DoktorarbeitAufwärmen, loslegen, durchhalten!

Vom Startschuss bis zur Zielgeraden: Eine Doktorandin der Geographie erzählt von den verschiedenen Phasen ihrer Dissertation. Eine Psychologin sagt, wie man sie meistert

1. Euphorie

Das sagt die Doktorandin: Am Anfang war ich euphorisch und stolz, mich einer so anspruchsvollen Aufgabe stellen zu dürfen. Ich war grenzenlos motiviert.

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Das sagt die Expertin: Die Aussicht, sich in Eigenregie in ein Thema vertiefen zu können, ist tatsächlich reizvoll. Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen vorab geklärt sind: Thema, Betreuer, Finanzierung.

2. Sammelwut

Die Doktorandin: Ich habe über die ethnischen Gruppen in Südecuador promoviert und mich erstmal in die Literatur gestürzt. Jeden Text darüber habe ich gesammelt und gestapelt. Um die Zeit einzuteilen, habe ich Pläne erstellt, nicht eingehalten, wieder überarbeitet.

Die Expertin: Achtung, nicht ziellos draufloslesen, sondern immer den Bezug zur Forschungsfrage herstellen! Um den Überblick zu behalten, sollte man schriftlich festhalten, was man wie in die Arbeit einbauen will. Programme wie Citavi und Endnote helfen beim Sortieren der Literatur. Dass man Zeitpläne überarbeitet, ist normal. Wichtig ist, überhaupt ein Zeitmanagement zu haben. Am besten funktioniert ein langfristiger Plan mit Etappenzielen. Für diese Phasen erstellt man Wochen- und Tagespläne mit festen Zeiten für Dissertation, Job und Freizeit.

Martina Park

33, hat ihre Doktorarbeit über die ethnischen Gruppen in Südecuador am Institut für Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg verfasst

3. Auswertung

Die Doktorandin: Die Forschung in Ecuador mache ich mit links – dachte ich. Stattdessen war ich nach den Interviews auf Spanisch bei Tropenhitze abends total platt. Am Ende hatte ich Aufnahmen von 39 Stunden. Um eine Minute Interview zu transkribieren, brauchte ich acht Minuten. Ich fing an zu rechnen: Bei drei Stunden pro Tag wäre ich in 104 Tagen fertig. Hilfe!

Die Expertin: Es passiert oft, dass Doktoranden ihre Fähigkeiten über- und den Aufwand unterschätzen. Dann sollte man ökonomisch arbeiten und überlegen, ob man wirklich alles auswerten muss, um die Forschungsfrage zu beantworten.

Helga Knigge-Illner

ist Psychologin und Promotionscoach. Sie berät Doktoranden seit über 30 Jahren und hat den Ratgeber Der Weg zum Doktortitel geschrieben

4. Selbstzweifel

Die Doktorandin: Sind meine Ergebnisse nicht viel zu banal? Sind andere schneller, fleißiger, intelligenter? Ich hatte schon lange an der Promotion gearbeitet, aber noch immer nichts vorzuweisen. Jeden Tag hatte ich das Gefühl, noch nicht genug getan zu haben. Ich war kurz vorm Hinschmeißen.

Die Expertin: Zweifeln Doktoranden an der Relevanz ihrer Forschung, ist das meist ein Zeichen dafür, dass sie tief im Thema stecken. Ein Blick von außen, durch andere Doktoranden oder den Betreuer, hilft, klarer zu sehen. Fast jeder, der promoviert, hat irgendwann Selbstzweifel und fragt sich, ob er zum Wissenschaftler taugt. Dieser Frage muss man sich stellen, sie ist eine Art Selbstprüfung. Das schlechte Gewissen der Dissertation gegenüber zeigt, wie stark man sich mit ihr identifiziert. Jetzt sind Pausen zum Ausgleich besonders wichtig.

5. Stolz

Die Doktorandin: Irgendwann wusste ich, worauf ich hinschreibe, und tippte Seite um Seite. Den eigenen Text zu lesen hat mich nicht mehr mit Scham, sondern mit Stolz erfüllt. Endlich hatte ich etwas zu sagen!

Die Expertin: Bis hierhin muss man durchhalten und das Gefühl richtig auskosten.

6. Strapazen

Die Doktorandin: In den letzten Monaten ging es noch einmal richtig zur Sache. Freunde, Beziehung, Haushalt – alles außer der Dissertation habe ich vernachlässigt. Ich malte mir ständig aus, was ich Tolles tun würde, wenn ich dieses Projekt abgeschlossen haben würde. Endlich mal wieder Kuchen backen!

Die Expertin: Die Endphase ist äußerst strapaziös. Wenn das Ziel greifbar ist, mobilisiert man noch mal alle Kräfte. Die Aussicht auf Belohnungen nach der Abgabe hilft dabei.

ZEIT Campus 2/2012

7. Abgabe

Die Doktorandin: Ich habe der Dame im Promotionsamt ganz unspektakulär die Arbeit überreicht. Nüchterner kann eine so emotionsgeladene Zeit kaum zu Ende gehen. Und jetzt? Die Arbeit hat mich geprägt. Jeder Moment ohne sinnvolle Betätigung wirkt danach wie verlorene Zeit.

Die Expertin: Das Hochgefühl nach der Abgabe muss man sich gönnen. Danach spüren viele eine Leere. Am besten konzentriert man sich dann wieder auf Dinge, die während der Promotion in den Hintergrund getreten sind.

 
Leserkommentare
  1. So richtig ernst nehmen kann ich den Artikel nicht. Sich für monatelanges Streben und Vernachlässigen des Privaten mit Kuchenbacken belohnen? Das klingt albern und unreif, aber genauso wie man heutzutage diese Promotionsfabriken erlebt.

    Schlimm ist diese Entwicklung der gewollten Entbürgerlichung der Eliten. Mit wissenschaftlichem Interesse hat die Entselbstung kaum zu tun, ganz gleich was Experten hier antworten mögen. Aber nicht zu negativ, schließlich sind die Promovierten die beurkundeten Klügsten des Landes.

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    • zorc
    • 19.03.2012 um 15:51 Uhr

    "So richtig ernst nehmen kann ich den Artikel nicht. Sich für monatelanges Streben und Vernachlässigen des Privaten mit Kuchenbacken belohnen? Das klingt albern und unreif [...]. Schlimm ist diese Entwicklung der gewollten Entbürgerlichung der Eliten."

    So richtig ernst nehmen kann ich das Posting nicht. Wenn die Doktorandin gerne Kuchen back, warum genau sollte sie sich nicht darauf freuen, dafür nach der Abgabe wieder mehr Zeit zu haben? Wie sieht denn korrekt nicht-entbürgerlichte Freizeitgestaltung aus?

    Und woher weiß ahlibaba2, dass die Arbeit der Kandidatin nicht mit "wissenschaftlichem Interesse" zu tun hat? Gehen Kuchenbacken und wissenschaftliches Interesse nicht zusammen?

    Und wo bleibe da ich, der ich als Wissenschaftler arbeite und auch ganz gerne koche und Kuchen backe? Habe ich meinen Beruf verfehlt? Und welche Alternativen würde mir ahlibaba2 empfehlen, der/die so trefflich über Leute urteilen kann, die er/sie gar nicht kennt?

    Ich habe gerade diese ganzen Phasen hinter mir und finde sie in dem Artikel (aus beiden Perspektiven) sehr treffend beschrieben. Was sie in diesem Zusammenhang mit "Entselbstung" und "Entbürgerlichung der Elite" meinen, müssen Sie mal erklären. Ich finde Ihr Posting ausgesprochen wirr.

    Meine Erfahrung war genau die, dass man sich in den letzten Wochen vor der Abgabe auf die kleinen Dinge freut, die man so vernachlässigt hat - Freunde treffen, ins Kino gehen, eine Radtour machen, und, ja, einen Kuchen backen. Das ist halt in dieser Phase viel unmittelbarer als eine "große" Belohnung wie z.B. einen ausgedehnten Urlaub.

    Aber vielen Dank, dass Sie sich das Recht herausnehmen, andere Leute als "albern und unreif" zu erkennen und ihnen einen Mangel an wissenschaftlichem Interesse zu unterstellen. Ich hätte gerne eine Auflistung der von Ihnen für "seriös" befundenen Freizeittätigkeiten, damit ich nach Feierabend endlich nicht mehr so infantil rüber komme.

    Wie haben sich denn bei Ihnen die Phasen während Ihrer Promotion dargestellt?

    • zorc
    • 19.03.2012 um 15:51 Uhr

    "So richtig ernst nehmen kann ich den Artikel nicht. Sich für monatelanges Streben und Vernachlässigen des Privaten mit Kuchenbacken belohnen? Das klingt albern und unreif [...]. Schlimm ist diese Entwicklung der gewollten Entbürgerlichung der Eliten."

    So richtig ernst nehmen kann ich das Posting nicht. Wenn die Doktorandin gerne Kuchen back, warum genau sollte sie sich nicht darauf freuen, dafür nach der Abgabe wieder mehr Zeit zu haben? Wie sieht denn korrekt nicht-entbürgerlichte Freizeitgestaltung aus?

    Und woher weiß ahlibaba2, dass die Arbeit der Kandidatin nicht mit "wissenschaftlichem Interesse" zu tun hat? Gehen Kuchenbacken und wissenschaftliches Interesse nicht zusammen?

    Und wo bleibe da ich, der ich als Wissenschaftler arbeite und auch ganz gerne koche und Kuchen backe? Habe ich meinen Beruf verfehlt? Und welche Alternativen würde mir ahlibaba2 empfehlen, der/die so trefflich über Leute urteilen kann, die er/sie gar nicht kennt?

    Ich habe gerade diese ganzen Phasen hinter mir und finde sie in dem Artikel (aus beiden Perspektiven) sehr treffend beschrieben. Was sie in diesem Zusammenhang mit "Entselbstung" und "Entbürgerlichung der Elite" meinen, müssen Sie mal erklären. Ich finde Ihr Posting ausgesprochen wirr.

    Meine Erfahrung war genau die, dass man sich in den letzten Wochen vor der Abgabe auf die kleinen Dinge freut, die man so vernachlässigt hat - Freunde treffen, ins Kino gehen, eine Radtour machen, und, ja, einen Kuchen backen. Das ist halt in dieser Phase viel unmittelbarer als eine "große" Belohnung wie z.B. einen ausgedehnten Urlaub.

    Aber vielen Dank, dass Sie sich das Recht herausnehmen, andere Leute als "albern und unreif" zu erkennen und ihnen einen Mangel an wissenschaftlichem Interesse zu unterstellen. Ich hätte gerne eine Auflistung der von Ihnen für "seriös" befundenen Freizeittätigkeiten, damit ich nach Feierabend endlich nicht mehr so infantil rüber komme.

    Wie haben sich denn bei Ihnen die Phasen während Ihrer Promotion dargestellt?

    • marxo
    • 19.03.2012 um 12:55 Uhr

    "Für diese Phasen erstellt man Wochen- und Tagespläne mit festen Zeiten für Dissertation, Job und Freizeit."

    Es ist so einfach. Darauf muss man erstmal kommen!
    Man denkt einfach abends nicht mehr. Klasse. Am besten geht das, wenn Kinder hat. Dann kann man sich hübsch die KiTa-Zeiten als Richtlinie nehmen und in den freien drei Stunden haut man motiviert in die Tasten anstatt zu prokrastinieren.

    Excuse moi, aber Prokrastination hat strukturelle Gründe und Verhaltenspsychologie ist denkbar ungeeignet, um sich dagegen aufzuplustern. "Machen sie doch mal Pause und dann setzen sie sich nochmal richtig hin!" Wundervolle Welt, in der Gehirne so einfach gestrickt sind.

    Auf die skandalösen Verkürzungen, die entstehen, wenn man tatsächlich ethnologische Arbeiten in den gegebenen Fristen herunterreißt - mit oder ohne Transkription,es kommt auf Erfahrung und Literaturwissen an - muss man hier gar nicht eingehen. Kein Wunder, Grundkenntnisse in Psychoanalyse werden auch von Promovenden nicht erwartet, sie sind lästiges Beiwerk.

    2 Leserempfehlungen
  2. Auf den hungrigen, naiven Doktoranden (hinter geschlossener Tür gerne als "Sklaven" und "Unterlinge") bezeichnet, beruht der Erfolg deutscher Wissenschaft. Für kleines Geld stehen sie auch am Wochenende 10 Stunden im Labor und kämpfen um die Gunst von Professor/in. Und lassen sich wunderbar gegeneinander auspielen. Wenn man sie ausgesuselt hat, schmeisst man ihnen noch das Magna hinterher und tschüss.

    Eine Leserempfehlung
    • zorc
    • 19.03.2012 um 15:51 Uhr

    "So richtig ernst nehmen kann ich den Artikel nicht. Sich für monatelanges Streben und Vernachlässigen des Privaten mit Kuchenbacken belohnen? Das klingt albern und unreif [...]. Schlimm ist diese Entwicklung der gewollten Entbürgerlichung der Eliten."

    So richtig ernst nehmen kann ich das Posting nicht. Wenn die Doktorandin gerne Kuchen back, warum genau sollte sie sich nicht darauf freuen, dafür nach der Abgabe wieder mehr Zeit zu haben? Wie sieht denn korrekt nicht-entbürgerlichte Freizeitgestaltung aus?

    Und woher weiß ahlibaba2, dass die Arbeit der Kandidatin nicht mit "wissenschaftlichem Interesse" zu tun hat? Gehen Kuchenbacken und wissenschaftliches Interesse nicht zusammen?

    Und wo bleibe da ich, der ich als Wissenschaftler arbeite und auch ganz gerne koche und Kuchen backe? Habe ich meinen Beruf verfehlt? Und welche Alternativen würde mir ahlibaba2 empfehlen, der/die so trefflich über Leute urteilen kann, die er/sie gar nicht kennt?

    7 Leserempfehlungen
  3. Ich habe gerade diese ganzen Phasen hinter mir und finde sie in dem Artikel (aus beiden Perspektiven) sehr treffend beschrieben. Was sie in diesem Zusammenhang mit "Entselbstung" und "Entbürgerlichung der Elite" meinen, müssen Sie mal erklären. Ich finde Ihr Posting ausgesprochen wirr.

    Meine Erfahrung war genau die, dass man sich in den letzten Wochen vor der Abgabe auf die kleinen Dinge freut, die man so vernachlässigt hat - Freunde treffen, ins Kino gehen, eine Radtour machen, und, ja, einen Kuchen backen. Das ist halt in dieser Phase viel unmittelbarer als eine "große" Belohnung wie z.B. einen ausgedehnten Urlaub.

    Aber vielen Dank, dass Sie sich das Recht herausnehmen, andere Leute als "albern und unreif" zu erkennen und ihnen einen Mangel an wissenschaftlichem Interesse zu unterstellen. Ich hätte gerne eine Auflistung der von Ihnen für "seriös" befundenen Freizeittätigkeiten, damit ich nach Feierabend endlich nicht mehr so infantil rüber komme.

    7 Leserempfehlungen
  4. Wie haben sich denn bei Ihnen die Phasen während Ihrer Promotion dargestellt?

  5. Einen für die Stiftung, damit die Gelder fließen. Und einen für Arbeit, der realistisch ist.

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    Und gleichzeitig macht man bereits die nächste Literaturrecherche, obwohl das letzte Projekt erst ungefähr zu 60 % fertig ist, damit man den nächsten Antrag auch ja rechtzeitig abschicken kann.

    Und gleichzeitig macht man bereits die nächste Literaturrecherche, obwohl das letzte Projekt erst ungefähr zu 60 % fertig ist, damit man den nächsten Antrag auch ja rechtzeitig abschicken kann.

  6. Und gleichzeitig macht man bereits die nächste Literaturrecherche, obwohl das letzte Projekt erst ungefähr zu 60 % fertig ist, damit man den nächsten Antrag auch ja rechtzeitig abschicken kann.

    2 Leserempfehlungen
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    • marxo
    • 21.03.2012 um 11:11 Uhr

    Krankenversicherungsanteile der Arbeitgeber hat man als Stipendiat übrigens nicht, da zahlt man dann gern die Selbstständigenrate von 240-300 Euro pro Monat. Und das ist dann ohne Rentenversicherung.
    Rente kann man ohnehin in den Wind schießen. Wer mit 32 noch nichts eingezahlt hat, braucht sich gar nicht erst was auszurechnen, selbst wenns noch für 10 Jahre Professur reichen sollte.
    Die Zwischenarbeitslosigkeit wird man auch kaum los. Nahtlos geht es bei kaum jemandem, die meisten sitzen alle zwei Jahre dann wieder auf der Straße. Schwarzarbeit, Kurzarbeit und Tellerwaschen sind dann die nützlichen Erfahrungen, die einem helfen, Systemkritik am Leben zu erhalten.

    • marxo
    • 21.03.2012 um 11:11 Uhr

    Krankenversicherungsanteile der Arbeitgeber hat man als Stipendiat übrigens nicht, da zahlt man dann gern die Selbstständigenrate von 240-300 Euro pro Monat. Und das ist dann ohne Rentenversicherung.
    Rente kann man ohnehin in den Wind schießen. Wer mit 32 noch nichts eingezahlt hat, braucht sich gar nicht erst was auszurechnen, selbst wenns noch für 10 Jahre Professur reichen sollte.
    Die Zwischenarbeitslosigkeit wird man auch kaum los. Nahtlos geht es bei kaum jemandem, die meisten sitzen alle zwei Jahre dann wieder auf der Straße. Schwarzarbeit, Kurzarbeit und Tellerwaschen sind dann die nützlichen Erfahrungen, die einem helfen, Systemkritik am Leben zu erhalten.

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