1. Euphorie

Das sagt die Doktorandin: Am Anfang war ich euphorisch und stolz, mich einer so anspruchsvollen Aufgabe stellen zu dürfen. Ich war grenzenlos motiviert.

Das sagt die Expertin: Die Aussicht, sich in Eigenregie in ein Thema vertiefen zu können, ist tatsächlich reizvoll. Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen vorab geklärt sind: Thema, Betreuer, Finanzierung.

2. Sammelwut

Die Doktorandin: Ich habe über die ethnischen Gruppen in Südecuador promoviert und mich erstmal in die Literatur gestürzt. Jeden Text darüber habe ich gesammelt und gestapelt. Um die Zeit einzuteilen, habe ich Pläne erstellt, nicht eingehalten, wieder überarbeitet.

Die Expertin: Achtung, nicht ziellos draufloslesen, sondern immer den Bezug zur Forschungsfrage herstellen! Um den Überblick zu behalten, sollte man schriftlich festhalten, was man wie in die Arbeit einbauen will. Programme wie Citavi und Endnote helfen beim Sortieren der Literatur. Dass man Zeitpläne überarbeitet, ist normal. Wichtig ist, überhaupt ein Zeitmanagement zu haben. Am besten funktioniert ein langfristiger Plan mit Etappenzielen. Für diese Phasen erstellt man Wochen- und Tagespläne mit festen Zeiten für Dissertation , Job und Freizeit.

3. Auswertung

Die Doktorandin: Die Forschung in Ecuador mache ich mit links – dachte ich. Stattdessen war ich nach den Interviews auf Spanisch bei Tropenhitze abends total platt. Am Ende hatte ich Aufnahmen von 39 Stunden. Um eine Minute Interview zu transkribieren, brauchte ich acht Minuten. Ich fing an zu rechnen: Bei drei Stunden pro Tag wäre ich in 104 Tagen fertig. Hilfe!

Die Expertin: Es passiert oft, dass Doktoranden ihre Fähigkeiten über- und den Aufwand unterschätzen. Dann sollte man ökonomisch arbeiten und überlegen, ob man wirklich alles auswerten muss, um die Forschungsfrage zu beantworten.

4. Selbstzweifel

Die Doktorandin: Sind meine Ergebnisse nicht viel zu banal? Sind andere schneller, fleißiger, intelligenter? Ich hatte schon lange an der Promotion gearbeitet, aber noch immer nichts vorzuweisen. Jeden Tag hatte ich das Gefühl, noch nicht genug getan zu haben. Ich war kurz vorm Hinschmeißen.

Die Expertin: Zweifeln Doktoranden an der Relevanz ihrer Forschung, ist das meist ein Zeichen dafür, dass sie tief im Thema stecken. Ein Blick von außen, durch andere Doktoranden oder den Betreuer, hilft, klarer zu sehen. Fast jeder, der promoviert, hat irgendwann Selbstzweifel und fragt sich, ob er zum Wissenschaftler taugt. Dieser Frage muss man sich stellen, sie ist eine Art Selbstprüfung. Das schlechte Gewissen der Dissertation gegenüber zeigt, wie stark man sich mit ihr identifiziert. Jetzt sind Pausen zum Ausgleich besonders wichtig.