Hochschullehrer"Wie wichtig ist Professoren ihr Gehalt?"

Das Grundgehalt ist vielen Professoren nicht so wichtig, meint unser Kolumnist Fritz Breithaupt. Entscheidender sei der jährliche kleine Zuschuss für die eigene Leistung. von Fritz Breithaupt

Am Tag der Wahrheit erreicht uns Profs alljährlich ein schlichter Briefumschlag. Bevor ich ihn öffne, schließe ich erst die Tür. Denn in dem Brief steht der Prozentsatz meiner leistungsabhängigen Gehaltserhöhung. Meine Evaluationen und Veröffentlichungen verdichten sich zu dieser entscheidenden Zahl mit zwei Stellen nach dem Komma.

Professor Fritz Breithaupt

 44, erklärt an dieser Stelle regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University, USA

Es geht dabei nur um minimale Summen. Und trotzdem ist die kleine Zahl für die Professorenseele viel entscheidender als die Höhe unseres garantierten Grundgehalts.

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Ein neues, großartig besprochenes Buch schlägt sich vielleicht mit ein paar Dutzend Euro nieder. Aber um eben diese beneide ich meine Kollegen erbittert. Wir schnappen nach der Karotte, die man uns hinhält. 

Es geht um unser Ego. Und dieses Ego ist schwer zu befriedigen. Wir haben ja gezeigt, dass wir die Besten der Besten sind. Sonst hätten wir es nicht zum Prof geschafft. Das soll uns auch bitte immer wieder bescheinigt werden. So sehen wir das. Und dann kommt der Brief.

Hinter der Ziffer verbergen sich kleine Ich-Effekte des Geldes. Wie abhängig wir in unserem Selbstgefühl sind, geben wir Wissensbarone nicht gern zu. Wie anmaßend, dass überhaupt jemand unsere Leistung bewertet! Das ist höchstens hinter verschlossenen Türen auszuhalten.

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Leserkommentare
  1. Sehr lustig finde ich den Satz, wir haben bewiesen, dass wir zu den besten der besten gehören. Schwachsinn!!
    Ich würde es akzeptieren, wenn der Author, tatsächlich in seinem Fach zu den besten 5 der Welt gehören würde. Es kann es auch sein, dass es in diesem Fall so ist. Aber bei den Tausenden von Professoren, die es gibt, kann es nicht sein, in manchen Fächer gibt es 100 davon allein in Deustchalnd.
    Für mich hat es immer gegolten, unter den besten 5 zu sein, alles andere ist provinziell

  2. "Wir haben ja gezeigt, dass wir die Besten der Besten sind. Sonst hätten wir es nicht zum Prof geschafft."

    Nein, Professorenstatus hat nichts mit Leistung zu tun. Es ist ganz selten mal anders. Vitamin B, Arschkriecherei und andere soziale Peinlichkeiten spielen eine weitaus höhere Rolle. Ich sehe das jeden Tag an unserer Universität, hauptsache der mögliche Kandidat gibt viele billige Unterrichts-Stunden, und das jahrelang. Vielleicht erbarmt sich eines Tages ein Professor sein Doktorvater zu werden und vielleicht wird er - nach Jahren prekärer Verhältnisse - zumindest Privatdozent.

    Dann folgen etliche Lehraufträge an unterschiedlichen Universitäten und vielleicht - nach Jahren - kommt es doch dazu, dass einen Professor sein Alter im Stich lässt und eine mögliche Stelle frei wird - wenn sie nicht abgebaut wird.

    Und selbst dann ist es fragwürdig, ob man denn Prof wird.

    Und so wie ich das sehe: Herr Breithaupt lehrt an einer hoch renommierten amerikanischen Universität, hat eine hohe Position und beklagt sich wegen bestimmer Zuschüsse?
    Das klingt für mich eher nach Wehwehchen eines Profs der nicht weiß wie gut er es im Leben hat!

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    Sie haben Recht, wenn die Kandidaten nicht mehr anzubieten haben, bleibt die soziale Kompetenz als Auswahlkriterium übrig

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik anhand sachlicher Argumente. Danke. Die Redaktion/ag

  4. Sie haben Recht, wenn die Kandidaten nicht mehr anzubieten haben, bleibt die soziale Kompetenz als Auswahlkriterium übrig

    Antwort auf "Was für ein Unsinn"
  5. 5. [...]

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik anhand sachlicher Argumente. Danke. Die Redaktion/ag

  6. dass jemand sein Gehalt besser findet, wenn das Grundgehalt deutlich niedriger, die minimale Prämie jedoch etwas höher ist.
    Das erscheint doch etwas weltfremd, oder verdienen Professoren, egal in welcher Zusammensetzung, alle so viel, dass es egal ist wie hoch die Gesamtsumme ist?

  7. Bitte schreiben Sie einen Artikel auf Basis sachlicher Argumente und verzichten Sie auf einfältige Pauschalierungen. Danke.
    (wird auch bald gelöscht, wetten?)

  8. Ist mir auch nicht ganz klar, wieso ein deutscher Prof in den USA über Zulagen klagt. War mir nicht mal bekannt, dass es die gibt. Ich bin auch Prof in den USA, und bei mir und den meisten anderen kommt es da primär darauf an, vor Stellenantritt ein gutes Gehalt auszuhandeln. Zulagen kann man (zumindest in den Naturwissenschaften) nur dadurch bekommen, dass man Drittmittel anschafft, mit denen man sein Gehalt aufbessern kann. Wer nach Anerkennung lechzt, muss halt publizieren und bekommt dann die Anerkennung von seinen peers, aber meines Wissens nicht über den Gehaltsbescheid.

    Wie die Zulagen in Deutschland bestimmt werden ist mir bis heute ein Rätsel.

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    • UCProf
    • 30. April 2012 21:04 Uhr

    Tja, das ist eben ein signifikanter Unterschied zwischen den Universitäten in USA, der Ihnen anscheinend nicht bewusst ist: an manchen gibt es (ausser den eventuell eingeworbenen Drittmittel) nur ein "cost of living adjustment" (Inflationsanpassung), wie auch in Deutschland üblich; an anderen, wie an den Staatsuniversitäten in meinem Bundesstaat (ich bin auch an einer solchen tätig), gibt es ein "step system", bei dem man in regelmässigen Abständen von inner- und ausserhalb des departments begutachtet wird, und wo dann das Gehalt entsprechend der im Begutachtungszeitraum gemachten Leistungen angepasst wird. Das ist ein sehr wichtiger Unterschied, den man (wenn man sich auf mehrere Unis in verschiedenen Staaten beworben hat) wissen sollte. Im Übrigen gilt in beiden Fällen, dass department head, dean, salary committee viel Spielraum haben, ausergewöhnliche wissenschaftliche Leistungen auch finanziell anzuerkennen (im Gegensatz zu Deutschland).

    • Mike M.
    • 02. Oktober 2012 16:57 Uhr

    ...über die Situation in Deutschland. Er ist Professor (Associate oder Full?) mitten in den USA und Autor dreier Büchlein, hat dafür ein recht gesundes Selbstbewusstsein ("Besten der Besten"). Wegen eines Buches oder einzelnen Evaluationen würde sich in Deutschland jedenfalls nichts am Gehalt ändern. Relevant sind auswärtige Rufe, Drittmitteleinwerbung etc. Ob das sinnvolle Kriterien sind, wage ich zu bezweifeln. Doch das geht wohl leider auch nicht anders, denn wer soll an der eigenen Uni seriös bewerten, ob z.B. das neue Buch etwas taugt?

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