bei Ingenieuren geht es in der Regel sehr schnell, bei manchen Geisteswissenschaftlern ist zunächst keine feste Stelle in Sicht, sondern fürs Erste nur ein Praktikum oder eine Tätigkeit als Freelancer. Insgesamt kann man aber festhalten: Nach ein oder zwei Jahren sind fast alle Hochschulabsolventen irgendwo untergekommen.

ZEIT CAMPUS: Was macht man, wenn man kurz nach der Uni noch keine Stelle findet?

Möller: Das ist erst einmal kein Grund zur Panik. Der Übergang in den Beruf verläuft häufig nicht reibungslos, und die wenigsten finden sofort ihren Traumjob. Wichtig ist, dass man möglichst flexibel bleibt und genug Fantasie hat, um sich notfalls noch einmal umzuorientieren. Wir haben an unserem Institut zum Beispiel einen Mitarbeiter in der EDV-Abteilung, der eigentlich Theologie studiert hat. Wer nach der Uni also nicht gleich eine Stelle findet, sollte das nutzen, um sich vielleicht noch ein paar ergänzende Qualifikationen anzueignen.

ZEIT CAMPUS: Irgendwann muss man aber Geld verdienen.

Möller: Natürlich, aber man darf eines nicht vergessen: Wir reden gerade über die nächsten Jahre. Langfristig sind die Aussichten für junge Akademiker rosig. Wer einen Hochschulabschluss hat, braucht sich keine großen Sorgen zu machen.

ZEIT CAMPUS: Was macht Sie da so sicher?

Möller: Schon heute sind nicht einmal drei Prozent der Akademiker arbeitslos. Und die Nachfrage nach Akademikern wird zweifellos in den nächsten Jahren enorm steigen.

ZEIT CAMPUS: Wie viele gut ausgebildete Leute werden denn langfristig fehlen?

Möller: Genau lässt sich das nicht sagen. Klar ist aber, dass bis 2050 die Zahl der potenziellen Arbeitnehmer um etwa ein Viertel zurückgehen wird. Das ist wahnsinnig viel.

ZEIT CAMPUS: Bleibt dann ein Viertel aller Arbeitsplätze einfach unbesetzt?

Möller: Nein, das nicht. Wenn weniger Menschen geboren werden, schrumpft ja auch die Zahl der Arbeitsplätze. Weil der Konsum zurückgeht, der Export, die Investitionen. Wir sind dann einfach ein kleineres Land. Für eine längere Übergangszeit wird es aber zu wenige Fachkräfte geben, und davon profitieren die Arbeitnehmer.

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