ZEIT CAMPUS: Frau Rhode, Sie haben viele Jahre lang Studenten beraten, die ins Ausland wollen. Lässt das Bachelorstudium noch genug Platz für ein Auslandssemester?

Almuth Rhode: Grundsätzlich ja, es kommt aber darauf an, wie der Studiengang gestrickt ist. Oft ist das vierte oder fünfte Semester dafür vorgesehen, die Wahlfächer abzuhandeln, und deshalb etwas entspannter. Diese Zeit bietet sich für einen Auslandsaufenthalt an. Wenn das ganze Bachelorstudium bis oben hin vollgepackt ist, kann es schwierig werden.

ZEIT CAMPUS: Wie kann man es trotzdem schaffen?

Rhode: Nehmen Sie sich die Zeit. Ich denke, dass es Wichtigeres gibt, als unter allen Umständen die Regelstudienzeit einzuhalten. Man nimmt schließlich jede Menge Erfahrungen aus einer Zeit im Ausland mit. Es kann sich sogar für den Berufseinstieg lohnen, aus sechs Bachelorsemestern sieben zu machen. Viele Unternehmen legen Wert auf Mitarbeiter, die etwas von der Welt gesehen haben. Für manche Bewerbungen ist das entscheidender, als beeindruckend schnell, dafür aber mit Scheuklappen studiert zu haben.

ZEIT CAMPUS: Welche Möglichkeiten für einen längeren Auslandsaufenthalt gibt es?

Rhode: Manche Studiengänge haben einen Auslandsaufenthalt fest eingeplant, außerdem gibt es binationale Studiengänge mit doppeltem Abschluss oder die Möglichkeit, komplett im Ausland zu studieren. Wer bereits ein Studium in Deutschland begonnen hat, macht in der Regel entweder ein Auslandspraktikum oder ein Auslandssemester. Da gibt es kein Besser oder Schlechter, das sind zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen. Wer sich für ein Praktikum entscheidet, lernt die Arbeitswelt im Gastland kennen und knüpft vielleicht berufliche Kontakte. Wer an eine ausländische Uni geht, bekommt das Studentenleben mit. Es kann auch eine gute Idee sein, beides zu kombinieren. Also erst ein Semester zu studieren und vor Ort nach einem spannenden Praktikum zu suchen.

ZEIT CAMPUS: Wie lang sollte ein Auslandsaufenthalt sein, damit er sich wirklich lohnt?

Rhode: Zum Studieren empfehle ich mindestens ein Semester; noch besser ist ein ganzes Jahr. In der Regel profitiert man von längeren Aufenthalten deutlich mehr: Es dauert einfach, bis man richtig im Land angekommen ist, die Sprachbarriere überwunden und Menschen kennengelernt hat. Ein Auslandspraktikum lässt sich auch mal in den Semesterferien einschieben. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass selbst ein kurzes Praktikum ziemlich viel Mühe in der Vorbereitung macht.

ZEIT CAMPUS: Wann sollte man anfangen, sich um die Vorbereitung zu kümmern?

Rhode:Je früher man sich Gedanken macht, desto besser. Gerade im Bachelorstudium wird es sonst schnell stressig. Normalerweise liegen zwischen Idee und Abreise anderthalb Jahre, aber das ist nur ein Richtwert. Die meisten Studenten gehen im vierten oder fünften Semester ins Ausland. Also ruhig schon mal bei Studienbeginn die Möglichkeiten ausloten.

ZEIT CAMPUS: Was ist der erste Schritt?

Rhode: Man sollte sich ein paar Fragen stellen: Will ich ein Auslandssemester machen oder ein Praktikum? Wann und wie lange möchte ich weg? Und natürlich: Wohin soll es gehen? Dafür muss man wissen, was man aus dem Auslandssemester mitnehmen möchte. Wer fachlich vorankommen will, legt vermutlich Wert auf den Ruf der Gastuni. Wer sich eine Auszeit vom Alltag in Deutschland erhofft, dem dürften Land und Leute wichtiger sein als irgendwelche Hochschulrankings.