Promotion"Nicht einfach nur draufhauen"

Wie gelingt die Doktorarbeit? Die Kickbox-Weltmeisterin und promovierte Medizinerin Christine Theiss erklärt, was man vom Sport für die Uni lernen kann. von Franziska Bauer

Christine Theiss hat eine Doktorarbeit in Medizin verfasst.

Christine Theiss hat eine Doktorarbeit in Medizin verfasst.  |  © Hannes Magerstaedt/Getty Images

ZEIT Campus : Frau Theiss, Sie sind amtierende Weltmeisterin im Kickboxen und promovierte Medizinerin. Wie passt das zusammen?

Christine Theiss: Ich habe mit dem Kickboxen angefangen, als ich sieben Jahre alt war. Als ich dann mit 26 Profi wurde, hatte ich schon Medizin studiert und seit drei Jahren an meiner Doktorarbeit geschrieben. Ich wusste am Anfang einfach noch nicht, ob ich später beruflich kickboxen oder lieber an der Uni-Klinik arbeiten möchte. Also habe ich beides ausprobiert.

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ZEIT Campus: Kampfsport und Wissenschaft sind aber doch sehr unterschiedliche Bereiche.

Christine Theiss

32, verteidigt seit fünf Jahren ihren Weltmeistertitel im Kickboxen. Parallel hat sie an der Uni-Klinik München promoviert

Theiss: Klar, die Aufgaben sind zunächst einmal völlig verschieden. Trotzdem habe ich sehr schnell gemerkt, dass viel von dem, was ich mir im Sport erarbeitet habe, auch beim Schreiben meiner Doktorarbeit wichtig war.

ZEIT Campus: Zum Beispiel?

Theiss: Weltmeisterin zu werden oder zu promovieren sind zunächst abstrakte Ziele. Man braucht dann Disziplin, um sich Schritt für Schritt vorzuarbeiten. Das geht nur, wenn man genau weiß, was man will. Und wenn man sich strukturieren kann, ganz konkret mit Trainingsplan. Wenn ich beim Sandsacktraining nicht weiß, ob ich Kondition oder Technik trainiere, kann ich es gleich lassen. Dann haue ich einfach nur drauf.

ZEIT Campus: Was bedeutet das für die Promotion ?

Theiss: Bei der Promotion konnte ich auch nicht einfach drauflosschreiben, sondern habe genau geplant, welches Kapitel ich wann schreibe. Ich habe mit einer klinisch-statistischen Studie über Stammzelltherapie bei Herzinfarktpatienten promoviert. Dabei habe ich 44 Patienten vier Jahre lang mitbetreut und Tausende von Daten ausgewertet. Ohne Struktur wäre das nicht gegangen.

ZEIT Campus: Wie haben Sie sich strukturiert?

Theiss: Mein Tag war genau eingeteilt: von sechs bis neun Uhr Training, dann an den Schreibtisch. Mittags habe ich eine Pause eingelegt, dann ging die Arbeit an der Promotion weiter. Abends stand wieder Training an.

ZEIT Campus: Das klingt nach einem straffen Zeitplan. Können Sie auch mal lockerlassen?

Theiss: Andere Leute gehen joggen, um sich auszupowern. Das funktioniert bei mir nicht als Entspannung. Als Ausgleich brauche ich Ruhetage. Egal, wann der Wettkampf ansteht: Sonntag ist frei. Punkt. Da gehe ich in den Bergen wandern. Ich finde, man muss lernen, in sich hineinzuhören. Beim Boxen höre ich auf meinen Körper, bei der Promotion auf meinen Kopf.

Leserkommentare
  1. ...dass das Wort "Doktorarbeit" bei Medizinern ein schöner Euphemismus ist. Ein PR-Gag für die Boxpromoter..., im akedemischen Bereich nichts wert.

  2. 2. Sorry,

    Medizin Promotion?
    Ich lese erst garnicht weiter.

  3. Wir bitten von der Austragung von Privatfehden abzusehen, und zu einer themenbezogenen Diskussion zurück zu kehren. Danke, die Redaktion/kvk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist wohl eher, dass Mediziner für Ihren Doktor bereits zwei Jahre vor dem Studieumsende anfangen können. Und das nicht, weil sie es "können", sondern weil sie es "müssen". Wenn Sie das verstanden haben, können wir weiter reden.

    Für den "normalen" Doktoranden ist es jedenfalls ein denkbar schlechtes Beispiel.
    Und nein, ich promoviere nicht, ich habe nichts naturwissenschaftliches studiert. Aber mir geht dieses scheinheilige getue um den Medizin-Dr. mittlerweile auf den Geist.

    • KG
    • 07. März 2012 14:54 Uhr

    Ich gebe ja zu, dass der Kommentar 1 es ein wenig übertreibt, aber ihr Kommentar macht sich im Vergleich nicht viel besser. Sie finden den Dr. med. im Arbeitsaufwand also gleichwertig zu den Doktortiteln anderer Disziplinen?
    Ich weiß wie viel Arbeit in einem Medizinstudium steckt und habe auch großen Respekt davor. Deshalb bringe ich einem Arzt mehr Respekt für sein Studium entgegen als einem Lehrer für Deutsch und Sport. Aber die geleistete Forschung für den Doktortitel (und für einen Doktor muss nunmal eigene Forschungsleistung erbracht werden) ist einfach lächerlich. Es ist leider in der Praxis so, dass die Leute sich nicht gern von Ärzten ohne Dr. med. vorm Namen behandeln lassen, weswegen ich verstehe, dass die Ärzte den was leichter bekommen. Aber deswegen muss ich noch lange nicht so tun, als ob der Arzt sich dafür jetzt totgearbeitet hätte.
    In anderen Fächern fängt man den Doktor halt auch nicht so locker neben dem Hauptstudium an und bekommt ihn bei Studienende einfach mit ausgehändigt...
    Übrigens beziehe ich mich dabei nicht nur auf Naturwissenschaften. Ich denke ein Dr. in Geschichte ist ebenfalls sehr viel aufwendiger als der Dr. med. (sofern man nicht guttenbergt).

    Und das hat nichts mit der Wertschätzung der Leistung der Frau Theiss zu tun, deren investierte Anstrengung ich durchaus respektiere.

  4. ist wohl eher, dass Mediziner für Ihren Doktor bereits zwei Jahre vor dem Studieumsende anfangen können. Und das nicht, weil sie es "können", sondern weil sie es "müssen". Wenn Sie das verstanden haben, können wir weiter reden.

    Für den "normalen" Doktoranden ist es jedenfalls ein denkbar schlechtes Beispiel.
    Und nein, ich promoviere nicht, ich habe nichts naturwissenschaftliches studiert. Aber mir geht dieses scheinheilige getue um den Medizin-Dr. mittlerweile auf den Geist.

    Antwort auf "Geltungssucht"
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    wie hier der pure Neid zutage tritt..

    "ist wohl eher, dass Mediziner für Ihren Doktor bereits zwei Jahre vor dem Studieumsende anfangen können. Und das nicht, weil sie es "können", sondern weil sie es "müssen"."

    1. Kann man auch nach dem 1. Staatsexamen Lehramt mit einer Doktorarbeit beginnen. Auch ein dreijähriger FH-Abschluss kann die Promotion möglich machen. In angelsächsischen Ländern reicht bereits ein sehr gut abgeschlossener Bachelor aus, um zum "Ph.D." zugelassen zu werden. Wenn also Mediziner zwei Jahre vor Studienende mit der Promotion beginnen (also nach 4 Jahren Studium), ist das nichts ungewöhnliches.

    2. Eine Doktorarbeit ist nicht notwendig, um als Arzt arbeiten zu können. Also nichts mit "müssen"

    3. Erinnert sei daran, dass die großen Skandale der Doktorarbeiten NICHT in der Medizin waren, sondern in Jura und anderen Geisteswissenschaften.

    4. Den Doktor der Medizin derartig zu verunglimpfen ist oenlich. Gute Freunde arbeiten seit vielen Jahren an ihrer Doktorarbeit.

    Einfach nur lustig, dieses Echauffieren aus purem Neid.

    Schlechte Doktorarbeiten gibt es in ALLEN Fakultäten.

    • Crest
    • 07. März 2012 14:39 Uhr

    und ob die Dissertation in diesem Fall tatsächlich ein "dünnes Brett" war, wie reflexhaft gemutmaßt wird, dass würde ich mir hier vorher doch einmal genauer anschauen.

    Herzlichst Crest

  5. 6. Teil 2

    Wie bereits gesagt, die Dame hat 4 Listungen in Pubmed, darunter eine Veröffentlichung im Int. Journal of Cardiology.

    Das ist durchaus eine wissenschaftliche Leistung für ihr junges Alter - das ist eine Sache, die sie verstehen sollten..

    PS.
    Nein, das "muss" niemand. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich Einblick in die Materie.

    • KG
    • 07. März 2012 14:54 Uhr

    Ich gebe ja zu, dass der Kommentar 1 es ein wenig übertreibt, aber ihr Kommentar macht sich im Vergleich nicht viel besser. Sie finden den Dr. med. im Arbeitsaufwand also gleichwertig zu den Doktortiteln anderer Disziplinen?
    Ich weiß wie viel Arbeit in einem Medizinstudium steckt und habe auch großen Respekt davor. Deshalb bringe ich einem Arzt mehr Respekt für sein Studium entgegen als einem Lehrer für Deutsch und Sport. Aber die geleistete Forschung für den Doktortitel (und für einen Doktor muss nunmal eigene Forschungsleistung erbracht werden) ist einfach lächerlich. Es ist leider in der Praxis so, dass die Leute sich nicht gern von Ärzten ohne Dr. med. vorm Namen behandeln lassen, weswegen ich verstehe, dass die Ärzte den was leichter bekommen. Aber deswegen muss ich noch lange nicht so tun, als ob der Arzt sich dafür jetzt totgearbeitet hätte.
    In anderen Fächern fängt man den Doktor halt auch nicht so locker neben dem Hauptstudium an und bekommt ihn bei Studienende einfach mit ausgehändigt...
    Übrigens beziehe ich mich dabei nicht nur auf Naturwissenschaften. Ich denke ein Dr. in Geschichte ist ebenfalls sehr viel aufwendiger als der Dr. med. (sofern man nicht guttenbergt).

    Und das hat nichts mit der Wertschätzung der Leistung der Frau Theiss zu tun, deren investierte Anstrengung ich durchaus respektiere.

    Antwort auf "Geltungssucht"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Aber die geleistete Forschung für den Doktortitel (und für einen Doktor muss nunmal eigene Forschungsleistung erbracht werden) ist einfach lächerlich."

    Woher nehmen Sie diese Gewissheit?? Lesen Sie sich die Arbeit doch einfach durch:

    http://www.ncbi.nlm.nih.g... [Christine Theiss]

    Ich habe das vorher nicht gewusst - Sie etwa?? "Nicht nur einfach draufhauen", manche sollten sich vielleicht mal den Titel zu Gemüte ziehen und sich selbst hinterfragen.

    • mappek
    • 07. März 2012 23:24 Uhr

    "Ich weiß wie viel Arbeit in einem Medizinstudium steckt und habe auch großen Respekt davor. Deshalb bringe ich einem Arzt mehr Respekt für sein Studium entgegen als einem Lehrer für Deutsch und Sport"
    Das sind genau die einfältigen Meinungen die mich auf die Palme bringen!Was hat denn jetzt der Arzt mit dem Lehrer zu tun? Beide Berufe sind gleich wichtig und gleich anspruchsvoll. Warum sollte ein Germanistikstudium anspruchsloser sein als ein Medizinstudium? Wenn überhaupt könnte man sagen, dass Germanistik oder Philosophie zu studieren eher eine echtes wissenschaftliches Studium darstellt als Medizin, denn die Medizin ist strenggenommen nur eine angewandte Wissenschaft die sich aus den grundlegenden reinen Wissenschaften Biologie, Chemie und Physik ableitet. Literatur zu reflektieren ist mit Bestimmtheit ein höhere geistige Herausforderung als Medizinbücher auswendig zu lernen. Sobald Sie das nachvollziehen können, wird sich der Widerspruch „Boxerin und promovierte Ärztin“ in Luft auflösen. Der gute alte Johann Christoph Friedrich von Schiller brach das Studium der Medizin ab, weil er sich zu was Höherem berufen fühlte: „Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit“.

  6. "Aber die geleistete Forschung für den Doktortitel (und für einen Doktor muss nunmal eigene Forschungsleistung erbracht werden) ist einfach lächerlich."

    Woher nehmen Sie diese Gewissheit?? Lesen Sie sich die Arbeit doch einfach durch:

    http://www.ncbi.nlm.nih.g... [Christine Theiss]

    Ich habe das vorher nicht gewusst - Sie etwa?? "Nicht nur einfach draufhauen", manche sollten sich vielleicht mal den Titel zu Gemüte ziehen und sich selbst hinterfragen.

    Antwort auf "Wirklich?"
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    Ich muss den Kritikern medizinischer Doktorarbeiten recht geben. Sie sind überhaupt nicht vergleichbar mit Promotionen naturwissenschaftlicher Fächer. Ich arbeite selbst in einer Klinik als promovierter Biologe und betreue Medizindoktoranden. Ich würde den Arbeitsaufwand und den Umfang eher mit einer Biologen- Diplomarbeit vergleichen.

    Noch ein kurzer Kommentar zu der erwähnten wissenschaftlichen Publikation von Frau Theiss:
    Ich habe mir die Kopfzeile angeschaut, Frau Theiss steht an 3. Stelle und ist keine Koautorin. Koautoren sind Markus G. Engelmann und Hans D. Theiss (der Ehemann???).
    Ergo hat sie diesen Artikel nicht geschrieben, sondern ist nur als "Mitautorin" erwähnt, was bedeutet, dass sie für diesen Artikel wahrscheinlich nur eine Kleinigkeit beigetragen hat (z.B. Zellen auftauen und in Kultur nehmen... ;)
    Ich kenne diese Praxis, sie ist in Universitäten durchaus geläufig, z.T. werden auch TA´s in der Kopfzeile erwähnt, wenn sie an dem Projekt beteiligt waren (was ich aber gut finde, da sie meistens die Hauptarbeit machen!) aber eben auch Mediziner, die dem Chef mal einen Kaffee gekocht haben....
    Am Ende steht übrigens meistens der Chef der Abteilung, auch wenn er keinen Finger gekrümmt oder keine Hirnzelle für das Projekt angestrengt hat. Das ist rein historisch bedingt und wird sich auch so schnell nicht ändern, auch wenn die DFG diese Praxis längst in ihrem Leitfaden angeprangert hat

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