Fehler im JobDumm gelaufen!

So denken die Personalchefs: Unsere Kolumnistin Maren Lehky über den Umgang mit Fehlern. von Maren Lehky

ZEIT Campus 3/12
ZEIT Campus 3/12

Irgendwann passiert es. Sie haben ein Angebot per Mail an einen langjährigen Kunden verschickt, aber leider an den falschen Kunden. Der sieht jetzt Lieferkonditionen, die besser sind als seine. Oder Sie haben jemandem eine falsche Auskunft gegeben über die Sicherheit oder die Inhaltsstoffe eines Produktes, die Ihnen hinterher selbst komisch vorkommt. Oder, oder, oder...

Was also ist zu tun, wenn Ihnen im Job ein gravierender Fehler passiert?

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Sich tot stellen und hoffen, dass keiner etwas mitbekommt, ist eine kindliche Illusion, die im Berufsleben nichts zu suchen hat. Sie müssen mit Ihrem Chef sprechen, und zwar sofort. Der wird in den meisten Fällen so reagieren, wie Sie es fürchten: genervt. Blitzschnell denkt er an die Folgen, die er ausbaden und weiter nach oben rechtfertigen muss. Ein Fehler von Ihnen bedeutet für ihn Arbeit und Stress. Denn er muss nicht nur den Fehler wieder glatt bügeln, sondern sich auch mit Ihnen auseinandersetzen, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholen wird. Er wird sich selbst fragen, was er falsch gemacht hat. Hat er Sie nicht gut genug eingearbeitet, beim Briefing Details vergessen, Sie überfordert? Insofern weiß er, dass bei Ihrem Fehler auch ein eigener im Spiel war. Das verstärkt seinen Ärger.

Maren Lehky
Maren Lehky

Maren Lehky ist Unternehmens- und Personalmanagement-Beraterin in Hamburg. In ihrer Kolumne, die im ZEIT CAMPUS Magazin und auf ZEIT ONLINE erscheint, gibt sie Berufsanfängern Karrieretipps.

Ihre Chance liegt nun darin, Ihrem Chef seine Aufgabe leichter zu machen. Das können Sie erstens tun, indem Sie inhaltlich präzise vorbereitet sind, sodass er nicht noch lange recherchieren muss. Haben Sie die Fakten dabei, und schildern Sie kurz und auf den Punkt, was passiert ist. Wenn Sie es schaffen, überlegen Sie sich auch schon einen Lösungsansatz. (Aber verzögern Sie deshalb niemals die Fehlermeldung!)

Zweitens muss Ihr Chef sicherstellen, dass Sie als sein Mitarbeiter prinzipiell verlässlich handeln. Dabei hilft eine gewisse Zerknirschtheit Ihrerseits. Der Satz »Es tut mir sehr leid« oder das Wort »Entschuldigung« signalisieren, dass Sie Ihre Verantwortung ernst nehmen. Als Chef erlebt man leider häufig, dass jemand vermeintlich cool mit seinen Fehlern umgeht oder sie anderen in die Schuhe schiebt. Beides lässt an der Vertrauenswürdigkeit zweifeln.

Durch einen Fehler muss noch lange nicht Ihre Übernahme oder Ihr Job gefährdet sein. Sie werden wohl eine Weile kritischer betrachtet und erst dann »aus der Optik genommen« werden, wenn ein paar Monate alles glatt lief. Ein Problem haben Sie dann, wenn Sie aus Unkonzentriertheit oder Nachlässigkeit häufig Fehler machen, aus denen anderen Arbeit entsteht. Eine Kollegin wie Bridget Jones, die von einem Fettnapf in den nächsten tritt, ist zwar im Kino zum Brüllen komisch, im wahren Leben aber leider einfach nur nervtötend.

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Leserkommentare
  1. 1. Kurz.

    Um es also zusammenzufassen, lauten die Regeln:

    Benimm dich bei Fehlern erwachsen.

    Zeige Charakter.

    Daran zu erinnern ist gut. Daß daran erinnert werden muß, ist bedauerlich für die heutige Zeit.

    2 Leserempfehlungen
  2. Je grösser der Druck und das Arbeitspensum sind, desto wahrscheinlicher ist es, das Fehler passieren !
    Wenn der Vorgesetzte schon an der Basis gearbeitet hat, ist das kein Problem, denn er kennt die Problematik, wenn nicht ... hast du ein Problem !

    2 Leserempfehlungen
    • H.v.T.
    • 14. Mai 2012 5:52 Uhr

    Es hat sich noch ein ganz anderer Typus im Arbeitsleben durchgesetzt, der Durchreicher.

    Er begeht Fehler, und reicht sie ganz geschickt an andere durch; natürlich immer darauf bedacht, selbst nicht entdeckt zu werden.

  3. Einen Fehler machen ist bitter; bitterer noch ist aber die Erkenntnis, wie unwichtig wir sind, wenn es niemandem aufgefallen ist :-)

    4 Leserempfehlungen
  4. "Sich tot stellen und hoffen, dass keiner etwas mitbekommt, ist eine kindliche Illusion, die im Berufsleben nichts zu suchen hat."

    Bei grossen Fehlern ist das tatsächlich wichtig, wenn nicht für die Organistation, dann zumindest aus Selbsterhalt. Bei allen Kleinigkeiten klappt diese Taktik leider ganz gut. Zum einen wird man wirklich selten erwischt und kann meistens erfolgreich vertuschen und zum anderen steht ein Mitarbeiter der ständig erzählt was er alles verbockt, nicht unbedingt auf Platz eins auf der Beliebtheitsskala. Das liegt vorallem am Perferktionswahn unserer modernen Gesellschaft.

    Eine Leserempfehlung
  5. nein, man sagt "das wird nicht wieder passieren". Das verdeutlicht die Fähigkeit aus Fehlern zu lernen, und vermittelt dem Chef nicht einen "Häufchen-Elend"-Eindruck.

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