Jürgen Domian"Leben ist ziemlich schwierig"
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"Ich spreche mit den Leuten als Privatperson, nicht als Experte"

ZEIT CAMPUS: Sie sind kein Psychologe.

Domian: Und ich habe auch bewusst keine psychologischen Fortbildungen gemacht.

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ZEIT CAMPUS: Aber die könnten Sie doch gebrauchen.

Domian: Nein, ich würde sonst anders an die Gespräche herangehen. Vorbild für unser Konzept ist das amerikanische Talkradio. Ich spreche mit den Leuten quasi als Privatperson, nicht als Experte oder Therapeut.

ZEIT CAMPUS: Fühlen Sie sich als Laie mit manchen Anrufen nicht überfordert?

Domian: Für solche Fälle arbeitet bei uns im Hintergrund der Sendung ein Team aus Psychologen mit. Sie betreuen die Anrufer weiter, die professionelle Hilfe benötigen.

ZEIT CAMPUS: Hätten Sie sich als Student während Ihrer Krise vorstellen können, bei einer Sendung wie »Domian« anzurufen?

Domian: Vielleicht. Allerdings wäre eine solche Sendung in der deutschen Medienlandschaft undenkbar gewesen. In jedem Fall sind die persönlichen Krisen, die ich erlebt habe, gut für meine Arbeit. So kann ich mich besser in die Menschen hineinfühlen.

ZEIT CAMPUS: Bei Ihnen rufen auch Täter an.

Domian: Ja, prinzipiell finde ich, dass man mit jedem Menschen sprechen sollte. Egal, was er getan hat. Zeigt er Reue und hat seine Strafe abgesessen, sollte er auch eine neue Chance bekommen. Schwierig ist es allerdings immer dann, wenn ein Anrufer uneinsichtig ist.

ZEIT CAMPUS: Wenn Sie das Verhalten eines Anrufers verwerflich finden, werden Sie auch laut.

Domian: Das kommt vor. Ein Mauerschütze hat sich mal in der Sendung beschwert, dass die Exgrenzer heute schlecht angesehen sind. Er hatte zwei Menschen bei dem Versuch erschossen, aus der DDR zu fliehen, und zeigte keine Reue. Den habe ich aus der Leitung geschmissen. Ähnliches passierte neulich bei einem Sexualstraftäter, der gerade aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden war und versuchte, seine Tat zu relativieren.

ZEIT CAMPUS: Ist es anstrengend, immer als moralische Instanz aufzutreten?

Domian: Das tue ich gar nicht. Ich nehme jeden ernst und sage meine Meinung. Das ist alles. Und manchmal liege ich auch daneben. Ich habe gelernt, dass man jeden Tag darum ringen muss, auf der richtigen Spur zu bleiben. Die Versuchungen sind allzu groß. Ich finde, leben ist ziemlich schwierig. Sich richtig zu verhalten, allen Menschen gegenüber – das ist eine lebenslange Herausforderung.

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Leserkommentare
  1. grossartiges Format.

  2. Leider komme ich nur nie dazu, die Sendung zu schauen. Aber sehe ein, dass sie auf tagsüber zu verlegen wohl nix wird :)

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    • hunzel
    • 29. Mai 2012 11:14 Uhr

    ...erhältlich. Auf der Domian-Internetseite kannst du alle Aufzeichnungen der letzten Jahre herunterladen und dir unterwegs anhören ;)

    Viel Spaß dabei :D

  3. wunderbare sendung, immer wieder hörenswert, vor allem auch deshalb, weil domian seine anrufer ernstnimmt, sich hörbar für sie und ihre geschichten interessiert und immer einen eigenen standpunkt bezieht.
    das für mich nach sechs jahren regelmäßigen hörens erstaunliche an der sendung ist jedoch, dass immer wieder neue themen vorkommen - sei es in der form von variationen bereits gehörten oder im wahrsten sinne des wortes 'unerhörter' begebenheiten. die anrufer- und themenauswahl der redaktion ist definitiv lobenswert.
    last not least ein wichtiger hinweis für all diejenigen, die nachts lieber schlafen als radio zu hören: auf der auch im übrigen sehr informativen seite...

    http://www.nachtlager.de

    ...gibt es ein archiv mit den jeweils aktuellsten sendungen der letzten tage und wochen im audio-format (.mp3 und .ogg)zum kostenlosen download! domian selbst weist in seinen sendungen regelmäßig auf die seite hin.

  4. Sehr gut.

  5. allerdings immer unter Berücksichtigung der Prämisse, dass bei den vielen geschilderten Partnerkonflikten in der Regel naturgemäß nur eine Seite zu Wort kommt. Das soll auch so bleiben, wenn wir nicht bei den Schrei-Formaten des Unterschicht-Fernsehens landen wollen; trotzdem würde ich mir zuweilen wünschen, dass Domian etwas prononcierter den "gedachten Anwalt" der Gegenseite gibt.

    Was mich allerdings zuweilen auf die Palme treibt, ist Domians schon fast blinde Affinität zur Psycho-Branche. Mal davon abgesehen, dass (meistens zum Glück) Termine bei Psychotherapeuten nur sehr schwer zu bekommen sind - es muss wirklich nicht sein, jedem sich in Selbstmitleid suhlenden Seelchen vorsorglich eine kostspielige Therapie anzuempfehlen. Unsere Eltern, Väter wie Mütter, haben in den Kriegsjahren zu Hauf entsetzliches erlebt - und zumeist auch ohne Therapie verarbeitet. Es gibt Branchen, die gerade in Luxusgesellschaften (verglichen etwa mit dem täglichen Überlebenskampf anderswo) in der Acquisition von Kundschaft sehr erfolgreich sind...

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    Möglicherweise hat nicht jeder Liebeskummer oder jede Sinnkrise Krankheitscharakter, und muss therapiert werden, okay.

    >> Unsere Eltern, Väter wie Mütter, haben in den Kriegsjahren zu Hauf entsetzliches erlebt - und zumeist auch ohne Therapie verarbeitet. <<

    Sie hatten zumeist keine andere Wahl, weil es keine Möglichkeit gab, sich damit zu befassen. Aber "verarbeitet" bedeutete meistens, dass es beiseite geschoben wurde, um zu funktionieren.

    Und so mancher beschäftigt sich heute möglicherweise in seiner Therapie mit den Themen, die die Eltern nicht anrühren wollten/konnten.

  6. ...wo aus der Not anderer öffentliche Unterhaltung generiert wird und sein Einkommen.

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    find ich ein wenig übertrieben. Erstens geht es weit über bloße Zur-Schau-Stellung hinaus, da man ja nur eine Stimme ist- die Privatsphäre bleibt ja gewahrt. Zweitens gibt die Anruferschaft ein großes Maß an Dankbarkeit für seine Sendung an Domian weiter und drittens: Ich habe eher mehr Demut vor dem Leben bekommen, seit ich diese Sendung höre.

  7. find ich ein wenig übertrieben. Erstens geht es weit über bloße Zur-Schau-Stellung hinaus, da man ja nur eine Stimme ist- die Privatsphäre bleibt ja gewahrt. Zweitens gibt die Anruferschaft ein großes Maß an Dankbarkeit für seine Sendung an Domian weiter und drittens: Ich habe eher mehr Demut vor dem Leben bekommen, seit ich diese Sendung höre.

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    ...daß nicht ein einziger Anruf echt ist, alles gefakt, für die Quote.

    • J-M
    • 29. Mai 2012 10:13 Uhr

    Habe praktisch nie Zeit, ihn zu sehen/hören. Mag ihn aber gern. Coole Art, coole Stimme.

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