Was für eine gute Idee! Dumm nur, wenn sie jemand klaut. Was macht man, wenn ein Kollege den guten Einfall, den man selber hatte, für sich reklamiert und sich vor dem Chef mit fremden Federn schmückt? Sofort reingrätschen und die Sache richtigstellen? Das wirkt kleinlich und peinlich. Schweigen und sich im Stillen ärgern? Das kann auf Dauer auch nicht die Lösung sein.

Ideenklau ist ein häufiges Phänomen unter Kollegen: Dem vermeintlichen Schöpfer der Idee wird vorgeworfen, sich nichts Eigenes ausgedacht, sondern lediglich die guten Gedanken der anderen aufgegriffen zu haben.

Psychologische Experimente zeigen, dass wir dazu neigen, gelungene Leistungen vor allem auf eigenes Talent zurückzuführen. Die Erfolge anderer spielen wir dagegen unbewusst herunter und begründen sie mit günstigen Rahmenbedingungen – zum Beispiel mit den klugen Anregungen, die wir selbst beigesteuert haben. Das klingt ziemlich unsympathisch, ist aber eine natürliche Strategie, um das eigene Selbstwertgefühl zu stärken.

Bei depressiven Menschen funktioniert dieser Mechanismus übrigens genau umgekehrt: Sie schreiben alles, was ihnen gelingt, den äußeren Bedingungen zu und führen die Leistungen anderer vor allem auf deren Fähigkeiten zurück. In der Arbeitswelt prallen nun Kollegen aufeinander, die eigene Einfälle durch eine rosarote Brille betrachten und die Ideen der Kollegen kritisch beäugen. Streitereien sind also programmiert.

Fühlt man sich dauerhaft von vorpreschenden Kollegen überrannt, sollte man das Gespräch suchen und seine Frustration zum Ausdruck bringen – auch vor dem Chef. Der Versuch, akribisch zu klären, wer genau auf welchen Gedanken kam, führt aber meist nicht weiter. Das beste Rezept: innerhalb der Gruppe bewusst Feedback geben und die Ideen der Kollegen würdigen. Nach außen seltener »ich« sagen. Und öfter »wir«.