AuslandsstudiumKeine Angst vor großen Plänen

Wer nicht ins Ausland geht, scheut oft den Aufwand für die Vorbereitung. Diese Fragen helfen, den größten Stress zu vermeiden – von der ersten Idee bis zur Abreise von Simon Hurtz

Noch 18 Monate: Wie ist das Studium organisiert?

Wer sich für ein Auslandssemester entschieden hat, sollte als Nächstes klären, wie das Studium an der Wunschuni aufgebaut ist. Nicht überall beginnen die Semester zum gleichen Zeitpunkt wie in Deutschland, teilweise gibt es Trimester oder ganze Studienjahre. Auch die Prüfungszeiträume unterscheiden sich – nicht nur über Landesgrenzen hinweg, sondern von Hochschule zu Hochschule. Wer etwa im Sommersemester an eine englische Uni geht, kann dort kaum Kurse besuchen, weil die Studenten dann nur für ihre Prüfungen lernen. Die Studienstruktur erfährt man auf der Webseite der Gastuni. Bei Partnerhochschulen weiß darüber auch das Akademische Auslandsamt Bescheid.

Noch 16 Monate: Wie bekomme ich einen Studienplatz?

Das hängt von der Hochschule ab, die Zugangsvoraussetzungen kann man am besten auf deren Webseite nachlesen. In der Regel ist der Nachweis von Sprachkenntnissen nötig. Manchmal reicht dafür das Abiturzeugnis, einige Hochschulen verlangen Sprachtests, in englischsprachigen Ländern etwa den Toefl. Vorbereitungskurse gibt es an vielen Unis, sonst auch bei privaten Anbietern. Günstiger ist ein Sprachtandem mit einem ausländischen Gaststudenten. Ebenfalls wichtig: Welche bestandenen Prüfungen werden im Gastland akzeptiert, und wie müssen diese nachgewiesen werden? Häufig sind für die Bewerbung auch Gutachten von Professoren nötig – dafür genug Zeit einplanen.

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Noch 14 Monate: Werden meine Kurse anerkannt?

Die Vergabe von Credit Points läuft noch nicht überall einheitlich. Um sicherzugehen, dass die im Ausland besuchten Seminare auch in Deutschland angerechnet werden, wird vor der Abreise meist ein sogenanntes Learning Agreement geschlossen. In diesem Vertrag wird festgehalten, welche Kurse im Ausland besucht werden sollen. Damit garantiert die Gasthochschule, dass alle gewählten Veranstaltungen belegt und abgeschlossen werden dürfen, und die Heimatuni bestätigt die spätere Anerkennung. Das Formular für das Learning Agreement erhält man beim Fachbereich oder Prüfungsamt. Dort sollte man zusätzlich nachfragen, in welcher Form Studienleistungen nachgewiesen werden müssen.

Noch 6 Monate: Was muss ich bei der Anreise beachten?

Um Geld zu sparen, bucht man die Anreise am besten so früh wie möglich. Oft ist es am günstigsten, Tickets direkt bei den Fluggesellschaften des Gastlandes zu kaufen. Außerhalb der EU sind möglicherweise ein Visum und spezielle Impfungen nötig. In einigen Ländern wird toleriert, als Tourist einzureisen, nach drei Monaten kurz das Land zu verlassen und wieder zurückzukommen. Das spart rund 150 Euro für den Visumsantrag. Man sollte sich vorher genau nach Rechtslage und Erfahrungen von anderen erkundigen.

Noch 3 Monate: Bin ich im Ausland versichert?

Die Krankenkasse weiß, ob für das Zielland eine Auslandskrankenversicherung nötig ist. Auch eine Auslandshaftpflichtversicherung ist empfehlenswert. Teure Elektronik kann man gegen Diebstahl versichern lassen, und wer auf Nummer sicher gehen will, bucht noch eine Reiserücktrittsversicherung dazu.

Noch 2 Monate: Wie finde ich eine Wohnung?

Viele Unis helfen ausländischen Studenten bei der Wohnungssuche vor Ort; bei Partnerhochschulen kann man oft auch in Wohnheimen unterkommen. Die Mietpreise schwanken stark: Wer Glück hat, ergattert in Paris eine Zehn-Quadratmeter-Kammer für 500 Euro – in Osteuropa zahlt man höchstens die Hälfte. Die besten Tipps für bezahlbares Wohnen kommen von Rückkehrern, Kontakt zu ihnen vermittelt das Akademische Auslandsamt. Wer für die Zeit in der Fremde sein Zimmer untervermietet, sollte auch für Bekannte einen Zwischenmietvertrag aufsetzen – am Geld sind schon die besten Freundschaften zu Bruch gegangen. Vorher im Mietvertrag nachschauen, ob Untervermietung erlaubt ist.

Und schließlich: Habe ich an alles gedacht?

Wer länger weggeht, sollte einige Verträge kündigen oder aussetzen, zum Beispiel: Festnetz-, Mobilfunk-, Internetvertrag, Bahncard, Fitnessstudio. Oft kostet Geldabheben im Ausland zusätzliche Gebühren, also bei der Bank nachfragen und eventuell woanders ein neues Konto eröffnen oder eine internationale Kreditkarte beantragen. Zu guter Letzt die Kleinigkeiten nicht vergessen: Ist der Reisepass noch gültig? Kümmert sich jemand um die Post? Mit einem Internationalen Studentenausweis (ISIC) bekommt man Studentenrabatte, wer Auto fährt, braucht außerhalb der EU einen Auslandsführerschein.

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Leserkommentare
    • dk9011
    • 01. Juni 2012 22:01 Uhr

    Man kann ja eigentlich nie früh genug anfangen zu planen, aber hier übertreibt es der Autor dann doch.

    14 Monate vor Antritt schauen, ob die Kurse angerechnet werden?
    6 Monate vorher den Flug buchen?

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    • keibe
    • 01. Juni 2012 22:21 Uhr

    dass der Autor übertreibt, bleibt doch eine wesentliche Frage unbeantwortet:

    Bekomme ich nach meiner Rückkehr Hartz IV?

    • Petka
    • 01. Juni 2012 23:35 Uhr

    ... eben. Für die erwähnte 500 Euro gibt es in Paris dann nämlich schon ein relativ schniekes Studentenzimmer (ähnlich wie in Deutschland: wenn ergattert). Eine Kammer kostet eher ein wenig mehr als die Hälfte.

    Ich nehme an, dass der Autor seine eigenen Erfahrungen zu sehr extrapoliert. Sprachtandems sind zB im Schnitt um etliches erfolgloser (weil fast immer ungleichgewichtig) als gründlich besuchte (und fast immer vorhandene, wenn anfangs des Semester übermäßig begehrte) Kurse an der Hochschule.

    Und schließlich: der Kulturschock. Tatsächlich ziehe manche Studenten die Notreißleine, weil die fremde Kultur zu fremd ist. Sich vorher darüber Gedanken zu machen, wer einem hilft die fremde Welt ein wenig abzufedern, sei es per Internet oder Besuch (Kommilitonen lieben Urlaub im Ausland) kann einem eine Menge Blues ersparen. (Die Auslandsstudentenfeten vor Ort sind ... unterschiedlich.)

    • keibe
    • 01. Juni 2012 22:21 Uhr

    dass der Autor übertreibt, bleibt doch eine wesentliche Frage unbeantwortet:

    Bekomme ich nach meiner Rückkehr Hartz IV?

    Antwort auf "Naja..."
    • Petka
    • 01. Juni 2012 23:35 Uhr

    ... eben. Für die erwähnte 500 Euro gibt es in Paris dann nämlich schon ein relativ schniekes Studentenzimmer (ähnlich wie in Deutschland: wenn ergattert). Eine Kammer kostet eher ein wenig mehr als die Hälfte.

    Ich nehme an, dass der Autor seine eigenen Erfahrungen zu sehr extrapoliert. Sprachtandems sind zB im Schnitt um etliches erfolgloser (weil fast immer ungleichgewichtig) als gründlich besuchte (und fast immer vorhandene, wenn anfangs des Semester übermäßig begehrte) Kurse an der Hochschule.

    Und schließlich: der Kulturschock. Tatsächlich ziehe manche Studenten die Notreißleine, weil die fremde Kultur zu fremd ist. Sich vorher darüber Gedanken zu machen, wer einem hilft die fremde Welt ein wenig abzufedern, sei es per Internet oder Besuch (Kommilitonen lieben Urlaub im Ausland) kann einem eine Menge Blues ersparen. (Die Auslandsstudentenfeten vor Ort sind ... unterschiedlich.)

    Antwort auf "Naja..."
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    Hm für 500 EUR ein "relativ schniekes Studentenzimmer". Ich mein unbestimmter geht es nicht, aber selbst wenn man die Ansprüche sehr runterschraubt halte ich das für ein Gerücht. Ich weiß ja nicht, wann Sie zuletzt in Paris gelebt haben oder auf welche Ecke sie abstellen. Würde mich jedoch schon interessieren.

    Der Vergleich zu Deutschland hinkt zudem extrem. In München und anderen teuren Orten kann man sich mit 500 EUR sicher sein etwas brauchbares in akzeptabler Lage zu finden. Das ist in Paris anders (liegt ua auch am CAF).

  1. Hm für 500 EUR ein "relativ schniekes Studentenzimmer". Ich mein unbestimmter geht es nicht, aber selbst wenn man die Ansprüche sehr runterschraubt halte ich das für ein Gerücht. Ich weiß ja nicht, wann Sie zuletzt in Paris gelebt haben oder auf welche Ecke sie abstellen. Würde mich jedoch schon interessieren.

    Der Vergleich zu Deutschland hinkt zudem extrem. In München und anderen teuren Orten kann man sich mit 500 EUR sicher sein etwas brauchbares in akzeptabler Lage zu finden. Das ist in Paris anders (liegt ua auch am CAF).

    Antwort auf "Misslungene Satire ..."
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    • Petka
    • 02. Juni 2012 11:17 Uhr

    Eine kurze Recherche auf entsprechenden Portalen ergibt Studentenzimmer möbliert 400 Euro aufwärts. Zimmer bedeutet hier eben: minimal Studio. Das hat sich seit meiner Suche vor unter zehn Jahren nicht geändert.

    Der Vergleich mit Deutschland bezog sich einzig und allein auf den Vergleich der Verfügbarkeit von Wohnungen für Studenten. Wenn man erst einen Monat vor Beginn sucht, wird man eben nicht mehr fündig, genauso wie in Deutschland.

    Mit Glück und lokaler Hilfe bekommt man 9m² möbliert im 16ten für 230€. Das ist dann spartanisch und liegt entgegengesetzt zu den Hauptparties. Paris ist allerdings innerhalb des Rings klein.

    • Petka
    • 02. Juni 2012 11:17 Uhr

    Eine kurze Recherche auf entsprechenden Portalen ergibt Studentenzimmer möbliert 400 Euro aufwärts. Zimmer bedeutet hier eben: minimal Studio. Das hat sich seit meiner Suche vor unter zehn Jahren nicht geändert.

    Der Vergleich mit Deutschland bezog sich einzig und allein auf den Vergleich der Verfügbarkeit von Wohnungen für Studenten. Wenn man erst einen Monat vor Beginn sucht, wird man eben nicht mehr fündig, genauso wie in Deutschland.

    Mit Glück und lokaler Hilfe bekommt man 9m² möbliert im 16ten für 230€. Das ist dann spartanisch und liegt entgegengesetzt zu den Hauptparties. Paris ist allerdings innerhalb des Rings klein.

    Antwort auf "Antwort auf #3"
  2. 2 Monate vorher eine Wohung/ein Zimmer suchen? Das kann man wirklich nicht früh genug machen. Schliesslich ist man nicht der einzige Student, der nach Paris, London oder Zürich möchte..

    Je früher die Planung beginnt, desto besser ist die Organisation vor Ort und somit auch das Wohlbefinden der Studenten.

    • AtoY
    • 02. Juni 2012 11:28 Uhr

    kostet ein 16m2 Zimmer für Studenten schon locker über 900 Euro. Vor paar Tagen habe ich eine Doku im ÖR über die Stadt Paris gesehen, da waren unter anderem die Mieten für Studenten usw. drin. Für 500 Euro kriegt man in Paris in den meisten Stadtteilen eine Besenkammer, außer man zieht weiter raus in die Vorstädte hinaus und muss stundenlange Fahrten bis zu der Uni auf sich nehmen. Alleine aus diesem Grund würde ich diese Städte, wie Paris komplett meiden, sollte man dennoch auf eine bestimmte Sprache fixiert sein, dann kann man auch z.B. auch nach Kanada gehen, die Mieten sind da net so krass und das System ist mit unseren durchaus vergleichbar und wird auch im späteren Lebenslauf schon recht gut aussehen, selbst wenn es nicht die Top-Uni sein sollte, darum geht es nicht unbedingt, das verstehen viele auch nicht. Es geht eigentlich eher darum, dass man sich was traut usw.

    • lycka
    • 02. Juni 2012 14:13 Uhr

    Bei uns im Institut sind die Lehrveranstaltungen für das SoSe 13 noch nicht festgelegt; ich bestimme die Titel (und konkreten Thmene) für meine Veranstaltungen etwa 8 Monate im Voraus - wie auch alle KollegInnen.

    Wollte jemand aus dem Ausland für sein Learning Agreement jetzt schon festlegen, welche Veranstaltungen er in 14 Monaten belegt, hätte er also deutliche Schwierigkeiten. Jetzt steht bloß fest, aus welchen Modulen sich das Lehrangebot zusammensetzt - die einzelnen Veranstaltungen und ihre Titel sind aber für die Anerkennung im eigenen Studiengang mindestens ebenso relevant.

    Ich für meinen Teil habe vor meinem Auslandsstudium nur ein vages Learning Agreement erstellt. Ich blieb ein Jahr im Ausland (war auch besser so, erst im zweiten Semester war ich richtig angekommen und nicht bloß Gast), da gab es keine Chancen alles vorhersehen zu können.

    Was aber auch nicht so schlimm war. Und das Einhalten einer Regelstudienzeit ist auch kein Wert an sich.

    Man kann nicht alles planen - und vor allem soll man sich von dem übermäßig propagierten Vorbereitungsaufwand nicht vom Auslandsaufenthalt selbst abhalten lassen.

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Student | Hochschule | Auslandssemester | Auslandsstudium
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