Geld Haben oder nicht haben

Wie der Kontostand Studium und Leben bestimmt. Zwei Gespräche über Geld von  und

Verdirbt Geld den Charakter?

Pius Heinz, 22, war Student in Köln. Dann flog er nach Las Vegas und gewann acht Millionen Dollar

ZEIT CAMPUS: Sie haben bei der Pokerweltmeisterschaft acht Millionen Dollar gewonnen. Wie fühlt es sich an, wenn Sie Kontoauszüge durchblättern?

Pius Heinz: Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, einen Bezug zur Höhe meines Geldes zu bekommen. Als ich bei den Pokerweltmeisterschaften in Las Vegas die Runde erreichte, in der jeder Spieler 100.000 Dollar sicher hatte, war ich glücklich. Unter der Summe konnte ich mir noch etwas vorstellen. Als es am Ende um acht Millionen ging, war das surreal. Ich kann bis heute nur schwer begreifen, wie viel Geld das eigentlich ist. 

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ZEIT CAMPUS: Aber Sie merken schon, dass Sie reich sind?

Heinz: Klar. Zum Beispiel, wenn ich im Kaufhaus eine schöne Hose sehe, die 150 Euro kostet. Und wenn ich dann nicht die für 40 nehmen muss, die mir vielleicht weniger gefällt.

ZEIT CAMPUS: Kaufen Sie auch mal teurere Sachen?

Heinz: Die Poker-WM ist ein halbes Jahr her. Das Teuerste, was ich mir seitdem gekauft habe, ist ein Smartphone für 400 Euro. Es ist nicht so, dass ich vergessen habe, wie viel Geld das ist. Im Studium hat das für einen ganzen Monat gereicht. Ich habe bei meinen Eltern gewohnt und bescheiden gelebt. Wegen der Turniere habe ich aufgehört zu studieren und bin in eine eigene Wohnung gezogen. Sonst hat sich mein Lebensstil kaum geändert.

ZEIT CAMPUS: Haben Sie nicht den Drang, sich etwas zu gönnen, wovon Sie vorher nur träumen konnten? Eine Reise vielleicht?

Heinz: Seltsamerweise habe ich den nicht. Aber es fühlt sich sehr gut an zu wissen, dass ich, wenn mir danach wäre, jetzt sofort an jeden Ort der Welt reisen könnte.

ZEIT CAMPUS: Warum machen Sie es nicht einfach? 

Heinz: Wenn ich zwischen den ganzen Terminen und Turnieren mal ein paar Tage freihabe, verreise ich nicht. Sondern besuche meine Familie und meine Freunde, die ich sonst nur noch selten sehe.

ZEIT CAMPUS: Aus was für Verhältnissen kommen Sie?

Heinz: Aus einem Dorf bei Köln, 4.000 Einwohner, jeder kennt jeden. Meine Mutter arbeitet bei der Autobahnmeisterei, mein Vater ist Vertriebsleiter. Meine Familie ist nicht reich und nicht arm, klassischer Mittelstand.

ZEIT CAMPUS: Haben sich Freundschaften verändert, seit Sie Millionär sind?

Heinz: Nein.

ZEIT CAMPUS: Überhaupt nicht? Ihre Freunde wollen nichts abhaben?

Heinz: Sie wollen höchstens etwas abhaben von meinem Leben. Ich bin jetzt im Fernsehen, treffe Stefan Raab und Samy Deluxe. Da wollen natürlich alle, dass ich erzähle, wie diese Leute so ticken. 

ZEIT Campus 3/12
ZEIT Campus 3/12

ZEIT CAMPUS: Wenn Sie abends ausgehen, geht das Bier dann auf Sie?

Heinz: Klar, aber genauso geht ab und zu auch eine Runde auf meinen Kumpel, der eine Dachdeckerlehre gemacht hat, oder einen Freund, der noch studiert. Ständig jedem einen auszugeben, fände ich respektlos.

ZEIT CAMPUS: Wenn Sie dann an der Theke eine Frau anspricht, denken Sie: Die will vielleicht nur mein Geld? Werden Sie misstrauisch?

Heinz: Manche Leute erkennen mich auf der Straße wieder und wissen, dass ich sehr viel Geld gewonnen habe. Fremden gegenüber habe ich deshalb eine gewisse Grundvorsicht entwickelt. Aber mein Freundeskreis bestand ja schon vorher, ich muss nicht alle zwei Wochen neue Freunde finden. Und ich habe so viele seltsame Anrufe bekommen, dass es naiv wäre, nicht misstrauisch zu sein.

ZEIT CAMPUS: Was für Anrufe?

Heinz: Wildfremde Leute, die sagen: »Hey, Pius, ich will mir einen BMW kaufen, gib mir doch ein bisschen Geld.« Geht’s noch? Ich meine, ich habe gearbeitet für dieses Geld. Ich bin niemandem was schuldig.

ZEIT CAMPUS: Aber Sie haben auch viel Glück gehabt. Was ist mit denen, die dringend Geld brauchen und kein Glück hatten?

Heinz: Natürlich denke ich über so was nach, ich will auch nicht alles für mich behalten. Meine Schwester, die gerade Abitur gemacht hat, will bald studieren. Am liebsten würde sie auf eine private Uni, und ich will die Studiengebühren für sie zahlen. Einen Teil des Geldes will ich spenden, aber in ein eigenes Hilfsprojekt, damit ich weiß, wohin das Geld fließt.

ZEIT CAMPUS: Sie sind vor Kurzem nach Wien gezogen. Manche Zeitungen schreiben, Sie wollten in Deutschland keine Steuern zahlen.

Heinz: Das ist Quatsch. Es ist nicht mal klar, wie viel ich überhaupt versteuern muss. In Wien wollte ich schon wohnen, bevor sicher war, ob ich überhaupt zur Weltmeisterschaft fahre.

ZEIT CAMPUS: Wer viel hat, kann viel verlieren. Schlafen Sie manchmal schlecht?

Heinz: Mir gehen häufig Fragen durch den Kopf: Wie leg ich es an? Festgeld? Immobilien? Aktien? Was ist sicher? Es gibt einen Song von Notorious B.I.G.: »More Money, More Problems«. Vielleicht ist da was dran.

Leserkommentare
    • nfb
    • 14. Juni 2012 11:01 Uhr

    Notorious B.I.G.: »More Money, More Problems«.... like

    Eine Leserempfehlung
  1. für solche Notfallsituationen (Krankeiten, Unfall, Alltag)gibt es bei Bedarf Vollmachten, die man auch "Nichtverwandten" erteilen kann. Nicht jedes Probblem muss auch eins bleiben.

    Eine Leserempfehlung
  2. Nichts gegen die Stiftungen, die die Stipendien vergeben - aber sie würden den Stipendiaten einen größeren Gefallen tun, wenn sie ihr Geld in einen Zuschuss für ganz normale sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse stecken würden. Ein Stipendium bedeutet, keinerlei Arbeitnehmerrechte zu haben, nur den Mindestbetrag des Elterngelds zu bekommen und auch sonst als jemand zu gelten, der "nie gearbeitet" hat. Es kann auch passieren, dass man in einer teuren privaten Krankenversicherung "hängenbleibt", die man sich später eventuell nicht mehr leisten kann (300-400 EU Beitrag zu Beginn einer Selbständigkeit und beliebig mehr bei "Risiko"). Außerdem muss man je nach Bedingungen der jeweiligen Stiftung, Berichte zur Verlängerung schreiben - die muss der Prodessor genehmigen oder ein Gutachten abgeben. Wenn es Probleme gibt, hat man so keinen Ansprechpartner, weil man beiden Seiten gefallen muss. Das ist ein Dilemma - Doktoranden können auch nicht allzu leicht schnell den Arbeitsplatz wechseln - die Ausbildung ist nicht abgeschlossen, und es ist unter Umständen sehr aufwändig, sich in ein völlig neues Thema einzuarbeiten.
    Universitäten und andere Institute versuchen vor allem deswegen, Doktoranden in Stipendien zu bringen, um damit Geld zu sparen.
    Stipendien sollen Freiheit geben, aber das Gegenteil ist der Fall!

    Eine Leserempfehlung
  3. Krass, das mit dem Doktoranden!! Kirchlich heiraten, Fassade nach außen, keiner weiß was, nur der Chef wegen Lohnsteuerklasse ... also ich könnte das nicht.

  4. Ich versteh das alles nicht. Das Stipendium reicht also für zwei Einkäufe für eine dreiköpfige Familie beim Discounter ( "Das klappt bis zur Monatsmitte")?? Was kostet ein Kinderbettchen bzw. Kinderkleidung? Beim schwedischen Möbelhaus doch auch kein Vermögen? 40 Euro? Wofür ist dann überhaupt Geld da? Dann darf aber auch überhaupt nichts passieren. Autoreparatur, Zuzahlung beim Zahnarzt oder die Waschmaschine geht kaputt - das alles bringt diese kleine Familie also an den Rand der Existenz? Mit einem Vollzeitverdiener? Deshalb wird dann die Hochzeit abgesagt ... wegen eines Geldbetrags, der gerade mal zwei Einkäufe ausmacht?

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    .
    "...
    das alles bringt diese kleine Familie also an den Rand der Existenz?
    Mit einem Vollzeitverdiener?
    ..."

    Na klar.

    Bundesrepublikanischer Alltag.

    Wo leben Sie denn?

    Es gibt: Second Hand, Ebay, Amazon, Lidl, Ikea und nicht vertragliche Werkstätten, die vieles günstig machen.

    Klar arm in Deutschland heisst in der Regel: Er kann nicht zur BWM Vertragswerkstadt gehen, sondern muss zum Türken um die Ecke
    Er kann nicht im Bioladen jeden Tag einkaufen, sondern muss zu anderen Discountern gehen.
    Er kann sich nicht jeden Monat mindestens 5 neue Klamotten kaufen.
    Pro Jahr sind nicht mehr als zwei Urlaube drinnen, die man auch noch in einem Osteuropäischen Land verbringen muss und nicht beim Cluburlaub in der Türkei.

    Das ist Armut in Deutschland :D

  5. 6. Zitat

    .
    "...
    das alles bringt diese kleine Familie also an den Rand der Existenz?
    Mit einem Vollzeitverdiener?
    ..."

    Na klar.

    Bundesrepublikanischer Alltag.

    Wo leben Sie denn?

    Antwort auf "Mal nachgerechnet ...."
  6. Kinder und Familie im Studium ist immer hart, keine Frage. Wenn so etwas ungewollt passiert muss man das beste draus machen, aber die Frau plant ja schon ihr zweites Kind mit ihrem "Ehemann" mitten in der Promotion.
    Natürlich sind das 3 harte Jahre voller entbehrungen, das ist wahrscheinlich in den Geisteswissenschaften nur maginal anders als in den Naturwissenschaften.
    Aber danach winkt doch eine relativ sichere und gute Anstellung.
    Da kann man auch mal etwas langfristiger denken.

    Was mich aber eigentlich am meisten an dem Artikel wundert, ist das Alter des Protagonisten. 32 Jahre alt und noch immer 1-2 Jahre bis zum Abschluss der Doktorarbeit? Wie lange hat der Typ in seinem Grundstudium festgehangen??
    Wenn man Studium und Doktor in Regelstudienzeit durchzieht, ist man beim Abschluss der Doktorarbeit 28-29, maximal 30.

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    .. die sich nicht direkt nach dem Abitur zum Studium entschlossen haben, sondern erstmal ne Ausbildung gemacht haben. Oder deren Studium eben tatsächlich etwas länger gedauert hat. Oder, die nicht gleich ne Promotionsstelle bekommen haben, sondern zwischendrin noch gearbeitet haben. Das hat Sie ganz im Ernst am meisten verwundert? Komische Denke. Sowohl mein Mann, als auch ich haben vor dem Studium eine Ausbildung gemacht und gearbeitet. Er hat jetzt das Diplom, mit 30 und ich noch nicht ganz meinen BA-Abschluss, mit 27. Erstes Kind ist unterwegs. Zum Glück ist mein Mann jetzt in einer Position, in der er für die Promotion bezahlt wird, und zwar nicht schlecht. Sonst wäre hier auch alles ganz anders, finanziell, und sicher kein Kind drin gewesen. Da ist dann der Vorteil des technischen Studiums ggü. dem Geisteswissenschaftler.
    Mein vollstes Verständnis für die Protagonisten des 2. Artikelteils und ganz viel Kraft. Zum ersten Teil brauch man glaub nicht viel sagen - Glück gehabt, und wenn das Leben so entspannt und nicht großspurig weiterläuft - Glückwunsch, ausgesorgt.

    Nach der Promotion winkt eine gut bezahlte und sichere Anstellung? BAHAHAHAHAHAHA, auf welchem Planeten leben Sie denn? Ich bin seit über einem jahr promoviert und verdiene als Postdoc weniger als ein Primarlehrer im ersten Berufsjahr - auf einer Stelle, die nota bene auf 12 Monate befristet ist. Diese 12 Monate enden übrigens diesen Sommer. Was kommt danach? Suche seit langem und habe noch nichts gefunden.

    Gut bezahlte und sichere Anstellung. Oh Mann...

  7. .. die sich nicht direkt nach dem Abitur zum Studium entschlossen haben, sondern erstmal ne Ausbildung gemacht haben. Oder deren Studium eben tatsächlich etwas länger gedauert hat. Oder, die nicht gleich ne Promotionsstelle bekommen haben, sondern zwischendrin noch gearbeitet haben. Das hat Sie ganz im Ernst am meisten verwundert? Komische Denke. Sowohl mein Mann, als auch ich haben vor dem Studium eine Ausbildung gemacht und gearbeitet. Er hat jetzt das Diplom, mit 30 und ich noch nicht ganz meinen BA-Abschluss, mit 27. Erstes Kind ist unterwegs. Zum Glück ist mein Mann jetzt in einer Position, in der er für die Promotion bezahlt wird, und zwar nicht schlecht. Sonst wäre hier auch alles ganz anders, finanziell, und sicher kein Kind drin gewesen. Da ist dann der Vorteil des technischen Studiums ggü. dem Geisteswissenschaftler.
    Mein vollstes Verständnis für die Protagonisten des 2. Artikelteils und ganz viel Kraft. Zum ersten Teil brauch man glaub nicht viel sagen - Glück gehabt, und wenn das Leben so entspannt und nicht großspurig weiterläuft - Glückwunsch, ausgesorgt.

    Eine Leserempfehlung
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    Ja gut, dann legen wir für eine Ausbildung noch 3-4 Jahre drauf. Großzügig genug?
    Dann ist man, wenn man sich ranhält mit 32-33 Jahren mit der Doktorarbeit fertig.
    der Protagonist ist aber schon 34 und so wie es in dem Artikel klingt erst halb durch und hat noch 1-2 Jahre vor sich, womit er dann 35-36 Jahre alt wäre wenn er seinen Doktortitel hat.
    Aber das nur nebenbei.
    Herzlichen Glückwunsch auch von meiner Seite zu Ihrem Elternglück, aber hätten sie sich für ein Kind entschieden wenn ihr Mann nicht so gut bezahlt werden würde? Sprich genug Geld in der gemeinsamen Haushaltskasse wäre?
    Ich würde das nicht tun. Alles zu seiner Zeit. Mal davon abgesehen, dass ich jetzt 25 bin, meine Doktorarbeit in 3-4 Monaten beginnen werde und der Wunsch Kinder zu haben eher mit den Worten "später" und "wenns dann soweit ist" begleitet werden.
    Aber ein Kind während des Studiums zu haben, könnte ich mir zur Zeit nicht nur finanziell sondern auch zeitlich überhaupt nicht vorstellen.
    Und wenn die finanzielle Situation im speziellen ein Kind nicht ermöglicht, dann muss man den Wunsch einfach mal verschieben oder die Promotion abbrechen und sich nach einem Job umschauen.
    Aber ich halte ja auch nichts von Kaufentscheidungen auf Pump. Wenn die Zeit soweit ist, ist sie so weit. Und es ist ja nicht so, als könnte die gute Frau schon in einem Jahr keine Kinder mehr bekommen. Sie wünscht sich ja sogar schon das zweite.

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