USAVerhütung auf Knopfdruck

Eine amerikanische Uni verkauft die Pille danach im Automaten von Charlotte Potts

An einer Kleinstadt-Uni in den USA demonstrieren Konservative gegen einen alten Cola-Automaten. Denn der Getränkespender der Shippensburg University im Bundesstaat Pennsylvania führt seit zwei Jahren keine Softdrinks mehr, sondern Kondome, Schwangerschaftstests – und die »Pille danach«. Plan B heißt die Pille, sie kostet 25 Dollar, bezahlt wird bar oder mit Karte. In einer Befragung hatten sich 85 Prozent der 8.300 Studenten den Verhütungsmittelautomaten gewünscht, um Peinlichkeiten in der örtlichen Apotheke zu vermeiden.

Beschwert hat sich darüber bislang kaum jemand. Zugang zum Pillenspender haben nur Studenten über 17, dem gesetzlichen Mindestalter von Plan B. Außerdem sind die USA das Land der Verbraucherfreundlichkeit, auch Kopfschmerztabletten und Nasensprays kann man hier aus dem Automaten ziehen.

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Doch wegen der Wahlen im November machen Gegner von Barack Obama den Automaten zum Politikum. Was die Blechkiste mit dem Präsidenten zu tun hat? Obama plante, die Kosten für Verhütungsmittel auf die Krankenkassen zu übertragen. Dann wäre die Pille danach für Versicherte kostenlos.

ZEIT Campus 3/12
ZEIT Campus 3/12

Konservative werteten das als Angriff auf die christliche Moral. Als sie dann noch entdeckten, dass schon Studenten bequem an die Pille danach herangeführt werden, witterten sie eine Verschwörung der politischen und akademischen Eliten. Solchen Widerstand im Wahlkampfjahr konnte Obama sich nicht leisten. Sein Plan B: Er kippte das Vorhaben. Der Automat in Shippensburg bleibt aber stehen. 300- bis 400-mal kaufen Studenten dort jährlich ein. 

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Leserkommentare
  1. Natürlich sind die Konservativen dagegen. Gibt es etwas Vorhersehbareres als politische Ideologien im Allgemeinen und rechts-konservative Amerikaner im Speziellen?

  2. also echt.

  3. ...und das "in the home of the brave"?
    :-)

    Eine Leserempfehlung
  4. ... ist keine Spielzeug. Ich finde es ja schon traurig, dass in Deutschland Leute leben, die denken dass die Pille danach ein normales Verhütungsmittel sei. Sie greift in den Hormonhaushalt des Körpers ein und sollte daher nur in Apotheken erhältlich sein, zudem nur in Ausnahmefällen genommen werden. Ich verstehe es aber auch nicht, warum allgemein Medikamente außerhalb von Apotheken verkauft werden. Unabhängig davon was es ist.
    Wer nicht den Schneid hat, in einer Apotheke nach so etwas zu fragen, sollte es dann auch nicht bekommen. Zudem bekommt man die reguläre Pille ja auch vom Arzt verschrieben und kann sie gesellschaftlich akzeptiert ohne Probleme in der Apotheke bestellen. Mal abgesehen davon, dass nicht-hormonelle Verhütungsmittel z.T. ja auch anonym in gewissen Automaten verkauft werden...

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    Das Problem bei Ihrer Darstellung ist, dass es in den USA nicht unbedingt möglich ist, Verhütungsmittel "gesellschaftlich akzeptiert ohne Probleme in der Apotheke bestellen". Es gab in der letzten Zeit eine Reihe von Prozessen, bei denen es kurzgefasst darum ging, ob Apotheker gezwungen werden können, Verhütungsmittel oder die "Pille danach" zu verkaufen, selbst wenn sie der Ansicht sind, dass dies gegen ihre religiösen Überzeugungen verstößt - siehe z.B. dieser Artikel http://today.msnbc.msn.com/id/46485856/ns/today-relationships/t/judge-ru...

    Hierdurch kann der Zugang zu Verhütungsmitteln durchaus schwerer werden, als er hier in Deutschland ist.

    beeinflußt es jetzt den hormonhaushalt, ob die Pille
    in einer Apotheke ueber den Tresen gereicht wird oder aus einem Automaten plumpst.
    Eigentlich könnte es Automatenapotheken geben, wenn das dt. Gesundheitswesen in Sachen EDV nicht eine Generation hinter der allgemeinen Wirtschaft hinterher hinken wuerde.
    Der Patient steckt seine elektronische Gesundheitskarte mit
    von der Arzt-EDV verschluesselten Rezeptvermerk in den Apothekenautomaten - und das gewuenschte Medikament plumpst heraus.

  5. Das Problem bei Ihrer Darstellung ist, dass es in den USA nicht unbedingt möglich ist, Verhütungsmittel "gesellschaftlich akzeptiert ohne Probleme in der Apotheke bestellen". Es gab in der letzten Zeit eine Reihe von Prozessen, bei denen es kurzgefasst darum ging, ob Apotheker gezwungen werden können, Verhütungsmittel oder die "Pille danach" zu verkaufen, selbst wenn sie der Ansicht sind, dass dies gegen ihre religiösen Überzeugungen verstößt - siehe z.B. dieser Artikel http://today.msnbc.msn.com/id/46485856/ns/today-relationships/t/judge-ru...

    Hierdurch kann der Zugang zu Verhütungsmitteln durchaus schwerer werden, als er hier in Deutschland ist.

    Antwort auf "Die Pille danach..."
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    wenn ein Apotheker IN DEUTSCHLAND auf die Idee käme, aufgrund seiner Überzeugung ein bestimmtes Medikament nicht zu verkaufen, was dann pasasieren würde.

    Ich denke, das geht gar nicht, da zumindest im Kassensystem der Apotheker nur noch Durchreichfunktion hat und seine scheinbare Selbständigkeit nichts ist als eine lobbyistisch geförderte Einkommensgarantie - ein solcher Apotheker würde schlicht und einfach seine Verpflichtungen nicht erfüllen.

    Aber wenn man sich einen wirklich selbständigen Kleinunternehmer vorstellt: Dann WÄRE (Konjunktiv!) es tatsächlich dessen Privatentscheidung, was er verkauft und was nicht.

    Umgekehrt haben unsere Apotheker nicht mal die Freiheit, für ein falsch oder schlecht verschriebenes Medikament ein besseres vorzuschlagen. Ihre "Selbständigkeit" ist eine Farce, die uns "Kunden" jährlich Milliarden kostet.

    NOCH ZU DEN USA: zwar haben die Apotheker dort diese Freiheit, aber als Unternehmer sind die meisten schon aus ökonomischen Gründen daran interessiert, an sich doch gut gehende Verhütungsmittel zu verkaufen. Verweigerer dürften eher die Minderheit sein (zumal Kunden, die vom Händler mit moralischem Impetus abgelehnte Ware suchen, dann auch wegen aller anderen Produkte zu einem anderen Verkäufer gehen dürften - man will sich ja nicht als moralischen Übeltäter behandeln lassen).

    den Apotheker auf Unterhaltszahlung verklagen?

  6. wenn ein Apotheker IN DEUTSCHLAND auf die Idee käme, aufgrund seiner Überzeugung ein bestimmtes Medikament nicht zu verkaufen, was dann pasasieren würde.

    Ich denke, das geht gar nicht, da zumindest im Kassensystem der Apotheker nur noch Durchreichfunktion hat und seine scheinbare Selbständigkeit nichts ist als eine lobbyistisch geförderte Einkommensgarantie - ein solcher Apotheker würde schlicht und einfach seine Verpflichtungen nicht erfüllen.

    Aber wenn man sich einen wirklich selbständigen Kleinunternehmer vorstellt: Dann WÄRE (Konjunktiv!) es tatsächlich dessen Privatentscheidung, was er verkauft und was nicht.

    Umgekehrt haben unsere Apotheker nicht mal die Freiheit, für ein falsch oder schlecht verschriebenes Medikament ein besseres vorzuschlagen. Ihre "Selbständigkeit" ist eine Farce, die uns "Kunden" jährlich Milliarden kostet.

    NOCH ZU DEN USA: zwar haben die Apotheker dort diese Freiheit, aber als Unternehmer sind die meisten schon aus ökonomischen Gründen daran interessiert, an sich doch gut gehende Verhütungsmittel zu verkaufen. Verweigerer dürften eher die Minderheit sein (zumal Kunden, die vom Händler mit moralischem Impetus abgelehnte Ware suchen, dann auch wegen aller anderen Produkte zu einem anderen Verkäufer gehen dürften - man will sich ja nicht als moralischen Übeltäter behandeln lassen).

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    "Interessant wäre, wenn ein Apotheker IN DEUTSCHLAND auf die Idee käme, aufgrund seiner Überzeugung ein bestimmtes Medikament nicht zu verkaufen, was dann pasasieren würde."

    Also, wenn Ihren fiktiven Apotheker wegen eines Medikaments das Gewissen drücken würde, dann hat er viele Möglichkeiten:

    - Die vorausschauende Tour: er weiß, dass er als Apotheker gegen sein Gewissen verstossen würde und sucht sich deshalb einen anderen Beruf.

    - Die harte Tour: Er weigert sich im konkreten Fall, seinen Pflichten nachzukommen, wird verklagt und verliert (vermutlich nach längerem hin und her) seine Zulassung.

    - Die wirksame Tour: In den Fällen, die sein Gewissen belasten (z.B. Abgabe von "Pille danach") versucht er einfühlsam(!), auf andere, vorher wirksame Verhütungswege hinzuweisen.

    Der dritte Weg ist vermutlich der Schwierigste, man darf nicht in Bigoterie verfallen, muss schnell die richtigen Worte finden. Das wird sicher nicht immer funktionieren. Der Apothekter wird sicher praktisch nie eine positive Antwort bekommen. Aber er kann trotzdem Denkprozesse in Gang setzen.

  7. "Interessant wäre, wenn ein Apotheker IN DEUTSCHLAND auf die Idee käme, aufgrund seiner Überzeugung ein bestimmtes Medikament nicht zu verkaufen, was dann pasasieren würde."

    Also, wenn Ihren fiktiven Apotheker wegen eines Medikaments das Gewissen drücken würde, dann hat er viele Möglichkeiten:

    - Die vorausschauende Tour: er weiß, dass er als Apotheker gegen sein Gewissen verstossen würde und sucht sich deshalb einen anderen Beruf.

    - Die harte Tour: Er weigert sich im konkreten Fall, seinen Pflichten nachzukommen, wird verklagt und verliert (vermutlich nach längerem hin und her) seine Zulassung.

    - Die wirksame Tour: In den Fällen, die sein Gewissen belasten (z.B. Abgabe von "Pille danach") versucht er einfühlsam(!), auf andere, vorher wirksame Verhütungswege hinzuweisen.

    Der dritte Weg ist vermutlich der Schwierigste, man darf nicht in Bigoterie verfallen, muss schnell die richtigen Worte finden. Das wird sicher nicht immer funktionieren. Der Apothekter wird sicher praktisch nie eine positive Antwort bekommen. Aber er kann trotzdem Denkprozesse in Gang setzen.

    Antwort auf "Interessant wäre,"
    • JuWeL
    • 29. April 2012 12:27 Uhr

    So einfach an die Pille danach zu kommen, kann gerade bei Jugendlichen dazu führen, sorgloser bei der Verhütung zu sein.
    "Ich habe gerade kein Kondom dabei, Du?"
    "Nein, ich auch nicht, aber egal, ich hole mir dann die Pille danach."
    Dass diese aber keine Geschlechtskrankheiten verhindert, ist dann wahrscheinlich egal, Hauptsache keine Schwangerschaft.

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  • Schlagworte USA | Hochschule | Empfängnisverhütung | Verhütung
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