Designtheorie: "Der Schreibtisch ist unsere Bühne"
Der Designtheoretiker Michael Erlhoff erforscht die Tische, an denen Menschen arbeiten. Ein Gespräch über Digital Natives und Tabletten im Büro
ZEIT CAMPUS: Wenn ich Ihnen den Schreibtisch meines neuen Kollegen beschreibe, sagen Sie mir dann, was für ein Mensch er ist?
Michael Erlhoff: Was steht denn drauf?
ZEIT CAMPUS: Ein Visitenkartenhalter. Und darüber hängt eine Weltkarte.
66, lehrt Designtheorie, ist Gründer der Köln International School of Design – und bekennender Genießer. Das Gespräch mit ZEIT Campus währte drei Espressi, fünf Zigarillos und eine Zigarre, Marke Cohiba
Erlhoff: Na, den kriegen Sie doch schnell auf die Reihe. Der will angeben und Ihnen zeigen, wie vernetzt und weltgewandt er ist.
ZEIT CAMPUS: Das klingt ein bisschen nach Küchenpsychologie.
Erlhoff: Mag sein. Aber nichts, was man auf einem Schreibtisch findet, liegt da zufällig. Der Tisch ist ja viel mehr als eine Arbeitsfläche.
ZEIT CAMPUS: Nämlich?
Erlhoff: Ein Ausstellungsraum, eine Bühne. Es ist wie mit der Kleidung: Die ist nicht nur dazu da, uns warm zu halten. Wir wollen den anderen damit etwas mitteilen. Wir rennen permanent als Kommunikationsmittel herum.
ZEIT CAMPUS: Sie zum Beispiel – schwarzes Sakko, knitteriges Hemd – was wollen Sie mir mitteilen?
Erlhoff: Dass ich ein legerer Typ bin und vielleicht ein bisschen eigen. Jeder macht das, und mit den Schreibtischen ist es ähnlich: Familienfotos stehen meist genau so, dass die Kollegen sie nicht übersehen können, vor allem, wenn die Kinder ganz süß aussehen. Das, was auf einem Bürotisch steht, bedeutet nichts anderes als: »Hey, ich wink dir zu!« Menschen wollen kommunizieren. Und vor allem wollen sie Macht und Status demonstrieren.
ZEIT CAMPUS: Wie machen sie das?
Erlhoff: Manche stellen ganz plump Trophäen auf – Mitarbeiter des Monats und so etwas. Manche legen scheinbar zufällig den Schlüssel ihres dicken Autos auf den Tisch. Und dann gibt es noch regelrechte Insignien der Macht. Ein Füllfederhalter zum Beispiel heißt: Meine Signatur ist von Bestand. Kugelschreiber sind was für Praktikanten. Chefschreibtische sind oft aus schwerem Metall, kantig und robust. Sie senden eine klare Botschaft: Ich bin unverrückbar, mit mir kann man nicht umgehen, wie es einem gerade passt.
ZEIT CAMPUS: Glauben Sie wirklich, jemand sagt: Seht her, ich hab einen kantigen Schreibtisch, ich bin ein kantiger Typ?
Erlhoff: Wir reden nicht von bewussten Mechanismen. Dieses Machtspiel ist subtil, viel weniger offensichtlich als früher. Bei der Schuhfirma Bata gab es in den zwanziger Jahren einen Chef, der stellte seinen Schreibtisch in einen umgebauten Fahrstuhl. Er fuhr durch die Etagen und – bling! – öffnete die Fahrstuhltür, um zu prüfen, ob seine Leute auch arbeiten. Später, in den Großraumbüros der Sechziger, gab es Bürovorsteher, die von einem erhöhten Schreibtisch aus den Raum kontrollierten.







Recht hat er, wenn es ums Nomadentum geht, wobei ich eher sagen würde, dass das Nomadentum keine Illusion ist. Nomaden ziehen auch notgedrungen weiter, um wieder eine Grundlage zu finden, in der sie ihre Familie und sich versorgen konnten, war diese dann verbraucht zogen sie weiter. Jetzt ist es so, dass wir die Versorgung in erster Linie an jedem Ort bekommen und nicht umherziehen müssen. Wir werden aber zunehmend zu Nomaden, wenn es darum geht, Geld zu verdienen, das wir für die Begleichung der Versorgungskosten brauchen. Ich denke Arbeit oder besser gesagt eine persönlich relevante Tätigkeit wird zum Lebensbestand der Persönlichkeit, darum wird auch der Begriff der Kreativität so wichtig. Wir erkennen, dass das Geld verdienen eine Sache ist, aber auch die eigene persönliche Gesundheit ein wichtiger Punkt ist. Einst hatten die Nomaden ihre Erfüllung in der Tätigkeit neue Ländereien zu suchen und die kurzzeitig zu bewirtschaften etc. Mit der Sesshaftigkeit und dem Entstehen von Märkten brach das weg. Ich denke, das Nomadentum innerhalb der Arbeitswelt, wird sich noch weiterentwickeln, um gesündere Formen anzunehmen. Und ja, dabei wird der Schreibtisch immer einer der wichtigen Basisquellen sein. Also lasst den Schreibtisch da wo er ist. Ich für meine Fälle habe immer das Problem, dass auf meinem Schreibtisch schnell ein Chaos ausbricht, dass nur ich verstehe.
...dann schreibt man so etwas.
Ein Schreibtisch ist ein Arbeitsplatz - Punkt. Da kann man noch so viel hinein-interpretieren, da ändert sich nichts daran.
Wenn "Zeugs" auf dem Schreibtisch herumliegt wird es entweder oft gebraucht, findet keinen Platz in der Schublade oder man ist zu faul aufzuräumen.
Und ja, mein Schreibtisch an der Uni ist leer - außer Tastatur, Maus und Bildschirm. Für ein Teesieb habe ich in der Schublade keinen Platz...
Und mit einem Füllfederhalter schreibe ich als PhD Student auch möglicherweise als einziger auf der Etage - im Studium nutze ich ebenfalls einen Füllfederhalter - auch für Notizen - demzufolge ist es nicht nur ein Chefschreibgerät.
Und um dem Autor noch schön Salz in die Augen zu reiben - ein Montblanc LeGrand ist es dazu auch noch.
(Ist an der Uni übrigens in meiner Hemdtasche)
...Schreibtischdeuten... das dürfte in die gleiche Kategorie wie Kaffeesatzlesen fallen. Aber wie gesagt, wenn man nicht weiss was man schreiben soll, dann schreibt man so etwas...
Auf meinem Schreibtisch sind (außer Docking-Station, Monitor, Tastatur und hin und wieder ein paar Ausdrucke) nur eine Kaffee-Tasse und eine Designer-Lampe, die mir ein Kollege hinterlassen hat und die ich nicht benutze. Zu was macht mich das jetzt?!
Schreibtischlampe, Monitor, Laptop, Tastatur, Maus, Telefon, Smartphone, zwei leere Gläser, leere Kaffeetasse, leere Müslischüssel, leerer Joghurtbecher.
Was sagt das über mich aus?
Ich bewege mich kaum vom Arbeitsplatz weg und ich habe Hunger und Durst.
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