ZEIT CAMPUS: Sind Sie im Studium zurechtgekommen?

Domian: Ich habe mich gequält. Das lag nicht nur an der Bulimie. Ich habe schnell gemerkt, dass Philosophie und Germanistik mich als Studienfächer nicht begeistern konnten. Als ich für Mittelhochdeutsch auswendig lernen musste, hatte ich eine regelrechte Sinnkrise.

ZEIT CAMPUS: Haben Sie in der Philosophie Antworten auf Ihre existenziellen Fragen gefunden?

Domian: Ich hatte natürlich die Hoffnung. Aber die Fragen nach dem Lebenssinn und dem Sinn des Todes konnte mir kein Philosoph schlüssig beantworten. Ich bin gegen Betonwände gelaufen. Überhaupt bin ich zu idealistisch an das Studium herangegangen. Zwar konnte ich von Literatur nicht genug bekommen, aber ich bin einfach kein Theoretiker.

ZEIT CAMPUS: Warum haben Sie nicht hingeschmissen?

Domian: Ich habe mich nicht getraut. Was hätte ich sonst machen sollen? Ich hatte keinen Plan B.

ZEIT CAMPUS: Bereuen Sie es, studiert zu haben?

Domian: Auf keinen Fall. Es war eine prägende, wenn auch dunkle Phase in meinem Leben. Ich habe das Studium durchgezogen. Ein Zufall hat mich dann gerettet: Ich suchte einen Studentenjob und landete als Kabelträger beim WDR. Bei allen großen Fernsehproduktionen war ich dabei. Das fand ich sensationell! Über eine Hospitanz bin ich dann zum Radio gekommen. Das war der Einstieg, später wurde ich dort Redakteur.

ZEIT CAMPUS: Stimmt es, dass Sie mit Hella von Sinnen und Dirk Bach zusammenwohnten?

Domian: Nein, Hella und ich sind in Gummersbach zusammen zur Schule gegangen. Ich habe dort Zivildienst gemacht, Hella ist nach dem Abi nach Köln gezogen und hat eine WG mit Dirk gegründet. Ich habe die beiden oft am Wochenende besucht.

ZEIT CAMPUS: Haben Sie später während des Studiums selbst in einer WG gewohnt?

Domian: Nein, das wäre nichts für mich gewesen. Ich bin ein Einzelgänger. Am Frühstückstisch sitzen mit Freunden meiner Mitbewohner, die ich nicht kenne? Das wäre ein Gräuel.

ZEIT CAMPUS: Sie sind ein Einzelgänger, aber Sie führen fast jede Nacht intime Gespräche mit Anrufern. Wie passt das zusammen?

Domian: Das ist ein Widerspruch. Aber das eine ist eben privat, das andere ist mein Job. Meine Sendung mache ich mit großer Begeisterung. Ich mag die Diskussionen.

ZEIT CAMPUS: Bei Ihnen rufen Menschen an, die mit Zierpflanzen eine Beziehung führen oder sich aus Hackfleisch einen Sexpartner kneten. Ist das eigentlich Unterhaltung oder Therapiestunde?

Domian: Wir reden auch über mein Lebensthema, den Tod, über Trauer und über schwere Schicksalsschläge. Und wir haben dabei sogar höhere Quoten als bei Sexthemen. Die Sendung ist natürlich ein Unterhaltungsformat, und sie lebt auch vom Voyeurismus. Aber genauso ist sie der mediale Versuch, Menschen zu helfen. Ich weiß sehr zu schätzen, dass der WDR und meine Intendantin Monika Piel das auch so sehen und deshalb das Format ermöglichen und hinter mir stehen.