Wissenschaftliche KarriereAuf Nummer sicher bei der Promotion

Wer beschließt, die nächsten Jahre einem einzigen Thema zu widmen, der sollte sich ganz sicher sein. Sechs Fragen, um herauszufinden, ob eine Promotion das Richtige ist. von Franziska Bauer

1. Warum will ich das machen?

»Wenn man Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten hat und sich brennend für das Thema interessiert, ist eine Promotion eine gute Idee «, sagt Alexandra Wiebke, Referentin für den wissenschaftlichen Nachwuchs an der Uni Bielefeld. Trotzdem sollte man vorher seine Motivation noch einmal genau hinterfragen, um sich seine Ziele klarzumachen: Will man mit dem Titel später mehr Geld verdienen? Ist er für den Beruf in der gewünschten Branche sinnvoll? Oder strebt man eine wissenschaftliche Karriere an? Wer nur promovieren will, damit später mal der Doktor vor dem Namen an der Klingel steht, sollte sich genau überlegen, ob sich dafür der Aufwand lohnt. Eine Notlösung sollte die Doktorarbeit auf keinen Fall sein: Wer keine Alternative weiß oder nur an der Uni bleibt, weil er das Umfeld schon kennt oder Angst vor der Praxis hat, wird schnell die Motivation verlieren.

2. Traue ich mir das zu?

»Was die Herausforderung Promotion be-deutet, kann man schon vorher ausprobieren«, sagt Ursel Sickendiek. Als Beraterin betreut sie in ihrer Sprechstunde an der Uni Bielefeld angehende Doktoranden. Beim Schreiben der Abschlussarbeit bekomme man bereits ein Gefühl dafür, ob man mehrere Jahre auf diese Weise arbeiten wolle oder nicht. Bei Zweifeln und Ängsten vor der Promotion helfe es, mit Freunden, Studienkollegen und Dozenten darüber zu sprechen. Manchmal schätze man sich selbst falsch ein, da könne ein Blick von außen ein gutes Korrektiv sein. Außerdem rät Sickendiek dazu, den Gegencheck zu machen: Was für Alternativen gibt es, wenn es mit der Promotion nicht klappt? Denn um wirklich sicherzugehen, dass man das Richtige tut, muss man alle Möglichkeiten gegeneinander abwägen.

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3. Halte ich mein Thema über Jahre aus?

Für die Planung der Arbeit gilt grundsätzlich, dass das Thema nicht zu komplex sein sollte. Hier hilft es, Promotionskollegen zu fragen, wie sie ihr Thema abgesteckt haben. »Vorsicht auch vor belastenden Themen, die einen runterziehen oder von denen man selbst betroffen ist«, sagt Ursel Sickendiek. Schreibt man zum Beispiel über eine Krankheit oder ein Problem, mit dem ein Familienmitglied kämpft, sollte man sich fragen, ob man dieses Thema mit der nötigen Distanz bearbeiten kann.

Leserkommentare
  1. Gleich mit dem Berufseinstieg anfangen!
    Da kann man dann, wenn man sich gegen die Promotion entscheidet, noch drei bis vier Jahre länger immer dasselbe machen.
    Von 26 bis 67 sind es 41 Jahre. Das freut die Wirtschaft.

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    • Cando
    • 14. März 2012 14:26 Uhr

    Sie müssen mit Ihrem Beruf wohl außerordentlich frustriert sein. Es soll auch Leute geben, denen ihre Arbeit Spaß macht und die diese 41 Jahre nicht als einzige Tortur empfinden.

  2. studiert hat, dann schon richtig verdienen werden."

    Bin einer der wenigen, die aus meinem Uni-Freundeskreis direkt angefangen haben zu promovieren. Von den Nicht-Promovenden verdient keiner "richtig". Alles Halbtags-Stellen, befristete Verträge etc.

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    und Ihre Kommilitionen eventuell das "falsche" Fach studiert weil Sie "sich brennend für das Thema interessiert" haben?

  3. und Ihre Kommilitionen eventuell das "falsche" Fach studiert weil Sie "sich brennend für das Thema interessiert" haben?

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    das war unser Fehler. Mir ist gerade aufgefallen, dass die einzige meiner Bekannten, die "richtig" verdient, Jura studiert hat... Tja, später ist man immer schlauer...

    Ihre Häme ist widerwärtig.

    Übrigens: Die Problematik der "Generation Praktikum" betrifft nicht nur diejenigen Fächer, die Sie offensichtlich verachten.

    • Cando
    • 14. März 2012 14:26 Uhr

    Sie müssen mit Ihrem Beruf wohl außerordentlich frustriert sein. Es soll auch Leute geben, denen ihre Arbeit Spaß macht und die diese 41 Jahre nicht als einzige Tortur empfinden.

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    • hairy
    • 14. März 2012 14:38 Uhr

    aber quantitativ wird das keine mehrheit sein. eher eine sehr kleine minderheit, befuerchte ich...

    "Es soll auch Leute geben, denen ihre Arbeit Spaß macht und die diese 41 Jahre nicht als einzige Tortur empfinden."

    Es ist mit Sicherheit nicht eine "einzige Tortur".

    Die ersten +/-10 Jahre machen natürlich Spaß.
    (Diese ersten Jahre gehen aber durch einen späteren Berufseinstieg nicht verloren, sondern beginnen lediglich später!)

    Danach kommt eine sehr lange Zeit, deren Höhepunkt die Mid-life-crisis ist. Die Aufstiegsmöglichkeiten sind ausgereizt und der Weg bis zur Rente ist noch unendlich lang. Das Interesse gilt mehr dem Eigenheim und der Autowäsche als der beruflichen Fortbildung. Wenn man aus dieser mittleren Phase ein paar Jahre herausschneiden könnte, wäre das wohltuend.

    Die Jahre kurz vor der Rente sind auch wieder OK. Die Routine im Fach, die Erkenntnis, was alles doch Spaß gemacht hat, zusammen mit der Angst, dass danach nichts mehr kommen könnte, lässt den eigenen Beruf als den "bestmöglichen auf der Welt" erscheinen.

    Letzlich macht man zwar immer dasselbe, aber man sieht es aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer wieder anders. Ist das schon Selbsttäuschung?

  4. wie es das generische Maskulinum gibt, welches imstande ist, die Sprache wohltuend zu vereinfachen.

    Antwort auf "Doktorvater"
    • hairy
    • 14. März 2012 14:38 Uhr

    aber quantitativ wird das keine mehrheit sein. eher eine sehr kleine minderheit, befuerchte ich...

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    • Cando
    • 15. März 2012 22:05 Uhr

    ... wohl zu einer sehr glücklichen Minderheit. ;-)

    Das Ursprungsargument kann ich gerade daher nicht nachvollziehen.

  5. das war unser Fehler. Mir ist gerade aufgefallen, dass die einzige meiner Bekannten, die "richtig" verdient, Jura studiert hat... Tja, später ist man immer schlauer...

    Antwort auf "Haben Sie"

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  • Schlagworte Doktorarbeit | Promotion | Einkommen | Karriere | Krankheit | Nachwuchs
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