DoktorarbeitWie man Rückschläge bei der Promotion einsteckt

Auch bei einer bestens geplanten Arbeit kann es Schwierigkeiten geben. Wie man ihnen begegnet, erklären fünf Doktorväter und Coachs. von Franziska Bauer

Schreibblockade

»Eine Blockade kann man durch free writing lösen. Also: einfach frei aufschreiben, was man mit dem Thema assoziiert, und erst später an dem Text feilen. Hilfreich ist auch, in einem Promotionstagebuch zu notieren, was man geschafft hat. So bleibt man im Schreibfluss und sieht den Fortschritt.«

Maike Wiethoff ist Schreibtrainerin an der Universität Bochum. Sie kennt Blockaden aus eigener Erfahrung

Durchhänger

»In einem Motivationstief sollte man sich einen Überblick verschaffen: Wo steht man, was hat man geschafft, was liegt vor einem? Das hilft, die Situation nüchterner zu betrachten. Bei kleinen Krisen kann es die Stimmung heben, wenn man sich positive Auszeiten gönnt und sich für Leistung belohnt.«

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Julia Weber ist Selbstmanagement-Trainerin in Zürich und promoviert in Motivationspsychologie

Vom Thema überfordert

»Zu schämen braucht sich bei Fehlern keiner, die sind ganz normal. Egal, welche inhaltlichen Probleme man hat – es ist immer hilfreich, sie mit dem Doktorvater und der Arbeitsgruppe zu besprechen, anstatt sich alleine damit herumschlagen zu wollen. Das gilt, wenn sich anfängliche Annahmen als falsch herausstellen, aber auch, wenn man sich inhaltlich überfordert fühlt.«

Harald Schwalbe hat über 50 Promotionen in Chemie und Biochemie an der Universität Frankfurt/Main betreut

Streit mit dem Betreuer

»Fachliche Unstimmigkeiten lassen sich meist in einem sachlichen Gespräch ausdiskutieren. Hilft das nicht, kann ein erfahrenes Mitglied der Arbeitsgruppe vermitteln. Den Betreuer sollte man nur dann wechseln, wenn die inhaltlichen Vorstellungen in allzu unterschiedliche Richtungen gehen oder wenn die Vertrauensbasis zerstört ist.«

Reinhard Hoffmann ist Ombudsmann der Universität Marburg und vermittelt bei Problemen mit dem Professor

ZEIT Campus 2/2012
ZEIT Campus 2/2012

Zu hohe Belastung

»Wer überlastet ist, sollte drei Fragen klären. Erstens: Wie kann man stressige Aufgaben reduzieren? Zweitens: Mit welcher Einstellung erledigt man sie? Drittens: Schafft man sich genügend Ausgleich? Stress entsteht oft durch zu wenig Planung, durch Perfektionismus oder durch fehlende Pausen. Wer keinen Ausweg sieht, muss prüfen, ob Beziehung oder Gesundheit gefährdet sind – und zur Not das Handtuch werfen. Sonst macht der Stress Körper und Seele kaputt.«

Bernd Nixdorff ist Psychologe an der Universität Hamburg und berät Doktoranden

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Leserkommentare
  1. ...und niemand hat zuvor eine Doktorarbeit schon geschrieben und weiß, worauf er sich einlässt. Umstände, Thema, Persönlichkeit etc. sind allesamt an Problemen auf diesem Weg beteiligt. Ohne Probleme gehts sowieso nicht. In einigen Fächern sollte man nicht unterschätzen, wie heftig das sein kann, wenn man für Jahre auf die tägliche Anerkennung verzichten muss und an einer Sache werkelt, von der man zuweilen das Gefühl bekommt, dass das keinen sonst interessiert.
    Schlimm ist auch, dass man oft nicht weiß, was danach kommen kann, denn für die weniger blauäugigen Doktoranden (erfahrungsgemäß sind die meisten allerdings lange sehr blauäugig) ist klar, dass die Chance, im Wissenschaftsbetrieb bleiben zu können, gegen Null tendiert. (Das sagt einem natürlich kein Professor.) 3% aller Doktoranden werden Professor. Und ohne Professur gibts kein Überleben an deutschen Unis.

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    • Zack34
    • 30. März 2012 14:56 Uhr


    Zitat: "...und an einer Sache werkelt, von der man zuweilen das Gefühl bekommt, dass das keinen sonst interessiert."

    Kl. Ergänzung:
    1)
    Stellen Sie sich mal vor, der eigene Mentor behauptet, man könne ja bei ihm von drei oder vier Themen eins frei wählen. Anschließend stellt man fest, dass man nicht sein Thema gewählt hatte, und er keinerlei Interesse am Gewählten zeigt, und einen nur widerwillig unterstützt, zumal zwischen immer neueren Anforderungen an die Beteiligung in der Lehre.
    (die der Assistent sogar während einer schweren Erkrankung immer noch übernahm)

    2)
    Stellen Sie sich dann mal vor, derselbe Mentor behauptet, er schätze einen freien Diskurs zu jedem Thema. Und macht bei der ersten halbwegs angedeuteten eigenen Meinung (die nicht zu 100% die seine ist) den eigenen Assistenten und Doktoranden stundenlang fertig.

    3)
    Stellen Sie sich mal vor, derselbe "Dr.-Vater" behauptet, man müsse als Assistent ja nicht an jeder seiner Vorlesungen teilnehmen, sollte jedoch dran bleiben. (was so i.O. ist) Und anschließend diesem wutschnaubend, rot im Gesicht mit der Tür ins Arbeitszimmer fällt, nachdem dieser das erste Mal nicht dabei war...

    4)
    Und stellen Sie sich... aber nein, lieber nicht weiter.*)


    MfG
    Zack34

    *)
    Bis auf eins: das vom Assistenten gewählte Thema stellt sich nach etwa drei Jahren als eines der Themen überhaupt im betroffenen Fachgebiet heraus. Bloß dass der ehrenwerte Unfehlbare bis dato just darin am wenigsten vorangeforscht hatte, und somit die Zeichen der Zeit völlig übersah...

  2. Hinzu kommt, dass es an Unterstützung fehlt für Promovenden in besonderen Situationen. Ich promoviere parallel zu einem Vollzeitjob und zwei Kindern. Unterstützung gibt es keine.
    Ein erhaltenes Stipendium reichte für die Ernährung einer Familie nicht aus. Hat man Kinder, so gibt es einen Aufschlag von 150 Euro (für 2 Kinder), parallel arbeiten darf man nur bis 200 Euro monatlich. Zusätzliche Materialkosten werden aus eigenen Tasche bezahlt.
    Zu den oben genannten Punkten bleibt zu erwähnen: Der Weg ist lang und steinig - jedoch kann man sich in den Thematiken verlieren und arbeitet auch an vielen Stellen mit Spaß, Freude und Euphorismus! Somit hängt eine Promotion auch immer am gewählten Thema, das vorab sorgfältig, bewusst und interessengeleitet gewählt werden sollte.

    • Zack34
    • 30. März 2012 14:56 Uhr


    Zitat: "...und an einer Sache werkelt, von der man zuweilen das Gefühl bekommt, dass das keinen sonst interessiert."

    Kl. Ergänzung:
    1)
    Stellen Sie sich mal vor, der eigene Mentor behauptet, man könne ja bei ihm von drei oder vier Themen eins frei wählen. Anschließend stellt man fest, dass man nicht sein Thema gewählt hatte, und er keinerlei Interesse am Gewählten zeigt, und einen nur widerwillig unterstützt, zumal zwischen immer neueren Anforderungen an die Beteiligung in der Lehre.
    (die der Assistent sogar während einer schweren Erkrankung immer noch übernahm)

    2)
    Stellen Sie sich dann mal vor, derselbe Mentor behauptet, er schätze einen freien Diskurs zu jedem Thema. Und macht bei der ersten halbwegs angedeuteten eigenen Meinung (die nicht zu 100% die seine ist) den eigenen Assistenten und Doktoranden stundenlang fertig.

    3)
    Stellen Sie sich mal vor, derselbe "Dr.-Vater" behauptet, man müsse als Assistent ja nicht an jeder seiner Vorlesungen teilnehmen, sollte jedoch dran bleiben. (was so i.O. ist) Und anschließend diesem wutschnaubend, rot im Gesicht mit der Tür ins Arbeitszimmer fällt, nachdem dieser das erste Mal nicht dabei war...

    4)
    Und stellen Sie sich... aber nein, lieber nicht weiter.*)


    MfG
    Zack34

    *)
    Bis auf eins: das vom Assistenten gewählte Thema stellt sich nach etwa drei Jahren als eines der Themen überhaupt im betroffenen Fachgebiet heraus. Bloß dass der ehrenwerte Unfehlbare bis dato just darin am wenigsten vorangeforscht hatte, und somit die Zeichen der Zeit völlig übersah...

    • Zack34
    • 30. März 2012 15:01 Uhr
    Antwort auf "Mehrfachbelastung"
  3. Wenn ein Student unternimmt eine Doktorarbeit zu schreiben, muss er sich in das Gebiet, das er erforschen wird, einfach eintauchen, und seine Umwelt um sich herum in den Hintergrund verbannen.

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  • Schlagworte Doktorarbeit | Promotion | Beziehung | Biochemie | Chemie | Einstellung
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