Promotion : "Nicht einfach nur draufhauen"
Seite 2/2:

"Wenn ich etwas angefangen habe, dann ziehe ich das auch durch"

ZEIT Campus: Und was ist, wenn einer von beiden sagt: "Ich kann nicht mehr"?

Theiss: Dann muss ich ehrlich zu mir selbst sein und die Erschöpfung anerkennen. Wenn ich ein Tief habe, stelle ich mir vor, wie es sein wird, wenn ich mein Ziel erreicht habe. Das Gefühl, gewonnen zu haben und nach dem Kampf den Gürtel hochzuhalten.

ZEIT Campus: Wie fühlt sich das an?

Theiss: Hammermäßig. Da kann ich mich so reinsteigern, dass mir vor Glück die Tränen in die Augen schießen. Genau so war es bei meiner Promotion: sich dieses Gefühl vorzustellen, in die Druckerei zu gehen, die fertige Arbeit abzuholen und sie endlich abzugeben. Das motiviert extrem.

ZEIT Campus: Gab es auch Rückschläge?

Theiss: Bei einem Amateurkampf habe ich zum Beispiel mal den Fehler gemacht, nach Treffern überhastet zu kontern, dabei habe ich meine Deckung aufgemacht. Punktniederlage.

ZEIT Campus: Wie sind Sie damit umgegangen?

Theiss: Da war bei mir erst mal Wundenlecken angesagt. Ich hatte keinen Bock, darüber zu reden oder zu analysieren, ich war einfach nur enttäuscht. Ich hatte das auch beim Schreiben der Doktorarbeit. Mein Doktorvater wollte Dinge oft ganz anders, als ich sie geschrieben hatte. Als ich die Arbeit nach langem Warten von der Erstkorrektur zurückbekam, war etliches rot angestrichen. Dabei hatte ich so viel Zeit und Mühe reingesteckt! Ich war stinkig und habe erst einmal nur geflucht.

ZEIT Campus: Wollten Sie hinschmeißen?

Theiss: Wenn ich etwas angefangen habe, dann ziehe ich das auch durch. Das habe ich beim Kickboxen gelernt. Bei Rückschlägen kann man heulen und fluchen, das ist in Ordnung. Aber dann muss man sich schütteln, wieder aufraffen und weitermachen. An meine Niederlagen denke ich heute überhaupt nicht mehr, die habe ich abgehakt.

ZEIT Campus: Und das funktioniert?

Theiss: Für mich ist die Einstellung unglaublich wichtig. Das klingt vielleicht nach einem Klischee. Aber ich habe fünf Jahre an meiner Promotion gearbeitet, da muss man sich ständig neu motivieren. Dass ich es im Ring immer wieder geschafft habe, gibt mir Selbstbewusstsein. Das habe ich auch bei der Promotion gemerkt. Ich zweifle einfach nicht an mir selbst. Sonst könnte ich weder boxen noch schreiben.

Anzeige

Forschende Fachhochschulen

Die deutschen Fachhochschulen entwickeln sich von reinen Lehranstalten zu Schmieden der anwendungsbezogenen Forschung - unterstützt von Politik und Wissenschaftsrat.

Mehr erfahren >>

Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

"Süß"

ist wohl eher, dass Mediziner für Ihren Doktor bereits zwei Jahre vor dem Studieumsende anfangen können. Und das nicht, weil sie es "können", sondern weil sie es "müssen". Wenn Sie das verstanden haben, können wir weiter reden.

Für den "normalen" Doktoranden ist es jedenfalls ein denkbar schlechtes Beispiel.
Und nein, ich promoviere nicht, ich habe nichts naturwissenschaftliches studiert. Aber mir geht dieses scheinheilige getue um den Medizin-Dr. mittlerweile auf den Geist.

Wirklich?

Ich gebe ja zu, dass der Kommentar 1 es ein wenig übertreibt, aber ihr Kommentar macht sich im Vergleich nicht viel besser. Sie finden den Dr. med. im Arbeitsaufwand also gleichwertig zu den Doktortiteln anderer Disziplinen?
Ich weiß wie viel Arbeit in einem Medizinstudium steckt und habe auch großen Respekt davor. Deshalb bringe ich einem Arzt mehr Respekt für sein Studium entgegen als einem Lehrer für Deutsch und Sport. Aber die geleistete Forschung für den Doktortitel (und für einen Doktor muss nunmal eigene Forschungsleistung erbracht werden) ist einfach lächerlich. Es ist leider in der Praxis so, dass die Leute sich nicht gern von Ärzten ohne Dr. med. vorm Namen behandeln lassen, weswegen ich verstehe, dass die Ärzte den was leichter bekommen. Aber deswegen muss ich noch lange nicht so tun, als ob der Arzt sich dafür jetzt totgearbeitet hätte.
In anderen Fächern fängt man den Doktor halt auch nicht so locker neben dem Hauptstudium an und bekommt ihn bei Studienende einfach mit ausgehändigt...
Übrigens beziehe ich mich dabei nicht nur auf Naturwissenschaften. Ich denke ein Dr. in Geschichte ist ebenfalls sehr viel aufwendiger als der Dr. med. (sofern man nicht guttenbergt).

Und das hat nichts mit der Wertschätzung der Leistung der Frau Theiss zu tun, deren investierte Anstrengung ich durchaus respektiere.

Stimme ich nicht überein

"Aber die geleistete Forschung für den Doktortitel (und für einen Doktor muss nunmal eigene Forschungsleistung erbracht werden) ist einfach lächerlich."

Woher nehmen Sie diese Gewissheit?? Lesen Sie sich die Arbeit doch einfach durch:

http://www.ncbi.nlm.nih.g... [Christine Theiss]

Ich habe das vorher nicht gewusst - Sie etwa?? "Nicht nur einfach draufhauen", manche sollten sich vielleicht mal den Titel zu Gemüte ziehen und sich selbst hinterfragen.

Bitte geben Sie Ihrem Kommentar

"Ich weiß wie viel Arbeit in einem Medizinstudium steckt und habe auch großen Respekt davor. Deshalb bringe ich einem Arzt mehr Respekt für sein Studium entgegen als einem Lehrer für Deutsch und Sport"
Das sind genau die einfältigen Meinungen die mich auf die Palme bringen!Was hat denn jetzt der Arzt mit dem Lehrer zu tun? Beide Berufe sind gleich wichtig und gleich anspruchsvoll. Warum sollte ein Germanistikstudium anspruchsloser sein als ein Medizinstudium? Wenn überhaupt könnte man sagen, dass Germanistik oder Philosophie zu studieren eher eine echtes wissenschaftliches Studium darstellt als Medizin, denn die Medizin ist strenggenommen nur eine angewandte Wissenschaft die sich aus den grundlegenden reinen Wissenschaften Biologie, Chemie und Physik ableitet. Literatur zu reflektieren ist mit Bestimmtheit ein höhere geistige Herausforderung als Medizinbücher auswendig zu lernen. Sobald Sie das nachvollziehen können, wird sich der Widerspruch „Boxerin und promovierte Ärztin“ in Luft auflösen. Der gute alte Johann Christoph Friedrich von Schiller brach das Studium der Medizin ab, weil er sich zu was Höherem berufen fühlte: „Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit“.

Amüsant..

wie hier der pure Neid zutage tritt..

"ist wohl eher, dass Mediziner für Ihren Doktor bereits zwei Jahre vor dem Studieumsende anfangen können. Und das nicht, weil sie es "können", sondern weil sie es "müssen"."

1. Kann man auch nach dem 1. Staatsexamen Lehramt mit einer Doktorarbeit beginnen. Auch ein dreijähriger FH-Abschluss kann die Promotion möglich machen. In angelsächsischen Ländern reicht bereits ein sehr gut abgeschlossener Bachelor aus, um zum "Ph.D." zugelassen zu werden. Wenn also Mediziner zwei Jahre vor Studienende mit der Promotion beginnen (also nach 4 Jahren Studium), ist das nichts ungewöhnliches.

2. Eine Doktorarbeit ist nicht notwendig, um als Arzt arbeiten zu können. Also nichts mit "müssen"

3. Erinnert sei daran, dass die großen Skandale der Doktorarbeiten NICHT in der Medizin waren, sondern in Jura und anderen Geisteswissenschaften.

4. Den Doktor der Medizin derartig zu verunglimpfen ist oenlich. Gute Freunde arbeiten seit vielen Jahren an ihrer Doktorarbeit.

Einfach nur lustig, dieses Echauffieren aus purem Neid.

Schlechte Doktorarbeiten gibt es in ALLEN Fakultäten.

medizinische Doktorarbeit ist nicht PhD äquivalent

Ihr Kommentar erweckt den Eindruck als ob Ihnen dieses nich bewusst sei. Falls in angelsächsischen Ländern der PhD nach den Bachelor gemacht wird, dauert dieser in der Regel(falls ich richtig informiert bin) um die 5 Jahre. Was dem Zeitraum von 2 Jahren Master plus 3 JAHRE VOLLZEITPROMOTION in anderen Ländern entspricht.
"Erinnert sei daran, dass die großen Skandale der Doktorarbeiten NICHT in der Medizin waren, sondern in Jura und anderen Geisteswissenschaften."
Was verstehen Sie unter große Skandale? Googeln Sie mal nach "Medizin Promotionsskandal".
"Gute Freunde arbeiten seit vielen Jahren an ihrer Doktorarbeit." Neben den Studium, jedes Wochenende, 1 Minute? Sie können sich ja mal die veröffentlichten Doktorarbeiten in Medizin auf den verschiedenen Uniseiten anschauen oder z.B. die medizinischen Doktorabreiten von Philipp Rösler oder Frau von der Leyen. Siehe auch mein obiges Kommentar.

Fakten

"medizinische Doktorarbeit ist nicht PhD äquivalent"

KEIN deutscher Doktorgrad ist automatisch "PhD-äquivalent" und KEIN Deutscher Doktor darf sich als "PhD" in Deutschland und im Ausland ausgeben, solange die ausländische Hochschule die Äquivalent bestätigt.

"Falls in angelsächsischen Ländern der PhD nach den Bachelor gemacht wird, dauert dieser in der Regel(falls ich richtig informiert bin) um die 5 Jahre."

Falsch, da sind Sie wieder nicht richtig informiert. Freunde von mir haben 3 Jahre Bachelor gemacht und machen jetzt in drei Jahren ihren PhD in New York.

"Was verstehen Sie unter große Skandale?

Guttenberg: JURA. Koch-Mehrin: GESCHICHTE.

"Neben den Studium, jedes Wochenende, 1 Minute?"

Sie haben echt KEINE Ahnung.

"Sie können sich ja mal die veröffentlichten Doktorarbeiten in Medizin auf den verschiedenen Uniseiten anschauen"

Habe ich gemacht. In der Medizin gibt es - wie in JEDER Fakultät - gute und schlechte Doktorarbeiten.

Zwei lächerliche Doktorarbeiten habe ich bereits genannt. Unzählige weitere aus der Geschichte, Politik, Jura, Biologie usw. könnte ich nennen.

überprüfbare Fakten

"KEIN deutscher Doktorgrad ist automatisch "PhD-äquivalent..."
Habe ich so auch nicht behauptet, jedoch ist in der Regel eine 3 Jährige Vollzeitpromotion PhD äquivalent.

(Quelle) Europian Reserach Council (http://www.mft-online.de/...)
"Bin ich als Dr. med. (oder MD) antragsberechtigt bei den Starting Grants?
Bei den ERC Starting Grant ist ein PhD oder ein äquivalenter Titel Voraussetzung für die Antragstellung. Ein medizinischer Doktorgrad (MD oder „Dr. med.“) wird nicht als PhD-äquivalent anerkannt. Daher müssen Mediziner/innen zusätzlich zum medizinischen Doktorgrad einen der drei Nachweise erbringen:
- PhD
- Abschluss eines Facharzt (bzw. „Clinical Specialty Training‟)
- Nachweis über eine Position, die einen PhD-äquivalenten Titel erfordert (z.B.: „ Post-Doc-Fellowship“, Professur)
...."
Siehe auch: http://erc.europa.eu/site... und
http://www.forschung-und-... (s.491)

"Falsch, da sind Sie wieder nicht richtig informiert. Freunde von mir haben 3 Jahre Bachelor gemacht und machen jetzt in drei Jahren ihren PhD in New York"
Weil Ihre Freunde dieses angeblich machen ist meine Ausage die von der Regel ausgeht falsch? Wie heißt den die Einrichtung die ihre Freunde dort besuchen? (http://en.wikipedia.org/w...)

.....

"Guttenberg: JURA. Koch-Mehrin: GESCHICHTE."
Ok, auch nachdem Sie nach dem googeln u.a. auf "http://www.sueddeutsche.d..." bleiben Sie bei Ihrer Aussage, dass "die großen Skandale der Doktorarbeiten NICHT in der Medizin waren, sondern in Jura und anderen Geisteswissenschaften."
"Habe ich gemacht. In der Medizin gibt es - wie in JEDER Fakultät - gute und schlechte Doktorarbeiten."
http://www.sueddeutsche.d...
http://www.zeit.de/2011/3...

Bitte geben Sie Ihrem Kommentar eine aussagekräftige Überschri

Ich muss den Kritikern medizinischer Doktorarbeiten recht geben. Sie sind überhaupt nicht vergleichbar mit Promotionen naturwissenschaftlicher Fächer. Ich arbeite selbst in einer Klinik als promovierter Biologe und betreue Medizindoktoranden. Ich würde den Arbeitsaufwand und den Umfang eher mit einer Biologen- Diplomarbeit vergleichen.

Noch ein kurzer Kommentar zu der erwähnten wissenschaftlichen Publikation von Frau Theiss:
Ich habe mir die Kopfzeile angeschaut, Frau Theiss steht an 3. Stelle und ist keine Koautorin. Koautoren sind Markus G. Engelmann und Hans D. Theiss (der Ehemann???).
Ergo hat sie diesen Artikel nicht geschrieben, sondern ist nur als "Mitautorin" erwähnt, was bedeutet, dass sie für diesen Artikel wahrscheinlich nur eine Kleinigkeit beigetragen hat (z.B. Zellen auftauen und in Kultur nehmen... ;)
Ich kenne diese Praxis, sie ist in Universitäten durchaus geläufig, z.T. werden auch TA´s in der Kopfzeile erwähnt, wenn sie an dem Projekt beteiligt waren (was ich aber gut finde, da sie meistens die Hauptarbeit machen!) aber eben auch Mediziner, die dem Chef mal einen Kaffee gekocht haben....
Am Ende steht übrigens meistens der Chef der Abteilung, auch wenn er keinen Finger gekrümmt oder keine Hirnzelle für das Projekt angestrengt hat. Das ist rein historisch bedingt und wird sich auch so schnell nicht ändern, auch wenn die DFG diese Praxis längst in ihrem Leitfaden angeprangert hat