WirtschaftswissenschaftNach dem Crash

Die Krise hat die Finanzwelt verändert. Was heißt das für Absolventen? von Marie Astrid Langer

Wer nach dem Studium bei einer Bank oder Versicherung arbeiten will, betritt eine Welt, die heute anders ist als noch vor fünf Jahren. Die Finanzmarktkrise hat die Branche durcheinandergeschüttelt und die Spielregeln für Banker und Versicherungsexperten neu geschrieben. Zwei Veränderungen bekommen Absolventen der Wirtschaftsstudiengänge besonders deutlich zu spüren: Die Finanzbranche hat an Reputation eingebüßt, und zwar gewaltig. Und die Politik mischt sich nun stärker ein als bisher, um die Geschäfte von Banken und Versicherungen zu kontrollieren.

Um ihr ramponiertes Image zu verbessern und auch in Zeiten strengerer Finanzaufsicht ihr Geld zu vermehren, brauchen Banken und Versicherungen neue Ideen – und das ist eine Chance für Berufseinsteiger. Aber von vorn: Als 2008 die ersten sogenannten systemrelevanten Banken zusammenbrachen, fand die Öffentlichkeit ein neues Synonym für die Menschen, die dort arbeiten: Zocker. Besonders das unter Wirtschaftsabsolventen einst beliebte Investmentbanking hat an Ansehen verloren; hier wurden vor der Krise jene riskanten Geschäfte gemacht, die das weltweite Finanzsystem ins Wanken brachten. Wer vor allem nach einem hohen Gehalt und dicken Boni strebt, der ist in einer Investmentbank wohl immer noch gut aufgehoben. Doch die Stellen sind rar geworden: Großbanken wie die Deutsche Bank, die Schweizer Credit Suisse oder die Royal Bank of Scotland haben angekündigt, in diesem Jahr mehrere Tausend Stellen in ihrer Investmentsparte zu streichen. Und auch die Gehälter sind deutlich schmaler geworden. Wer als Einsteiger damit rechnet, schon bald sechsstellige Beträge auf seinem Konto zu sehen, der hofft mittlerweile oft vergeblich.

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Nach den Vorstellungen der Bundesregierung müssen auch Versicherungsmakler künftig auf Einkünfte verzichten: Die Maklerprovisionen für private Krankenversicherungen und Lebensversicherungen sollen abgeschafft oder zumindest stark beschränkt werden. In vielen nordeuropäischen Ländern sind diese Provisionen bereits verboten, in den Niederlanden werden sie ab 2013 stark eingeschränkt.

ZEIT Campus 3/12
ZEIT Campus 3/12

Aber nicht nur bei Provisionen und Gehältern wird Bankern und Maklern auf die Finger geschaut. Auch die Produkte, die sie vertreiben, werden jetzt stärker reguliert. Viele Länder, darunter Deutschland, hatten während der Krise den Handel mit riskanten Finanzprodukten untersagt; diese Verbote gelten teilweise bis heute. So sind etwa Leerverkäufe bestimmter Aktien – das heißt, Wertpapiere zu verkaufen, die man gar nicht besitzt, und dann auf sinkende Kurse zu spekulieren – teilweise immer noch nicht erlaubt.

Die strengeren Kapitalvorschriften für Banken haben den Berufsalltag der Branche verändert. Das Abkommen "Basel III" verlangt eine höhere Eigenkapitalquote, die Institute müssen künftig also mehr eigenes Kapital im Verhältnis zum geliehenen Geld hinterlegen. Das beeinflusst auch die Geschäfte, die im riskanten Investmentbanking getätigt werden können. Denn besonders hohe Renditen wurden häufig erst dadurch möglich, dass man wenig eigenes Geld einsetzte und mit fremdem Geld spekulierte.

Ebenso wie die großen Bankhäuser werden die Verwalter von alternativen Anlagefonds, also etwa von Hedgefonds, Immobilienfonds und Private-Equity-Fonds, stärker kontrolliert: Gemäß der AIFM-Richtlinie (Alternative Investment Fund Managers) müssen sie von nun an den Behörden regelmäßig mitteilen, mit welchen Instrumenten sie handeln und welche Risiken dabei entstehen können.

Leserkommentare
  1. schreiben Sie das es angedacht ist, das Provisonen stark reduziert werden sollen.

    Dazu fällt mir erstens ein das doch ohnehin berits Transparenz der Provision bei Vertragsabschluß dem Kunden gewährt werden muß und das diese auch nach langer Zeit noch teilstorniert werden können.

    Ist der Markt solventer Kunden abgegrast und keiner soll mehr dem anderen etwas wegnehmen oder ist das ein weiterer Schritt in Richtung Armut für alle?

    Wenn die Politik sich in diese Felder einmischt weiß man nie ob das durch Lobbyisten der gleichen Unternehmen geschieht um die Bestände ihrer langjährigen Beschaffer abzuwerten.

    Hoffentlich haben die kommenden Absolventen Fremdsprachenkenntnisse um sich international zu bewerben.

  2. Ist das Satire?
    "Die Finanzmarktkrise hat (...) die Spielregeln für Banker und Versicherungsexperten neu geschrieben. (...) die Politik mischt sich nun stärker ein als bisher, um die Geschäfte von Banken und Versicherungen zu kontrollieren."

  3. Die Schrottpapiere und SIVs (Special Investment Vehicles) mit den vielen Euroakronymen werden vom Staat 'kreiert'. Hier liegen die Risiken.
    Basel III wird umgangen werden müssen, denn sonst gibt es kaum noch Kredite für die Wirtschaft.
    Beratung für Finanzprodukte wird nicht besser, wenn damit kein Geld verdient wird.
    Durch Ethikunterricht kommt man auf dumme Gedanken, auf die man ohne ihn nie gekommen wäre.
    Mit Nachhaltigkeitsgeschwafel legt man naive 'Investoren' rein.

    Viel Spaß weiterhin.

    • jkluge
    • 30. Mai 2012 20:54 Uhr

    Die einzige Universität, die schon seit Jahrzehnten Wirtschaftswissenschaftler mit dem Motto "soziale Verantwortung fördern " ausbildet, und sich nicht nur mal eben mit einem Feigenblatt -Philosophie -Lehrstuhl schmückt, haben Sie vergessen : die Universität Witten /Herdecke.

    • Hoplon
    • 31. Mai 2012 1:53 Uhr

    oder ignoriert, auf dem sie parasitiert (und das ist noch ein Euphemismus), machen auch noch so fachkundige Artikel keinen Sinn.

    Das was niemand hören will wird in folgendem Video erklärt.
    Ich hoffe das sich wenigstens ein oder zwei Menschen die Zeit nehmen das anzusehen und zu verstehen.

    http://www.silber.de/vide...

    Antwort auf
  4. habe nach meinem Examen 2008 keine Stelle bekommen und erst in den letzten Jahren gelernt, wie Wirtschaft wirklich funktioniert. Leider wird das nicht an den Unis gelehrt, zumindest nicht im Fach Wirtschaftswissenschaften. Vielleicht noch eher bei den Soziologen.

    Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.(Kenneth Boulding)

  5. In diesem Zusammenhang kann man nicht oft genug auf einen der besten Dokumentationsfilme mit "Inside Job" über das globale Banken- und Finanzmarktdisaster seit 2008 bis dato hinweisen.

    hier der Link:
    http://www.youtube.com/wa...

    Um dem Film zu folgen, muss man übrigens nicht die Black-Scholes Formel verstehen ;-)

  6. ist ganz einfach:

    "pour encourager les autres"

    Details bei Google.

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