BerufsalltagMein Kollege klaut Ideen

Was tun? Fragt Christina Röhrig, 28, PR-Volontärin aus Hamburg. Der Arbeitspsychologe Tim Hagemann gibt Antwort. von Tim Hagemann

ZEIT Campus 3/12
ZEIT Campus 3/12

Was für eine gute Idee! Dumm nur, wenn sie jemand klaut. Was macht man, wenn ein Kollege den guten Einfall, den man selber hatte, für sich reklamiert und sich vor dem Chef mit fremden Federn schmückt? Sofort reingrätschen und die Sache richtigstellen? Das wirkt kleinlich und peinlich. Schweigen und sich im Stillen ärgern? Das kann auf Dauer auch nicht die Lösung sein.

Ideenklau ist ein häufiges Phänomen unter Kollegen: Dem vermeintlichen Schöpfer der Idee wird vorgeworfen, sich nichts Eigenes ausgedacht, sondern lediglich die guten Gedanken der anderen aufgegriffen zu haben.

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Psychologische Experimente zeigen, dass wir dazu neigen, gelungene Leistungen vor allem auf eigenes Talent zurückzuführen. Die Erfolge anderer spielen wir dagegen unbewusst herunter und begründen sie mit günstigen Rahmenbedingungen – zum Beispiel mit den klugen Anregungen, die wir selbst beigesteuert haben. Das klingt ziemlich unsympathisch, ist aber eine natürliche Strategie, um das eigene Selbstwertgefühl zu stärken.

Tim Hagemann
Tim Hagemann

Tim Hagemann ist Professor an der Fachhochschule für Diakonie am Lehrstuhl Arbeitspsychologie und leitet das Institut für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin (IAPAM) in Berlin. Seit 2012 schreibt Hagemann als Kolumnist für ZEIT CAMPUS.

Bei depressiven Menschen funktioniert dieser Mechanismus übrigens genau umgekehrt: Sie schreiben alles, was ihnen gelingt, den äußeren Bedingungen zu und führen die Leistungen anderer vor allem auf deren Fähigkeiten zurück. In der Arbeitswelt prallen nun Kollegen aufeinander, die eigene Einfälle durch eine rosarote Brille betrachten und die Ideen der Kollegen kritisch beäugen. Streitereien sind also programmiert.

Fühlt man sich dauerhaft von vorpreschenden Kollegen überrannt, sollte man das Gespräch suchen und seine Frustration zum Ausdruck bringen – auch vor dem Chef. Der Versuch, akribisch zu klären, wer genau auf welchen Gedanken kam, führt aber meist nicht weiter. Das beste Rezept: innerhalb der Gruppe bewusst Feedback geben und die Ideen der Kollegen würdigen. Nach außen seltener »ich« sagen. Und öfter »wir«.

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Leserkommentare
  1. soll funktionieren?

    Eher nicht. Sind "Chefs" doch die größten Ideenklauer...

    Für alle die dieses Problem haben: Entwickeln Sie eine Idee die nicht funktioniert......
    Hält die Semialphas aus der Laiensschauspieltruppe für einige Zeit auf Abstand.

    4 Leserempfehlungen
    • haka8
    • 11. Mai 2012 7:45 Uhr

    "Wir!" Altbackene Idee, die noch nie zündete, es sei denn mann lässt sich gerne verheizen. Herr Hagemann, bei allem Respekt: auch Sie werden über Ihren netten Charakter nochmal weggemobbt, spätesten von eine Frau oder einem Mann im Auftrag einer Frau.

    Ideenklau ist nicht witzig - Respekt verschaffen mit "allen" Mitteln! Entweder Du hast oder findest dazu die Strategie oder eben nicht.

    Langfristig ist der Weg zur Freiheit von allem der Beste. Dazu musst Du wissen oder rauskriegen was Du Dir wirklich zumuten willst. Rückschläge sind natürlich - immer wieder Zeit und nicht beirren lassen.

    Alles andere dient der Aggression der anderen.

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    Was haben denn speziell die Frauen damit zu tun?

    "Sie werden über Ihren netten Charakter nochmal weggemobbt, spätesten von eine Frau oder einem Mann im Auftrag einer Frau."

  2. da hilft, ist den Ideenklauer öffentlich vor allen zur Rede zu stellen. Am besten in der Gruppenbesprechung nochmal direkt drauf ansprechen mit dem Chef zusammen.

    Alles andere führt dazu, das man am Ende mit nichts dasteht und ausgenutzt wird. Ohne Ellenbogen ist man ein Loser!

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  3. Die beste Methode, Ideeklau vorzubeugen, ist seine gute Einfälle zügig in einen konkreten Vorschlag weiterzuentwickeln, den man dem Chef vorbringt (am besten in einem Gespräch, dem ein Mail zur Dokumentation folgt).

    Wer monatelang auf einer Idee im "ich hätte da so eine Idee, man könnte doch, irgentwer sollte mal..."-Stadium herumsitzt, sollte sich nicht wundern, wenn ein anderer den Ball aufgreift.

    Häufig ist es nicht so ganz klar, wer im Team wieviel zu einer Idee beigetragen hat. Von daher stimme ich dem Autor eher zu, als manchen der martialischen "Ellenbogen"-Kommentare - aggresiver ist häufig nicht besser.

  4. Was haben denn speziell die Frauen damit zu tun?

    "Sie werden über Ihren netten Charakter nochmal weggemobbt, spätesten von eine Frau oder einem Mann im Auftrag einer Frau."

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Zu nett"
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    • CoMiMo
    • 11. Mai 2012 22:43 Uhr

    der von einer Frau ausgebootet wurde und der Meinung ist, nur weil sie eine Frau ist wurde sie bevorzugt.

    Außerdem weiß doch jeder, dass wir Frauen dreckige Integrantinnen sind, Männer würde man da erstklassige Strategen nennen.

    Ich hoffe mann bemerkt meine Ironie!

  5. ... es gibt ein einfaches Prinzip es zu verhindern: "Schn...e halten!"
    Gibt es auch keine Probleme mit geistigem Eigentum.
    Egoismus, gier sind nun mal die Totengräber unserer Gesellschaft.

    • brazzy
    • 11. Mai 2012 9:41 Uhr

    Ideen gibt es wie Sand am Meer, sie sind nahezu wertlos. Was zählt ist die Umsetzung, denn erst dann zeigt sich überhaupt erst was eine gute Idee war. Wer aktiv auf eine Umsetzung hinarbeitet und sich daran beteiligt, dem kann keiner was klauen. Wer das nicht tut vermeidet Arbeit und das Risiko sich zu blamieren, und wenn jemand anders dann beides auf sich nimmt und Erfolg hat, dann gebührt diesem Anderen auch die Anerkennung.

    Erfahrungsgemäüßt habe die Leute, die am meisten Angst davor haben, dass ihnen Andere die Ideen klauen, eine masslos überzogene Vorstellung von deren Wert (und meist sind ihre Ideen nicht besonders gut).

    2 Leserempfehlungen
  6. wir sind doch ein Team und sozial kompetent ?

    Warum nehmen wir Kollegen als Ideendiebe wahr und nicht als Promotoren FÜR diese Idee ?

    Von der anderen Seite: wer bekennt sich nachträglich zu seinem (weggeklauten) Geistesblitz, wenn er nichts taugt, nicht realisierbar ist ?

    Wer Ideenklau vorbeugen möchte, sollte die informellen Rollen innerhalb des Teams identifizieren, um herauszufinden, wem man eine Idee anvertrauen kann...und wem nicht.

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